Prägten noch vor 150 Jahren Windmühlen das Landschaftsbild in ganz Europa , ist von der Windmühlenromantik heute kaum noch etwas vorhanden. Die fortschreitende Technisierung hat auch vor dem Beruf des Müllers nicht Halt gemacht, das Berufsbild hat sich im Laufe der Jahre stark gewandelt und ist heute vor allem durch Technik geprägt. Aus dem einstigen Handwerksberuf ist mit der Zeit ein Industrieberuf geworden. Denn in der Mühle von heute geht ohne Computer und Maschinen nichts. Sogar die Berufsbezeichnung wurde geändert. Aus dem Müller wurde der Verfahrenstechnologe in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft. "Einen Müllerbetrieb kann man als solchen von außen kaum erkennen", sagt Andreas Bolte, Referent für Berufsbildung beim Verband Deutscher Mühlen .

Das Kerngeschäft hat sich aber nicht verändert. In Mühlen werden verschiedene Getreidesorten zermahlen, die daraus Lebensmittel oder Tierfutter herstellen. Heute wird zwischen Getreidemühlen zum Zermahlen von Weizen oder Roggen; Schälmühlen, etwa für das Bearbeiten von Mais, Reis, Gerste und Hafer sowie zwischen Gewürzmühlen, Ölmühlen und Futtermühlen unterschieden.

Das Aufgabenfeld eines Müllers umfasst den kompletten Prozess von der Anlieferung des Rohstoffes bis hin zur Auslieferung des Endproduktes. Zunächst untersuchen die Müller die Qualität des Getreides. Enthält es Schadstoffe? Wie fühlt es sich an, wie ist sein Geruch, wie der Geschmack? Zusätzlich werden Proben gezogen und im Labor ausgewertet.

Bis zur Weiterverarbeitung werden die Rohstoffe in verschiedenen Silos gelagert. Je nach Auftrag werden die benötigten Naturrohstoffe aus den Silos angefordert. Die Abgabe erfolgt per Computer. Hier wird nur eingegeben, aus welchem Silo welche Marge an Getreide benötigt wird. Die Rohstoffe werden dann zunächst gereinigt, erst dann geht es an den Mahlvorgang.

Handarbeit nur am Computer

Dieser kann bis zu 20 Mal wiederholt werden, je nach gewünschtem Feinheitsgrad. Anschließend wird das Endprodukt gesiebt, gefiltert und anschließend gelagert. Echte Handarbeit ist dabei kaum gefragt. Die Müller arbeiten die Aufträge am Computer ab, steuern und überwachen die Maschinen. Zwischendurch ziehen sie Proben und untersuchen diese im Labor. Nach jedem Mahlen werden die Maschinen gereinigt und gewartet. Auch dafür sind die Müller zuständig. Mit speziellen Silofahrzeugen erfolgt die Auslieferung des Endprodukts. Das Mehl beispielsweise wird mit Druckluft in die Silos des Auftraggebers – beispielsweise eine Großbäckerei – geblasen.  

Für die Ausbildung zum Verfahrenstechnologen in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft ist ein guter Haupt- oder Realschulabschluss Voraussetzung. Die Ausbildung ist eine staatlich anerkannte Ausbildung und dauert drei Jahre. Sie wird mit einer Gesellenprüfung abgeschlossen. Nach der Ausbildung kann eine Weiterbildung zum Meister gemacht werden. Für die Arbeit als Müller sollte Interesse an Naturprodukten vorhanden sein, Kenntnisse in Physik, Biologie und Mathematik werden vorausgesetzt. "Wir berechnen Mengen, erstellen Diagramme, werten Laborergebnisse aus. Da muss man rechnen können", sagt Bolte.

Eine Affinität zur Technik und Interesse an Rohstoffen sind ebenfalls wichtig für den Job. In der Ausbildung lernen die Azubis die typischen Produktionsabläufe in einer Mühle kennen. Herzstück ist der Umgang mit den Maschinen, ihre Wartung und Instandhaltung. Aber auch Qualitätsprüfungen und Hygienevorschriften stehen auf dem Stundenplan.

Viele freie Stellen

Auch wenn der Beruf des Müllers inzwischen hochtechnisiert ist: Es gibt noch ein paar wenige regionale Betriebe, die auf die traditionelle Weise Mehl und andere Müllereierzeugnisse produzieren. "Für die Ernährungswirtschaft sind diese Unternehmen aber nicht relevant", sagt Bolte.

Überhaupt ist die Branche überschaubar. Etwa 6.000 Menschen arbeiten bundesweit bei Mühlen; rund 320 Auszubildende gibt es derzeit. Schichtarbeit zählt in dem Job allerdings dazu. Richtige Schattenseiten sieht Bolte am Beruf des Müllers aber nicht. Der Beruf sei abwechslungsreich, auch herrscht Nachwuchs-Bedarf, die Jobchancen sind gut.

"Unsere Arbeit steckt in vielen Lebensmitteln – ob Backwaren, Nudeln oder Süßwaren", sagt Bolte.

Jobs gibt es dort, wo es um Zerkleinerung geht

Freie Stellen gibt es nicht nur in Mühlen, sondern auch in der Futtermittelwirtschaft, in Maschinenbaubetrieben, die Geräte für Müllereibetriebe herstellen und überall dort, wo es um Zerkleinerungstechnik geht.  

  • Gehalt: etwa 2.100 und 2.600 Euro/Brutto, abhängig von der Region
  • Arbeitszeit: 38 Stunden/Woche;
  • Ausbildung: Drei Jahre, staatlich anerkannte Ausbildung zum Verfahrenstechnologen in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft