FührungskräfteWas Chefs auf dem internationalen Parkett beachten sollten

Weil Firmen immer internationaler arbeiten, kommen Führungskräfte oft in Kontakt mit fremden Kulturen. Was Chefs dabei beachten sollen, erklärt Sabine Hockling. von 

Viele Unternehmen richten sich heute internationaler aus als früher. Das stellt Führungskräfte vor neue Aufgaben. Nicht immer wirkt sich ein höherer Grad an Internationalisierung positiv auf das Geschäftsergebnis eines Unternehmens aus.

Wer als Führungskraft in einem international tätigen Unternehmen arbeitet, hat es mit fremden Kulturen zu tun. Eine Hürde ist dabei oft die Kommunikation. Ein typisches Problem: Im Gespräch werden sprachliche Details nicht wahrgenommen, auch finden kulturelle Hintergründe zu wenig Beachtung.

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Sabine Hockling
Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Mit Ulf Weigelt schrieb sie den Ratgeber Arbeitsrecht. Seit 2011 ist sie Autorin der Serie Chefsache. Immer freitags spricht sie mit Managementexperten über Führungsfragen. Hockling bloggt mit Tina Groll unter diechefin.net, das Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

Für Andreas Müller , Studiengangsleiter interkulturelles Management und Kommunikation an der Karlshochschule in Karlsruhe , gibt es verschiedene Möglichkeiten, den Sprecher "überzeugender und authentischer wirken zu lassen". Müller rat zu "klarer Artikulation, ausgewogener Rhythmik und auf den Sachverhalt und den Partner passende Wortwahl". In seinem Aufsatz Babylon ist überall – Führen in fremden Kulturen (erschienen in Führungspraxis und Führungskultur , Symposion Verlag) beschreibt er, wie man mit Geschäftspartnern und Mitarbeitern umgehen sollte, deren Sprache eine Führungskraft nicht ausreichend beherrscht.

Ein Rat, den Müller gibt: Führungskräfte sollten Redewendungen aus dem Sprachgebrauch ihrer internationalen Gesprächspartner und deren Umgebung beherrschen, um ein Gefühl von Nähe herstellen zu können. Auch sollten Führungskräfte auf Gepflogenheiten des interaktiven Umgangs achten und sie in ihr "kommunikatives Repertoire" aufnehmen. Bei all dem ist aber auch wichtig, dass eine Führungskraft ihren eigenen Stil im Umgang mit der Sprache entwickelt.

Müller rät konkret, auf folgende Punkte zu achten:

  • Welche Sprache spricht der Partner (Muttersprache oder Geschäftssprache)?
  • Auf die Transparenz achten: Welche Begriffe werden immer wieder verwendet?
  • Auf die Motivation achten: Welche Arbeitsziele verfolgt der Gesprächspartner?

Diese Informationen, so Müller, machten es leichter, dass Gespräch mit einem Geschäftspartner aus einem anderen Kulturkreis effektiv zu gestalten. Allerdings sei es nicht immer leicht, an die Informationen heranzukommen. Oft braucht es dafür Geduld und Erfahrung. Deshalb sei es sinnvoll, immer wieder nach der Bedeutung von Ausdrucksweisen zu fragen und danach, warum das Gegenüber eine Formulierung wählt.

Leserkommentare
    • lklueh
    • 14. September 2012 16:58 Uhr

    Wer glaubt, mit einem bisschen Basiswissen und 2-3 Redensarten etwas gewinnen zu koennen, taeuscht sich leider sehr. Obwohl ich seit Jahren im Ausland lebe und die Sprache leidlich beherrsche, wuerde ich niemandem raten, sich auf das glatte Parkett der fremdsprachlichen Kommunikation zu begeben - ausser im informellen Bereich, da ist es conditio sine qua non.

    Sprache ist sosehr durch den sozial historischen Hintergrund gepraegt (und wir merken es sogar, wenn wir uns mit Kollegen aus dem jeweils anderen Teil Deutschlands unterhalten). Das ohne Verstaendniss dieses Hintergrundes jede Kommunikation nur mislingen kann. Deshalb zur Sicherheit immer die Lingua Franca (und das ist zumeist Englisch) verwenden und zur Sicherheit immer einen Dolmetscher dabei haben. Diese notwendige Distanz hat nichts mit Distanziertheit zu tun. Die persoenliche Komponente, die zu jedem Geschaeft gehoert, wird nicht im Buero sondern ausserhalb geschaffen. Und da ist Kauderwelsch - mit Wissen ueber den Hintergrund der Kultur - nicht nur akzeptiert sondern wird positivst bewertet.

  1. "Führungskräfte sollten Redewendungen aus dem Sprachgebrauch ihrer internationalen Gesprächspartner und deren Umgebung beherrschen, um ein Gefühl von Nähe herstellen zu können."

    Ich arbeite in einem großen Konzern in Frankreich. Mein Chef ist Israeli, dessen Chef Inder, dessen Chef Araber; meine Mitarbeiter sind Franzosen und Amerikaner. Zum Glück versucht keiner mit ein paar deutschen Redewendungen (z.B. „Besser ein Spatz in der Hand als eine Taube auf dem Dach“??), ein (künstliches) "Gefühl von Nähe herzustellen". Wir kommunizieren sehr gut auf Englisch bzw. Französisch.

    Für mich hinkt die „Huch, ein Ausländer“ Tonlage dieses Artikels weit hinter der Wirklichkeit internationaler Firmen her.

  2. ... versucht einmal Dinge zu verkaufen, von denen sie nicht viel Ahnung hat. Da hilft auch das gepimpte CV nicht.

  3. Der Bochumer Chinesisch-Professor Helmut Martin ...
    http://de.wikipedia.org/w...
    ... wurde mal in einem Interview gefragt, warum die Uni nur für die Wissenschaft ausbilde und nicht mehr sprach-kompetente Absolventen für den Bedarf deutscher Unternehmen hervorbringe.
    .
    Seine Antwort: "Jedes Jahr verlässt die Uni Bochum eine Handvoll Absolventen mit guten Chinesisch-Kenntnissen. Das ist aber mehr, als die deutsche Wirtschaft verkraftet".
    .
    Fremdsprachen außer Englisch stehen bei deutschen Unternehmen nicht auf dem Schirm. Da findet man noch, dass die Ausländer sich gefälligst nach uns richten sollen.

  4. Dolmetscher kennen nicht nur die Sprache, sondern auch Kultur und Besonderheiten und können peinliche Zwischenfälle abfangen.... aber die kosten ja bekanntlich Geld, die Dolmetscher - die Peinlichkeiten allerdings auch. Meine Empfehlung daher, vor allem wenn der Geschäftspartner im Englisch nicht zu Hause ist - leisten Sie sich jemanden vom Fach. Zum Brückenbau nehmen Sie ja auch keinen Zahntechniker ;-)

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