Ich suche für eine offene Stelle nur weibliche Fachkräfte. Darf ich trotz des AGG nur nach Frauen suchen?, fragt Nils Schneider.

Sehr geehrter Herr Schneider,

sucht ein Unternehmen Personal, verlangt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) , dass der Betrieb bei der Personalsuche Männer und Frauen gleich behandelt.

Sucht der Betrieb ausschließlich nur nach Frauen, ist das in der Regel eine unzulässige Diskriminierung von Männern. Die Folge: Männer können nach § 15 AGG eine Entschädigung verlangen.

Ausnahmen bestätigen ja aber immer mal wieder die Regel. Daher dürfen Sie Ihre Personalsuche nur auf Frauen beschränken, wenn das Geschlecht (in diesem Fall das weibliche) eine wesentliche und entscheidende Anforderung darstellt (nach § 8 Abs. 1 AGG ).

Ein Fall, der bis vor das Bundesarbeitsgericht (BAG) ging ( Az.: 8 AZR 77/09 ), zeigt in welchen Fällen eine Suche nach nur einem Geschlecht möglich ist. In dem Rechtsstreit wurde eine kommunale Gleichstellungsbeauftragte gesucht, deren Aufgabe es sein sollte, Frauen in Problemfragen zu beraten. Ein männlicher Gleichstellungsbeauftragter hätte den Erfolg des Beratungsangebots gefährden können, war der Arbeitgeber überzeugt. Denn betroffene Frauen fühlen sich bei einer weiblichen Gleichstellungsbeauftragten wohler und würden sich dementsprechend auch eher einer Frau öffnen – so die Begründung.

Ein männlicher Bewerber forderte aufgrund seiner Bewerbungsabsage eine Entschädigungszahlung, aber er verlor vor Gericht.

Das heißt aber nicht, dass aus diesem Urteil folgt, dass Arbeitgeber grundsätzlich berechtigt sind, nur Frauen als Gleichstellungsbeauftragte zu suchen. Die Richter des BAG entschieden hier aufgrund der vorgegebenen speziellen Anforderungen der Position. Es war eine Einzelfallentscheidung. Daher können Sie nicht davon ausgehen, dass auch bei Positionen, die auf Frauen zugeschnittene Tätigkeiten vorweisen, Männer bei der Besetzung ausgeschlossen sind. Es entscheiden die individuellen Gegebenheiten.

Bevor Sie diese Stellenanzeige veröffentlichen, rate ich Ihnen, Ihren individuellen Fall mit einem Fachanwalt für Arbeitsrecht zu besprechen.

Ihr Ulf Weigelt