Arbeitswelt Die Wohlfühl-Lüge
In modernen Unternehmen wird ein Arbeitsklima bevorzugt, in dem jede Negativität abtrainiert wird. Wie soll man da noch streiten?
© Scott Olson/Getty Images

Das Büro, ein Ort erzwungener Harmonie
Immerhin kann man erleichtert sein. Darüber, dass der Chef, der einen mit überschwappendem Tremolo zusammenstaucht, ebenso ein Auslaufmodell ist wie die herumzeternde Sekretärin. Darüber, dass Choleriker aus modernen Arbeitswelten offenbar verschwunden sind, und stattdessen eine ostentative Munterkeit eingekehrt ist.
- Endlich richtig streiten - die Themenwoche
Wir müssen dringend wieder streiten – auch laut und heftig. Denn ohne solche Konflikte gehen gehen unsere Beziehungen kaputt, unsere Identität – und am Ende unsere Demokratie. ZEIT ONLINE will in einer Themenwoche zeigen, wie man sich konstruktiv und erfolgreich auseinandersetzen kann: in der Partnerschaft und der Familie, am Arbeitsplatz und in der Schule, unter Bürgern und im Bundestag, sogar im Internet und in der Religion.
- Die Folgen der Serie
-
Streitkultur: Streitet euch! Ein Essay
Sexualität: Streiten öffnet das Herz und andere Teile der Anatomie
Familie: Wenn Eltern "Ich will" sagen
Schule: Ohne Streit kein Unterricht
Internet: Ist das Netz ein Streitbeschleuniger? Eine Leserdebatte
Arbeit: Lass uns streiten, Chef
Unternehmen: Die Wohlfühl-Lüge
Politik: Geistige Terroristen sind ausgestorben
Fußballspieler betonen selbst nach erschütternden Niederlagen, wie gut die Stimmung im Team sei. Die Kassiererin im Supermarkt wischt die ausgelaufene Milch "sehr gerne" weg. Eine Kollegin schickt eine Präsentation in die Runde und bittet herzlichst um Anmerkungen. Wenig später schreibt ein jüngst entlassener Kollege eine Abschied-E-Mail an den Betriebsverteiler, in der er sich für die lehrreiche Zeit bedankt und sich auf neue, spannende Herausforderungen freut. Man ist bester Laune und selbst unter stärksten Zumutungen immer topmotiviert.
Schwer zu sagen, wann das angefangen hat. Wann in Büros die ersten Früchtekörbe aufgeschüttet wurden, wann der erste Kickertisch aufgestellt, die erste Spielkonsole im Teamraum neben der neuen Couch angeschlossen wurde. Seit wann Berufsratgeber "Gehen Sie motiviert zur Arbeit!" verkünden und das wie ein Befehl klingt.
Seid positiv!
Nun lässt sich gegen subtile Motivationsmaßnahmen nicht viel einwenden, gegen gute Stimmung schon gar nichts. Wo beides stimmt, so geht die Lehre, da stimmt auch das Ergebnis. Dann gibt es neue Stellen, neue Aufgaben, vielleicht einen Bonus am Jahresende oder zumindest ein größeres Büffet auf der Weihnachtsfeier.
Zum modernen Unternehmenskonzept gehört eine Wohlfühl-Mentalität. Als habe sich in Führungsseminaren herumgesprochen, dass Positivität der Schlüssel zu mehr Produktivität sei. Darum muss sicherheitshalber alles verhindert werden, was diese Heiterkeit bedroht. Konflikte, Konfrontation, Streit im Büro gelten als mittelschwere Arbeitsklimakatastrophe.
Es gibt nicht mehr zu viel Arbeit, sondern Zeitmanagementoptimierungsprobleme. Zuständige Abteilungen für Umstrukturierungen und Kündigungen heißen Change Management, weil Change, das wissen wir seit Obama, etwas Tolles ist. Moderne Krisenkommunikation zeichnet sich dadurch aus, dass es in ihr keine Krisen gibt, keinen Streit, keine Konflikte, oft nicht einmal ein Problem.
- Datum 22.11.2012 - 14:13 Uhr
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- Serie Endlich richtig streiten
- Quelle ZEIT ONLINE
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...wenn ein Konflikt respektvoll ausgetragen wird - so ganz ohne "Unbeherrschtheit"?
Beherrschtheit herrscht, stellt sich sofort die Frage, wer herrscht. Und wer über die FORMEN herrscht, herrschat auch über die Inhalte - bestimmte Aussagen, Wörter, Emotionen, Ausdrucksweisen etc. werden dann einfach per Verhaltensanordnung tabuisiert, so dass "unerzogen", "unbeherrscht" etc. wirkt, wer trotzdem Verbotenes zu äußern wagt. Dass die Herrschenden von ihnen so genannte "Unbeherrschtheit" nicht lieben, ist logisch.
Aber ich bin nicht gern UNTERTAN.
Was ist denn so schlimm daran, die Emotion des Mitmenschen mitzubekommen - zumal wenn man sie selbst mit ausgelölst hat?
Oder wollen Sie, dassa um Sie herum alle an Krebs erkranken, weil sich keiner mehr offen zu äußern wagt?
Ich habe nicht geschrieben, dass jeder seine Meinung für sich behalten sollte. Nur kann ich Ihnen auch meine Meinung sagen, ohne Sie anzubrüllen oder sie im Gegenteil deswegen nicht anfangen zu heulen, weil ich Sie mit meiner Aussage verletzt oder abgewertet hätte. Ein respektvolles Miteinander bezieht nicht nur die Selbstkontrolle des Senders sondern auch die Empfindungen des Empfängers mit ein. Ich kann meinen Ärger auch mitteilen, ohne zu brüllen. Das geht wirklich!
Gott sei Dank sind cholerische ChefInnen und KollegInnen eine aussterbende Rasse...
"Was spricht dagegen...
...wenn ein Konflikt respektvoll ausgetragen wird - so ganz ohne "Unbeherrschtheit"?"
Es spricht dagegen, dass damit eine Pseudo-Wohlfühlatmosphäre geschaffen wird, bei der suggeriert wird, dass alles in Ordnung ist. Es gibt mehr als genug Fälle, bei denen sich dann innerlich alles aufstaucht und irgendwann KNALLT'S - Das ist sicher.
nur als Beispiel, muss lange nicht unbeherrscht sein. Das Problem ist auch nicht fehlende Beherrschung, sondern dass der Konflikt *an sich* negiert wird.
Beherrschtheit herrscht, stellt sich sofort die Frage, wer herrscht. Und wer über die FORMEN herrscht, herrschat auch über die Inhalte - bestimmte Aussagen, Wörter, Emotionen, Ausdrucksweisen etc. werden dann einfach per Verhaltensanordnung tabuisiert, so dass "unerzogen", "unbeherrscht" etc. wirkt, wer trotzdem Verbotenes zu äußern wagt. Dass die Herrschenden von ihnen so genannte "Unbeherrschtheit" nicht lieben, ist logisch.
Aber ich bin nicht gern UNTERTAN.
Was ist denn so schlimm daran, die Emotion des Mitmenschen mitzubekommen - zumal wenn man sie selbst mit ausgelölst hat?
Oder wollen Sie, dassa um Sie herum alle an Krebs erkranken, weil sich keiner mehr offen zu äußern wagt?
Ich habe nicht geschrieben, dass jeder seine Meinung für sich behalten sollte. Nur kann ich Ihnen auch meine Meinung sagen, ohne Sie anzubrüllen oder sie im Gegenteil deswegen nicht anfangen zu heulen, weil ich Sie mit meiner Aussage verletzt oder abgewertet hätte. Ein respektvolles Miteinander bezieht nicht nur die Selbstkontrolle des Senders sondern auch die Empfindungen des Empfängers mit ein. Ich kann meinen Ärger auch mitteilen, ohne zu brüllen. Das geht wirklich!
Gott sei Dank sind cholerische ChefInnen und KollegInnen eine aussterbende Rasse...
"Was spricht dagegen...
...wenn ein Konflikt respektvoll ausgetragen wird - so ganz ohne "Unbeherrschtheit"?"
Es spricht dagegen, dass damit eine Pseudo-Wohlfühlatmosphäre geschaffen wird, bei der suggeriert wird, dass alles in Ordnung ist. Es gibt mehr als genug Fälle, bei denen sich dann innerlich alles aufstaucht und irgendwann KNALLT'S - Das ist sicher.
nur als Beispiel, muss lange nicht unbeherrscht sein. Das Problem ist auch nicht fehlende Beherrschung, sondern dass der Konflikt *an sich* negiert wird.
Die geschilderte Kuschel-Atmosphäre gibt es natürlich nicht in jedem Unternehmen, der Autor arbeite z.B. einmal einige Wochen auf dem Bau. Richtig ist aber, dass in einigen Teilen der Gesellschaft Probleme systematisch verschwiegen werden. Wer gefragt wird, ob er etwa ein Problem mit irgendetwas habe, hat gleich mehrere: Einmal das Problem, nach dem rhetorisch gefragt wurde, und das Problem, dass er jegliches Problem sofort verneinen muss. Probleme sind uncool. Heute ist alles machbar, und wer ein Problem hat, zeigt, dass er versagt hat: er war unfähig, das Problem zu vermeiden oder zu lösen. Was dadurch entsteht, ist eine oberflächliche Kultur der Problemlosigkeit. Weil man die Probleme gar nicht haben darf, kann man sie auch nicht benennen und erst recht nicht bearbeiten oder lösen. Man schleppt sie mit sich weiter, bis es gar nicht mehr geht. Im Arbeitsleben heisst dass dann: man geht oder wird gegangen. Dagegen hilft nur eine Kultur der Offenheit, die auch zu Problemen steht. Etwas nicht zu können oder falsch gemacht zu haben, ist nicht das Ende, sondern kann der Beginn von etwas Besserem sein. Man muss nur versuchen, daran zu arbeiten.
Auf dem Bau und im Büro herrschen aber grundlegend andere Situationen. Auf dem Bau kann Menschenleben kosten, wenn etwas bei der Arbeitsweise falsch gemacht wird. Im Büro ist vielleicht einfach eine Datei nicht auffindbar, die leider mit erneuten Aufwand reproduziert werden muss.
Und ich gebe ihnen auch Recht, dass es zu mehr Offenheit kommen müsse. Vor allem müsse man sich in der Arbeitswelt davon distanzieren, wie es der stete Marketing-Unfug in unserer bedenklich kommunikativen Welt vorspielt, dass das Image zählt. Wenn hinter dem Image keine starken Pfeiler stehen, die es tragen, dann ist es nicht mehr wert als das Papier auf dem gedruckt wird.
Zum Thema Probleme finde ich, dass die Aussage alles ist möglich nicht falsch ist, sondern gut so ist, nur bedarf es einer unausweichlichen Sache, die nach Möglichkeiten fordert, nämlich Probleme. Probleme sind der Stoff aus dem die Möglichkeiten in Form von Lösungen erwachsen. Die politische und wirtschaftliche Welt spielt lieber mit den Wort Innovationen, dabei sind diese in der Basis Lösungsmöglichkeiten für ein bestimmtes Problem, für einen Engpass, in den sich ein Unternehmen begeben hat, weil es dachte: "solange alles schön aussieht, wird auch alles gut sein"
Dabei lebt unsere Entwicklung von Problemen, das lernt man schon als Kind. Probleme festigen unsere Motivationen, sie geben uns eine Aufgabe, und sie geben uns das erhabene Gefühl, dass uns keiner nehmen kann, wenn wir eine überzeugende Lösung gefunden haben.
Doch mit einem gelösten Problem ist nicht Schluss. Probleme erzeugen neue Probleme, oder besser formuliert, ein gelöstes Problem öffnet den Blick zu weiteren Problemen, die gelöst werden müssen/können.
Dabei kommt dann eine offen-kommunikative Unternehmenskultur zum Tragen. Denn es kann vorkommen, dass die neu gesichteten Probleme auf die anderen Abteilungen wirken, um Überforderung zu verhindern, müsse eine offene Unternehmenssprache entstehen, die dazu führt, dass dann die unterschiedlichen Abteilungen sich diesen Erkenntnissen annehmen und nicht abwehren, weil doch angeblich alles gut liefe.
Wer denkt, dass mit einem gelösten Problem alles erledigt ist, der hat wohl vergessen, wie wir Menschen uns stets entwickeln und motivieren Neues zu lernen.
...sondern dazu kommen noch ganz andere Dinge.
Wer einmal erlebt hat, wie aufgrund eines richtig guten konfliktgeladenen Streits, bei dem es ggf. auch mal laut wird und bei dem zudem sogar noch um eine grundsätzliche Firmen oder Behördenangelegenheit geht, sofortige Maßnahmen wie Konfliktbewältigungsseminare mit Anwesenheitspflicht, Mitarbeitergespräche in Kette und Gespräche mit geschulten Meditatoren "erleiden muss" - und diese Maßnahmen einem die Zeit stehlen seinen täglichen Arbeitsanfall zu erledigen (der heutzutage m.E. ca. das eineinhalbfache bis doppelte pro Arbeitskraft ist wie ggf. vor einem Jahrzehnt) - der merkt sich diese zermürbende Verfahrensweise und verhält sich bei der nächsten Gelegenheit zum Streit "gleichgeschaltet".
Auf dem Bau und im Büro herrschen aber grundlegend andere Situationen. Auf dem Bau kann Menschenleben kosten, wenn etwas bei der Arbeitsweise falsch gemacht wird. Im Büro ist vielleicht einfach eine Datei nicht auffindbar, die leider mit erneuten Aufwand reproduziert werden muss.
Und ich gebe ihnen auch Recht, dass es zu mehr Offenheit kommen müsse. Vor allem müsse man sich in der Arbeitswelt davon distanzieren, wie es der stete Marketing-Unfug in unserer bedenklich kommunikativen Welt vorspielt, dass das Image zählt. Wenn hinter dem Image keine starken Pfeiler stehen, die es tragen, dann ist es nicht mehr wert als das Papier auf dem gedruckt wird.
Zum Thema Probleme finde ich, dass die Aussage alles ist möglich nicht falsch ist, sondern gut so ist, nur bedarf es einer unausweichlichen Sache, die nach Möglichkeiten fordert, nämlich Probleme. Probleme sind der Stoff aus dem die Möglichkeiten in Form von Lösungen erwachsen. Die politische und wirtschaftliche Welt spielt lieber mit den Wort Innovationen, dabei sind diese in der Basis Lösungsmöglichkeiten für ein bestimmtes Problem, für einen Engpass, in den sich ein Unternehmen begeben hat, weil es dachte: "solange alles schön aussieht, wird auch alles gut sein"
Dabei lebt unsere Entwicklung von Problemen, das lernt man schon als Kind. Probleme festigen unsere Motivationen, sie geben uns eine Aufgabe, und sie geben uns das erhabene Gefühl, dass uns keiner nehmen kann, wenn wir eine überzeugende Lösung gefunden haben.
Doch mit einem gelösten Problem ist nicht Schluss. Probleme erzeugen neue Probleme, oder besser formuliert, ein gelöstes Problem öffnet den Blick zu weiteren Problemen, die gelöst werden müssen/können.
Dabei kommt dann eine offen-kommunikative Unternehmenskultur zum Tragen. Denn es kann vorkommen, dass die neu gesichteten Probleme auf die anderen Abteilungen wirken, um Überforderung zu verhindern, müsse eine offene Unternehmenssprache entstehen, die dazu führt, dass dann die unterschiedlichen Abteilungen sich diesen Erkenntnissen annehmen und nicht abwehren, weil doch angeblich alles gut liefe.
Wer denkt, dass mit einem gelösten Problem alles erledigt ist, der hat wohl vergessen, wie wir Menschen uns stets entwickeln und motivieren Neues zu lernen.
...sondern dazu kommen noch ganz andere Dinge.
Wer einmal erlebt hat, wie aufgrund eines richtig guten konfliktgeladenen Streits, bei dem es ggf. auch mal laut wird und bei dem zudem sogar noch um eine grundsätzliche Firmen oder Behördenangelegenheit geht, sofortige Maßnahmen wie Konfliktbewältigungsseminare mit Anwesenheitspflicht, Mitarbeitergespräche in Kette und Gespräche mit geschulten Meditatoren "erleiden muss" - und diese Maßnahmen einem die Zeit stehlen seinen täglichen Arbeitsanfall zu erledigen (der heutzutage m.E. ca. das eineinhalbfache bis doppelte pro Arbeitskraft ist wie ggf. vor einem Jahrzehnt) - der merkt sich diese zermürbende Verfahrensweise und verhält sich bei der nächsten Gelegenheit zum Streit "gleichgeschaltet".
Ich habe noch fast drei Jahrzehnte Berufsleben vor mir. Nun trage ich seit einiger Zeit mit dem Gedanken, mich selbstständig zu machen.
Ich bin nämlich nicht teamfähig.
Also im heutigen Sinn.
Bis vor ein paar Jahren war ich es aber noch.
Doch seither muss sich erdgeschichtlich einiges getan haben, ich bin ein Dinosaurier im Bewußtsein des Aussterbens.
Meine Kollegen erfahren von mir, wenn ich etwas scheiße finde, wen ich für verantwortlich halte.
Und ich sage dies auch so.
Mir sagt aber niemand etwas, zumindest empfinde ich das so. Mein letztes Seminar mit Feedbackrunde war ein Traum, nur seichtes rumgemache. Oftmals verstehe ich nicht, welches Verhalten nun gut ankam, und wo ich in den Augen der Kollegen Fehler gemacht habe.
Sagt einem ja keiner.
Hallo,
Vielleicht sollten Sie aber auch mal abwägen, wo Diplomatie angebracht ist und wo man fair seine Meinung sagt. Fair heißt,den anderen Menschen nicht zu beleidigen !
mfg
Hans-Otto
. . .,aber stellen sie ja keinen ein. Fast alle lassen sich etwas sagen und lernen dazu, wenn man es richtig rüber bringt. Keiner hat Bock auf anschnauzen, egal wie sachlich richtig der Inhalt ist. Da ist das Betriebsklima hin und jeder geht mit geballter Faust in der Tasche nach Hause, klar, demChef darf ich ja nicht anmachen, also. . .Wer wirklich am Arbeitsplatz eine STREITkultur fordert, dem geht es zu gut und denkt, das er eh alle platt machen kann. Wer sich da mal nicht täuscht, denn diese Situation wird nie entschieden und beendet, sondern geht immer weiter wie eine schlechte Soup. Denn diese Sache mit dem Dolch im Gewande und ähnliches machen wir heute nicht mehr.
Hallo,
Vielleicht sollten Sie aber auch mal abwägen, wo Diplomatie angebracht ist und wo man fair seine Meinung sagt. Fair heißt,den anderen Menschen nicht zu beleidigen !
mfg
Hans-Otto
. . .,aber stellen sie ja keinen ein. Fast alle lassen sich etwas sagen und lernen dazu, wenn man es richtig rüber bringt. Keiner hat Bock auf anschnauzen, egal wie sachlich richtig der Inhalt ist. Da ist das Betriebsklima hin und jeder geht mit geballter Faust in der Tasche nach Hause, klar, demChef darf ich ja nicht anmachen, also. . .Wer wirklich am Arbeitsplatz eine STREITkultur fordert, dem geht es zu gut und denkt, das er eh alle platt machen kann. Wer sich da mal nicht täuscht, denn diese Situation wird nie entschieden und beendet, sondern geht immer weiter wie eine schlechte Soup. Denn diese Sache mit dem Dolch im Gewande und ähnliches machen wir heute nicht mehr.
...Daumen hoch von meiner Seite!
>>Darin gleicht sie dem Wortnebel eines Arbeitszeugnisses.<<
Wenn es denn nur Arbeitszeugnisse oder die Arbeitswelt wären!
Überall breitet sich, unter dem Rauchvorhang einer propagandistischen Nebelkerze namens 'political correctness' getarnt, seit Jahren eine Art vorauseilende Selbstzensur aus.
Fast möchte ich es mediale Gleichschaltung nennen, aber das wäre dann ja nicht politisch korrekt. Selbstmord aus Angst vor dem Tod würde es auch treffen.
Egal ob Print oder Online, im Fernsehen oder selbst in ganz normalen Gesprächen - es wimmelt von 'prekären Bevölkerungsteilen', 'bildungsfernen Mitbürgern', Menschen mit 'Migrationshintergrund' - eine der dümmsten Unworterfindungen in der Menschheitsgeschichte.
Oder auch 'Negativwachstum', 'Konjunkturdellen' und 'unzureichenden Erholungen' am Arbeitsmarkt.
Überall sind die sprachlichen Weichspülereuphemismen auf dem Vormarsch und wenn mal einer wagt, die Dinge einfach beim Namen zu nennen, ist man sofort ein Polemiker, ein Populist oder womöglich gar ein Gutmensch - seit wann sind das eigentlich Schimpfwörter geworden?
In '1984' sagt Syme, der Sprachentwickler, zu Smith, Winston A.:
'Oh, wir erfinden keine neuen Worte, wir zerstören sie. Tausende von ihnen, jeden Tag.'
Der Kapitalismus 2012 hat den umgekehrten Weg gewählt: wir ertränken unsere Sprache freiwillig(!) in Begriffslosigkeit, bis alle reden, aber keiner mehr etwas sagen kann.
Und irgendwann hört dann auch keiner mehr zu, wozu auch?
Wo soll die sein?
Und ist DAS der Grund, der AN in die Schweiz oder nach Skandinavien treibt, weil dort abgesehen von der Bezahlung auch bessere Arbeitsbedingungen herrschen?
Die Realität für die meisten von uns dürfte eher sein, das Arbeitsverdichtung, Stress und ein rauheres Miteinander zum Alltag gehören. Effizienz- und Optimierungswahn bestimmen den Arbeitsalltag und Angst bei der nächsten Entlassungswelle einer der *Auserwählten* zu sein. Misstrauen und Mißgunst - das prägt die normale Arbeitswelt, auch wenn es hier und da Nuanchen und löbliche Ausnahmen gibt.
Die extreme Abhängigkeit aufgrund der Arbeitsmarktlage nimmt nicht ab sondern zu. Aus dieser Position heraus *streitet* man nicht, man duckt sich und verdrängt Ängste, Aggression und Depression. Oder wie sonst erklärt man, dass gerade psych. Erkrankungen eklatant zunehmen?
Wohlfühl-Lüge! Eben.
...war noch nie gefragt, und Aggressionen kann sich nur der leisten der was drauf hat.
Dieser weichgespülte Umgang gepaart mit einem Hang zum Lügen und einen hohen Mass an Selbstdarstellung resultiert aus Unsicherheit. Nicht Ursache und Wirkung verwechseln.
"Nicht Ursache und Wirkung verwechseln."
Ich würde soweit gehen dass die Ursache auch gleichzeitig die Wirkung ist und umgekehrt ist es genauso. Das Problem mit der mangelnden Offenheit am Arbeitsplatz ist eine Spirale, wo Unsicherheit und Unehrlichkeit sich gegenseitig hochschaukeln.
"Nicht Ursache und Wirkung verwechseln."
Ich würde soweit gehen dass die Ursache auch gleichzeitig die Wirkung ist und umgekehrt ist es genauso. Das Problem mit der mangelnden Offenheit am Arbeitsplatz ist eine Spirale, wo Unsicherheit und Unehrlichkeit sich gegenseitig hochschaukeln.
muss ich das nicht mehr erleben. Mir reicht schon das "Wohlfühlklima" im Forum der ZEIT, in dem keine Meinung oft besser zu sein scheinbtals eine zu deutlich formulierte.
Faktisch erinnert mich das an das stete Lächeln, das in Südostasien (Thailand, Kambodscha, Vietnam) anzutreffen ist. Von dort höre ich: "Man streitet halt nicht gerne und liebt den Konsens." - der natürlich, bei Nahcfrage, von oben vorgegeben wird.
Meine Frage "Warum gibt es gerade hier soviel Grausamkeit?" (Rote Khmer, zeitweise Bürgerkriegssituation in Tailand, Vietnamkriege) wird so beantwortet: "Das passiert halt, wenn der Konsens nicht mehr funktioniert. Manchmal bricht ES halt heraus."
Frage: "Was ist ES?"
Keine Antwort.
Deshalb: Meide alle Orte, an denen Lächelzwang besteht. Du weisst nie, wann ES hervorbricht...
...eine unerhoerte Verallgemeinerung (jetzt muss ich einen schoenfaerberischen Eupheismus nutzen, will ich doch nicht von der Zeit-Redaktion zensiert werden... wie ironisch!! Was ist denn mit dem dritten Reich hier in Deutschland? Was mit den Buergerkriegen in Afrika, dem Nah-Ost-konflikt? alles nicht aus regionen wo 'laechelzwang' herscht, Suedostasien ragt in Sachen Unmenschlichkeit kein Stueck aus dem Rest der Welt heraus (vor allem weil der Vietnam-krieg von den USA initiiert wurde?)
Ich gebe ihnen zwar Rech wenn sie sagen, dass diese ewige Schoenfaerberei und unrealistische Konsenshaltung in Job und Privatleben letztendlich dazu fuehrt, dass sich negative Energie aufstaut und zu weitaus schlimmeren Ergebnissen fuerht, als es eine simple Aussprache am Anfang getan haette, aber ich bitte sie; sehen sie von unnoetigen Verallgemeinerungen ab, man kann Suedostasien genauso wenig in eine Schublade stecken wie alle Europaer...
>> muss ich das nicht mehr erleben. Mir reicht schon das "Wohlfühlklima" im Forum der ZEIT, in dem keine Meinung oft besser zu sein scheint als eine zu deutlich formulierte...<<
... ja mit dem "feedback" haben die Jungs hier noch echte Probleme! Folglich möchte ich mich heute mal dem allgemeinen Trend anpassen und den folgenden, für mich ungewöhnlichen Kommentar loslassen:
Herr Hugendick, mein Kompliment! Das ist präzise beobachtet und treffend beschrieben. Für mich war dies der mit Abstand beste Artikel seit sehr langer Zeit! Weiter so!
M.
. . .1933 gab es keinen Lächelzwang und ES brach trotzdem aus. Also nur die Ruhe, wenn Sie von lächelnden Menschen umgeben sind. Ist nicht gefährlicher als bei pöbelnden Menschen.
...eine unerhoerte Verallgemeinerung (jetzt muss ich einen schoenfaerberischen Eupheismus nutzen, will ich doch nicht von der Zeit-Redaktion zensiert werden... wie ironisch!! Was ist denn mit dem dritten Reich hier in Deutschland? Was mit den Buergerkriegen in Afrika, dem Nah-Ost-konflikt? alles nicht aus regionen wo 'laechelzwang' herscht, Suedostasien ragt in Sachen Unmenschlichkeit kein Stueck aus dem Rest der Welt heraus (vor allem weil der Vietnam-krieg von den USA initiiert wurde?)
Ich gebe ihnen zwar Rech wenn sie sagen, dass diese ewige Schoenfaerberei und unrealistische Konsenshaltung in Job und Privatleben letztendlich dazu fuehrt, dass sich negative Energie aufstaut und zu weitaus schlimmeren Ergebnissen fuerht, als es eine simple Aussprache am Anfang getan haette, aber ich bitte sie; sehen sie von unnoetigen Verallgemeinerungen ab, man kann Suedostasien genauso wenig in eine Schublade stecken wie alle Europaer...
>> muss ich das nicht mehr erleben. Mir reicht schon das "Wohlfühlklima" im Forum der ZEIT, in dem keine Meinung oft besser zu sein scheint als eine zu deutlich formulierte...<<
... ja mit dem "feedback" haben die Jungs hier noch echte Probleme! Folglich möchte ich mich heute mal dem allgemeinen Trend anpassen und den folgenden, für mich ungewöhnlichen Kommentar loslassen:
Herr Hugendick, mein Kompliment! Das ist präzise beobachtet und treffend beschrieben. Für mich war dies der mit Abstand beste Artikel seit sehr langer Zeit! Weiter so!
M.
. . .1933 gab es keinen Lächelzwang und ES brach trotzdem aus. Also nur die Ruhe, wenn Sie von lächelnden Menschen umgeben sind. Ist nicht gefährlicher als bei pöbelnden Menschen.
führt übrigens zwangsläufig und denknotwendig zu gescheiterten Grossprojekten wie dem des Berliner Flughafens. Weil u.a. nicht mehr der der Störer ist, der z.B. seinen Terminplan nicht einhält. Sondern der, der das und die Auswirkungen auf das Projektziel ins höhere Management vermittelt. Also tut´s keiner mehr. Und weil ein zugewiesener Verantwortungsbereich nicht mehr ernst genommen wird, weder in seinem Umfang noch in seinen definierten Grenzen. Im "modernen" management sind alle irgendwie für alles verantwortlich, also effektiv niemand mehr. Organisierte Verantwortungslosigkeit ist die Folge von als positiv wahrgenommener Konfliktvermeidung.
Das renkt sich zwar schon wieder ein, weil man so auf Dauer nicht erfolgreich arbeiten kann. Aber der bis dahin angerichtete Schaden kann gesellschaftlich wie finanziell erheblich sein.
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