Rhetorik : Richtig kontern will gelernt sein
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Kontrollverlust verhindern

Frage: Gilt das auch für den Verbalangriff eines gleichrangigen Kollegen?

Thiele: Bei statusgleichen Kollegen kann man stärker kontern, speziell wenn es sich um potenzielle Konkurrenten handelt. Bei persönlichen Angriffen einfach mal fragen: "Warum sagen Sie das?"

Frage: Wird der Ton insgesamt rauer?

Thiele: Wenn brisante Themen diskutiert werden und wenn die eigene Existenz gefährdet ist, durchaus. In Zeiten von Kostensenkungsprogrammen oder Umstrukturierungen können Beteiligte schon mal emotional werden und die Kontrolle verlieren. Und Kontrollverlust ist das Schlimmste, was passieren kann – egal, ob vor einem Millionenpublikum in einer Talkshow oder in anderen Gesprächssituationen.

Frage: Wie kann ich Kontrollverlust verhindern?

Thiele: Indem ich schwierige Situationen vorher gedanklich oder in einer realen Übung durchgespielt habe und mich im verbalen Schlagabtausch konsequent am Sachziel und am Regelwerk des Fairplay orientiere. Unabdingbar sind wirkungsvolle Konterstrategien. Darüber hinaus hilft es, die eigenen Kernbotschaften verfügbar zu haben und die persönlichen Reizthemen zu kennen.

Frage: Anders als etwa Briten oder Amerikaner sind Deutsche nicht gerade bekannt für ihre rhetorische Brillanz. Woran liegt's?

Thiele: Wir müssten die Kunst des Debattierens früher einüben, am besten schon in der Schule. Manager verstehen sich oft auf rationales Argumentieren, verlassen sich auf die Kraft der Fakten und unterschätzen die Wirkung anschaulicher Beispiele. Im Zeitalter der Talkshows sieht der kenntnisreiche Geschäftsführer häufig schlecht aus, wenn er sich gegen erfahrene Dialektiker, etwa aus der Politik, behaupten muss.

Frage: Von Gysi lernen heißt reden lernen?

Thiele: Es war schon immer gut, sich bei anderen etwas abzuschauen. Das Präsentieren von Steve Jobs, rhetorische Stilmittel von Barack Obama oder die Scharfzüngigkeit von Peer Steinbrück. Dabei geht es nicht darum, andere zu imitieren, sondern sich herauszusuchen, was zum eigenen Auftritt und Charakter passt.

Erschienen in der WirtschaftsWoche

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Passt

Eine gute Vorbereitung ist alles.Wer nichts dem Zufall in einem Erfolgsorientiertem Gespräch überlässt, hat gute Chancen dieses auch für sich zu gewinnen.Ich arbeite nun über 12 Jahre (erfolgreich) im Vertrieb und begleite eine Schulende Funktion, dennoch bereite ich mich bei jedem Gespräch egal ob mit einem Kunden, mit Mitarbeitern oder mit meinem Vorgestzten immer vor.
Wer Erfahrungen im Vertrieb und dem Umgang mit Kunden hat, sollte Authentisch bleiben, denn im Regelfall wissen Vertriebler mit solchen Situationen umzugehen(durch entsprechende Schulungen)
Menschen die es nicht gewohnt sind (konjunktive) aus Ihrem Satz zulassen,werden Feststellen schwerer an Ihr ziel zu kommen

Meiner Meinung nach sind Schulungen auch eine Art des auswendig lernens ;)
denn alleine die Richtige Fragetechnik,Rethorik ,Mimiken, Gestiken oder auch Sitzhaltungen sind über den ausgang eines Erfolgorientiertem Gespräches entscheidend und nicht bei jedem Vertriebler immer vorhanden gewesen ;)

Sich verkaufen muss gelernt sein

MfG