Pfandleiher: Die Armut der anderen ist das Geschäft
Ob Goldring oder Fernseher: Beim Pfandleiher bekommt man schnell und unbürokratisch Bargeld. Die Leihhäuser verdienen an Gebühren und Zinsen, zeigt der Beruf der Woche.
Mehr als eine Million Deutsche gehen mindestens einmal im Jahr ins Pfandhaus. Hier tauschen sie Wertgegenstände gegen Bargeld ein. Und jedes Jahr werden es mehr, die auf die Dienste der Pfandhäuser angewiesen sind, sagt Joachim Struck, Vorsitzender des Zentralverbands des Deutschen Pfandkreditgewerbes e.V. Die Kunden kommen aus allen sozialen Schichten. Das Pfandhaus ist nicht mehr nur für Arme eine schnelle, unbürokratische Alternative zum Bankkredit geworden.
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Ohne Sicherheit läuft aber auch hier nichts. Die Pfandleiher wollen weder Immobilie oder regelmäßigen Gehaltsnachweis. "Es kommt allein auf den Wertgegenstand an", sagt Struck. Zu 90 Prozent werde Schmuck angeboten. Aber auch Fernseher, Hifi-Anlagen oder Spielekonsolen werden beliehen, auch Sammlungen zählen dazu. Stofftiere bestimmter Marken, Porzellan oder Modelleisenbahnen. Manche Pfandhäuser nehmen sogar Autos oder Lkw als Pfand in Verwahrung.
Für den Pfandgegenstand gewähren die Häuser Bargeld. Lange Wartezeiten und viel Papier sind dafür nicht nötig. Kreditabwicklung, Zinsen und Gebühren sind gesetzlich geregelt.
Zunächst wird der Wert der Ware geschätzt, dann die persönlichen Daten erfasst. Und dann wird das Geld ausgezahlt. Zwischen 40 bis 60 Prozent des aktuellen Werts gibt es in der Regel. Der Tausch dauert meist nur wenige Minuten. Die Pfandleiher lagern die Gegenstände ein und müssen diese auch versichern. Drei Monate haben die Kunden dann Zeit, ihre Pfandgegenstände wieder auszulösen.
Zinsen und Gebühren bringen Geld
Zum Kreditbetrag kommen noch Zinsen von einem Prozent im Monat sowie eine gesetzlich festgeschriebene Verwaltungsgebühr in Höhe von 2,50 Euro im Monat. Summa summarum kostet ein Kredit in Höhe von 100 Euro einen Euro Zinsen und eine Gebühr von 2,50 Euro pro Monat. Gegebenenfalls kann der Kreditvertrag auch noch einmal um drei Monate verlängert werden. Kann der Kunde den Pfandgegenstand dann immer noch nicht auslösen, geht er in die Versteigerung. Wenn die Ware mehr erzielt als an Kreditsumme, Zinsen, Verwahrungsgebühren sowie Versteigerungskosten aufgelaufen ist, muss das überschüssige Geld dem Kunden ausbezahlt werden. So oft komme das aber nicht vor, sagt Struck. "Die meisten Gegenstände werden wieder ausgelöst. Das ist auch gut so, denn wir verdienen nur an den Zinsen und Gebühren. Die Versteigerungen sind nicht interessant für uns."
Erst Recht nicht, wenn die Gegenstände nicht viel wert sind. Immer öfter komme es vor, dass Ware unter hundert Euro beliehen werde, sagt Struck. "Manche brauchen nur schnell 50 Euro, um über die letzte Woche des Monats zu kommen."
Für den Job als Pfandleiher gibt es keine geregelte Ausbildung. "Viele kommen aus kaufmännischen Berufen, haben etwa aus dem Groß- und Außenhandels- oder Bankkaufmann gelernt", sagt Struck. Seitens der Behörden gibt es nur wenige Auflagen, um ein Leihhaus zu eröffnen. Allerdings müssen angehende Pfandleiher entsprechend viel Kapital nachweisen. Der Mindestbetrag variiert je nach Bundesland und reicht von einem höheren fünfstelligen Wert bis zu einem sechsstelligen Betrag. Außerdem dürfen Pfandleiher keine Vorstrafen wegen Vermögensdelikten haben. Sofern sie eine saubere Weste haben, genügt eine behördliche Erlaubnis gemäß § 34 der Gewerbeordnung.
Um den Job richtig auszuüben, brauchen Pfandleiher solide Kenntnisse von Edelmetallen, Schmuck und Edelsteinen. Wie hochwertig ist das Schmuckstück? Welchen Goldgehalt hat es? Wie sehen Fälschungen aus?
Auch den Wert von technischen Gegenständen muss man einzuschätzen wissen. Gute Menschenkenntnis, Geduld und Diskretion sind außerdem wichtig. Bisweilen habe man mit schwierigen Kunden zu tun. Das liegt in der Natur der Sache. Ins Pfandhaus kommen Menschen in finanziell schwierigen Situationen. Für Struck überwiegen jedoch die positiven Seiten seines Jobs. "Die Arbeit wird nie langweilig, weil man über den Wert von Gold und Schmuck immer auf dem Laufenden sein muss und es mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun hat."
- Gehalt: variiert;
- Ausbildung: Keine Ausbildung vorgeschrieben;
- Arbeitszeit: variiert;







Dieser Beruf scheint Zukunft zu haben.
Viele Menschen hierzulande werden immer ärmer und sind oft genötigt, ihr letztes "Hemd (=irgendwelche geldwerten Gegenstände) zu verscherbeln. Die Rente sinkt schließlich rapide und Dank der EU werden wir hier irgendwann auch griechische/spanische-oder was-weiss-ich für Verhältnisse haben. Dann wird eben Opas Münzensammlung versetzt (werden müssen).
Und Leute, die sich mit hochwerigen Schmuckstücken, der Taxierung von Wertgegenständen und dem aktuellen Goldkurs auskennen, werden sich wohl finden lassen. Vermutlich haben die auch einen fünf- oder sechsstelligen Betrag in der Hinterhand, um entsprechendes Kapital nachzuweisen.
Mir fehlt allein der Glaube, dass es genug Menschen mit "weisser Weste" geben wird, die den Beruf ausüben können..
Banker und Politiker fallen vermutlich aus...
Wenn Sie den Artikel genau lesen, werden Sie feststellen, dass der Pfandleiher zwar mit der Armut der Leute sein Geld macht, aber dass die Waren in aller Regel wieder ausgelöst werden. Zum Verkauf des Tafelsilbers scheinen andere Anbieter besser geeignet zu sein.
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