Wenn es im Rücken zwickt , suchen die Deutschen gerne Hilfe bei Masseuren. Die haben im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun. Denn Rückenschmerzen verursachen einen Großteil aller Fehltage im Job. Aber nicht jede Massage wirkt. Mehr als 30 Techniken erlernen angehende Masseure und medizinische Bademeister , wie die offizielle Bezeichnung des Berufes lautet.

"Man muss zwischen Wellnessmassagen und medizinischen Massagen unterscheiden", sagt Hans Ortmann, Vizepräsident des Verbands Physikalische Therapie (VPT) . Die Behandlung richtet sich nach dem Krankheitsbild. Daneben gibt es auch noch präventive Behandlungen und rehabilitative Maßnahmen – beispielsweise nach einer Erkrankung oder Verletzung. Zusätzlich zur Massagetherapie mit den einzelnen Formen gibt es verschiedene Therapiemöglichkeiten. Thermotherapie, Elektrotherapie, Licht- und Strahlentherapie oder Hydrotherapie gehören beispielsweise dazu. In der Regel kommen die Patienten auf ärztliche Weisung in die Praxis. Meist haben sie einige Anwendungen auf Rezept erhalten. Immer mehr Menschen lassen sich auch privat behandeln. Die Nachfrage steigt – denn Massagen wirken auch entspannend.

Vor jeder Behandlung checkt der Masseur, was der Kunde braucht. Dazu begutachtet er das Gewebe. Wie sieht es in normalem Zustand aus? Ist es pathologisch, also krankhaft verändert? Dann entscheidet er, welche Behandlungsmethode am sinnvollsten ist.

"Masseure sind Gewebespezialisten und arbeiten überwiegend fühlend mit den Händen. Oft sind die Behandlungen eine Alternative zu anderen medizinischen Lösungen", sagt Ortmann. So wenden medizinische Masseure beispielsweise manuelle Lymphdrainage an, die dazu führt, dass angestaute Gewebeflüssigkeit abfließen kann. Oft arbeiten Masseure interdisziplinär mit Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden zusammen.

Keine Angst vor Nähe

Für die Arbeit darf man nicht kontaktscheu sein. Masseure benötigen Einfühlungsvermögen und Geduld. Sie müssen teamfähig sein und gut zuhören können.

"Wir müssen uns in die Situation der Patienten hineinversetzen können. Das Verstehen des Gegenübers ist entscheidend", sagt Ortmann. Eine Ausbildung zum Masseur und medizinischen Bademeister dauert zweieinhalb Jahre. In dieser Zeit machen die Lehrlinge auch ein Pflichtpraktikum. Die Ausbildung kann an staatlichen Schulen oder an staatlich anerkannten privaten Berufsfachschulen absolviert werden. Der Unterricht in Theorie und Praxis erfolgt in der Regel in Vollzeit. Je nach Schule ist die Ausbildung kostenpflichtig. Am Ende steht eine Prüfung. Wer sie besteht, darf den Titel "Staatlich anerkannter Masseur und medizinischer Bademeister" tragen.

Auf dem Stundenplan in der Lehre stehen Berufsgesetzkunde, Anatomie und Physiologie, allgemeine und spezielle Krankheitslehre und natürlich Hygienevorschriften. Auch Erste Hilfe und Verbandstechnik sowie in Pädagogik, Soziologie und natürlich Massagetechniken gehören dazu. Bei den Techniken liegt auch der feine Unterschied zur Ausbildung als Physiotherapeut. Mit etwa 350 Ausbildungsstunden fällt die Masseurs-Ausbildung deutlich umfangreicher aus als die Physiotherapie-Ausbildung, die 150 Stunden umfasst.

Der hohe Praxisanteil macht allerdings auch Spaß. Denn natürlich üben die Azubis am eigenen Körper. "Man muss als Masseur alles in der Praxis selbst erfahren und gespürt haben, damit man weiß, wie es auf den Patienten wirkt", sagt Ortmann. Wie macht es der Kollege? Wo liegt der Unterschied? Am Patienten arbeiten die Lehrlinge erst, wenn Praxis und Theorie in der Berufsfachschule absolviert wurden.