GleichstellungsgesetzDarf der Chef nur Frauen einstellen?

Für eine Vakanz wird eine weibliche Fachkraft gesucht. Aber verstößt die gezielte Suche nur nach Frauen nicht gegen die Gleichstellung? Antwort gibt Ulf Weigelt. von 

Ich suche für eine offene Stelle nur weibliche Fachkräfte. Darf ich trotz des AGG nur nach Frauen suchen?, fragt Nils Schneider.

Sehr geehrter Herr Schneider,

sucht ein Unternehmen Personal, verlangt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) , dass der Betrieb bei der Personalsuche Männer und Frauen gleich behandelt.

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Sucht der Betrieb ausschließlich nur nach Frauen, ist das in der Regel eine unzulässige Diskriminierung von Männern. Die Folge: Männer können nach § 15 AGG eine Entschädigung verlangen.

AGG

Das Allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG) soll Menschen schützen, die aufgrund der ethnischen Herkunft oder aus rassistischen Gründen, aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Religion oder Weltanschauung, aufgrund einer Behinderung, ihres Alters oder ihrer sexuellen Identität Benachteiligungen erfahren. Es schafft die rechtliche Grundlage, wonach Diskriminierung verboten ist.

Hauptsächliche Anwendung findet das AGG in der Arbeitswelt. Das bezieht beispielsweise Auswahlkriterien bei Bewerbungsverfahren, berufliche Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie die Höhe der Arbeitsvergütung mit ein. Darüber hinaus gilt das Gesetz auch für Situationen im Alltag, in denen Diskriminierung stattfinden kann, beispielsweise bei Einkäufen, Gaststätten- oder Diskothekenbesuchen, sowie bei Rechts-, Versicherungs- und Bankgeschäften.

Antidiskriminierungsstelle

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) ist eine unabhängige Anlaufstelle für Menschen, die von Diskriminierung betroffen sind. Sie wurde 2006 eingerichtet, nachdem das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) in Kraft getreten war.

Zu den Aufgaben der ADS zählt:

  • über Ansprüche zu informieren
  • Möglichkeiten des rechtlichen Vorgehens zum Schutz vor Benachteiligungen aufzuzeigen
  • Beratungen durch andere Stellen zu vermitteln
  • eine gütliche Einigung zwischen den Beteiligten anzustreben.

Außerdem macht die ADS Öffentlichkeitsarbeit, führt wissenschaftliche Untersuchungen durch und schreibt Berichte an den Deutschen Bundestag, die einen Überblick über Benachteiligungen geben und Empfehlungen beinhalten.

Hilfe

Wer Opfer von Diskriminierung geworden ist, kann den Fall bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes unter der Hotline 030 / 18 555 / 1865 oder per Kontaktformular melden.

Diversity

Diversity-Management ist ein Konzept, das die Vielfalt der Belegschaft berücksichtigt (z.B. Geschlecht, Alter, Behinderung, Ethnie, Religion, sexuelle Orientierung, Lebensstil, biografischer Background), sie explizit fördert und wertschätzt.

Ausnahmen bestätigen ja aber immer mal wieder die Regel. Daher dürfen Sie Ihre Personalsuche nur auf Frauen beschränken, wenn das Geschlecht (in diesem Fall das weibliche) eine wesentliche und entscheidende Anforderung darstellt (nach § 8 Abs. 1 AGG ).

"Da staunt der Chef"

Was ist erlaubt, was nicht? Der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt gibt Antworten auf Nutzerfragen. Jede Woche, immer mittwochs in der Arbeitsrechtskolumne "Da staunt der Chef".

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Die Antworten von Fachanwalt Ulf Weigelt stehen Ihnen auch übersichlich gesammelt als E-Books zur Verfügung. Nach dem Download können Sie jederzeit und überall auf Ihrem elektronischen Lesegerät zu arbeitsrechtlichen Fragen nachschlagen.

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Alle Bücher von Ulf Weigelt finden Sie hier.

Ein Fall, der bis vor das Bundesarbeitsgericht (BAG) ging ( Az.: 8 AZR 77/09 ), zeigt in welchen Fällen eine Suche nach nur einem Geschlecht möglich ist. In dem Rechtsstreit wurde eine kommunale Gleichstellungsbeauftragte gesucht, deren Aufgabe es sein sollte, Frauen in Problemfragen zu beraten. Ein männlicher Gleichstellungsbeauftragter hätte den Erfolg des Beratungsangebots gefährden können, war der Arbeitgeber überzeugt. Denn betroffene Frauen fühlen sich bei einer weiblichen Gleichstellungsbeauftragten wohler und würden sich dementsprechend auch eher einer Frau öffnen – so die Begründung.

Ein männlicher Bewerber forderte aufgrund seiner Bewerbungsabsage eine Entschädigungszahlung, aber er verlor vor Gericht.

Ulf Weigelt
Ulf Weigelt

Ulf Weigelt ist Anwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Auf ZEIT ONLINE beantwortet er jeden Mittwoch in der Serie "Da staunt der Chef" Leserfragen zum Arbeitsrecht. Die Serie ist auch als E-Book erschienen. Weigelt hat mit Sabine Hockling auch den Ratgeber Arbeitsrecht geschrieben.

Das heißt aber nicht, dass aus diesem Urteil folgt, dass Arbeitgeber grundsätzlich berechtigt sind, nur Frauen als Gleichstellungsbeauftragte zu suchen. Die Richter des BAG entschieden hier aufgrund der vorgegebenen speziellen Anforderungen der Position. Es war eine Einzelfallentscheidung. Daher können Sie nicht davon ausgehen, dass auch bei Positionen, die auf Frauen zugeschnittene Tätigkeiten vorweisen, Männer bei der Besetzung ausgeschlossen sind. Es entscheiden die individuellen Gegebenheiten.

Bevor Sie diese Stellenanzeige veröffentlichen, rate ich Ihnen, Ihren individuellen Fall mit einem Fachanwalt für Arbeitsrecht zu besprechen.

Ihr Ulf Weigelt

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Leserkommentare
  1. Die Frage ist doch, warum sucht der Chef gezielt nach einer weiblichen Fachkraft? Kann ein Mann die gewünschte Tätigkeit nicht genauso gut ausüben? Gut, wenn es der Empfang in einem Frauenhaus wäre...

    Vielleicht meint er, eine Frau schlechter bezahlen/behandeln zu können. Gewiss eine blöde Unterstellung, ich lasse mich gerne aufschlauen.

    @Redaktion: Die Fragen sind immer viel zu kurz, so dass man den Fall gar nicht richtig beurteilen kann. Und wenn es am Ende dann nur heißt, Fragen Sie einen Anwalt, dann kann man sich die Kolumne schlussendlich ganz sparen.

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    Eventuell möchte oder muss er ja eine Quote erfüllen?

  2. Eventuell möchte oder muss er ja eine Quote erfüllen?

    Antwort auf "Warum nur Frauen?"
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    Wenn er tatsächlich eine Quote erfüllen müsste, dann wird er die Stelle wohl auch nur für Frauen ausschreiben können, sonst gehts ja nicht.

    Ich wüsste allerdings auf Anhieb keine Branche, in der irgendwelche Quoten vorgegeben sind.

  3. Wenn er tatsächlich eine Quote erfüllen müsste, dann wird er die Stelle wohl auch nur für Frauen ausschreiben können, sonst gehts ja nicht.

    Ich wüsste allerdings auf Anhieb keine Branche, in der irgendwelche Quoten vorgegeben sind.

    Antwort auf "Wer weiß"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es gibt Selbstverpflichtungen und das Damoklesschwert der Politik. Wenn man erst anfängt sich darauf vorzubereiten, sobald es in ein Gesetz gegossen ist, wird es noch schwerer werden geeignete Kandidaten des politisch korrekten Geschlechts zu finden.

  4. Laut diesem Artikel ist es also einem Arbeitgeber im allgemeinen nicht erlaubt sein Jobangebot zB nur auf Frauen zu beschränken (obwohl gewisse Ausnahmen toleriert werden).

    Grund hierfür ist, dass ansonsten Männer diskriminiert würden: das ist mE auch nachvollziehbar, denn deren Chance, den Job zu erhalten, wäre nämlich Null.

    Nun leben wir aber in einer Welt, in der kein Tag vergeht, an dem nicht Frauenquoten für leitende Positionen in Politik und Wirtschaft gefordert werden. Wenn ein Unternehmen in welchem momentan ein Frauendefizit herrscht nun solch eine Quote einführt, dann bringt das doch automatisch mit sich, dass eine männliche Bewerbung bei gleicher Eignung deutlich geringere Chancen als eine weibliche hat. Warum soll diese Diskriminierung nach Geschlecht rechtens sein, wenn obige es im allgemeinen nicht ist?

  5. ... das macht man anders.

    Bei uns mal:

    Geschlechtsneutral die Stelle ausschreiben, intern absprechen, dass nur ein Mann die Stelle bekommen wird.

    Voilá! Ist noch gar nicht so lange her...

    Da hatte keine Frau eine Chance.

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    "Bei uns mal:
    Geschlechtsneutral die Stelle ausschreiben, intern absprechen, dass nur ein Mann die Stelle bekommen wird.
    Voilá! Ist noch gar nicht so lange her...
    Da hatte keine Frau eine Chance."
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    Ich habe auch mal in einem Unternehmen gearbeitet, wo der Inhalt des Kopfes weniger zählte als der der Hose. Heute ist es glücklicher Weise pleite. Gehen Sie, solange noch Zeit ist.

  6. "Bei uns mal:
    Geschlechtsneutral die Stelle ausschreiben, intern absprechen, dass nur ein Mann die Stelle bekommen wird.
    Voilá! Ist noch gar nicht so lange her...
    Da hatte keine Frau eine Chance."
    ---------------------
    Ich habe auch mal in einem Unternehmen gearbeitet, wo der Inhalt des Kopfes weniger zählte als der der Hose. Heute ist es glücklicher Weise pleite. Gehen Sie, solange noch Zeit ist.

    Antwort auf "Ach Leute..."
  7. 8. Quoten

    Es gibt Selbstverpflichtungen und das Damoklesschwert der Politik. Wenn man erst anfängt sich darauf vorzubereiten, sobald es in ein Gesetz gegossen ist, wird es noch schwerer werden geeignete Kandidaten des politisch korrekten Geschlechts zu finden.

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