FührungskräfteIm Ampelsystem zum Chef aufsteigen

Grün macht den Weg frei ins Management, rot bremst die Karrierechancen: Unilever fördert mit einem Ampelsystem Talente im Unternehmen. Kann das gut gehen? von Kristin Schmidt

Zum dritten Mal hintereinander schaffte es die junge Managerin in den grünen Bereich der Bewertungsmatrix. Als eine Direktorenstelle in ihrer Abteilung bei Unilever frei wurde, war klar, sie bekommt den Job. Die Diskussion zwischen Personalabteilung und ihrem Vorgesetzten verlief kurz und schmerzlos, denn alle Beteiligten wussten dank dem transparenten Ampelsystem, wen sie vor sich hatten.

Unilever bewertet seine Angestellten im Management nach folgenden Kriterien: Erstens müssen sie sich an ihren persönlichen Ziele, die mit dem Vorgesetzten in den Jahresgesprächen abgestimmt werden, messen lassen. Zweitens sollen die Aufgaben aus der Stellenbeschreibung erfüllen . Drittens müssen sie bestimmte Führungskompetenzen mit sich bringen.

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Schneidet eine Führungskraft sehr gut ab, kommt sie in den grünen Bereich und wird als so genannter High-Potential gehandelt. Schneidet jemand sehr schlecht ab rutscht er in den roten Bereich. Dazwischen gibt es die Stufen Weiß, für eine durchschnittliche Leistung und Gelb, die als Warnung vor der roten Stufe steht.

Dabei ergibt sich laut Personalchef Ulf Werkmeister meist eine Normalverteilung. "Es ist ganz normal, dass eine gewisse Anzahl der Manager über den Erwartungen liegt und ungefähr die gleiche Anzahl unter den Erwartungen. Trotzdem kann es Teams geben, in denen kein Mitarbeiter im roten Bereich liegt."

Mit dieser Normalverteilung vor Augen fällt das Urteil der Vorgesetzten meist anders aus. Denn: "Viele Vorgesetzte bewerten zu positiv, so dass auf einmal 60 Prozent der Angestellten im überdurchschnittlichen Bereich liegen", sagt Walter Jochmann, Mitglied der Geschäftsführung bei der Beratung Kienbaum. "Um dem entgegenzuwirken sind Quoten sinnvoll, so lange sie nicht zu starr sind."

Betriebsrat befürwortet Ampelsystem

Selbst der Betriebsrat von Unilever kann dem Ampelsystem, das ab Januar 2013 auch für die Tarifbeschäftigten in der Produktion eingeführt wird, etwas abgewinnen. Zum Beispiel wenn ein Arbeiter mehrmals im roten Bereich gelandet ist: "Wir sehen früher, welcher Mitarbeiter Probleme hat. Wir können dann versuchen ihm zu helfen, bevor er möglicher Weise ernste Probleme bekommt", sagt Betriebsratschef Herrmann Soggeberg. Außerdem sei das Ampelsystem sehr transparent und auch jemand ohne Studium könne sich fürs Management empfehlen.

Trotz dieser generellen Vorteile kommt es bei der Umsetzung auf die Details an. Der Betriebsrat hat für die Mitarbeiter in der Produktion ein modifiziertes Ampelsystem durchgesetzt, denn manche Mechanismen der Managementebene seien in den Werken nicht praktikabel. So können in größeren Einheiten schon mal 60 Mitarbeiter auf einen Vorgesetzten kommen. Eine detaillierte Bewertung ist dann nicht zu leisten. Das Ampelsystem findet hier keine Anwendung.

Leserkommentare
  1. "Erstens müssen sie sich an ihren persönlichen Ziele, die mit dem Vorgesetzten in den Jahresgesprächen abgestimmt werden, messen lassen. Zweitens sollen die Aufgaben aus der Stellenbeschreibung erfüllen. Drittens müssen sie bestimmte Führungskompetenzen mit sich bringen."

    lauter punkte, die eigentlich selbstverständlich sein sollten; kommt jedoch noch immer stark auf die durchführung an und ich bin ein wenig skeptisch, dass sich das so einfach auf ein ampelsystem reduzieren lässt. bei guter durchführung werden damit allerdings jene, die nur schwätzen und auf tollen macker machen, herausgefiltert - kann ja auch nicht schaden.

  2. Die große Innovation ist also, Mitarbeiter mehrstufig zu bewerten?

    Faszinierend. Das wäre selbst für einen Dilbert-Comic zu albern.

    • mrfrost
    • 24. Januar 2013 15:49 Uhr

    Die Arbeitsbedingungen in Deutschland werden immer schlimmer und wer seine Arbeit immer zur vollsten Zufriedenheit der Arbeitgeber ausführen möchte geht ein hohes Risiko ein. In vielen Fällen endet das im Burnout oder anderen Gesundheitsstörungen die dann einen Herzinfarkt auslösen können. Das Sprichwort :"Wer keine Zeit für seine Gesundheit hat, wird eines Tages Zeit haben müssen, krank zu sein" trifft hier meiner Meinung nach sehr gut zu.
    Infos und Hilfe zum Thema Burnout und Risikoreduzierung finden Sie hier
    http://depression-kompakt...

  3. EIn Burnout verläuft in mehreren Phasen und sollte sehr ernst genommen werden. Ein Ampelsystem einzuführen ist vielleicht keine so schlechte Idee, man könnte im Vorfeld Überlastungen vorbeugen und somit einem Burnout entgegenwirken.
    http://burnout-kompakt.bl...

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