GrafikdesignerKreativität ist gefragt und wird mies bezahlt

Grafikdesigner müssen Ideen oft auf Knopfdruck liefern. Zeichentalent brauchen sie dabei nur bedingt und reich werden sie auch nicht, zeigt der Beruf der Woche. von 

Flyer, Logo, Poster: Sabrina Krämer gestaltet alles. Vorausgesetzt sie hat kein kreatives Loch. Die Grafikdesignerin arbeitet in einer Werbeagentur in Bremen . Und wenn ihr mal nichts einfällt, obwohl der Abgabetermin drängt, lässt sie ein Projekt kurz mal liegen. "Es ist nicht immer einfach, auf Knopfdruck eine gute Idee zu haben. Darum hilft es, sich kurz einer anderen Arbeit zu widmen. Dann plötzlich hat man einen guten Einfall für die eigentliche Aufgabe", verrät sie einen ihrer Kreativitätstipps. Krämer und ihre Kollegen betreuen meist mehrere Projekte parallel. Viele Ideen kämen ihr auch in alltäglichen Situationen – etwa in der Straßenbahn oder beim Einkaufen im Supermarkt.

Beruf der Woche

© Tim Boyle/Getty Images

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Grafikdesigner haben ein weites Aufgabenspektrum. Von Visitenkarten über Anzeigen, Briefpapier, Broschüren, Katalogen, Flyern, Kundenmagazinen bis hin zur kompletten Logo- und Markenentwicklung reichen die Aufträge. Der Arbeitsablauf ist zumeist gleich: Ein Kunde hat einen Wunsch und der Designer muss den genauen Umfang des Auftrags klären. Was wird benötigt? In welchem Stil soll es grafisch umgesetzt werden? Welche Vorgaben gibt es? Wer angestellt oder im Team arbeitet, bespricht sich häufig mit Kollegen. Ideen werden gesammelt, Konzepte ausformuliert. Krämer fertigt anschließend erste Entwürfe an, manchmal aber auch nur Skribbles – also kleine Skizzen – die grob verdeutlichen sollen, wie etwas später einmal aussehen soll. Nach erneuter Absprache mit dem Kunden geht es anschließend an die endgültige Ausarbeitung.

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Die Entwicklung eines Logos gilt als Königsdisziplin im Grafikdesign. "Da müssen wir viele Aspekte berücksichtigen. Es soll auffallen, zugleich aber auch zur Unternehmensphilosophie passen. Außerdem müssen wir Ähnlichkeiten zu bestehenden Logos vermeiden", sagt Krämer. Mitunter fallen auch Produkt- oder Verpackungs- und Webdesign in den Aufgabenbereich. "Beim Webdesign sind die Mediendesigner aber eher die Spezialisten", sagt Krämer. Grafik- und Mediendesign unterscheiden sich erheblich. Denn während Grafikdesigner überwiegend für den Printbereich arbeiten, konzentrieren sich Mediendesigner auf den digitalen Bereich und produzieren beispielsweise Filme, Animationen, Spiele, Webdesigns und Apps. Die Übergänge zwischen beiden Berufsfeldern sind allerdings oft fließend.

Viel Raum für Kreativität

Um in dem Beruf arbeiten zu können, muss zuvor ein Design-Studium mit Schwerpunkt Grafikdesign abgeschlossen werden. Innerhalb des Studiums können sich die Studierenden dann auf verschiedene Bereiche wie Corporate-Design, Magazindesign, Illustration oder Typografie spezialisieren. Wie bearbeite ich Bilder? Wie retuschiere ich mit Bildbearbeitungsprogrammen? Wie arbeite ich mit Layout- und Vektorprogrammen? Dieses Wissen wird innerhalb des Studiums vertieft und ausgebaut. Außerdem wird der Blick für Design und Layout geschult.

Schon vor dem Studium muss aber ein Grundstock an Wissen vorhanden und einige Voraussetzungen erfüllt sein. Denn beworben wird sich in der Regel mit einer Mappe mit selbst gestalteten Werken, an den meisten Hochschulen gibt es auch noch eine Eignungsprüfung.

Die notwendigen Bildbearbeitungs- und Gestaltungsprogramme sollte man daher schon vorab ein wenig beherrschen, wichtiger noch ist gestalterisches Talent, ein Gefühl und Auge für Design und natürlich viel Fantasie und Kreativität. "Den Umgang mit den Programmen kann man lernen, aber ein Gespür für Design nicht", sagt Krämer.

Leserkommentare
    • Infamia
    • 04. September 2012 18:53 Uhr

    Aber die, die sich Schmuckdesigner nennen, sind entweder meist Töchter reicher Väter oder Frauen reicher Männer. Die können sich diese brotlose Kunst dann meist leisten.

    Mal drauf achten, wenn man demnächst irgendeine Boulevardsendung im Fernsehen sieht. Schmuckdesignerinnen scheint es massenhaft zu geben.

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    Männer haben das Geld, und Frauen machen brotlosen Schwachsinn. Gaaanz toll. Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem geistreichen Kommentar.

  1. ...Ich bin überrascht! Als Branchenvertreter zu dessen Mitarbeiterteams auch Grafikdesigner und Mediengestalter zählen, ist das der 1. Artikel den ich Online lese, in dem sich nicht ein frustrierter KommDes Student darüber auslässt, das er mit Bachelor Abschluss und maximal 6 Monaten Berufserfahrung in Form von Praktika keinen mit mindestens 36.000€ jährlich dotierten Arbeitsvertrag von sich um ihn geradezu prügelnden Top Agenturen bekommt.

    Der Beruf ist nicht ohne, Überstunden sind üblich, Knochenmühlen gibt es für Kreative gerade im Bereich Werbung / Marketing reichlich (JVM, DDB, Ogilvy), aber im Gegenzug werden durch flache Hierarchien und Branchenübliche Fluktuationen Aufstiegschancen geboten von den das Personal im Öffentlichen Dienst, dem Managementwesen oder Kaufmännischen Berufen nur träumen kann.

    Und ja, da draußen gibt es auch „Werbebuden“ die einen durch Praktika und 15.000€ Brutto. p.A Gehälter am langen Arm verhungern lassen.

    Aber wer, von was auch immer geritten meint dort anheuern zu müssen, erschwert das aushandeln vernünftiger Gehälter für Kollegen und Kommilitonen nur, denn solange es genügend Leute gibt, die für einen Hungerlohn arbeiten...

    Danke, das dieser Artikel einmal halbwegs vernünftig das zwar harte, aber sich lohnende Arbeitsumfeld eines Grafikdesigners darstellt!

  2. ... dass ein begabter Grafikdesigner mit Ende zwanzig zum Art Director aufgestiegen sein kann und dann 3.000 - 4.000 EUR monatlich verdient. Ein paar Jahre später ist der Aufstieg zum Creative Director möglich mit Monatsgehältern von 5.000 EUR und mehr. Die Überstunden dabei werden freilich nicht weniger, sondern mehr. Für den Aufstieg entscheidend ist jeweils nicht, wie lange die Person schon an seinem Bürostuhl klebt, sondern ausschließlich Talent, Ehrgeiz und eine gewisse Gerissenheit.

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    >Was der Artikel verschweigt, ist, dass ein begabter Grafikdesigner mit Ende zwanzig zum Art Director aufgestiegen sein kann und dann 3.000 - 4.000 EUR monatlich verdient.

    Der Artikel muss dies nicht verschweigen, aber auch nicht erwähnen, denn es stellt die absolute Ausnahme am Arbeitsmarkt dar.
    Denn wer übermäßiges Talent, Können und Fleiß zeigt, kann in jeder Branche einigermaßen schnell Karriere machen und gutes Geld verdienen.

    Aber gerade im imM-Bereich und dort ganz besonders im Grafikdesign herrscht eine regelrechte Flut der Mittelmäßigkeit und entsprechender Druck liegt auf dem Arbeitsmarkt. Daran leiden tut aber letztendlich das Wunderkind am wenigsten (sofern er sich verkaufen kann), aber halt die breite Masse.

    • xl
    • 05. September 2012 13:48 Uhr

    ...ist aber auch die hohe Burn-Out Rate und die Problematik als älterer Graphiker noch einen adäquaten Job zu bekommen. Preisfrage: wie viele Graphiker mit über 50 kennen Sie?

  3. ... dass Grafikdesigner immer mehr im Bereich digitale Medien zu tun haben werden (z.B. Konzeption und Gestaltung von Apps und Mobile-Kommunikation), während die Kreation der klassischen Anzeigen-Doppelseite im STERN eher auf dem Rückzug ist. Deshalb lohnt es sich, sich auch in diesem Bereich frühzeitig umzutun, die z.T. speziellen Gestaltungsprogramme und -vorgaben in diesem Bereich zu lernen und sich mit Themen wie User Experience zu befassen.

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    Ein Grafiker muss sich selbstredend dieser Entwicklung stellen, will er beruflich überleben. Nur ist der Gestaltungsspielraum bei User Experience und Anpassung an entsprechende Endgeräte durch technische Standardisierungen doch arg eingeschränkt und zudem immer häufiger mit Einarbeitung in komplexe technische Vorgaben, die einer permanenten Modifizierung unterliegen, verbunden. Ich sag nur: clickst du noch oder wischst du schon?

  4. ...jetzt hatten wir Arne Friedrich als Fußballer vs. Herzchirug, wer verdient berechtigtigterweise mehr ? Welcher Job ist mehr Wert oder hat einfach eine bessere Lobby ?
    Wertediskussion, Systemdiskussion, ....??????????
    Welche Arbeit wird überbezahlt, welche unterbezahlt - was ist was Wert - Nachfrage kann es nicht bloß sein. Leider hat sich die Wertdisskussion in Richtung Studium verschoben( wieviel gehen davon auf Amt ? ), Vielleicht sollten alle Handwerker und auch Schwestern, oder Altenpflegerinnen, etc., mal für ein paar Wochen ihr Handwerk liegenlassen.

    "Verhältnismäßigkeit" ist schon lange weg. Gute Bezahlung für Kreativität ist ja OK, aber ich habe lieber jemanden der mir sicher einen z.B. Gasanschluß verlegt oder einen Elektriker der sicher arbeitet, als einen dummen Spruch abzulassen. Einerseits sind es Worte, andererseits geht es um unsere Gesundheit.

  5. Ein Grafiker muss sich selbstredend dieser Entwicklung stellen, will er beruflich überleben. Nur ist der Gestaltungsspielraum bei User Experience und Anpassung an entsprechende Endgeräte durch technische Standardisierungen doch arg eingeschränkt und zudem immer häufiger mit Einarbeitung in komplexe technische Vorgaben, die einer permanenten Modifizierung unterliegen, verbunden. Ich sag nur: clickst du noch oder wischst du schon?

  6. ermöglicht es inzwischen dem Kunden über eine Vielzahl von kostengünstigen Templates eine Website oder eine Anzeige, einen Flyer zu erstellen. Hier brechen klassische Arbeitsfelder für Grafiker weg.
    Crowdsourcing tut sein übriges. Die FH Trier z.B. - immerhin mit eigenem Design-Bereich - hat doch tatsächlich auf 12designer.com den Relaunch ihrer Homepage ausgeschrieben – angebotenes Honorar: ein Taschengeld.

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    Sie haben in einem Punkt recht: Mittlerweile kann sich auf der Laie eine Website, Anzeige oder einen Flyer zusammentackern. Nur ist das nicht neu, sondern seit Ende der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts so, seitdem einfache Grafik-Programme für den Mac auf den Markt kamen – jeder kennt mittlerweile einen Schüler, der für die Schraubenfirma seines Onkels ein Logo zusammengebastelt hat. Im Profibereich nehmen die Aufgaben für Grafiker vor dem Hintergrund immer komplexerer Werbeformen dagegen zu. Schauen Sie sich nur die zahlreichen Online- und Mobile-Kampagnen mit Bewegtbild- und Interaktiv-Elementen von Weltmarken wie BMW, Coca Cola, Mercedes Benz, Porsche usw. an – das schaffen Sie weder mit Crowdsourcing noch mit Dilettanten. Entsprechend vergrößern sich auch die ganzen klassischen Werbeagenturen im digitalen Bereich. Und was Ihr Beispiel FH Trier angeht: das ist für eine Hochschule mit eigenem Designbereich ein Armutszeugnis.

  7. Sie haben in einem Punkt recht: Mittlerweile kann sich auf der Laie eine Website, Anzeige oder einen Flyer zusammentackern. Nur ist das nicht neu, sondern seit Ende der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts so, seitdem einfache Grafik-Programme für den Mac auf den Markt kamen – jeder kennt mittlerweile einen Schüler, der für die Schraubenfirma seines Onkels ein Logo zusammengebastelt hat. Im Profibereich nehmen die Aufgaben für Grafiker vor dem Hintergrund immer komplexerer Werbeformen dagegen zu. Schauen Sie sich nur die zahlreichen Online- und Mobile-Kampagnen mit Bewegtbild- und Interaktiv-Elementen von Weltmarken wie BMW, Coca Cola, Mercedes Benz, Porsche usw. an – das schaffen Sie weder mit Crowdsourcing noch mit Dilettanten. Entsprechend vergrößern sich auch die ganzen klassischen Werbeagenturen im digitalen Bereich. Und was Ihr Beispiel FH Trier angeht: das ist für eine Hochschule mit eigenem Designbereich ein Armutszeugnis.

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    Wie ich bereits schrieb, es geht um eine Verlagerung der grafischer Tätigkeit hin zu User Experience. Und hier erstellt der heutige Grafiker mithilfe komplexer Tools die Templates, welche der Kunde schließlich immer häufiger selbst mit standardisierten Inhalten aus diversen Bibliotheken füllt. Und das geht nur mittels Datenkanälen, die es so Ende der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts ganz sicher nicht gegeben hat. Ich kann mich noch gut erinnern, als statt der offenen Quark-Datei auf CD gebrannt die erste PDF via "Standleitung" die Druckerei erreichte. Ist keine 7 Jahre her.
    Der Grafiker unserer Zeit setzt keine Anzeige mehr – nein, das macht der Kunde von heute mit dem Template selbst. Nur große Unternehmen mit entsprechendem Budget und Markenbewusstsein greifen nicht nur auf Stockmaterial zurück.

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