Als 19-Jähriger betrieb ich Leistungssport – ich ruderte im Zweier mit Günther Bauer, der später dm-drogerie markt in Österreich aufgebaut hat. Als wir den Deutschen Jugendmeistertitel im Doppelzweier gewannen, interessierten sich auf einmal die Vereinsfunktionäre für uns. Plötzlich wollten viele Vereinsmitglieder mit uns zur Regatta fahren, vorher hatte das niemanden interessiert. Damals habe ich unterschwellig gemerkt, dass niemand tatsächlich an uns interessiert war. Wir waren nur Mittel, der Zweck war der Ruhm des Vereins.

Dieses Erlebnis hat mich geprägt. Es führte zu der Erkenntnis, dass der Mensch stets Zweck sein muss und nie Mittel. Das gilt nicht nur im Sport, sondern auch für die Wirtschaft. Denn ohne Menschen gäbe es keine Wirtschaft, also ist die Wirtschaft das Mittel und der Mensch der Zweck. Das ist kein Wunschdenken. Die gesellschaftliche Realität ist die, dass wir kein Kollektiv in den Mittelpunkt stellen, sondern den Einzelnen. So steht es ja auch in Artikel 1 im Grundgesetz: "Die Würde des Menschen ist unantastbar."

Wenn sich unsere Gemeinschaft darüber definiert, dass sich der Einzelne entwickeln kann, dann ist es notwendig zu fragen: Was entspricht denn dem Einzelnen? Wo kommt er her, wo will er hin?

Das Unternehmen als Lebensschauplatz

Diese Frage muss sich auch jeder Unternehmer stellen. Er muss nicht nur seine Kunden verstehen, sondern alle beteiligten Menschen. Dazu gehören seine Mitarbeiter, seine Kunden und auch seine Partner wie Vermieter oder Lieferanten.

Wer die Frage nach dem Warum und Wozu stellt und die Bedürfnisse der Menschen im Blick hat, erkennt: Ein Unternehmen stellt für jeden Beteiligten einen Lebensschauplatz dar, der ihn dabei unterstützen sollte, sich seiner selbst bewusst zu werden und seine Lebensbiografie zu gestalten.

Diese Erkenntnis ist wesentlich, wenn es um die Frage geht, wie Mitarbeiterführung gestaltet werden sollte. Die Aufmerksamkeit für diese Frage wird befeuert durch Entwicklungen wie Burn-Out-Fälle, Fachkräftemangel oder die immer schwerwiegenderen Folgen eines Imageverlustes aufgrund eines repressiven Umgangs mit Mitarbeitern.

Umzudenken ist nötig. Denn die tradierten Vorstellungen von Personalführung passen nicht mehr mit der Realität zusammen.