Gleichberechtigung : In Deutschland klaffen Gehälter immer weiter auseinander

Gleicher Job, gleiche Qualifikation – und doch weniger Gehalt: In Deutschland verdienen Frauen immer häufiger schlechter als Männer, stellt eine neue Studie fest.

Wie steht es um die Gerechtigkeit zwischen Männern und Frauen? Diese Frage beantwortet der jährliche Global-Gender-Gap -Report des Weltwirtschaftsforums. Die Statistiker vergleichen dafür weltweit 135 Staaten miteinander. Sie erfassen damit rund 93 Prozent der Weltbevölkerung.

Das Weltwirtschaftsforum lässt umfassend untersuchen, welchen Zugang Männer und Frauen zu medizinischer Versorgung, zu Bildung und politischer Beteiligung haben. Außerdem analysieren die Fachleute, wie groß die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind, etwa bei der Arbeitslosenquote und dem Anteil in Führungspositionen. Wie groß ist der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen , wenn diese den gleichen Job ausüben und die gleiche Qualifikation haben?

Jetzt liegt der Report 2012 vor. Für Frauen in Deutschland hat sich die Lage demnach leicht verschlechtert, insbesondere, wenn man sich die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen anschaut.

Lag die Bundesrepublik im Vorjahr noch auf Platz elf, rutschte sie in diesem Jahr auf Platz 13. 2006 war Deutschland sogar auf Platz fünf gewesen. Männer verdienen bei gleicher Qualifikation also mehr als Frauen. Gleich hinter Deutschland liegt Lesotho (Platz 14). Vor Deutschland liegen die Philippinen (Platz acht) und Nicaragua (Platz neun).

Die Gründe für Deutschlands Abschneiden sind vielschichtig. Es gibt mittlerweile Anzeichen dafür, dass Frauen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten aufgrund ihres Geschlechtes geringer bezahlt werden als Männer. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Konjunktur in Deutschland einen Rückgang. Im Vorjahr hatte sich Deutschland infolge der guten wirtschaftlichen Lage im Ranking leicht verbessern können. 

Auch die Berufswahl, die Tatsache, dass Frauen häufiger Teilzeit arbeiten und Männer mehr Überstunden machen, lassen die Gehälter auseinanderdriften. Dieser Effekt wird dadurch verstärkt, dass viele Frauen in der freien Wirtschaft ihre Löhne schlechter aushandeln als Männer. Zudem sind in vielen Unternehmen Gehaltsgefälle nicht transparent. Ein Projekt des Bundesarbeitsministeriums soll Arbeitgebern jetzt dabei helfen, den Gender Pay Gap in ihrem Betrieb zu erfassen und gegenzusteuern.

Skandinavien vorne

Wie so oft sind die Skandinavier im Rennen um Gleichberechtigung vorn. Im Ranking belegt Island Platz eins, gefolgt von Finnland , Norwegen und Schweden . In Europas Norden werden Frauen und Männer am ehesten gleich bezahlt. Frankreich fiel dagegen um einige Plätze zurück – von Platz 55 auf Platz 57. Obgleich es in Frankreich mittlerweile eine Frauenquote für Aufsichtsräte gibt, hat dies noch keine Folgen auf die unterschiedlichen Gehälter. Das Schlusslicht innerhalb der Europäischen Union bildet Malta . Das südeuropäische Land erreichte nur Platz 88.

In den USA hat sich die Situation verschärft. Das Land schafft es in diesem Jahr auf Platz 22, im Vorjahr war es noch Platz 17. Gegen Schluss kommt die Türkei , die auf Platz 124 liegt. Noch gavierender sind die Unterschiede im Bürgerkriegsland Syrien , im Tschad , in Pakistan und Jemen . Diese Länder liegen auf den letzten Plätzen.

Der ganze Report kann auf der Seite des Weltwirtschaftsforums abgerufen werden.

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Kommentare

55 Kommentare Seite 1 von 11 Kommentieren

das läßt sich sicherlich

schwer erklären von einer Kanzlerin und einer Arbeitsministerin und ist wohl mehr als peinlich.

Für die gleichen Arbeitsbedingungen gehören für beide Geschlechter die identische Entlohnung dazu.

Oder berechnen die Arbeitgeber bereits vorab mögliche Ausfälle der Frauen durch Schwangerschaft oder ausnahmebedingte Kinderbetreuung?

@Kassandra_K

"Dieser Wert stellt insofern eine Obergrenze dar, als einige weitere Faktoren, die zur Erklärung des Verdienstunterschieds beitragen könnten, in der Analyse nicht berücksichtigt werden konnten, da die entsprechenden Angaben nicht vorlagen."

Nachzulesen hier:
https://www.destatis.de/D...

....Obergrenze...., es können auch nur 2% sein.

Bitte wo ist denn hier ein Skandal?
Zeigen Sie mir doch einen einzigen Tarifvertrag der nach Geschlechtern unterscheidet.

Im Übrigen sind die Gehaltsunterschiede (beispielsweise!) teilweise zwischen Ost,- und Westdeutschland grösser als diese (maximal) 8%.

tL

Richtig

Kassandra_K schrieb:

"Im Übrigen sind die Gehaltsunterschiede (beispielsweise!) teilweise zwischen Ost,- und Westdeutschland grösser als diese (maximal) 8%."

Richtig. Und der Lohnunterschied zwischen Tarifbeschäftigten und Leiharbeitern sogar locker 30% und mehr.
Wie verlogen ist eigentlich das Geschrei der Politiker von SPD und GRÜNEN, die sich über den angeblichen Gender-Pay-Gap aufregen, jedoch keinerlei Hemmungen hatten mit der Einführung von Leiharbeit viel größere Einkommensunterschiede zu schaffen?

Global Gender Gap nicht an Gleichberechtigung interessiert

Im Gegensatz zu den Behauptungen im Artikel ("Wie steht es um die Gerechtigkeit zwischen Männern und Frauen? Diese Frage beantwortet der jährliche Global-Gender-Gap-Report des Weltwirtschaftsforums.") und trotz seines Namens misst der Gender Gap Report nicht den "Gender Gap"; er benutzt nämlich eine Methodologie, bei der Länder, in denen in einem Indikator Frauen besser als Männer abschneiden, in diesem Indikator die Bestnote (1,00) erhalten (siehe Seiten 4 und 5 in dem Report, z.B. "Truncating the
data at the equality benchmarks for each variable assigns
the same score to a country that has reached parity
between women and men and one where women have
surpassed men."; sie schreiben, dass diese Art der Auswertung besser für ihre Ziele geeignet ist (S. 5)). Das führt dann dazu, dass die nordischen Länder Bestnoten im Bildungsbereich erhalten, obwohl sie von einer Gleichverteilung weit entfernt sind und obwohl Länder mit umgekehrter Geschlechterverteilung schlechte Noten erhielten: In Island, dem Sieger, kommen 1,87 Frauen auf einen Mann in er tertiären Bildung und dennoch gibt es 1,00. Übrigens gibt es weltweit mehr Frauen als Männer in der tertiären Bildung, so dass das unterrepräsentierte Geschlecht hier das männliche ist, d.h. eigentlich müssten sie allen Ländern, bei denen Männer in diesem Indikator besser abschneiden als Frauen, eine 1,00 geben und den anderen eben schlechtere Noten.