ArbeitsrechtWie kalt darf es im Winter im Büro sein?

In den kalten Jahreszeiten streiten sich die Mitarbeiter über die Temperatur im Büro. Gibt es eine Richtlinie? Antwort gibt der Jurist Ulf Weigelt. von 

Wir haben fast nur Großraumbüros bei uns im Betrieb. Und jeden Winter gibt es bezüglich der Raumtemperatur Stress. Die einen wollen es warm, die anderen kalt. Was ist aus arbeitsrechtlicher Sicht zu beachten?, fragt Mateo Rahlmann.

Sehr geehrter Herr Rahlmann,

die aktuell veröffentlichte ASR A3.5 Raumtemperatur gibt für verschiedene Arbeitsräume unterschiedliche Mindesttemperaturen von 12 bis 20 Grad Celsius vor – je nachdem, wie schwer die Arbeiten körperlich sind, die in diesen Räumen ausgeführt werden. Dabei gilt, je schwerer, desto kälter.

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Hier finden Sie eine Übersicht unserer E-Books www.zeit.de/ebooks.

Die ASR A3.5 gibt folgende Mindesttemperaturen vor:

  • 20 Grad Celsius für sitzende Tätigkeiten ohne körperlichen Einsatz (z.B. Büroarbeit)
  • 19 Grad Celsius für leichte stehende, gehende oder mittelschwere sitzende Tätigkeiten (z.B. Arbeiten an der Werkbank)
  • 17 Grad Celsius für mittelschwere stehende oder gehende Tätigkeiten (z.B. Montagearbeiten)
  • 12 Grad Celsius für schwere stehende oder gehende Tätigkeiten (z.B. das Tragen und Heben von Lasten)
Ulf Weigelt
Ulf Weigelt

Ulf Weigelt ist Anwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Auf ZEIT ONLINE beantwortet er jeden Mittwoch in der Serie "Da staunt der Chef" Leserfragen zum Arbeitsrecht. Die Serie ist auch als E-Book erschienen. Weigelt hat mit Sabine Hockling auch den Ratgeber Arbeitsrecht geschrieben.

Um die Lufttemperatur im Raum genau messen zu können, benötigen Sie ein strahlungsgeschütztes Thermometer, das präzise auf +/- 0,5 Grad Celsius misst. Messen Sie dabei stündlich in einer Höhe von 0,6 Metern bei sitzenden und 1,1 Metern bei stehenden Tätigkeiten.

Neben niedrigen Temperaturen kann aber auch trockene Luft bei Ihren Mitarbeitern zu Erkrankungen führen. Achten Sie daher ebenfalls auf die Luftfeuchtigkeit in Ihren Räumen. Gerade im Winter liegt diese durch das ständige Heizen stark unter der vorgegebenen Richtlinie von 50 und 65 Prozent. Dazu benötigen Sie allerdings ein Hygrometer.

Und versuchen Sie immer einen Kompromiss unter Berücksichtigung der Interessen aller Mitarbeiter zu finden.

Ihr Ulf Weigelt

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Leserkommentare
  1. Hallo,
    danke für diesen Artikel.

    Ich arbeite in einem Großraumbüro mit 50 Kollegen und ich weiß was das heißt.
    Temperatur, Klima, Lärm kleine Arbeitsplätze.

    Hierzu habe ich auch eine Frage:
    Wieviel Fläche muß einem Menschen in einem Großraumbüro (ca.400 qm) zur verfügung stehen? bzw. wieviel Fläche muß für einen Arbeitsplatz bereitgestellt werden?

    Hat jemand hierzu eine Antwort?

    Danke

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Zum einen in der Arbeitsstättenverordnung §23 geregelt:
    http://www.gesetze-im-int...

    oder auch von ZEIT-Online, Hr. Weigelt, beantwortet:
    http://www.zeit.de/karrie...

    Redaktion

    Hi leopard-eicher, hi Sjohnson,

    danke für die Antwort. Ulf Weigelt schrieb damals: "Dabei sollte pro Arbeitsplatz eine Fläche von 8 bis 10 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Kommen Ablageflächen, technische Geräte, Platz für Kunden sowie für die Mitarbeiterkommunikation hinzu, muss von einem höheren Flächenbedarf ausgegangen werden. Und im Großraumbüro sollten Arbeitgeber generell einen Mehrbedarf an Fläche einplanen."

    An der Rechtsprechung hat sich seither nichts geändert.

    Beste Grüße von Tina Groll (und auch von unserem Kolumnisten RA Ulf Weigelt.)

  2. Redaktion

    Hi leopard-eicher, hi Sjohnson,

    danke für die Antwort. Ulf Weigelt schrieb damals: "Dabei sollte pro Arbeitsplatz eine Fläche von 8 bis 10 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Kommen Ablageflächen, technische Geräte, Platz für Kunden sowie für die Mitarbeiterkommunikation hinzu, muss von einem höheren Flächenbedarf ausgegangen werden. Und im Großraumbüro sollten Arbeitgeber generell einen Mehrbedarf an Fläche einplanen."

    An der Rechtsprechung hat sich seither nichts geändert.

    Beste Grüße von Tina Groll (und auch von unserem Kolumnisten RA Ulf Weigelt.)

    Antwort auf "Großraumbüro"
  3. Auch in unserer Firma führt die Temperaturfrage in den meisten Büros regelmäßig zu kleineren Konflikten und das fast ganzjährig. Im Sommer betrifft dies in Ermangelung einer Klimaanlage schwerpunktmäßig die Häufigkeit des Lüftens, im Winter ist traditionsgemäß die Einstellung der einzelnen Heizkörperthermostate der Streitpunkt.

    Dabei ergibt sich in den Wintermonaten aber entgegen des Artikelschwerpunkts weniger die Frage "Wie kalt es sein darf" sondern vielmehr der Konflikt "Wie hoch man heizen kann/muss, um dem Wohlfühlfaktor aller Mitarbeiter Rechnung zu tragen". Von wenigen Extremfällen einmal abgesehen, wird also nicht darüber gestritten, ob man nun 16 oder 20 Grad im Büro braucht, sondern ob vermeintlich "kalte" 20 Grad reichen oder ob die Heizung auf 5 gestellt werden darf, bis vermeintlich "kuschelige" 24 Grad erreicht sind.

    Auch wenn ich persönlich der Meinung bin, dass man dies zwischenmenschlich klären kann, ohne dass es dafür gesetzliche Richtlinien braucht, so sollte der Artikel doch darauf eingehen oder schlichtweg zugeben, dass das Arbeitsrecht hierfür keine Vorgaben macht und eben lediglich die meist unstrittigen Mindesttemperaturen regelt.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Arimus
    • 11. Oktober 2012 11:59 Uhr

    Es geht doch wohl um Mindestemperaturen und Auslegung. Dadurch wird doch klar, dass der Einzelfall entscheidet. Und, wie der verfasser ja auch zum Schluß geschrieben hatte, sollte man einen Kompromiß finden. Wir besprechen uns daher auch immer bei streitigen Temeparaturen (kommt aber so oft in unserem Unternehmen nicht vor) mit dem Betriebsrat. Und das gremium ist sich oft auch nicht einig. Frauen scheinen häufiger zu frieren.

    • Arimus
    • 11. Oktober 2012 11:59 Uhr

    Es geht doch wohl um Mindestemperaturen und Auslegung. Dadurch wird doch klar, dass der Einzelfall entscheidet. Und, wie der verfasser ja auch zum Schluß geschrieben hatte, sollte man einen Kompromiß finden. Wir besprechen uns daher auch immer bei streitigen Temeparaturen (kommt aber so oft in unserem Unternehmen nicht vor) mit dem Betriebsrat. Und das gremium ist sich oft auch nicht einig. Frauen scheinen häufiger zu frieren.

  4. Ein Kompromiss wird bei einem Großraumbürs nie allen gerecht werden. Ein Gang durch die Einzel- und Zweierbüros unserer Firma ist im Winter wie ein Gang durch alle vier Jahreszeiten.

    Die Kollegin, die im September schon heizt und es bei 24° noch kühl findet und sich in Schals wickelt und ich sind schlicht nicht kompatibel.

    Glücklicherweise hat jede ihr Einzelbüro und kann dort tun und lassen was sie will.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Arimus
    • 14. Oktober 2012 12:37 Uhr

    Ich unterstütze Ihren Beitrag voll und ganz. Man wird es als Personaler nie allen Recht machen können. Und oft mache ich die Erfahrung, das allein schon aus lauter Mißgunst genörgelt und kritisiert wird, aber viele Miarbeiter langjährig dann doch im Unternehmen bleiben. Also so schlimm kann es dann ja nicht sein, sage ich mir in solchen Situationen.

    • Arimus
    • 14. Oktober 2012 12:37 Uhr

    Ich unterstütze Ihren Beitrag voll und ganz. Man wird es als Personaler nie allen Recht machen können. Und oft mache ich die Erfahrung, das allein schon aus lauter Mißgunst genörgelt und kritisiert wird, aber viele Miarbeiter langjährig dann doch im Unternehmen bleiben. Also so schlimm kann es dann ja nicht sein, sage ich mir in solchen Situationen.

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  • Serie Fragen zum Arbeitsrecht
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Ulf Weigelt | Großraumbüro | Messe | Stress | Winter | Arbeit
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