Führungskräfte : Manager handeln gegen ihre Überzeugungen

Wenn es darauf ankommt, scheint Verantwortung für die meisten Manager nur ein Wort zu sein. Und Vorbilder haben sie auch nicht, wie eine Umfrage unter Führungskräften zeigt.

Die meisten Manager können nicht immer hinter ihren eigenen Taten stehen. Sie handelten zumindest manchmal gegen ihre Überzeugungen, gaben 82,1 Prozent von 443 befragten Managern in deutschen Unternehmen in der diesjährigen Studie der Akademie für Führungskräfte zu Protokoll. Auch ihre eigenen Vorgesetzten stufen rund ein Drittel der Manager als moralisch fragwürdig ein.

Dabei sind fast alle Befragten (98,9 Prozent) davon überzeugt, dass man als Führungskraft ein Vorbild für seine Mitarbeiter sein müsse. Und an Selbstbewusstsein mangelt es offenbar trotz der von den meisten eingeräumten Inkonsistenz zwischen Überzeugungen und Handeln nicht. Rund 75 Prozent glauben von sich, ein Vorbild hinsichtlich der Arbeitsweise zu sein. In "menschlicher Hinsicht" behaupten sogar 83 Prozent, ein Vorbild zu sein. 44 Prozent der Studienteilnehmer behaupten, sie nähmen ihre Verantwortung "ernster als andere" in vergleichbarer Position.

Zum Thema Unternehmensverantwortung haben die deutschen Manager ein gespaltenes Verhältnis. Der Wunsch danach ist vorhanden, aber die Realität sieht offenbar anders aus. Zwar sind mehr als die Hälfte von ihnen der Ansicht, ihr Unternehmen solle "auf jeden Fall" bzw. "möglicherweise" mehr gesellschaftliche Verantwortung für sein Handeln übernehmen, doch sehen 76,6 Prozent von ihnen Aktivitäten der Corporate Social Responsibility (CSR) skeptisch und halten diese nur teilweise für ernsthaft. 4 Prozent bezeichnen sie gar als "Propaganda". Auf die Frage, welches deutsche Unternehmen sich als besonders verantwortungsvoll bezeichnen ließe, nannten weniger als 10 Prozent der befragten Manager ein Unternehmen.

Auch mit persönlichen Vorbildern tut sich das Gros der Manager schwer. Die meisten von ihnen schwiegen sich über konkrete Namen aus. Diejenigen, die sich zu einer Antwort durchringen konnten, antworteten mehrheitlich mit "Es gibt keinen, den ich als Vorbild sehen würde". Die restlichen Stimmen verteilen sich auf viele verschiedene prominente Köpfe. Die drei meistgenannten sind Ex-Kanzler Helmut Schmidt (37 Stimmen), Kanzlerin Angela Merkel (18) und Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker (15). Die anerkanntesten Unternehmer sind Steve Jobs (5), Wolfgang Grupp (4) und Bill Gates (3).

Erschienen in der WirtschaftsWoche

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23 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Angst oder Inkompetenz

Die Zone, in der sich Führungskräfte bewähren müssen ist nicht zuletzt aufgrund der egozentrischen Erfolgsmodelle zu einem gefährlichen Dschungel geworden. Dieses "Fressen oder gefressen werden" lässt nur unzureichend Spielraum für kooperative Konstellationen,die die persönlichen Qualitäten erst richtig "erblühen" lassen.
Da sehen Vorwürfe berechtigter aus als sie es in Wirklichkeit sind. Wie ausgeprägt die Bereitschaft zur Kooperation und Verantwortung wirklich ist, erfahren wir erst, wenn die Betroffenen zu Akteuren werden und nicht mehr nur kompetenter Akteur mimen.
Das verlangt oft einen Mut, der an Selbstaufgabe grenzt.

Kein Wunder geht dieses Land vor die Hunde

Zitat: "Die restlichen Stimmen verteilen sich auf viele verschiedene prominente Köpfe. Die drei meistgenannten sind Ex-Kanzler Helmut Schmidt (37 Stimmen), Kanzlerin Angela Merkel (18) und Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker (15)."

Was sind das für Vorbilder?
"Alexander der Große" wäre ein Vorbild.
Aber den kennt unter den bildungsfernen Manager niemand.
Die heutigen Manager sind erbärmliche Kreaturen.
Sprechen von "realitäten" weil sie von der Realität überfordert sind.
"Alexander der Große" hätte sich die Welt so gemacht wie er sie braucht.
Er ging mit den einfachen Soldaten an die Front!
Das ist wahre menschliche Größe und Führungskraft.
Und nicht dieses verwöhnte Gejammere von heute.
Wer ein höheres Einkommen haben will, muss sich für die Sache aufopfern. Das ist selbstverständlich, da gibt's nichts zu beklagen.