WirtschaftsstudieJede vierte Überstunde wird nicht bezahlt

Deutschlands Beschäftigte leisten einer Untersuchung zufolge 1,4 Milliarden unbezahlte Überstunden im Jahr. Den Großteil davon machen Männer. von dpa

Die Arbeitnehmer in Deutschland bekommen einer Studie zufolge etwa ein Viertel ihrer Überstunden nicht vergütet. Im Schnitt machen die Beschäftigten 12,3 Überstunden pro Monat. Nur 9,1 Stunden davon werden durch Freizeit ausgeglichen oder bezahlt, geht aus einer Untersuchung des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hervor.

Insgesamt wurden 1,4 Milliarden Stunden im Jahr 2010 nicht bezahlt, das sind 2,9 Prozent der geleisteten Stunden aller Arbeitnehmer in dem Jahr. Der Untersuchung zufolge kommen Männer auf durchschnittlich 4,3 Überstunden, die nicht vergütet werden. Bei den weiblichen Angestellten sind es mit 2,1 Stunden deutlich weniger. Das liegt nach Angaben der Wissenschaftler daran, dass Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten.

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Bei den Vollzeitbeschäftigten ist die Zahl der unbezahlten Überstunden höher als bei Teilzeitbeschäftigten, wie es in der Studie weiter heißt: Sie liegen bei 4,2 Stunden beziehungsweise 1,2 Stunden pro Monat. Besonders viele unbezahlte Überstunden (19,2 pro Monat) leisten demnach Arbeitnehmer in Führungspositionen.

Laut IWH basiert die Studie auf Daten des Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB/ Nürnberg ) und auf Befragungsdaten des Sozio-oekonomischen Panel (SOEP). Letzteres ist eine repräsentative Wiederholungsbefragung im Auftrag des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung ( DIW / Berlin ), die jährlich mehr als 20.000 Menschen aus rund 11.000 Haushalten unter anderem zu Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung oder Gesundheit befragt.

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Leserkommentare
  1. knapp jede achte Überstunde wird bezahlt

  2. Es gibt wirklich Schlimmeres. Vielleicht mag diese Zahl deutschlandweit zutreffen und auch das ist schon eine Schande für ein Industrieland wie Deutschland, aber was ich schon von Bekannten gehört habe oder auch mal selber erlebt habe, das stellt jede 4 unbezahlte Arbeitsstunde in den Schatten. Geradezu unglaublich, wie mit der Arbeitskraft und auch Gesundheit vieler Arbeitnehmer umgegangen wird. Im Grunde genommen schädigen sich solche Unternehmen aber auch selbst. Leute die, dauerhaft so ausgenutzt werden, können einfach keine wirklich guten Leistungen bringen. Im Extremfall habe ich schon mal gesehen, dass Leute schon morgens zur Arbeit kamen und schon keinen Bock hatten und die Produktivste Zeit, die eigentlich Morgens ist, gar nicht ausnutzen können, weil es kraftmäßig einfach nicht ging und wirklich an kleinsten Aufgaben verzweifelten. Dazu kommt noch, das solche Leute Kreativität, Effizienz und andere Methoden der Arbeitsbeschleunigung gar nicht zu kennen scheinen und einfach nur langsam und zäh fließend ihre Aufgaben abarbeiten ohne wirklich voran zu kommen. Wirklich schade, dass viele Menschen unter solchen Bedingungen arbeiten müssen oder vielleicht auch nicht anders wollen, denn irgendwo hat jeder Mensch seine Stärken um Überstunden begegnen zu können. Natürlich sollten auch Arbeitgeber irgendwo ein Auge haben, was und ob etwas abläuft. Wenn man "zu weit weg" ist oder schlechte Führungskräfte hat, dann sieht man manche Dinge einfach nicht.

  3. So wenig? Nur jede Vierte?
    Das erstaunt doch sehr, denn einerseits ist die Tarifbindung und jede Verbindlichkeit in dieser Hinsicht in Deutschland schon lange erodiert, andererseits ist es z.B. an Hochschulen einfach "normal", dass Wissenschaftliche Mitarbeiter und Doktoranden halbe Stellen haben und 50 Stunden in ihren Instituten sind. Ähnlich ist es mit Praktikanten in der Industrie, Ärzten in Krankenhäusern im Praxissemester etc.
    So drei, vier oder fünf unbezahlte Zusatzstunden die Woche gehören vielerorts schon zum guten Ton.

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    • Felefon
    • 26. Oktober 2012 1:48 Uhr

    Wissenschaftliche Mitarbeiter und Doktoranden
    falten keine Pappkartons im Akkord.

    Wissenschaftliche Mitarbeiter und Doktoranden haben durchaus ein eigenständiges (Forschungs- und Qualifikations-) Interesse an ihrem Arbeitsplatz und den ihnen dort gegebenen Möglichkeiten.

    Müßten wissenschaftliche Mitarbeiter und Doktoranden ihre Qualifikation und den Zugang zu professioneller Ausstattung selbst erwerben und in kommerziellen Schulungsinstituten bezahlen - da wären je nach Fachbereich schnell ein paar 6-stellige Zuzahlungen fällig.

    Es gilt das gegenseitige Nehmen und Geben im Wissenschaftsbetrieb realistisch abzuschätzen.

    Wenn Sie eine Promotion nicht als rentabel ansehen:
    Es zwingt Sie niemand dazu.

    Die Unternehmen, die die Überstunden nicht bezahlen, sind gleichzeitig die Unternehmen, die viele Überstunden einfordern. Wenn ich mir meinen alten Arbeitgeber ansehe: 6 Monate, ca 120 Überstunden. Macht 20 pro Monat oder 5 pro Woche. Also jeden Tag eine Stunde länger da bleiben. Davon bezahlt: Null. Da man prinzipiell alle Stunden pauschal mit dem Gehalt bezahlt, gab es auch keine Zeiterfassung. Keine Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes, kein Nachweis für den Mitarbeiter. Ich habe dann ein halbes Jahr akribisch eine Excel-Tabelle mit meinen Arbeitszeiten gefüllt. Jeden Tag. War dann beim Kündigungsschutzprozess ein nützliches Werkzeug.

    • Felefon
    • 26. Oktober 2012 1:25 Uhr

    Es gibt auf der anderen Seite bezahlte Zeit für Gespräche mit Kollegen und zwischendurch mal eine zu rauchen.

    Wer auf der Anwesenheits-Stechuhr beharrt - der muß sich diese Zeiten dann auch ehrlich abziehen lassen.

    Aber - ob Arbeit dann noch Spaß machen kann ?
    Ich bezweifle das.

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    Ob Sie am Arbeitsplatz einfach eine Rauchpause machen können wann Sie wollen oder mal ein nettes Pläuschchen mit dem Kollegen, hängt stark von Ihrer Tätigkeit ab.
    Als Kreativarbeiter jederzeit, wer will schon unterscheiden ob Sie mit dem Kollegen ein Hintergrundgespräch zu einer Präsentation führen oder einfach Smalltalk halten. Als Manager können Sie natürlich auch Rauchpause machen so oft Sie wollen.
    Aber versuchen Sie das mal als Dachdecker. Wenn Sie sich auf dem Dach eine anstecken werden Sie gefeuert und wenn Sie beim Ziegellegen für eine kurze Unterhaltung einfach aus der Reihe ausscheiden, werden die Kollegen und der Vorarbeiter Sie schnell wieder in die Spur bringen.

    Das macht sehr viel Sinn wenn man sich überlegt, dass die zu leistende Arbeit gesellschftlich vile gerechter verteilt werden könnte. 1,4 Milliarden Überstunden, das sind 40 Millionen Überstunden Wochen. Wenn man 3 Millionen Arbeitslose zu Grunde legt, könnten die alle 13 Wochen oder mehr als ein Viertel Jahr Vollzeit arbeiten. Was soll das? Ist das sinnvoll? Selbst wenn man davon ausgeht, dass nicht jeder Arbeitlose jede dieser Überstunden wirklich machen könnte, gibt es immer noch qualifizierte Leute mehr als genug die sich darüber freuen würde, nicht mehr von ihrem Sachbearbeiter gequält zu werden. Dazu kommen die Probleme mit der Gesundheit, Burn Out und was weiß ich nicht, durch Überbelastung der gestressten Leute, die diese Überstunden "freiwillig" ableisten, weil sie Angst haben, sonst ihren Arbeitsplatz zu verlieren mal abgesehen. Kosten in Milliardenhöe würde ich mal sagen, die dem Gesundheitswesen entstehn und für die kein Arbeitgeber aufzukommen braucht.

    • Felefon
    • 26. Oktober 2012 1:48 Uhr

    Wissenschaftliche Mitarbeiter und Doktoranden
    falten keine Pappkartons im Akkord.

    Wissenschaftliche Mitarbeiter und Doktoranden haben durchaus ein eigenständiges (Forschungs- und Qualifikations-) Interesse an ihrem Arbeitsplatz und den ihnen dort gegebenen Möglichkeiten.

    Müßten wissenschaftliche Mitarbeiter und Doktoranden ihre Qualifikation und den Zugang zu professioneller Ausstattung selbst erwerben und in kommerziellen Schulungsinstituten bezahlen - da wären je nach Fachbereich schnell ein paar 6-stellige Zuzahlungen fällig.

    Es gilt das gegenseitige Nehmen und Geben im Wissenschaftsbetrieb realistisch abzuschätzen.

    Wenn Sie eine Promotion nicht als rentabel ansehen:
    Es zwingt Sie niemand dazu.

    Antwort auf "So wenig?"
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    Die wenigsten Menschen in Dt falten stumpf tueten 8 stunden am tag? woher kommt bitte dieser vergleich?? Sie vergleichen einen menschen der nicht mal einen hauptschulabschluss braucht (zum tuetenkleben) mit einem wissenschaftler. Ernsthafte wissenschaft in der mann ueberleben moechte bedeutet stress und unsicherheit den die meissten menschen inklusive diplomierte und promovierte arbeitnehmer in der wirtschaft ueberhaupt nicht kennen. Micht nervt dass leute wie Sie immer das totschlag argument aufbringen --> "selber schuld" wenn jeder so denken wuerde dann waeren Sie warscheinlich immer noch in der steinzeit oder leibeigener. Die gesellschaft profitiert in aller bandbreite von wissenschaftlern, die die gesellschaft technologisch und ethisch voranbringen. Bezahlt werden sie dafuer eben ueberhauptnicht. Das wissen griefen sich dann e.g. pharmafirmen oder andere ab undmachen es zu geld. Bitte reflektieren Sie, anstatt eindimensional zu belehren.

    • adept
    • 26. Oktober 2012 2:04 Uhr

    nicht gearbeitet?

    Just saying ...

  4. Die wenigsten Menschen in Dt falten stumpf tueten 8 stunden am tag? woher kommt bitte dieser vergleich?? Sie vergleichen einen menschen der nicht mal einen hauptschulabschluss braucht (zum tuetenkleben) mit einem wissenschaftler. Ernsthafte wissenschaft in der mann ueberleben moechte bedeutet stress und unsicherheit den die meissten menschen inklusive diplomierte und promovierte arbeitnehmer in der wirtschaft ueberhaupt nicht kennen. Micht nervt dass leute wie Sie immer das totschlag argument aufbringen --> "selber schuld" wenn jeder so denken wuerde dann waeren Sie warscheinlich immer noch in der steinzeit oder leibeigener. Die gesellschaft profitiert in aller bandbreite von wissenschaftlern, die die gesellschaft technologisch und ethisch voranbringen. Bezahlt werden sie dafuer eben ueberhauptnicht. Das wissen griefen sich dann e.g. pharmafirmen oder andere ab undmachen es zu geld. Bitte reflektieren Sie, anstatt eindimensional zu belehren.

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    • H.v.T.
    • 26. Oktober 2012 5:21 Uhr

    "Die gesellschaft profitiert in aller bandbreite von wissenschaftlern, die die gesellschaft technologisch und ethisch voranbringen."
    ----

    Und in aller Bandbreite profitiert die Wissenschaft von der Leistungskraft der Gesellschaft, in allen Bereichen.

    Eine Symbiose eben, man sollte dies nie vergessen.

    Schwierig wird es nur, wenn der eine Teil meint, den höheren Anspruch zu besitzen, indem die zunehmend geringere Entlohnung der Tätigkeiten des anderen, da vermeintlich niedriger, als selbstverständlich betrachtet wird.

    Ein jeder übe also ein wenig Respekt vor der Leistung des anderen.

  5. In Großkonzernen gibt es jede Menge Manager und Spezialisten mit Jahresgehältern über der Tarifgrenze und wenn jemand ein Gehalt jenseits der 75000 Euro hat, werden die Überstunden normalerweise nicht extra bezahlt.

    Wenn die Überstunden von dieser Berufsgruppe geleistet werden, halte ich das ganze weniger für einen Skandal als wenn es sich hier um Kassiererinnen handelt die im Jahr 12000 Brutto mitnehmen.

    Leider kann man aufgrund der Angabe im Artikel nicht wirklich wissen wer von den unbezahlten Überstunden betroffen ist.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Arbeitnehmer | Bildung | Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung | Einkommen | Freizeit | Gesundheit
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