GleichstellungEU-Kommissarin legt Entwurf für Frauenquote vor

Der Entwurf von Viviane Reding sieht eine 40-Prozent-Quote ab 2020 vor. Sie gilt nur für die Aufsichtsräte. Die EU-Staaten sollen aber selbst über Sanktionen entscheiden. von Reuters und dapd

Gerade erst hat Familienministerin Kristina Schröder eine Werbeinitiative für ihre freiwillige Flexi-Quote initiiert , da kommt neuer Druck aus Brüssel : EU-Justizkommissarin Viviane Reding setzt ihre Pläne für eine europaweite Frauenquote in den Aufsichtsräten von börsennotierten Unternehmen um. Für Oktober hatte die Justizkommissarin einen Gesetzesentwurf angekündigt. Dieser sieht einen Frauenanteil von 40 Prozent in den Kontrollgremien vor, berichtet die Welt am Sonntag unter Berufung auf Redings Entwurf. Demnach gilt dieses Ziel für börsennotierte Unternehmen und soll bis zum 1. Januar 2020 umgesetzt sein. Bei Verstößen drohen dem Blatt zufolge Bußgeld, ein Entzug von Subventionen oder ein Ausschluss von öffentlichen Wettbewerben. Allerdings sollen die 27 Mitgliedsstaaten selbst über die Sanktionen entscheiden dürfen.

Kleine und mittlere Unternehmen sind von der Richtlinie ausgeschlossen, auch wenn sie börsennotiert sind. So seien Familienunternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von weniger als 50 Millionen Euro ausgenommen, heißt es in dem Entwurf. Den Plänen müssen EU-Parlament und Mitgliedstaaten im EU-Rat zustimmen.

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Bundesarbeitministerin Ursula von der Leyen lobte die Vorschläge der luxemburgischen Politikerin. "Wenn die Länder Europas international wettbewerbsfähig bleiben wollen, dann geht das nicht ohne Frauen an der Spitze", sagte die Ministerin.

Für eine Frauenquote
  • Es geht um Chancengleichheit und Gleichberechtigung: Frauen stellen die Hälfte der Bevölkerung und sie sind genauso gut ausgebildet wie Männer.
  • Unternehmen, deren Führungsspitze aus Männern und Frauen besteht, erzielen bessere Ergebnisse.
  • Ein Großteil der Kaufentscheidungen wird von Frauen getroffen. 
  • Durch einen höheren Frauenanteil verbessert sich das Betriebsklima, die von Männern geprägten Spielregeln in Kommunikation und Karriereverhalten ändern sich mit mehr Frauen an der Spitze. 
  • Männer fördern eher Männer – und weil die Führungspositionen überwiegend mit Männern besetzt sind, rücken Frauen bei der Besetzung der Spitzenposten weniger ins Blickfeld. Es handelt sich um ein sich selbst erhaltendes System.
  • Frauen sind aufgrund ihrer geschlechtsspezifischen Sozialisierung oft nicht so stark darin, ihre Stärken und Erfolge zu kommunizieren. Sie machen weniger stark auf sich aufmerksam.
  • Es gibt viele Karrierenetzwerke und Eliteklubs, zu denen nur Männer Zutritt haben. Hier findet informelles Mentoring statt und hier werden die entscheidenden Karrierekontakte gemacht. Weil Frauen keinen oder nur schwer Zugang zu den Männernetzwerken haben, können sie von den Netzwerken kaum profitieren.

Fehlt ein Argument? Kontaktieren Sie uns: @zeitonline_kar

Gegen eine Frauenquote
  • Eine Frauenquote diskriminiert Männer.
  • Eine gesetzliche Quote greift in die unternehmerische Freiheit ein.
  • Durch die Quote wird Geschlecht zum Kriterium für die Besetzung einer Spitzenposition. Dabei sollte die Leistung und die Qualifizierung entscheidend sein.
  • Frauen werden als Quotenfrau in Unternehmen stigmatisiert.
  • In einigen Branchen und Unternehmen gibt es nicht ausreichend qualifizierte Frauen, um eine Quote einzuführen und einzuhalten.
  • Mädchen und junge Frauen wählen immer noch traditionelle Frauenberufe, aus denen heraus eine Karriere in eine Führungsposition unwahrscheinlich ist.
  • Viele Frauen wollen gar keine Karriere machen, sondern entscheiden sich bewusst für Familie.

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Ihren Vorstoß hatte Reding schon sehr lange angekündigt . Sie hatte zuletzt für Anteile von 30 Prozent bis 2015 und von 40 Prozent bis zum Jahr 2020 geworben und Anfang des Jahres auch die Berliner Erklärung – eine überparteiliche Initiative für die gesetzliche Frauenquote – mit unterzeichnet . In deutschen Vorstandsetagen sind Frauen mit einem Anteil von drei Prozent die Ausnahme. In Aufsichtsräten kommen sie auf 10 bis 15 Prozent der Mitglieder. In Führungspositionen allgemein betrage der Frauenanteil hingegen mittlerweile 30 Prozent, stellt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) fest . In den vergangenen zehn Jahren sei ihr Anteil um acht Prozent gestiegen. Zudem verdienten die Frauen deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Der sogenannte Gender Pay Gap – also der Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern – betrage in Führungspositionen 21 Prozent. Im Vergleich zum Jahr 2001 ist auch dies eine leichte Verbesserung: Damals habe der Gehaltsunterschied allerdings noch 30 Prozent ausgemacht, heißt es in der Studie.

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Leserkommentare
  1. "Wenn die Länder Europas international wettbewerbsfähig bleiben wollen, dann geht das nicht ohne Frauen an der Spitze"

    Das westeuropäische Land mit dem höchsten Anteil Frauen in Führungsposition ist, Tusch: Griechenland.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Da Ihnen hier im Forum niemand widersprochen hat, gehe ich davon aus, dass Ihre Aussagen hinsichtlich Griechenlands korrekt sind. Sie haben also mit einem einzigen Satz diesen ganzen Irrsinn als solchen entlarvt. Gratulation! Wir haben in der EU ernste Probleme in vielen Bereichen und Frau Redding hat offensichtlich nichts besseres zu tun, als mit derartigen Vorschlägen diese noch zu verschärfen, ganz abgesehen davon, dass sie wohl eindeutig ihre Kompetenzen überschreitet. Warum verlangt sie übrigens keine Quoten in den Gefängnissen, da der Anteil der einsitzenden Frauen bei ca. 5% liegt, obwohl ihr Anteil an Straftaten weitaus höher liegt?

  2. Der entscheidende Punkt:
    Frauenquote in den Kontrollgremien.
    Es gibt keinen vernünftigen Grund dagegen.
    Frauenquoten in Vorständen ist Mumpitz. Aber in Aufsichtsräten dürfen es gerne auch 50% statt 40% sein.

    Es gibt aber ein Durchführungsproblem. Die Firmen selber wählen keinen Aufsichtsrat, sondern die Aktionäre und die Arbeitnehmer. Man kann gesetzlich bestimmen, dass die Wahl-Listen paritätisch sein müssen, aber wen die Aktionäre dann wählen doch nicht.

  3. LKW Fahrern, Müllmännern, Bergbau- und Bauarbeitern und den Zivil- und Bundeswehrdienst führen wir auch wieder ein, nur für Frauen! Den Zivi und Wehrdienst haben die Frauen schön hinter sich gelassen während Männer in dieser Hinsicht Jahre lang diskriminiert wurden, selbst Israel ist in dieser Hinsicht vorbildlich!

    Find ich gut die Idee von Frau Reding.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • DDave
    • 02. September 2012 20:51 Uhr

    Schauen Sie bitte nochmal bei wikipedia vorbei...
    Israel diskriminiert Frauen und andere Bevölkerungsgruppen beim Wehrdienst.
    "In Israel gelten für Frauen 21 Monate und für Männer drei Jahre Wehrpflicht.[1] Ausgenommen von der Wehrpflicht sind nur Juden, die bestimmten strengen Formen der Orthodoxie angehören (Haredim), israelische Araber (Moslems und Christen sind befreit, wohingegen Drusen und Beduinen größtenteils freiwillig den Wehrdienst ableisten) sowie alle nichtjüdischen, schwangeren oder verheirateten Frauen. Rechtlich ist es nur Frauen gestattet, der Wehrpflicht aus Gewissensgründen nicht nachzukommen (da nach Auffassung eines Teils des orthodoxen Judentums allein der Mann zur Verteidigung Israels verpflichtet ist) und einen zivilen Ersatzdienst (sherut leumi) von ein oder zwei Jahren zu leisten"

    Ansonsten zum Thema: Diese Aussage finde ich sehr interessant:
    "Wenn die Länder Europas international wettbewerbsfähig bleiben wollen, dann geht das nicht ohne Frauen an der Spitze" Zitat der Frau von der Leyen.
    Logische Konsequenz: Nicht die Leistung der Arbeitnehmer/innen und Manager/innen ist entscheidend, sondern das Geschlecht...

    Vielleicht sollte man die Klientelpolitik hinter sich lassen, denn wieviele Frauen betrifft es wirklich, ob sie in den Vorstand kommen oder nicht.
    Im Vergleich dazu würde ein Mindestlohn und insbesondere Engagement für gleiche Arbeit, gleicher Lohn bei ca 40 Mio Frauen sehr viel besser ankommen....

    • DDave
    • 02. September 2012 20:51 Uhr

    Schauen Sie bitte nochmal bei wikipedia vorbei...
    Israel diskriminiert Frauen und andere Bevölkerungsgruppen beim Wehrdienst.
    "In Israel gelten für Frauen 21 Monate und für Männer drei Jahre Wehrpflicht.[1] Ausgenommen von der Wehrpflicht sind nur Juden, die bestimmten strengen Formen der Orthodoxie angehören (Haredim), israelische Araber (Moslems und Christen sind befreit, wohingegen Drusen und Beduinen größtenteils freiwillig den Wehrdienst ableisten) sowie alle nichtjüdischen, schwangeren oder verheirateten Frauen. Rechtlich ist es nur Frauen gestattet, der Wehrpflicht aus Gewissensgründen nicht nachzukommen (da nach Auffassung eines Teils des orthodoxen Judentums allein der Mann zur Verteidigung Israels verpflichtet ist) und einen zivilen Ersatzdienst (sherut leumi) von ein oder zwei Jahren zu leisten"

    Ansonsten zum Thema: Diese Aussage finde ich sehr interessant:
    "Wenn die Länder Europas international wettbewerbsfähig bleiben wollen, dann geht das nicht ohne Frauen an der Spitze" Zitat der Frau von der Leyen.
    Logische Konsequenz: Nicht die Leistung der Arbeitnehmer/innen und Manager/innen ist entscheidend, sondern das Geschlecht...

    Vielleicht sollte man die Klientelpolitik hinter sich lassen, denn wieviele Frauen betrifft es wirklich, ob sie in den Vorstand kommen oder nicht.
    Im Vergleich dazu würde ein Mindestlohn und insbesondere Engagement für gleiche Arbeit, gleicher Lohn bei ca 40 Mio Frauen sehr viel besser ankommen....

    Antwort auf "40% Frauenquote bei..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    übrigens: man sollte die EU abschafften. Anstatt auf Frau SDchröder rumzuhacken, zugegeben es ist ansatzweise berechtigt, sollte man sich mal Redding vorknüpfen. Wer mit Quoten arbeitet, disqualifizert sich a priori.

  4. übrigens: man sollte die EU abschafften. Anstatt auf Frau SDchröder rumzuhacken, zugegeben es ist ansatzweise berechtigt, sollte man sich mal Redding vorknüpfen. Wer mit Quoten arbeitet, disqualifizert sich a priori.

    Antwort auf "Falsch..."
  5. Ich frage mich ernsthaft, wie Redding die Wähler zwingen will, 40% Frauen in den Aufsichtsrat zu wählen - oder denkt sie sich, wenn's nicht reicht, dann werden halt einfach Strafen fällig solange bis richtig gewählt wird? Sollen Wahlen dann öffentlich abgesprochen werden? Nach dem Motto: Wer von uns wählt jetzt die 40% Frauen?

    Frau Redding scheint etwas überfordert, oder?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Varech
    • 03. September 2012 13:25 Uhr

    ... könnte man den Vorschlag aus Brüssel nennen.

    Quoten-Versammlungen gibt es übrigens noch immer einige in der grenz-demokratischen Welt. Von Fidschi lernen, heisst siegen lernen!

  6. -Wieso sollte Frau Reding, die niemals einen Fuß in die freie Wirtschaft gesetzt hat (übrigens ein verbreitetes Merkmal unter QuotenaktivistInnen) besser wissen, wie ein Unternehmen richtig funktioniert, als jene, die darin über jahrzehntelange Erfahrung verfügen?

    - Es ist die Rede davon, dass besagte Quote für börsennotierte Unternehmen ab einer bestimmten Größe gelten soll und gleichzeitig, dass durch sie die Länder Europas international wettbewerbsfähig bleiben würden. Zunächst einmal: Um wieviele Posten würde es dabei beispielsweise in Deutschland gehen? 100...200? Und nun, noch eine Frage: können die Entscheidungen dieser aufgrund des Geschlechts in die Position gekommenenen wirklich soviel besser sein, als die der Übergangenen, dass Deutschland (!) international wettbewerbsfähig bleibt? Kann dieses Gesetz zu ein paar Posten in so wenigen Unternehmen wirklich sooo viel bewirken, dass es sich um eine Schicksaalsentscheidung hinsichtlich der nationalen Wirtschaft handelt?

    - Wie andere schon angesprochen haben: wie genau soll der Wahlmechanismus der Aktionäre außer Kraft gesetzt werden?

    Und zu guter Letzt (Das würde ich jetzt nicht unter "irritieren" einordnen, sondern einfach unter "sich fragen"): Was ist eigentlich aus Redings Plan geworden, <a href="http://www.zeit.de/karriere/beruf/2012-03/reding-frauenquote-unternehmen... EU-Bürger zu dem Thema zu befragen</a>? Ist mir da was entgangen - oder erschien ihr das dann doch nicht mehr so sachdienlich?

  7. Solch eine Auflistung von "Argumenten" für die Frauenquote auf zeit.de überhaupt zu veröffentlichen ähnelt stark der Titelseite der BILD.
    Die billigsten Argumente wie aus der Luft gegriffen, Bedienung von Klischees en masse und die Verzweifelung des Autors, keine weiteren Pro-Argumente zu finden, geht durch die Sinnlosigkeit der meisten "Argumente" hervor.

    1. Chancengleichheit und Gleichberechtigung
    -Dies ist noch plausibel.

    2. bessere Ergebnisse
    -Allgemeinen Volksglauben als Argument zu nehmen ist wohl eher das untere Niveau.

    3. Ein Großteil der Kaufentscheidungen wird von Frauen getroffen.
    -Komplett aus der Luft gegriffen und was sagt dies überhaupt aus? Viele Firmen melden Insolvenz momentan, hat dieses Argument etwa damit zu tun?

    4. besseres Betriebsklima
    -Das Genenteil ist der Fall: Frauen bestätigen immer mehr, dass unter männlicher Besetzung das Klima weitausbesser ist.

    5. Männer fördern eher Männer
    -Kompletter Schwachsinn, man fördert den nächst' Besten und wenn dies nun einmal keine Frau ist, hat dies wohl leider seine Gründe. Ganz abgesehen davon, dass in vielen Berufen so wenig Frauen vorhanden sind, dass es eine reine Häme wäre Frauen nur aufgrund irgendeiner Frauenquote vorziehen zu müssen, obwohl diese nicht das selbe Leisten wie ein aufstrebender Mitarbeiter.

    6. Frauen machen weniger stark auf sich aufmerksam
    -Ein klares Argument gegen eine Frauenquote, denn was nützt eine Frau in Führungspositionen, wenn diese sich dort nicht einmal durchsetzen kann?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    allerdings hat die Frauenquote absolut rein gar nichts mit Chancengleichheit und Gleichberechtigung zu tun (Punkt 1). Wenn ein Mann einen Job wegen der Frauenquote auf Grund seines Geschlechts nicht bekommt, dann ist das sexistisch und diskriminierend und hat eben nichts mit Chancengleichheit und Gleichberechtigung zu tun. Man kann eine kollektive Ungleichheit (Anteil der weiblichen bspw. Aufsichtsräte in Dax-Unternehmen) nicht mit einer Diskriminierung auf individueller Ebene korrigieren. Eine Ungleichverteilung stellt auch im Übrigen nicht notwendigerweise eine Diskriminierung dar. Ansonsten müsste man auch feststellen, dass Männer in frauendominierten Jobs (z.B. Grundschullehrerinnen mit einem Anteil von über 90%) diskriminiert werden. Dies wird allerdings nicht getan, obgleich es sogar gerechtfertigt wäre, denn Männer können in Bereichen wie Grundschule oder Kita/Kiga (dank feministischer Männerdiffamierung) nicht mehr tätig werden, ohne sich einem mehr oder weniger impliziten oder gar expliziten Pädophilieverdacht auszusetzen.

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