UrteilPiloten müssen Mützen tragen

Kurioses Urteil vom Landesarbeitsgericht Köln: Piloten müssen auf dem Flughafen Mützen tragen, auch wenn das für ihre Kolleginnen nicht gilt. von dpa

Für Piloten der Lufthansa gilt eine ganz besondere Berufsbekleidungsvorschrift: Sie müssen im Dienst auf dem Flughafen Uniform und Mützen tragen. Auf die Kopfbedeckung dürfen Piloten nach einem neuen Urteil des Landesarbeitsgerichts Köln nicht verzichten, wenngleich diese Vorschrift für Pilotinnen nicht gilt. Das Gericht sah darin am Montag keine Benachteiligung von Männern und hob deshalb ein Urteil des Arbeitsgerichts auf. Allerdings wurde die Revision zum Bundesarbeitsgericht in Erfurt zugelassen.

Ein Pilot der Lufthansa hatte gegen die Mützenpflicht geklagt und in erster Instanz Recht bekommen. In zweiter Instanz dagegen setzte sich nun die Lufthansa durch (Az.: 5 Sa 549/11).

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Hintergrund ist eine Betriebsvereinbarung für Dienstbekleidung, die es seit vielen Jahren bei der Fluggesellschaft gibt. Darin steht, dass Piloten auf dem Flughafen eine Flugkapitänsmütze tragen müssen. Pilotinnen können die Mütze tragen, müssen es aber nicht. Darin sah der Pilot einen Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgesetz. Gut 95 Prozent seiner männlichen Kollegen trügen die Mütze sowieso nicht, argumentierte er vor Gericht. Nur bei ihm habe sein Chef nun plötzlich darauf beharrt.

Die Lufthansa findet die Mützen schön

Das Gericht sah es anders. Man dürfe die Mütze nicht isoliert sehen, sondern als Teil der Dienstbekleidung, die für Männer und Frauen nun einmal unterschiedlich sei, sagte der Vorsitzende Richter Jochen Sievers. Die Dienstbekleidung für Frauen habe auch ihre Besonderheiten. Frauen dürften einen Rock tragen, Männer nicht. Das stelle auch keine Benachteiligung der Männer dar. Andernfalls wäre unterschiedliche Dienstkleidung für Männer und Frauen generell unzulässig.

Die Lufthansa erklärte zu dem Fall, die Mütze sehe gut aus und entspreche nun mal dem historisch gewachsenen Bild von einem Flugkapitän.

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Leserkommentare
    • Gerry10
    • 29. Oktober 2012 19:27 Uhr

    ...steht ja im Arbeitsvertrag ob und was man als Uniform zu tragen hat.
    ABER, ich als Steuerzahler, hätte gerne gewusst wer für diesen irrsinnigen Prozess bezahlt.
    Hat die Lufthanse, hat der Pilot keine anderen Sorgen?
    Warum wird hier die Zeit eines Gerichts und Steuergeld vergeudet für etwas das man zwischen Betriebsrat und Arbeitgebervertretung aushandeln könnte?
    Noch mal trauriger und wütender macht mich aber das es sich hier wohl um eine Vendetta zwischen Pilot und Vorgesetzten handelt, die sich wohl gegenseitig an den Baum gepinkelt haben.
    Und die sind noch nichtmal fertig, geht ja in die nächste Runde.

    Ist ein Hut Teil der Arbeitskleidung, solche Sorgen möchte ich haben...

    4 Leserempfehlungen
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    ... trägt, da es sich offensichtlich um die zweite Instanz handelte, der Verlierer. Also kein Grund zur Hyperventilation.

    Und die Uniformvorschriften sind mit dem "Betriebsrat" (bei den Fliegern ist es "Personalvertretung") natürlich abgestimmt. Da ist ein Pilot einfach wild geworden. Die haben überwiegend zu viel Zeit.

    • Kelsi
    • 29. Oktober 2012 20:00 Uhr

    ... der Schuss wohl nach Hinten. Jetzt müssen wohl alle, die ohne Mütze geduldet worden sind, diese tragen.

    Große Sorgen haben manche, die will ich auch. Tja, jetzt hat er gefälligst seine Mütze zu tragen. ;-)

  1. 3. Röcke

    Natürlich ist es eine Benachteiligung, dass Männer keine Röcke tragen dürfen, die Argumentation ist komplett unsinnig; sie ist schlicht ergebnisgetrieben: Das Gericht wollte zu diesem Ergebnis kommen, sind halt ein paar (im Geiste) alte Männer, deren Weltbild tatsächlich so aussieht, dass es eine entsprechende natürliche Ordnung und geschlechtsspezifische Kleidung gibt. Relevanter als bei Röcken ist es aber bei Schmuck oder langen Haaren, die bei bestimmten uniformierten Berufsgruppen Frauen erlaubt, den Männern aber den Ohrring verwehrt. Und wenn es dann noch ein echtes staatliches Arbeitsverhältnis ist, greift die Gleichbehandlung sogar direkt und nicht über Drittwirkung.

    Hoffentlich korrigiert die Revisionsinstanz dieses alberne Urteil. Möglicherweise ist die Betriebsvereinbarung trotzdem gültig, da es sich um einen privaten Arbeitgeber handelt, aber eine solche Argumentation darf heute keinen Bestand mehr haben.

    6 Leserempfehlungen
  2. Schmuck tragen? Frauen scheint es laut Bundeswehrwerbung erlaubt zu sein.

    Ich will als Mann auch Röcke und Lippenstift im Beruf tragen dürfen! Wieso darf Frau alles anziehen und ich nicht :(

    voll Moppelkotze!

    12 Leserempfehlungen
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    • Jastrau
    • 30. Oktober 2012 7:51 Uhr

    "voll Moppelkotze!"

    Made my day, ty ;)

    • Atarius
    • 29. Oktober 2012 21:02 Uhr

    Haben Sie schon mal einen Polizisten mit langen Haaren gesehen? Oder mit rotgeschminkter Schnute? Nein? Polizistinnen mit Pferdeschwanz? Ja klar, schon oft! Aha ...

    Schon mal langhaarige Soldaten gesehen? Nein? Soldatinnen mit Pferdeschwanz? Ja klar, schon oft!

    Ja, aber, so die Begründung vom Spieß, lange Haare dürfen bei Soldaten nicht sein, wegen der ABC-Schutzmaske! Ok, so was setzen Soldatinnen im Ernstfall eh nicht auf, weil es ja die Frisur ruinieren könnte ...

    7 Leserempfehlungen
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    • Jastrau
    • 30. Oktober 2012 7:56 Uhr

    Die Antwort ist doch bekannt..Mädels sind halt besondere Menschen, die Sonderregelungen nicht nur verdienen, Nein, es muss, ja, kann nicht anders sein, Forderung obendrauf, aber wir sind ja alle gleich, gelle :)
    Nur Einige sind Gleicher..und wenn nicht, dann gibt es noch immer Quoten...

  3. ... trägt, da es sich offensichtlich um die zweite Instanz handelte, der Verlierer. Also kein Grund zur Hyperventilation.

    Und die Uniformvorschriften sind mit dem "Betriebsrat" (bei den Fliegern ist es "Personalvertretung") natürlich abgestimmt. Da ist ein Pilot einfach wild geworden. Die haben überwiegend zu viel Zeit.

  4. vor soviel juristischem Feinsinn ALLER beteiligten. Die Lufthansa sollte nach diesem nahezu verfassungsmaessigem Quantensprung im Arbeitsrechts die Helmpflicht abschaffen. Das waer echt guter Humor. Das Urteil ist ein schlechter Witz.

  5. Ich sehe diese Verhandlung und dieses Urteil in einem größeren Kontext. Unsere Gesellschaft ist gerade dabei, diskursiv auszuhandeln, ob die Geschlechter gleichberechtigt oder gleich sein sollen.
    Das zeigt sich auch hier in den Kommentaren. Manch einer regt sich über die vermeintliche Sinnlosigkeit und Ressourcenverschwendung dieses Prozesses auf, manch einer regt sich hingegen über die geschlechterbedingte Ungleichbehandlung von Arbeitnehmern auf.

    Wollen wir die Geschlechter als unterschiedlich, aber gleichwertig betrachten, dann ist es in Ordnung, dass sie auch unterschiedliche Berufsbekleidungsvorschriften haben. Gehen wir hingegen davon aus, dass sie gleich sind, dann regt man sich über dieses Urteil zurecht auf.

    Da der politisch korrekte Mainstream derzeit schon in Richtung geht, erscheint der Artikel hier in einem derart kritischen Ton. Und dann muss man sich fragen: Warum dürfen Männer keine Röcke tragen, usw.?

    Um es mal realistisch zu halten: Darf Mann denn bei der Lufthansa Kilt tragen? Vielleicht ein blau-gelbes Karo, um den Unternehmensfarben Rechnung zu tragen?

    Geht man hingegen davon aus, dass die Geschlechter halt unterschiedlich sind und auch unterschiedlich ehandelt werden sollen, dann ist dieses Urteil in Ordnung. Allein: Es passt nicht zum aktuelle gesellschaftlichen Trend. Da drängt sich der Verdacht auf, die Richter wollten Politik machen.

    3 Leserempfehlungen
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    Mir ist auch schon aufgefallen, dass überall "Gleichberechtigung" und "Gleichstellung" synonym benutzt wird, obwohl das eine wohl eher das andere ausschließt.
    Menschen sind nunmal nicht gleich und Frauen sind keine Männer und umgekehrt. Seit "The gender equality paradox" wissen wir auch, dass die verschiedenen Interessenschwerpunkte wahrscheinlich naturbedingt sind. In dem Zusammenhang bringen also beispielsweise auch Quoten als Maßnahme zur Anpassung der Geschlechterverteilung "Gleichstellung", schränken aber die Rechte der anderen Gruppe ein.

    Die lustige Diskussion über die große Gleichmache finden meine Frau und ich seit Jahren ziemlich lächerlich.

    Aus politischer correctness habe ich mich bislang z.B. zum Thema Quote eher zurückgehalten. Meine Frau allerdings wettert bereits seit Jahren über den Unfug.

    Es steht völlig außer Frage, dass Menschen in unserem Staat alle die gleichen RECHTE besitzen! Dass deshalb aber auch alle Menschen in jeder Situation gleich behandelt(!) werden sollen, dagegen verwehre ich mich vehement. Dagegen spricht schon die Hilfsbereitschaft: ich werde nach wie vor meinen Platz im Bus für ältere Mitreisende räumen, was ich für ein völlig gesundes Gör von 14 sicher nicht machen würde.

    Also nix mit Gleichbehandlung... auch wenn es völlig ungerecht ist und das Gör sich noch so sehr diskriminiert fühlt. Und wenn der Pilot in Frauenklamotten erscheint, steige ich wieder aus (weis der Kuckuck, wo der mich hinfliegt).

    ...ich warte jetzt auf all Diejenigen, die mir erklären werden, das sei etwas völlig Anderes... :)

    Natürlich soll es eine rechtliche Gleichstellung sein. Natürlich gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Diese müssen aber eine Grundlage für eine rechtlich unterschiedliche Behandlung liefern. Gleiches muss gleich behandelt werden, ungleiches kann ungleich behandelt werden - wenn die Ungleichheit relevant ist.

    Und da gibt es bei Berufsbekleidung, Schmuck, Haartracht eigentlich nur den BH, den Männer meist nicht brauchen; sonst gibt es keinen Unterschied außer einem "es soll aber so sein, dass es einen Unterschied in der Bekleidung und dem Schmuck gibt, war ja schon immer so, ist also Tradition". Nein, das reicht nicht als Grund für rechtliche Ungleichbehandlung. Das ist persönlicher Geschmack.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, tgr
  • Schlagworte Lufthansa | Recht | Arbeitsgericht | Flughafen | Gericht | Richter
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