An Adolph Franz Friedrich Ludwig Freiherr von Knigge, dem Meister der geschliffenen Umgangsformen , scheiden sich die Geister. Noch heute orientieren sich die Umgangsformen in der Geschäftswelt nach seinen Leitmotiven, die er in seinem Werk Über den Umgang mit Menschen im 18. Jahrhundert niedergeschrieben hat. Allerdings haben viele Nachholbedarf in den alten Tugenden der Höflichkeit, sagt Hans-Michael Klein. Er ist der zweite Vorsitzende der deutschen Knigge-Gesellschaft und arbeitet als Benimm-Trainer. Dabei hält er natürlich an den alten Werten fest, adaptiert sie aber in die heutige Zeit. In einigen Punkten unterscheiden sich die heutigen Umgangsformen von denen aus dem 18. Jahrhundert.

In Kleins Seminare kommen vor allem Menschen, die sich in der Geschäftswelt adäquat bewegen wollen . "Ich bringe meinen Klienten das richtige Benehmen bei Tisch, gängige Begrüßungsrituale und Wissenswertes hinsichtlich des richtigen Dresscodes bei", sagt Klein.

Den Unterricht unterteilt der Knigge-Lehrer in die drei Schritte: Vortrag, Übung und Lehrgespräch. Im Einführungsvortrag erklärt der Knigge-Lehrer zunächst, wer Knigge eigentlich war und was der Benimm-Guru von den Menschen wollte.

Dabei folgt Klein dem Zitat Knigges´: "Man soll nie vergessen, dass die Gesellschaft lieber unterhalten als unterrichtet sein will." Entsprechend versucht der Benimm-Coach in seinen Seminaren auch unterhaltsam zu sein.

In Rollenspielen übt er mit seinen Schülern typische Szenen, in denen reichlich Fettnäpfchen lauern. Wer öffnet bei einer Taxifahrt mit mehreren Geschäftspartnern zuerst die Wagentür? Wer geht zuerst ins Restaurant? Wer führt wie die Bestellung durch und wie wird eigentlich die Serviette richtig benutzt? Selbst bei so vermeintlich einfachen Dingen wie der Benutzung des Bestecks machen selbst erfahrene Führungskräfte Fehler, sagt Klein. Vor allem, wenn es darum geht, das richtige Besteck dem richtigen Gericht zuzuordnen.

Keiner wird für Fehler ausgelacht

Die Szenen werden zunächst unter Anleitung durchgespielt. Der Trainer gibt dabei Anweisungen und Korrekturen. Später werden die Situationen etwas variiert und die Teilnehmer müssen zeigen, was sie gelernt haben. Zum Schluss gibt es ein gemeinsames Lehrgespräch. "Das ist wie ein lockeres Quiz, bei dem die Seminarteilnehmer die richtigen Lösungen gemeinsam ermitteln", sagt der Knigge-Trainer.

Wer sich richtig daneben benimmt, muss allerdings keine negativen Konsequenzen befürchten. Klein ist es wichtig, die Knigge-Regeln selbstverständlich schon im Lehrprozess anzuwenden. Und das heißt: Niemand darf wegen etwaiger Fehler sein Gesicht verlieren. "Wir machen uns in keiner Weise über die Fehler anderer lustig", sagt Klein. Der Benimm-Unterricht richtet sich neben Managern und Führungskräften auch an Studierende, Berufseinsteiger und Auszubildende. Und es gibt auch Kurse für Kinder, Jugendliche und Ältere, die ihr Wissen auffrischen möchten. Neben Gruppenunterricht gibt es auch Einzelcoaching.

Die Nachfrage nach Benimm-Unterricht hat in den letzten Jahren zugenommen. Klein glaubt, dass dies mit neuen Werten in der Erziehung zu tun hat. Früher seien die alten Knigge-Regeln noch stärker als Erziehungsideal verstanden worden. Zugleich haben sich viele Regeln verändert. Die Gleichberechtigung von Männern und Frauen haben auch einige Verhaltensregeln hinfällig werden lassen. Auch einige Benimmregeln zwischen Jüngeren und Älteren haben sich durch ein neues Selbstverständnis älterer Menschen verändert. Heute begehen jungen Menschen mitunter einen Fauxpas, wenn sie für Personen höheren und mittleren Alters einen Platz frei machen. Viele Ältere verstehen das heute als glatte Beleidigung.