Martin Suter"Für Manager ist Urlaub ein hartes Los"

Wenn Führungskräfte im Urlaub nicht abschalten können, ist das oft Selbstinszenierung, sagt der Schriftsteller Martin Suter im Interview. Sie fürchten, ersetzbar zu sein.

Frage: Herr Suter, eine neue Studie zeigt, dass jeder zweite Deutsche in den Ferien arbeitet. In der Schweiz oder in Frankreich soll es nicht viel anders sein. Von Abschalten will man in Mitteleuropa offenbar nichts wissen – haben wir das Urlauben verlernt?

Martin Suter: Es scheint so. Denn wenn man bedenkt, dass Bäcker und Gärtner, Kranführer und Schaffner den Urlaub gar nicht zur Arbeit nutzen können, dann heißt das ja: So gut wie alle Büroleute arbeiten im Urlaub. Aber solche Umfragen sind natürlich mit Vorsicht zu genießen. Womöglich sind die Befragten nicht ganz ehrlich und wollen fleißiger erscheinen, als sie sind.

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Frage: Dass es Leute gibt, denen es Spaß macht, auch im Urlaub zu arbeiten, schließen Sie aus?

Suter: Nein, die gibt es bestimmt, zum Beispiel Verlagslektoren, die im Urlaub endlich dazu kommen, die Bücher anderer Verlage zu lesen. Oder Schriftsteller, die sich zwischendurch Notizen machen für ihren nächsten Roman. Womöglich auch Manager, die beim Whisky in der Hotelbar Pläne schmieden für die anstehenden Restrukturierungsmaßnahmen. Aber in diesen Fällen ist die Liebe zur Arbeit meist nicht das entscheidende Motiv.

Frage: Sondern?

Suter: Das Prestige. Wie die 60- oder 70-Stunden-Woche gehört in manchen Kreisen die permanente Verfügbarkeit via Smartphone oder Laptop zum guten Ton. Gerade im mittleren Management findet man viele, die sich für unentbehrlich halten und deshalb unentwegt Arbeit vorschützen. Man tut so als ob, spielt den Hochleistungshelden – und hält auch in den Ferien fleißig den Kontakt zum Back-Office. Allerdings gibt es da Grenzen: Wer zu viel arbeitet in den Ferien, zeigt damit nur, dass er schlecht organisiert ist. Ein bisschen Arbeit, sagen wir: ein, zwei Stunden am Tag, stärkt dagegen das Image.

Martin Suter
Martin Suter

Martin Suter ist ein Schweizer Schriftsteller und Autor. 

Frage: In Ihren Kolumnen über die "Business Class" sprechen Sie ironisch vom "Lichterwettbewerb der oberen Kader: Wessen Licht geht zuletzt aus?", auch von "Überlastung als untrüglichstem Zeichen von Unersetzlichkeit". Ist das Leistungsethos des Managements nichts als Show?

Suter: Meine Kolumnen leben natürlich von der satirischen Überspitzung und Verallgemeinerung. Es gibt sicher unzählige Manager, auf die meine Beobachtungen überhaupt nicht zutreffen. Die hart arbeiten und den Urlaub wirklich zur Entspannung nutzen. Aber es kann nicht Aufgabe der Satire sein, die Vorbilder in die Pfanne zu hauen. Sie muss die typischen Ticks und Marotten der Manager aufs Korn nehmen. Auch ihre Moden: Erst prahlen sie mit Stress und Schlafmanko, dann kultivieren sie das Burn-out, schließlich entdecken sie die Quality-Time im Urlaub und brechen ihn trotzdem aus fadenscheinigen Gründen ab. Das fand ich alles immer ziemlich lustig.

Frage: Manche Ihrer Helden vermitteln den Eindruck, als würden sie am liebsten ganz auf den Urlaub verzichten. Was ist für den Manager so abschreckend an einer dreiwöchigen Auszeit in den Bergen?

Suter: Die Vorstellung, dass man nicht mehr im Mittelpunkt der Party steht. Dass man nicht gebraucht wird. Dass die Firma auch ohne einen gut zurechtkommt. Vielleicht sogar besser. Plötzlich könnten die Kollegen ja herauskriegen, dass man gar nicht so wichtig ist, wie man gern vorgibt oder sich einbildet. Da spielt immer auch die Angst vor der Konkurrenz im eigenen Haus hinein: Was passiert, wenn mein Revier von einem anderen Rüden markiert wird? Außerdem kann Urlaub für einen Top-Entscheider stressiger sein als der stressigste Job. Vor allem, wenn er mit der Familie unterwegs ist.

Frage: Weil er dann zum Familienvater degradiert wird und das alltägliche Chaos des Familienlebens ertragen muss?

Suter: Ja, er erlebt den Familienurlaub als Kontrollverlust. Die Familie verlangt von ihm ein ganz anderes Rollenverhalten als die Chefetage. Plötzlich muss er auf seine Frau Rücksicht nehmen, soll seine Kinder, die ihn wie einen halbfremden Menschen ansehen, in seine Entscheidungen einbeziehen, darf nicht mehr Chef spielen. Und wenn er es doch tut, hängt der Haussegen gleich schief. Natürlich kann er nebenbei noch die eine oder andere Entscheidung treffen, die sich partout nicht delegieren lässt, aber es fehlt ihm doch etwas ganz Wesentliches – das große Publikum. Vergessen wir nicht: Der Manager ist immer auch Manager-Darsteller, er braucht den Applaus seiner Bewunderer, den Neid seiner Gegner. Auf beides muss er im Urlaub verzichten. Ein hartes Los.

Leserkommentare
    • yeksaa
    • 15.08.2012 um 10:33 Uhr
    1. Claro,

    handelt es sich um Selbstinszenierung.
    Man muss keine Fachkenntnisse besitzen, um die angezüchteten Attribute dieser Herrschaften zu interpretieren - diese nehmen sich selbst zu wichtig!

    Eine Leserempfehlung
  1. "Das Prestige. Wie die 60- oder 70-Stunden-Woche gehört in manchen Kreisen die permanente Verfügbarkeit via Smartphone oder Laptop zum guten Ton. "

    "Plötzlich muss er auf seine Frau Rücksicht nehmen, soll seine Kinder, die ihn wie einen halbfremden Menschen ansehen, in seine Entscheidungen einbeziehen, darf nicht mehr Chef spielen. "

    ... selbst schuld.
    nebenbei:
    nur dienstboten müssen immer erreichbar sein.

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  2. 3. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik und äußern Ihre Kritik sachlich. Danke, die Redaktion/ls

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    Warum plappern Sie dieses Geschwätz von "Den" Managern einfach unreflektiert nach? Sind auch Sie nicht zu einer differenzierten Sichtweise fähig?

    Ich kenne genauso viele Handwerker, die Tag und Nacht arbeiten (oftmals schwarz am Abend und am WE), wie ich auch Manager kenne, die 6 Monate Elternzeit nehmen und um 6 Feierabend machen.

    "Die" Frauen, "die" Juden, "die Manager", "die" Forumsteilnehmer .... der Artikel ist genauso sinnlos wie die Kommentare 1 und 2. Schubladendenken aus dem Lehrbuch.

    Hut ab vor diesem tollen Autor!

    Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Danke, die Redaktion/mk

    Warum plappern Sie dieses Geschwätz von "Den" Managern einfach unreflektiert nach? Sind auch Sie nicht zu einer differenzierten Sichtweise fähig?

    Ich kenne genauso viele Handwerker, die Tag und Nacht arbeiten (oftmals schwarz am Abend und am WE), wie ich auch Manager kenne, die 6 Monate Elternzeit nehmen und um 6 Feierabend machen.

    "Die" Frauen, "die" Juden, "die Manager", "die" Forumsteilnehmer .... der Artikel ist genauso sinnlos wie die Kommentare 1 und 2. Schubladendenken aus dem Lehrbuch.

    Hut ab vor diesem tollen Autor!

    Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Danke, die Redaktion/mk

  3. Die Wahrheit ist, sie sind ersetzbar und manches Team funktioniert deutlich besser, wenn der Manager weg ist.

    6 Leserempfehlungen
  4. Warum plappern Sie dieses Geschwätz von "Den" Managern einfach unreflektiert nach? Sind auch Sie nicht zu einer differenzierten Sichtweise fähig?

    Ich kenne genauso viele Handwerker, die Tag und Nacht arbeiten (oftmals schwarz am Abend und am WE), wie ich auch Manager kenne, die 6 Monate Elternzeit nehmen und um 6 Feierabend machen.

    "Die" Frauen, "die" Juden, "die Manager", "die" Forumsteilnehmer .... der Artikel ist genauso sinnlos wie die Kommentare 1 und 2. Schubladendenken aus dem Lehrbuch.

    Hut ab vor diesem tollen Autor!

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    Antwort auf "[...]"
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    vielleicht sollte man besser manager ersetzen mit "jeder, der meint unersetzlich zu sein und irrsinnigerweise stolz darauf ist, sein leben zu verpassen, weil er 60 stunden die woche arbeitet".
    in der tat kommen die überall vor.

    vielleicht sollte man besser manager ersetzen mit "jeder, der meint unersetzlich zu sein und irrsinnigerweise stolz darauf ist, sein leben zu verpassen, weil er 60 stunden die woche arbeitet".
    in der tat kommen die überall vor.

  5. 6. [...]

    Entfernt. Bitte äußern Sie Kritik sachlich und respektvoll. Danke, die Redaktion/mk

  6. Zitat:

    "Frage: Dass es Leute gibt, denen es Spaß macht, auch im Urlaub zu arbeiten, schließen Sie aus?

    Suter: Nein, die gibt es bestimmt, zum Beispiel Verlagslektoren, die im Urlaub endlich dazu kommen, die Bücher anderer Verlage zu lesen. Oder Schriftsteller, die sich zwischendurch Notizen machen für ihren nächsten Roman. Womöglich auch Manager, die beim Whisky in der Hotelbar Pläne schmieden für die anstehenden Restrukturierungsmaßnahmen. Aber in diesen Fällen ist die Liebe zur Arbeit meist nicht das entscheidende Motiv."

    Aha, Autore lesen also, und Manager trinken Whisky und überlegen sich, wie man Leute rauswirft (Äh, "restrukturiert")? Und das soll keine Polemik sein, sondern differenzierter Journalismus?

    Vor allem sind auch Journalisten ständig erreichbar. Der Handel mit brandaktuellen Informationen ist deren Beruf. Ich arbeite mit mehreren Journalisten zusammen, die sterts erreichbar sind, gerne auch im Urlaub, und zwar ohne "Manager" zu sein. Die Managern hier polemisch schlecht zu machen und sie pauschal als schlechte Väter hinzustellen, halte ich für eine Frechheit.

    Wenn der Autor glaubt, Gärtner würden im Urlaub gar nicht arbeiten können, antworte ich: In der Schweiz vielleicht. Zumindest von den Gärtnern aus meinem Freundeskreis wird der Urlaub gerne genutzt, um (schwarz) zu arbeiten, damit endlich Geld in die Familienkasse kommt.

    PS: Das ZEIT-Abo ist nun gekündigt, vielen Dank an die Redaktion für die Kritikfähigkeit der eigenen Kaste.

    2 Leserempfehlungen
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    Was für ein profunder Kommentar, ngobiyane!

    Ist es Absicht, dass Sie dem Autor, also dem Interviewer Antworten des Interviewten zum Vorwurf machen?

    Wieso werfen Sie dem Autor undifferenzierten Journalismus vor, weil der von ihm interviewte Martin Suter gesagt hat, dass im Urlaub womöglich Manager beim Whisky in der Hotelbar Pläne schmieden für die anstehenden Restrukturierungsmaßnahmen?

    Auch verwundert, warum Sie das Bedürfnis haben darauf hinweisen, dass auch viele Journalisten ständig erreichbar sind, gerne auch im Urlaub. Wie sich aus dem Artikel ergibt, ist Martin Suter ein satirischer Kolumnist, der sich darauf "spezialisiert" hat, einen bestimmten Typus von Managern zu karikieren, auf's Korn zu nehmen.

    Wieso werfen Sie es dem Autor vor, dass der von ihm interviewte Martin Suter gesagt hat, Bäcker, Gärtner, Kranführer und Schaffner könnten den Urlaub gar nicht zur Arbeit nutzen?
    Und was soll Ihr Hinweis, dass Sie einen Gärtner kennen, der im Urlaub schwarzarbeitet? Ich will es mal so sagen: Wie soll ein Schaffner im Urlaub als Schaffner schwarzarbeiten? Es dürfte doch ausreichend klar sein, dass Suter sagt, dass Nicht-Büroarbeiter, die Urlaub machen, womit man meist Verreisen meint, schwerlich Arbeit mitnehmen können. Ein Gärtner kann ja wohl kaum Arbeit mit in den Mittelmeerurlaub nehmen.

    Leider ist bald die Zeichenbegrenzung erreicht ... Daher schlage ich vor, lesen Sie den Artikel nochmal, diesmal aber sorgfältig, und dann nochmal Ihre "profunde" Kritik ...

    Was für ein profunder Kommentar, ngobiyane!

    Ist es Absicht, dass Sie dem Autor, also dem Interviewer Antworten des Interviewten zum Vorwurf machen?

    Wieso werfen Sie dem Autor undifferenzierten Journalismus vor, weil der von ihm interviewte Martin Suter gesagt hat, dass im Urlaub womöglich Manager beim Whisky in der Hotelbar Pläne schmieden für die anstehenden Restrukturierungsmaßnahmen?

    Auch verwundert, warum Sie das Bedürfnis haben darauf hinweisen, dass auch viele Journalisten ständig erreichbar sind, gerne auch im Urlaub. Wie sich aus dem Artikel ergibt, ist Martin Suter ein satirischer Kolumnist, der sich darauf "spezialisiert" hat, einen bestimmten Typus von Managern zu karikieren, auf's Korn zu nehmen.

    Wieso werfen Sie es dem Autor vor, dass der von ihm interviewte Martin Suter gesagt hat, Bäcker, Gärtner, Kranführer und Schaffner könnten den Urlaub gar nicht zur Arbeit nutzen?
    Und was soll Ihr Hinweis, dass Sie einen Gärtner kennen, der im Urlaub schwarzarbeitet? Ich will es mal so sagen: Wie soll ein Schaffner im Urlaub als Schaffner schwarzarbeiten? Es dürfte doch ausreichend klar sein, dass Suter sagt, dass Nicht-Büroarbeiter, die Urlaub machen, womit man meist Verreisen meint, schwerlich Arbeit mitnehmen können. Ein Gärtner kann ja wohl kaum Arbeit mit in den Mittelmeerurlaub nehmen.

    Leider ist bald die Zeichenbegrenzung erreicht ... Daher schlage ich vor, lesen Sie den Artikel nochmal, diesmal aber sorgfältig, und dann nochmal Ihre "profunde" Kritik ...

  7. 8. [...]

    Entfernt. Kritik an der Moderation richten Sie gerne an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/ls

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