Fremdsprachen Das Geschäft mit den Sprachzertifikaten für Bewerber

Um die Englischkenntnisse zu belegen, fordern immer mehr Arbeitgeber teure Zertifikate von den Bewerbern. Aber nicht jeder Test wird auch akzeptiert.

Do you speak English? Die Lingua-Franca unserer Zeit beherrscht nicht jedermann. Aber jeder behauptet es. Wer im Lebenslauf unter dem Punkt "Sprachkenntnisse" allzu stark auftrumpft, droht spätestens beim Vorstellungsgespräch aufzufliegen. Wenn er bei einem global agierenden Konzern vom Personaler aus heiterem Himmel nach den Sprachfähigkeiten gefragt wird. Und das tun diese gerne auf Englisch. Blöd, wenn der Bewerber nur stotternd antwortet.

Es lohnt daher, sich vorher einige Gedanken dazu zu machen. Schließlich achten nach Angaben der Stiftung Warentest Personaler besonders oft darauf, dass die Bewerber die angegeben Sprachkenntnisse mit entsprechenden Zertifikaten belegen können. 59 Prozent von 150 befragten Personalverantwortlichen hielten das für wünschenswert, weitere 34 Prozent sehen laut Stiftung Warentest solche Nachweise als zwingend erforderlich an.

Anzeige

Bei zahlreichen Englisch-Sprachschulen im In- und im Ausland können Lernbegierige ihre Englisch-Kenntnisse messen. Sechs Anbieter von Englisch-Zertifikaten hat sich die Stiftung Warentest genauer angeschaut: Das British Council (IELTS-Zertifikate), London Chamber of Commerce and Industry (ELSA-Zertifikat), Pearson (PTE-Academic), University of Cambridge Esol Examinations (CPE-Zertifikate), Educational Testing Service (ETS, Toefl-Zertifikate) und telc.

Zertifikat ist nicht gleich Zertifikat

Welches Zertifikat angestrebt wird, sollte man maßgeblich davon abhängig machen, wo man sich befindet und welches Ziel man verfolgt: Möchte man sich bei einem neuen Arbeitgeber im Inland oder im englischsprachigen Ausland bewerben? Oder möchte man gar auswandern? In den USA oder im Vereinigten Königreich studieren? Unterschiedliche Ziele erfordern unterschiedliche Tests.

So verlangen viele Universitäten im englischsprachigen Ausland das Toefl IBT Zertifikat, mit einem Mindestniveau im Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen (GER), das seit 2001 in der EU zur Vergleichbarkeit von Sprachkenntnissen benutzt wird. So verlangt etwa manche englische Uni das GER-Niveau B1. Es ist daher wichtig, sich vorher genau zu informieren, welches Zertifikat von Bewerbern angefordert wird.

Außerdem ist es von Vorteil sein eigenes Sprachniveau zu prüfen – allein um festzustellen, welches GER-Niveau zutrifft. Am besten testet der Interessierte seine Fähigkeiten im Internet: Die Universität Lancaster bietet einen 45 minütigen kostenlosen Test an, ebenso das Britisch Council.

In einem zweiten Schritt steht die Entscheidung an, ob man innerhalb eines GER-Levels eine Zertifikatsprüfung machen möchte, oder ob die Prüfung ohne feste Niveaustufe ablaufen soll. Bei ersterem testet der Prüfling seine Kenntnisse innerhalb des entsprechenden Niveaus. Kann er die Aufgaben nicht lösen, fällt er durch und er bekommt das Zertifikat nicht.

Leser-Kommentare
  1. Englisch sollte heute doch jeder in der Schule Englisch lernen, oder? Und sollte der Schulabschluss nicht der entsprechende Nachweis sein? Immerhin lernt man da gut 7 Jahre lang Englisch.

    3 Leser-Empfehlungen
  2. Das CPE legitimiert jemanden, an einer englischspachigen Universität zu unterrichten, das spielt nun wirklich in einer ganz anderen Liga als TOEFL etc.

    2 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    > Das CPE legitimiert jemanden, an einer englischspachigen Universität zu unterrichten, das spielt nun wirklich in einer ganz anderen Liga als TOEFL etc.

    Ich habe noch nie davon gehoert, dass Lehrende an Universitaeten bei ihrer Anstellung nach Sprachzertifikaten gefragt werden. (Ich habe sowohl in den USA als auch im europaeischen Ausland an Universitaeten auf Englisch unterrichtet.) Und, ja, das fuehrt zur kuriosen Situation, dass die Studenten bessere Sprachkenntnisse nachweisen muessen als ihre Lehrer.

    > Das CPE legitimiert jemanden, an einer englischspachigen Universität zu unterrichten, das spielt nun wirklich in einer ganz anderen Liga als TOEFL etc.

    Ich habe noch nie davon gehoert, dass Lehrende an Universitaeten bei ihrer Anstellung nach Sprachzertifikaten gefragt werden. (Ich habe sowohl in den USA als auch im europaeischen Ausland an Universitaeten auf Englisch unterrichtet.) Und, ja, das fuehrt zur kuriosen Situation, dass die Studenten bessere Sprachkenntnisse nachweisen muessen als ihre Lehrer.

  3. Dann soll die Fachabteilung doch das Vorstellungsinterview auf englisch führen.
    Und dabei gleich erfahren, ob der künftige Betriebsingenieur auch weiß was lathing, grinding, drilling, honing und cutting ist.
    Schließlich sollen die Leute ja Fachgespräche führen können.
    Und das gibt so ein Zertifikat definitiv wenig her.

    Und bitte nicht vergessen: das im internationalen Vergleich eher schlechte Englisch der deutschen Manager sind einer der Gründe für die guten Exporterfolge in Südamerika und Asien.
    Die Deutschen sprechen ein idiomfreies, langsames und primitives Englisch - und werden von den non native speakers der Gegenseite sehr gut verstanden. Und schon gibts Umsatz.

    2 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • tinnef
    • 07.10.2012 um 13:02 Uhr

    sie schnell in Schwierigkeiten kommen, wenn sie sich mit Anglos aus Canada, GB und Australien unterhalten, sage nur Textilindustrie oder Landwirtschaft. Da es selbst bei Fachtermini Unterschiede gibt, und wenn man Geschäfte machen will, ist der Small Talk wichtiger und auch darauf bereiten einen, so glaube ich, die Zertifikate nicht vor.

    @Thema
    Finde den Titel gut "das Geschäft", leider wird irgendwie darauf nicht eingegangen, dass es Geldschneiderei ist.
    Ist mMn aber wieder typsich dt., habe in Canada noch nie jemanden gehört, der als Allophon ein Zertifikat vorlegen musste. Selbst im ÖD dort sind Tests erst ab höheren Ebenen notwendig, aber dort auch für alle Anglos, Francos und Allos.
    Was machen eigentlich Bewerber, die Jahrzehnte lang in einem englischsprachigen Land gelebt und gearbeitet haben, und kein Zertifikat nachweisen können, werden die gleich aussortiert. Würde mich nicht wundern.

    • tinnef
    • 07.10.2012 um 13:02 Uhr

    sie schnell in Schwierigkeiten kommen, wenn sie sich mit Anglos aus Canada, GB und Australien unterhalten, sage nur Textilindustrie oder Landwirtschaft. Da es selbst bei Fachtermini Unterschiede gibt, und wenn man Geschäfte machen will, ist der Small Talk wichtiger und auch darauf bereiten einen, so glaube ich, die Zertifikate nicht vor.

    @Thema
    Finde den Titel gut "das Geschäft", leider wird irgendwie darauf nicht eingegangen, dass es Geldschneiderei ist.
    Ist mMn aber wieder typsich dt., habe in Canada noch nie jemanden gehört, der als Allophon ein Zertifikat vorlegen musste. Selbst im ÖD dort sind Tests erst ab höheren Ebenen notwendig, aber dort auch für alle Anglos, Francos und Allos.
    Was machen eigentlich Bewerber, die Jahrzehnte lang in einem englischsprachigen Land gelebt und gearbeitet haben, und kein Zertifikat nachweisen können, werden die gleich aussortiert. Würde mich nicht wundern.

  4. Für welche Berufsgruppen gilt denn das mit diesen Zertifikaten? Ich arbeite in der Grundlagenforschung, und dort ist englisch die Arbeitssprache. Ohne die geht es einfach nicht, da die Fachliteratur fast ausschließlich in englischer Sprache veröffentlicht wird. Da ist von vornherein klar, dass es ohne nicht geht. Zertifikate sind da überflüssig.

    Für mich klingt das nach Geldmacherei. Wenn ein Unternehmen Fremdsprachen als Voraussetzung für eine Bewerbung angibt, dann sollte diese Sprache doch von so zentraler Wichtigkeit sein, dass dieses Unternehmen selbst personell in der Lage sein sollte, den jeweiligen Kandidaten kurz zu testen, oder das Bewerbungsgespräch gleich in der Fremdsprache abzuhalten. Zudem wird in diesen Fällen oft erwartet, dass die Bewerbung ebenfalls in dieser Fremdsprache verfasst wird.

    2 Leser-Empfehlungen
    • tinnef
    • 07.10.2012 um 13:02 Uhr

    sie schnell in Schwierigkeiten kommen, wenn sie sich mit Anglos aus Canada, GB und Australien unterhalten, sage nur Textilindustrie oder Landwirtschaft. Da es selbst bei Fachtermini Unterschiede gibt, und wenn man Geschäfte machen will, ist der Small Talk wichtiger und auch darauf bereiten einen, so glaube ich, die Zertifikate nicht vor.

    @Thema
    Finde den Titel gut "das Geschäft", leider wird irgendwie darauf nicht eingegangen, dass es Geldschneiderei ist.
    Ist mMn aber wieder typsich dt., habe in Canada noch nie jemanden gehört, der als Allophon ein Zertifikat vorlegen musste. Selbst im ÖD dort sind Tests erst ab höheren Ebenen notwendig, aber dort auch für alle Anglos, Francos und Allos.
    Was machen eigentlich Bewerber, die Jahrzehnte lang in einem englischsprachigen Land gelebt und gearbeitet haben, und kein Zertifikat nachweisen können, werden die gleich aussortiert. Würde mich nicht wundern.

    2 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Unverständlich"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Hallo tinnef,
    .
    wenn Bewerber mit guten Englischkenntnissen wegen eines fehlenden Zertifikats aussortiert werden, dann lässt sich auf Seiten der Arbeitgeber eine elitäre Abschottungshaltung vermuten.
    .
    Das funktioniert dann vielleicht wie bei der Auswahl von Software-Spezialisten: Da kommt es nicht drauf an, wie gut einer die gängigen Software-Pakete beherrscht, sondern nur darauf, wie teuer die Kurse waren, die er besucht hat.
    .
    Wer Software mit teuren Lizenzgebühren beherrscht, schießt den Vogel ab.

    Ich bin in D geboren und aufgewachsen. Bin vor 44 Jahren nach Australien ausgewandert habe dort als Erwachsener das Abitur gemacht durch eine Abendschule und dann auf der Universitaet studiert.

    Ich bin der Meinung das in D das Hoch Deutsch zu erhalten ist wichtiger ist als Eenglisch zu lernen.

    Wenn ich den Spiegel oder die Zeit lese graut es mir meistens.

    Die Uebernahme von verdeutschten Englischen Woerter ist grausam zu lesen. Ich vesuche es gar nicht diese Woerter auszusprechen weil es sich so bloed anhoert.

    Es ist schlimmer als Kauderwelsch (das war mal ein deutsches Wort fuer Ausprachen die unverstaendlich sind).

    Ich nenne diese Woerter vergurktes English.

    Wenn man ein Wort von einer anderen Sparache uebernehmen will ist es besser das ganze Wort zu uebernehmen wie es geschrieben ist und ausgesprochen wird.

    Es gibt ein paar deutsche Woerter die man in Englisch spechenden Laendern benutzt. Die sind alle voll uebernommen worden, in Schrift und Aussprache. Zum Beispiel, Schadenfreude, Zeitgeist, Verboten, um ein paar zu nennen.

    Die Buchstabierung und Ausprache von vielen Woertern ist verschiedlich in Englisch sprechenden Laendern.

    Es gibt ja kein High English.

    Z.B. US Englisch.
    Wenn ich fuer das Wort job es als jaab anhoeren muss da stehen mir die Haare auf dem Kopf (und ich habe nicht mehr viele).

    Englisch zu sprechen ist fuer viele kein Problem.

    Englisch zu verstehen das von Menschen verschiedener Herkunft gesprochen wird ist viel schwieriger.

    Hallo tinnef,
    .
    wenn Bewerber mit guten Englischkenntnissen wegen eines fehlenden Zertifikats aussortiert werden, dann lässt sich auf Seiten der Arbeitgeber eine elitäre Abschottungshaltung vermuten.
    .
    Das funktioniert dann vielleicht wie bei der Auswahl von Software-Spezialisten: Da kommt es nicht drauf an, wie gut einer die gängigen Software-Pakete beherrscht, sondern nur darauf, wie teuer die Kurse waren, die er besucht hat.
    .
    Wer Software mit teuren Lizenzgebühren beherrscht, schießt den Vogel ab.

    Ich bin in D geboren und aufgewachsen. Bin vor 44 Jahren nach Australien ausgewandert habe dort als Erwachsener das Abitur gemacht durch eine Abendschule und dann auf der Universitaet studiert.

    Ich bin der Meinung das in D das Hoch Deutsch zu erhalten ist wichtiger ist als Eenglisch zu lernen.

    Wenn ich den Spiegel oder die Zeit lese graut es mir meistens.

    Die Uebernahme von verdeutschten Englischen Woerter ist grausam zu lesen. Ich vesuche es gar nicht diese Woerter auszusprechen weil es sich so bloed anhoert.

    Es ist schlimmer als Kauderwelsch (das war mal ein deutsches Wort fuer Ausprachen die unverstaendlich sind).

    Ich nenne diese Woerter vergurktes English.

    Wenn man ein Wort von einer anderen Sparache uebernehmen will ist es besser das ganze Wort zu uebernehmen wie es geschrieben ist und ausgesprochen wird.

    Es gibt ein paar deutsche Woerter die man in Englisch spechenden Laendern benutzt. Die sind alle voll uebernommen worden, in Schrift und Aussprache. Zum Beispiel, Schadenfreude, Zeitgeist, Verboten, um ein paar zu nennen.

    Die Buchstabierung und Ausprache von vielen Woertern ist verschiedlich in Englisch sprechenden Laendern.

    Es gibt ja kein High English.

    Z.B. US Englisch.
    Wenn ich fuer das Wort job es als jaab anhoeren muss da stehen mir die Haare auf dem Kopf (und ich habe nicht mehr viele).

    Englisch zu sprechen ist fuer viele kein Problem.

    Englisch zu verstehen das von Menschen verschiedener Herkunft gesprochen wird ist viel schwieriger.

  5. Am besten ist es, wenn man sich bei so einer Firma vorstellt, nach den ersten paar Minuten (Wer sind wird, was machen wir,..namen etc.) einfach auf englisch drauf loszureden :)

    Die langen Gesichter der Personaler bzw. dem Chef wird man nicht so schnell vergessen.

    Ebenfalls bereiten sich viele Personaler auf solche Bewerbungsgespräche stets vor, bzw. haben unzählige bereits geführt. Die meisten stellen auswenig gelernet fragen und warten drauf, wie die antwort ausgesprochen wird und ob in dieser ein gewisses keyword (signalwort) vorkommt, aufgrund dessen sie dann die Sprachkenntnisse bewerten.

    Wie gesagt, am besten selbst gleich drauf losreden und staunen.
    Angriff ist die beste Verteidigung

    2 Leser-Empfehlungen
    • tobmat
    • 08.10.2012 um 13:02 Uhr

    Ich wurde noch nie nach einem Zertifikat gefragt. Was mir aber regelmäßig passiert ist, dass ich explizit nach meinen Sprachfertigkeiten gefragt wurde oder ein Teil des Gesprächs in Englisch war, im Arbeitsalltag English aber überhaupt keine Rolle spielte.

    2 Leser-Empfehlungen
  6. Es soll auch vorkommen, dass ein Chef teure Zertifikate verlangt,
    ohne selbst die geringste Ahnung von Fremdsprachen zu haben.
    Das sind aber in d.R. auch die "Buden" in denen die Sekretärin die
    Buchhaltung mit erledigen muss...

    Eine Leser-Empfehlung

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service