GleichberechtigungIn Deutschland klaffen Gehälter immer weiter auseinander

Gleicher Job, gleiche Qualifikation – und doch weniger Gehalt: In Deutschland verdienen Frauen immer häufiger schlechter als Männer, stellt eine neue Studie fest. von 

Wie steht es um die Gerechtigkeit zwischen Männern und Frauen? Diese Frage beantwortet der jährliche Global-Gender-Gap -Report des Weltwirtschaftsforums. Die Statistiker vergleichen dafür weltweit 135 Staaten miteinander. Sie erfassen damit rund 93 Prozent der Weltbevölkerung.

Das Weltwirtschaftsforum lässt umfassend untersuchen, welchen Zugang Männer und Frauen zu medizinischer Versorgung, zu Bildung und politischer Beteiligung haben. Außerdem analysieren die Fachleute, wie groß die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind, etwa bei der Arbeitslosenquote und dem Anteil in Führungspositionen. Wie groß ist der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen , wenn diese den gleichen Job ausüben und die gleiche Qualifikation haben?

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Jetzt liegt der Report 2012 vor. Für Frauen in Deutschland hat sich die Lage demnach leicht verschlechtert, insbesondere, wenn man sich die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen anschaut.

Gender Pay Gap

Als Gender Pay Gap wird die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen bezeichnet. Einer OECD-Studie aus dem März 2012 zufolge verdienen Vollzeit beschäftigte Frauen in Deutschland durchschnittlich 21,6 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Das belegen auch die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamt. Die Statistiker stellen eine unbereinigte Lohnlücke von 22 Prozentfest.

ImGlobal-Gender-Gap-Report des Weltwirtschaftsforums  2012 kam Deutschland auf Platz 13, 2006 war die Bundesrepublik noch auf Platz fünf gewesen.

Frauen arbeiten häufiger in schlecht bezahlten Berufen und wenig in Führungspositionen. Das erklärt zwei Drittel des Lohnunterschieds. Es bleiben jedoch sieben bis acht Prozent Differenz aufgrund des Geschlechts. Dieser Unterschied wird als bereinigte Lohnlücke bezeichnet.

Gender Pension Gap

Als Gender Pension Gap wird die Rentenlücke zwischen Männern und Frauen bezeichnet. Einer Studie des Bundesfamilienministeriums aus dem Februar 2012 zufolge beträgt sie 59,6 Prozent. Dabei fällt der Gender Pension Gap im Osten mit 36,7 Prozent niedriger aus als im Westen mit 63,4 Prozent.

Maßgeblich für die Rentenlücke sind die weiblichen Erwerbsbiographien: Frauen, die sich für Ehe und Familie entschieden haben, bekommen sogar 69,6 Prozent weniger Rente. Sie haben für die Kindererziehung ihre Erwerbstätigkeit oft lange unterbrochen und in Teilzeit gearbeitet. Dadurch haben die Frauen nur geringe Rentenansprüche erworben.

Die heutige durchschnittliche gesetzliche Rente von Frauen beträgt 645 Euro im Monat, für Männer hingegen 1.595 Euro.

Lag die Bundesrepublik im Vorjahr noch auf Platz elf, rutschte sie in diesem Jahr auf Platz 13. 2006 war Deutschland sogar auf Platz fünf gewesen. Männer verdienen bei gleicher Qualifikation also mehr als Frauen. Gleich hinter Deutschland liegt Lesotho (Platz 14). Vor Deutschland liegen die Philippinen (Platz acht) und Nicaragua (Platz neun).

Die Gründe für Deutschlands Abschneiden sind vielschichtig. Es gibt mittlerweile Anzeichen dafür, dass Frauen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten aufgrund ihres Geschlechtes geringer bezahlt werden als Männer. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Konjunktur in Deutschland einen Rückgang. Im Vorjahr hatte sich Deutschland infolge der guten wirtschaftlichen Lage im Ranking leicht verbessern können. 

Auch die Berufswahl, die Tatsache, dass Frauen häufiger Teilzeit arbeiten und Männer mehr Überstunden machen, lassen die Gehälter auseinanderdriften. Dieser Effekt wird dadurch verstärkt, dass viele Frauen in der freien Wirtschaft ihre Löhne schlechter aushandeln als Männer. Zudem sind in vielen Unternehmen Gehaltsgefälle nicht transparent. Ein Projekt des Bundesarbeitsministeriums soll Arbeitgebern jetzt dabei helfen, den Gender Pay Gap in ihrem Betrieb zu erfassen und gegenzusteuern.

Skandinavien vorne

Wie so oft sind die Skandinavier im Rennen um Gleichberechtigung vorn. Im Ranking belegt Island Platz eins, gefolgt von Finnland , Norwegen und Schweden . In Europas Norden werden Frauen und Männer am ehesten gleich bezahlt. Frankreich fiel dagegen um einige Plätze zurück – von Platz 55 auf Platz 57. Obgleich es in Frankreich mittlerweile eine Frauenquote für Aufsichtsräte gibt, hat dies noch keine Folgen auf die unterschiedlichen Gehälter. Das Schlusslicht innerhalb der Europäischen Union bildet Malta . Das südeuropäische Land erreichte nur Platz 88.

In den USA hat sich die Situation verschärft. Das Land schafft es in diesem Jahr auf Platz 22, im Vorjahr war es noch Platz 17. Gegen Schluss kommt die Türkei , die auf Platz 124 liegt. Noch gavierender sind die Unterschiede im Bürgerkriegsland Syrien , im Tschad , in Pakistan und Jemen . Diese Länder liegen auf den letzten Plätzen.

Der ganze Report kann auf der Seite des Weltwirtschaftsforums abgerufen werden.

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Leserkommentare
  1. andere kann man es nicht mehr bezeichnen wenn im titel suggeriert wird dass frauen in den gleichen jobs weniger verdienen umd man sich dann im text zusammensuchen darf, dass eben nicht frauen und männer mit dem gleichen job (inhaltlich und von den rahmenbedingungen) verglichen wurden

    Eine Leserempfehlung
    • GeorgKT
    • 25. Oktober 2012 18:05 Uhr

    Zu Ihrem Paygap von 8%: lesen Sie die Studie, dann lernen Sie, dass die Frau, die die Studie gemacht hat, die Erschwerniszuschläge nicht bereinigt hat.

    Dass Männer in Deutschland die schwere, gefährliche und dreckige Arbeit machen, ist angenehm für die Frauen, wird aber mit Zuschlägen vergütet, die in der Studie nicht bereinigt sind. Der paygap durfte dann bei null liegen.

    Außerdem:Frauen studieren nun mal die Fächer, die weniger Einkommen bringen. Siehe Ochsenfeld, Uni Frankfurt, 2012:

    http://www.muk.uni-frankfurt.de/43219665/204

    Eurostat zeigt, dass 85% der Lehramtstudenten Frauen sind.
    Industrieunternehmen, z.B. VW zeigen, dass heute, in 2012 gerade 30% der Studienabschlüsse, die in der Industrie eigesetzt werden können Frauen sind.

    Die heutigen Führungskräfte haben aber vor 20 -30 Jahren abgeschlossen, da waren es entsprechend weniger. Ohne Männer massiv zu diskriminieren, wäre allenfalls eine Quote von 20% für Führungskräfte angemessen.

    Es liegt nicht an den Männern, dass Frauen weniger verdienen.

    Die Chefin der BAfin(FInanzaufsicht) bekomm das doppelte wie ihr Vorgänger Sanio. Für das Gehalt, dass Männern genügt, war keine Frau für den Job zu bekommen.

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Arbeitgeber | Arbeitslosenquote | Berufswahl | Gehalt | Gleichberechtigung | Island
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