Multitasking soll die Effizienz und Produktivität steigern, tatsächlich führt die gleichzeitige Arbeit an mehreren Aufgaben jedoch zu einem erheblichen Konzentrations- und Leistungsverlust . Ein Beispiel: Telefonieren und Auto fahren. Soll man ohnehin nicht tun, jedenfalls nicht ohne Freisprechanlage. Was jedem einleuchtet, haben US-Forscher der Universität Utah in einem Test überprüft. Die Versuchspersonen saßen am Steuer eines Fahrsimulators und sollten während des Fahrens telefonieren, in einem weiteren Versuch sollten sie auch noch eine SMS verfassen. Das Ergebnis: Ihre Leistungsfähigkeit sank um mindestens 40 Prozent. Gleichzeitig erhöhten sich die Stress-Werte der Probanden erheblich. Die Fehlerquote war ähnlich hoch wie sonst nur bei betrunkenen Fahrern mit einem Promillewert von 0,8.

Eine weitere Studie testete die Multitasking- Fähigkeit von Havard-Studenten . Auch hier waren die Ergebnisse schlecht: Obwohl ausschließlich begabte und sogar einige hochbegabte Studierende unter den Probanden waren, fiel ihre Gedächtnisleistung teilweise auf die von achtjährigen Kindern ab. Manche Forscher nehmen sogar an, dass Multitasking den IQ senkt. Macht es also dumm?

Es macht zumindest nicht effizienter, produktiver oder leistungsfähiger. Neurowissenschaftler und Arbeitspsychologen haben das Phänomen über Jahre untersucht. Ihr Fazit: Neurobiologisch gibt es gar kein Multitasking . Das Gehirn kann sich nur auf eine, maximal zwei komplexe Tätigkeiten gleichzeitig konzentrieren, wie die französischen Wissenschaftler Sylvain Charron und Etienne Koechlin herausgefunden haben .

Das Gehirn wechselt einfach nur rasant hin und her

Musik hören und dabei den Gedanken freien Lauf lassen – das mag noch funktionieren. Wer aber ein Telefonat führt und gleichzeitig mitschreibt, tut nicht wirklich beides zur selben Zeit. Vielmehr wechselt das Hirn rasant zwischen beiden Tätigkeiten hin und her. Das Ergebnis: Man bekommt nur die Hälfte mit.

Dass Multitasking zu einem Leistungsabfall führt, untermauert eine weitere Studie . Forscher der Universität Stanford ließen zwei Gruppen gegeneinander antreten: Die einen waren es ohnehin gewohnt, viele Tätigkeiten gleichzeitig in ihrem Job auszuführen. Die andere hatten weniger Erfahrungen im Multitasking. Beide Gruppen bekamen verschiedene Aufgaben, die sie gleichzeitig ausführen mussten. Und diejenigen, die im Multitasking weniger geübt waren, schnitten besser ab: Diesen Probanden fiel es nämlich leichter, relevante von nicht relevanten Informationen zu unterscheiden.

Gleichzeitigkeit ist nur begrenzt trainierbar

Wie kann das sein, wo doch bekannt ist, dass wir nur einen Bruchteil unseres Gehirns nutzen? Neurowissenschaftler verweisen auf die Funktion des Arbeitsgedächtnis. Wenn wir uns auf eine Sache konzentrieren, werden andere Sinneswahrnehmungen ausgeblendet. So ist es problemlos möglich, zu bügeln und dabei zu telefonieren. Die eine Tätigkeit wird quasi ausgeblendet oder läuft als Routine automatisch ab. Kommt aber eine weitere komplexe Aufgabe dazu, sinkt die Hirnleistung drastisch. Dann wechselt das Gehirn rasant zwischen den Aufgaben hin und her. Eine Fähigkeit, die auch vom Alter abhängt: Kinder und Senioren haben bei diesem Wechsel größere Schwierigkeiten.

Das Erstaunliche an unserem Gehirn ist aber, dass seine Leistungsfähigkeit trainierbar ist. Somit lässt sich auch das Multitasking üben.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung von Neurowissenschaftlern der University of California in Los Angeles . Sie verglichen die Leistung von Probanden, die viel online arbeiteten und dabei oft multitasken, mit denen, die wenig online arbeiteten. Beide Gruppen sollten fünf Tage lang das Netz für einen Arbeitsplan nutzen. Bei beiden Gruppen wurden die Aktivitätsmuster im Gehirn gemessen. Bei jenen, die Multitasking gewohnt waren, gab es schon vorher eine große Aktivität in dem Bereich des Hirns, der für strategisches und logisches Denken zuständig ist. Bei der multitasking-unerfahrenen Gruppe hatte sich die Aktivität in diesem Hirnbereich nach fünf Tagen an die der ersten Gruppe angeglichen.

Allerdings hatten sich die Ergebnisse nicht deutlich verbessert. Zwar lässt sich die Geschwindigkeit leicht erhöhen, in der das Gehirn zwei oder mehrere komplexe Aufgaben bearbeitet. Ganz ohne Verluste geht es aber nicht. Den kognitiven Fähigkeiten des Menschen sind natürliche Grenzen gesetzt.