Arbeit im AuslandWann Auswandern der Karriere nützt

Mehr als hunderttausend Deutsche verlassen alljährlich das Land. Die meisten sind überdurchschnittlich gebildet und kehren nach wenigen Jahren zurück. Das ist gut so. von Ferdinand Knauß

Goodbye Deutschland! heißt es jeden Dienstag um 21.15 beim Privatsender VOX . Da kann man beispielsweise Roland und Petra Hinz bei ihrem Versuch zuschauen, mit dem Verkauf von deutschen Bratwürsten in Florida reich zu werden. Der Erfolg dieser und ähnlicher Sendungen belegt, dass offenbar viele Deutsche von der Auswanderung träumen. Aber das Bild, das die Fernsehauswanderer abgeben, hat mit der Realität eher wenig zu tun.

Tatsächlich wandern, wie die Zahlen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zeigen, seit 2005 mehr Deutsche ins Ausland aus, als von dort zurückkehren. Im vergangenen Jahr verließen 140.000 Deutsche das Land (2010: 141.000), während nur 117.000 Deutsche aus dem Ausland zuzogen (2010: 115.000). Und schon in den Jahren vor 2005 sorgten nur die deutschstämmigen Einwanderer aus Osteuropa dafür, dass der negative Wanderungssaldo der einheimischen Bundesbürger in der Statistik nicht auffiel. Für Ausländer ist Deutschland offenbar attraktiver als für die Deutschen selbst. Insgesamt wanderten 2011 etwa 958.000 Menschen aus aller Welt nach Deutschland ein und nur 679.000 zogen aus Deutschland weg.

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Auch wenn es bei den Deutschen einen negativen Migrationssaldo gibt, ist Deutschland kein Massenauswanderungsland. Die internationale Mobilität der Deutschen hat sich zwar seit den 1970er Jahren mehr als verdreifacht. Aber dieses Phänomen ist kein deutsches, sondern ein globales. Großbritannien , Schweden und die Niederlande haben zum Beispiel noch sehr viel höhere Auswanderungsraten.

Gut Gebildete wandern häufiger aus

Die realen deutschen Auswanderer sind in der Mehrheit nicht mit den sonnenhungrigen Kneipenwirten und Wurstverkäufern von Goodbye Deutschland zu vergleichen. Sie sind nämlich überdurchschnittlich gut ausgebildet, relativ jung (etwa 32 Jahre) und häufiger männlich als weiblich.

Was den typischen Auswanderer aber vor allem von den Fernseh-Vorzeige-Auswanderern unterscheidet: Er will von vornherein nicht für immer auswandern, sondern nach wenigen Jahren in die Heimat zurückkehren. Nach einer Umfrage des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung erwog 2009 jeder achte Deutsche, ins Ausland zu gehen. Aber weniger als ein Drittel zog eine endgültige Übersiedlung in Betracht.

Dass der endgültige Bruch mit der deutschen Heimat eher die Ausnahme ist, belegen auch die Studien der Migrationsforscher Lenore Sauer und Andreas Ette vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden . Von etwa 122.000 Deutschen, die zwischen 1996 und 2006 ihren Wohnsitz in das EU-Ausland verlagerten, kehrten 95.000 wieder nach Deutschland zurück, das sind 78 Prozent.

Leserkommentare
  1. 1. [...]

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    • Bahamut
    • 05. Dezember 2012 8:52 Uhr

    Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde mittlerweile entfernt. Danke, die Redaktion/au

    • quax74
    • 05. Dezember 2012 8:29 Uhr

    Als Deutschland noch der kranke Mann Europas war, musste ich mir auch einen Job auf der anderen Seite des großen Teichs suchen. Es gab hier nichts. Nach drei Jahren mit dicker Kohle (eine gute Ausbildung zahlt sich dort entsprechend aus), aber nur 7 Tage Jahresurlaub (das war noch viel), konnte ich dann eine Stelle in Deutschland finden. Mittlerweile sogar auch wieder in meiner Geburtsstadt.

    Daheim ist es halt doch am schönsten.

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    und das was sie schildern ist auch meine Erfahrung mit dt. Auswanderern hier in Canada, wo übrigens bereits seit den 90iger bekannt ist, das nur 1 von 3 wirklich im Land bleibt die anderen sind meits nach 1-3 Jahren wieder weg.

    Auch ihre Begründung ist treffend, habe hier Saskatchewan zwar Glück der Urlaub ist 15 Tage, im Rest Canadas 10, aber mein Chef macht als Holländischstämmiger mit russischer Frau (schön das dort Weihnachten später ist) die Bude (bezahlt) zwischen den Feiertagen zu und man kommt nach Hause also nochmal gut 5-7 Arbeitstage.

    Viele Dt. glauben, dass sie im Ausland viel Geld verdienen können, sind sich aber der Arbeits- und Lebensbedingungen dort meistens nicht bewusst.
    Da wird dann halt auf 7 Tage Urlaub verwiesen, wie gesagt habe zwar etwas mehr (würde aber in D wohl das dreifache bekommen), aber bin erholter als ich es in D jemals war, da die Jobs hier 9-5 sind man alle Ü Stunden vergütet bekommt (Freizeit) und das Gehalt das 2.5 fache dessen ist, was ich als Ing. in D bekommen würde und ich innerhalb von 30 Minuten die zivilisierte Welt hinter mir lassen kann.

    Auch scheitern mEn viele die auswandern, also nicht von Firmen entsandt werden, daran das sie z.B. alles mit D vergleichen, das dort das Gras doch soviel Grüner ist.

    • Bahamut
    • 05. Dezember 2012 8:52 Uhr
    3. [...]

    Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde mittlerweile entfernt. Danke, die Redaktion/au

    Antwort auf "[...]"
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    "Uebrigens sollten Sie sich auch mal fragen, wo Deutschland ohne die vielen Einwanderer stehen wuerde, die seit Jahrzehnten die schlecht bezahlten Berufe ..."

    Die Frage ist allerdings nicht eindeutig zu beantworten. Denn muss man sich auch fragen ob diese Berufe noch immer schlecht bezahlt wären wenn man keinen dafür gefunden hätte. Eine so bescheidene Reallohnentwicklung wie Deutschland in den letzten Jahren hingelegt hat kommt nicht von ungefähr.

    • kalle11
    • 05. Dezember 2012 9:20 Uhr

    Wenn man im Ausland lebt, kriegt man einen frischeren Blick auf Deutschland, und sieht, wieviel dort auch ganz hervorragend läuft. So einen Blick würde ich den Dauernörglern, die man hier im Forum nur zu oft antrifft, durchaus empfehlen. Wer erlebt hat mit was die Menschen in anderen Ländern zufrieden sind (hier konkret die medizinische Versorgung in Schweden) der kann über die deutsche Selbstheruntermachung nur schmunzeln.

    Eine Leserempfehlung
  2. "Was den typischen Auswanderer aber vor allem von den Fernseh-Vorzeige-Auswanderern unterscheidet: Er will von vornherein nicht für immer auswandern, sondern nach wenigen Jahren in die Heimat zurückkehren. Nach einer Umfrage des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung erwog 2009 jeder achte Deutsche, ins Ausland zu gehen. Aber weniger als ein Drittel zog eine endgültige Übersiedlung in Betracht."

    Nach meiner Rechnung entspricht jeder achte einem Anteil von 12.5%. Weniger als ein Drittel einem Wert unter 33.3%, wobei ich davon ausgehe, dass er in diesem Fall knapp darunter liegt. Demnach würden mehr Leute eine endgültige Umsiedelung in Erwägung ziehen als überhaupt insgesamt auswandern.

    Die obige Aussage erinnert mich daher irgendwie an die des Fussballspielers Horst Szymaniak, der während der Lohnverhandlungen gesagt haben soll „Ich will ein Viertel, nicht nur ein Drittel mehr“.

    Unter Berücksichtigung dieser Zahlen ist der Behauptung die meisten Deutschen würden nur temporär ins Ausland umsiedeln nicht korrekt. Das Gegenteil ist der Fall. Vermutlich handelt sich aber um einen reinen Zahlenfehler.

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    Ich habe es so interpretiert, dass es von 1/8 aller Deutschen 1/3 sind.
    Wären dann 1/24?

    Vier Prozent erscheint mir durchaus auch plausibel. Ist vermutlich nur falsch geschrieben, da sich "ein Drittel" auf die Deutschen aus dem Satz zuvor bezieht.

  3. Natürlich kehren viele gut ausgebildete wieder zurück, schlicht weil sie nie ausgewandert sind, sondern einfach nur im Ausland einen passenden Job gefunden haben. In Zeiten der Globalisierung ist nicht jede Bewegung gleich auswandern.

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    Kann nur zustimmen: wer von seiner Firma 3 Jahre mit ex-Pat Vertrag nach Asien geschickt wird oder seinen MBA in den USA macht ist für mich kein Auswanderer.

    Ich würde auch gerne wissen, was es genau bedeutet, wenn "2009 jeder achte Deutsche (erwog), ins Ausland zu gehen". Vielen träumen davon, ihren Job zu schmeissen, aufs Land zu ziehen, ins Ausland zu gehen etc etc - ohne das dies viel bedeutet.

    • ludna
    • 05. Dezember 2012 9:53 Uhr

    ist, als noch 1950, oder im 19 Jahrhundert. Heute ist man in 8 h in den USA, oder in 15 h-20 h in Australien, am anderen Ende der Welt.

    Viele gehen auch mit dem Ziel ins Ausland, wieder nach D zurück zu kommen. Alt werden im Ausland ist noch was ganz anderes als einige Jahre dort zu arbeiten.

  4. "Uebrigens sollten Sie sich auch mal fragen, wo Deutschland ohne die vielen Einwanderer stehen wuerde, die seit Jahrzehnten die schlecht bezahlten Berufe ..."

    Die Frage ist allerdings nicht eindeutig zu beantworten. Denn muss man sich auch fragen ob diese Berufe noch immer schlecht bezahlt wären wenn man keinen dafür gefunden hätte. Eine so bescheidene Reallohnentwicklung wie Deutschland in den letzten Jahren hingelegt hat kommt nicht von ungefähr.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "[...]"
  5. Kann nur zustimmen: wer von seiner Firma 3 Jahre mit ex-Pat Vertrag nach Asien geschickt wird oder seinen MBA in den USA macht ist für mich kein Auswanderer.

    Ich würde auch gerne wissen, was es genau bedeutet, wenn "2009 jeder achte Deutsche (erwog), ins Ausland zu gehen". Vielen träumen davon, ihren Job zu schmeissen, aufs Land zu ziehen, ins Ausland zu gehen etc etc - ohne das dies viel bedeutet.

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