Befristung : Job mit Verfallsdatum

Die Hälfte der Neueinstellungen ist mittlerweile befristet. Auch die Rechtsprechung erleichtert die Jobs auf Zeit. Wir zeigen, was befristete Mitarbeiter tun können.

Die meisten jungen Arbeitnehmer kennen heute nur noch den Jobeinstieg mit einem befristeten Vertrag . Wer jünger als 35 ist, wird besonders oft befristet beschäftigt, stellen mehrere Gewerkschaftsstudien fest. Eine Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt, dass der Anteil der befristeten Verträge bei Neueinstellungen zwischen 2001 bis 2011 von 32 auf mehr als 45 Prozent gestiegen ist. Rund jeder Zweite, der einen neuen Job bekommt, erhält diesen erst einmal auf Zeit.

Rund die Hälfte dieser befristet Beschäftigten wird später übernommen, zeigt die IAB-Studie. Ob die Verträge in solche mit unbegrenzter Laufzeit umgewandelt werden, hängt stark von der konjunkturellen Lage ab. Während im Jahr 2008 rund 52 Prozent der befristet Beschäftigten übernommen wurden, waren es im Krisenjahr 2009 nur 45 Prozent. 2011 stieg die Übernahmequote auf 56 Prozent. In diesem Jahr dürfte sie wieder leicht absinken. Was rechtlich möglich ist, regelt das Teilzeit- und Befristungsgesetz .

Eigentlich soll diese Form der Beschäftigung die Hürden für Arbeitgeber senken, neue Jobs zu schaffen. Auch soll sie mehr Flexibilität bringen. Für die Arbeitnehmer hat die Befristung allerdings vor allem Nachteile: Viele leiden schon Monate vor Vertragsende unter der Angst, nicht übernommen zu werden oder keine Verlängerung zu bekommen. Den allermeisten macht die Unsicherheit zu schaffen. Weil besonders jüngere Arbeitnehmer betroffen sind, verschieben viele die Familiengründung auf einen späteren Zeitpunkt.

Ohne Sachgrund wird öfter entfristet

Generell gibt es zwei Arten der Befristung. Der Arbeitgeber kann sie mit einem Sachgrund versehen oder nicht. Arbeitnehmer, deren Job ohne Grund befristet ist, sind meist etwas besser dran. Denn eine Befristung ohne Sachgrund kommt nur für neu geschaffene Stellen infrage. Läuft alles gut, stehen auch die Chancen hoch, später übernommen zu werden.

Tina Groll

Tina Groll ist Redakteurin im Ressort Karriere bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Chancen auf einen solchen Job haben jedoch nur Mitarbeiter, die neu in eine Firma kommen. Der Arbeitgeber kann sie bis maximal zwei Jahre lang mit Befristung beschäftigen. Innerhalb dieser Zeit kann der Vertrag dreimal verlängert werden. Ausnahmen sind nur gültig, wenn der Arbeitnehmer bereits älter als 52 Jahre ist. Dann kann er bis zu fünf Jahre lang befristet beschäftigt werden. Ist das Unternehmen neu gegründet, kann die Befristung ohne Sachgrund vier Jahre lang dauern. Das gilt allerdings nur für Start-ups, nicht für mögliche Umstrukturierungen oder Neugründungen nachdem ein Unternehmensteil ausgegliedert wurde. Und noch eine Ausnahme gibt es: Per Tarifvertrag kann sowohl die Anzahl der Verlängerungen als auch die Höchstdauer der Befristung von Arbeitsverträgen abweichend von den Vorschriften im Teilzeit- und Befristungsgesetz festgelegt werden. Das entschied kürzlich das Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt (7 AZR 184/11).

Endet ein befristeter Vertrag ohne Sachgrund nach zwei Jahren, ist keine gesonderte Kündigung nötig. Arbeitgeber sollten allerdings darauf achten, dass sie eine Klausel in den Verträgen haben, die den Mitarbeiter darauf hinweist, sich rechtzeitig bei der Agentur für Arbeit zu melden. Zwar ist der Arbeitnehmer selbst dazu verpflichtet, sich drei Monate vor Vertragsende arbeitssuchend zu melden. Versäumt der Arbeitgeber aber den Hinweis, kann er unter Umständen haftbar gemacht werden. Denn wenn der Mitarbeiter sich nicht rechtzeitig beim Arbeitsamt meldet, riskiert er eine Sperrzeit für den Bezug seines Arbeitslosengelds. Ist die Befristung kürzer als drei Monate, muss der Arbeitnehmer schon bei Aufnahme seiner Tätigkeit die Arbeitsagentur darüber informieren.

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Kommentare

35 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Neuvergabe von berfristeten Stellen

"Der Arbeitgeber kann die bisher befristete Stelle aber nicht einfach mit einer anderen Person besetzen. Die Befristung ohne Sachgrund für neue Stellen soll Arbeitgebern Spielraum geben. Sie haben auf diese Weise sozusagen eine zweijährige Probezeit, ob sich eine neu geschaffene Stelle auch rentiert. Bleibt die Stelle auch nach Ablauf der maximalen Befristungszeit bestehen, kann der Arbeitgeber nur mit personenbedingten Gründen eine Weiterbeschäftigung des befristeten Mitarbeiters ausschließen."

Diesen Punkt habe ich noch nie gehört. Worauf beruht er? Wo kann man da nachsehen? Gibt es dazu Gerichtsurteile?

wieso?

an dieser stelle hängt es doch letztendlich an der übertriebenen angst.
unterbezahlte stellen sind das problem und die tatsache, dass es vollzeitjobs gibt, mit denen man sich und seine familie nicht mehr ernähren kann.
aber wenn ein vertrag endet, arbeitet man entweder mit einem anderen unternehmen zusammen oder es gibt einen neuen vertrag im alten unternehmen.
in meinem bekanntenkreis sind menschen, die beamtenlaufbahnen eingeschlagen haben wegen "der sicheren stelle". ich finde diese einstellung sehr traurig.

Probleme lösen

'man wird aussortiert da es bessere/ jüngere gibt'

'Jobwechsel mit Ortswechsel und Umzug zusmammen'
(aus dem Folgeposting)

das sind alles reale ernstzunehmende Probleme,
aber wie kann man erwarten,dass private Unternehmen dafür gerade stehen?
sinnlose Mitarbeiter noch 20 Jahre bis zur Rente weiterbeschäftigen, oder wie soll das letzlich laufen?

das ist doch keine Grundlage, jedenfalls nicht für Gesetze/ für gesellschaftliche Rahemenbedingungen,
wenn dann kann man ja einen Einzelvertrag mit der Firma aufsetzen 'Beschäftigung bis 2050' garantiert,
selbst Fussballer beschränken sich auf paar Jahre..

die Lösung muss andersrum angefangen werden: respektable abgesicherte staatliche Versorgung, nicht reich, kein Alpenurlaub, kein dickes Auto und 100qm-Haus, aber sorgenfreie Monate des Übergangs oder länger,
von dieser Position aus nur Jobs annehmen die wirklich angemessen bezahlt werden und wenn es über 20 Jahre weitgehend gut geklappt hat, dann reicht es vielleicht fürs Haus,
nicht schon früh fest binden und dann jeden Monat pleite gehen wenn die Rate am Limit nicht bezahlt werden kann

Umzug bleibt immer ein gewisses Problem, man kann ja nicht erzwingen dass genau in eigener Kleinstadt der perfekte Job vorhanden ist

Übertriebene Angst!

>"Wenn man dann in der Mitte des Lebens zum alten Eisen gehört, wird aussortiert."

Das gilt allerdings nur, wenn das alte Eisen schon gerostet ist. Wer nicht nur gute Arbeit macht, sondern sich selbst immer am Laufenden hält, wird kaum Probleme haben auch mit 50 noch einen guten Job zu finden; Arbeitgeber reissen sich um Berufserfahrene, allerdings auch nur, wenn diese wirklich Berufserfahrung und nicht nur Berufszeit mitbringen.

Zeitverträge sind eine super Sache, sie zwingen den Arbeitnehmer sanft zu mehr Eigenverantwortung, höhere Mobilität und zur ständigen Weiterbildung - davon haben alle was. Lieber einen guten Mitarbeiter mit Zeitverträgen am Laufen halten, als einen schlechten (oder schlecht-/faulgewordenen) Mitarbeiter dank unbefristeter Verträge aushalten zu müssen und damit für ambitionierte Menschen eben diese Stelle zu blockieren.

das ist genau das, was ich meine.

dieses bild von sich selbst als kleinen unwürdigen bittsteller, der froh sein darf, etwas zu bekommen, und sich deshalb danach drängt, in einer sicheres warmes nest zu kommen, aus dem er nie wieder rausmuss.

jeder hat seine qualitäten und niemand hat eine solche einstellung nötig.
nebenbei, veraltetes knowhow hat, wer sich nicht weiterbildet.

jungen Arbeitnehmern unterlegen

noch einmal direkt angesprochen:
was ist Ihr Argument damit letztlich?
sollen die 'schwächlichen Älteren' künstlich im Job gehalten werden, und die kräftigen Jüngeren arbeitslos bleiben?,

bis sie selber in mittleren Jahren sind und zwangsweise die Jobs bekommen da die vorherige Generation in Rente ist,
oder soll die zweite Generation gar komplett lebenslang arbeitslos bleiben, weil inzwischen ja schon die dritte herangewachsen ist und sich der Arbeitgeber bei Neueinstellung aussuchen kann?

das ist doch keine anstrebenswerte Situation,
wenn dann allemal lieber jeder ab jungen Jahren in den körperlichen Beruf und jeder gleichmäßig als mittelaltes Eisen Sehr-Früh-Rentner,
das wäre fair soweit von diesen beiden Alternativen
(Alte behalten Job vs. Junge ersetzen Alte),

natürlich keine Lösung, da muss man so oder so überlegen welche Alternativ-Jobs in Frage kommen usw.

Zugegeben...

...auch wenn ich (noch) keine akademische Bildung vorzuweisen habe, ist's für mich als typischer "white collar" wesentlich einfacher mich weiterzubilden.

Dennoch lasse ich das Argument "Und die sind körperlich den jungen Arbeitnehmern unterlegen" ungern gelten, denn es wird niemand gezwungen 30 Jahre irgendeine Maschine zu bedienen, oder schwer zu arbeiten, ohne sich in dieser Zeit auch entsprechend weiterzubilden, bzw. Kompetenzen zu erlernen die eben auch benötigt werden. So kann aus dem einfachen Schlosser auch gut und gerne, dank seiner Berufserfahrung, ein Teamleiter, oder ein Planer werden, der dank seiner Prozess- und Betriebssicherheit ein echter Zugewinn wäre und entsprechend jüngere Leute anleitet, die dann die schwere Arbeit übernimmt.

Das ist letztendlich wie bei meinem Schwiegervater, der sich in den letzten 10-20 Jahren als Elektriker keinen Schritt nach vorne gemacht hat und sich jetzt ständig darüber lamentiert, dass ihn doch niemand mehr in seinem Alter einstellen würde und Zeitarbeit die einzige alternative wäre. Er hätte es defintiv drauf gehabt als Polier oder gar Ausbilder, aber er hat einfach zu viele Züge abfahren lassen und damit Potenzial einfach verpufft.

Warten? Auf was?

>wenn Sie in dem Alter sind und urteilen nicht so schnell über ihren Schwiegervater.

Kein schnelles Urteil, sondern eines was sich über Jahre gebildet hat.

>Bildung und Weiterbildung hat im Übrigen auf dem dt.Arbeitsmarkt keinen Stellenwert, es gilt nur Geiz ist Geil.

Das weiss ich, darum warte ich auch nicht darauf, dass mein Arbeitgeber mir meine Weiterbildung zugesteht, sondern bilde mich aus eigenem (beruflichen) Interesse weiter. Es geht hier um meine Zunkunft und die Zukunft meiner Familie, da will ich mich nicht von Extern abhängig machen.

>Auch wird aus einem Schlossr kein Planer und aus einem Polier kein Statiker.

Zumindest nicht ohne sein zutun...

>Da Sie noch am Anfang ihres Arbeitslebens stehen, gehen sie mal in dt. Ing. Büros meinetwegen auch in größere Ing. Abteilungen von Firmen.

Ich war jetzt noch nicht in allzuvielen Firmen um dass empirisch messen zu können, aber ich habe andere Erfahrungen gemacht, zumindest in der IT. Nämlich dass es sowohl IT'ler über 50 gibt, die es wirklich drauf haben, als auch Leute die man tatsächlich versucht mit 40+ zu entlassen, aber dann auch nur aus dem Grund, dass deren Fachwissen zumindest gefühlt gleich alt ist, eben weil diese sich nie darum gekümmert haben auf dem laufenden zu bleiben.

Freier Markt

Das Problem ist, dass jedes Unternehmen einen Anreiz hat auf diese Veträge zurückzugreifen. Sie stehen in einem nationalen und globalen Wettbewerb. Und alles was die Gewinne erhöht ist nun mal für das Unternehmen, deren Entscheider und allen, die davon profitieren, die beste Strategie. Wenn die Politik aber der Meinung ist, den Unternehmen geht es gut genug, dann kann sie reglementieren. Man muss natürlich auch die Entwicklung der gesamten Gesellschaft miteinbeziehen. Wenn die stärkere Flexibilität des Arbeitsmarktes die Geburtenraten senkt, kann das allein schon ökonomisch mehr schaden als es nützen. Ich meine wir jeden jetzt schon von Fachkräftemangel und vor 20-30 Jahren waren die Geburtenraten noch höher als sie jetzt sind. Wie wird das in den nächsten 20 Jahren weitergehen?

Einstellungssache

>Wenn Sie einmal Familienvater sind mit mehreren Kindern werden Sie trotz Lust nicht genügend Zeit haben sich beruflich weiterzubilden - wann denn auch?

Alles Frage des Zeitmanagements. Zum Beispiel verzichte ich auf mein Auto und fahre bewusst mit der Bahn um eben auch diese Zeit sinnvoll zu nutzen und fernsehen reduziere ich auch die Tagesschau und ab und an mal eine Stunde.

Es geht hier ja drum, sich jeden Tag mehrere Stunden hinzusetzen und sich weiterzubilden, sondern einfach in einem Maß was erträglich ist und wenn's nur eine Stunde alle zwei Wochen ist. Und dafür ist definitiv Zeit, man muss sie sich nur schaffen. Das befreit einen nebenbei aus dem Trott hält einen beruflich und geistig fit und davon profitieren unter Umständen auch ihre Kinder.

>Sorry, aber man lebt nicht nur, um zu arbeiten.

Und dennoch macht Arbeit etwa ein Drittel der Tageszeit aus. Wieso sollte man also nicht daran arbeiten, diese auch in Zukunft so angenehm wie möglich zu gestalten?