Politesse : Beschimpfungen gibt es gratis dazu

Verkehrsüberwacher stellen Knöllchen aus. Für ihren Job brauchen Politessen und Politeure ein dickes Fell und wetterfeste Kleidung, zeigt der Beruf der Woche.

Eben im Anwohnerparkbereich einen freien Parkplatz gefunden, kurz eine Besorgung gemacht, prompt klemmt ein Knöllchen unter dem Scheibenwischer . Politessen und Politeuren (wie die männliche Berufsbezeichnung lautet) entgeht offenbar keine Parksünde. "Wir in Bremen nennen uns Verkehrsüberwacher. Abhängig von der Region sind auch die Bezeichnungen Angestellte im Polizeidienst oder Hilfspolizeibeamte gängig", sagt Petra Konzok. Sie leitet die Verkehrsüberwachung der Stadt Bremen.

Wer parkt richtig, wer parkt falsch? Darum dreht sich bei den Politessen alles. Sie stellen Verwarn- und Bußgelder aus und dokumentieren die Verstöße. Je nach Art und Dauer kostet ein Verstoß zwischen fünf und 35 Euro. Besonders schwere Parksünden werden auch mit bis zu 50 Euro Bußgeld geahndet.

In der Regel hat jeder Überwacher ein bestimmtes Einsatzgebiet. In Bremen arbeiten die Politessen im Rotationsverfahren, sodass sie die Gebiete immer wieder wechseln.

Immer mit dabei haben sie ein mobiles Datenerfassungsgerät. Damit protokollieren sie, wo der Wagen steht, welches Kennzeichen er hat und natürlich auch, was den Verstoß ausmacht. Auf dem Gerät ist der gesamte Strafkatalog hinterlegt. Es berechnet das Bußgeld danach automatisch.

Erst beobachten, dann ahnden

Aber nicht immer ist sofort ein Knöllchen gerechtfertigt. "Im eingeschränkten Halteverbot etwa darf entladen werden. Da beobachten wir die Situation erst eine Weile", sagt Konzok. Im absoluten Halteverbot hingegen darf kein Fahrzeug stehen. Dann gibt es sofort ein Knöllchen.

In vielen Kommunen haben Politessen außerdem die Berechtigung, Fahrzeuge abschleppen zu lassen, wenn es die Situation verlangt. Das ist aber nur bei massiver Verkehrsbehinderung der Fall. Vor dem Abschleppen müssen die Bediensteten die Fahrzeuge aber begutachten und auf bereits vorhandene Beschädigungen prüfen sowie diese protokollieren. Nicht selten werden die Verkehrsüberwacher mit dem Vorwurf konfrontiert, das Auto sei durch das Abschleppen beschädigt worden.

Mitunter müssen Politessen auch zu einem kleinen Trick greifen. Denn einige Autofahrer kommen mit der Ausrede, sie seien nach Ablauf der Höchstparkdauer einmal um den Block gefahren und hätten dann "ihren" Parkplatz erneut frei vorgefunden. Um nachvollziehen zu können, ob ein Autofahrer sein Fahrzeug tatsächlich bewegt hat, notieren sich die Politessen den Ventilstand der Reifen. Als Positionsmarkierung wird immer der Vergleich mit einem Uhrenzifferblatt herangezogen. Steht das Ventil auf "drei Uhr", so wird das vermerkt. "Es ist nicht möglich, das Fahrzeug zu bewegen und die Position der Reifenventile exakt wie zuvor hinzubekommen", sagt Konzok.

Nicht jeder Parksünder zahlt das Verwarngeld sofort. Darum gehört auch die Sichtung und Antwort zu Stellungnahmen der Parksünder zu den Aufgaben der Verkehrsüberwacher. Schwere Fälle landen vor Gericht. Dann müssen die Politessen und Politeure persönlich aussagen.

Jede Kommune bildet anders aus

Ansonsten fällt keine Büro-Arbeit an. Nach Schichtende werden die mobilen Datenerfassungsgeräte ausgelesen, die Daten werden nach Flensburg in die Bußgeldstelle geschickt, der Halter des Fahrzeugs bekommt dann zeitnah Post und hat die Möglichkeit, sich zu dem Vergehen zu äußern.

Eine bundeseinheitlich festgelegte Ausbildung zur Politesse gibt es nicht, jede Kommune handhabt die Ausbildung eigenständig durch eine mehrwöchige, interne Weiterbildung. Die Mitarbeiter werden in Dienstkunde, Straßenverkehrsrecht, dem Umgang mit den mobilen Datenerfassungsgeräten, aber auch in Deeskalation ausgebildet. In der ersten Zeit nach der Ausbildung begleiten erfahrene Kollegen die Neuen bei der Arbeit.

Die Voraussetzungen für den Job sind von Kommune zu Kommune unterschiedlich. Mitunter werden der Führerschein Klasse B sowie ein Gesundheitszeugnis verlangt.

Wetter, Schichtbetrieb und Pöbeleien

Politessen sollten kommunikativ sein und Menschenkenntnis besitzen. Zudem sollten sie Selbstsicherheit ausstrahlen und sich durchsetzen können. Eine gute körperliche Verfassung sowie eine gewisse Wetterfestigkeit sind zusätzlich notwendig. Außerdem brauchen Verkehrsüberwacher ein dickes Fell. Diplomatie und ein freundlicher Umgangston sind ebenfalls wichtig. Beschimpfungen und Beleidigungen gehören allerdings dazu, mitunter kommen auch körperliche Übergriffe dazu. Außerdem arbeiten die Verkehrsüberwacher in Schichtdiensten, am späten Abend und am Wochenende. Bleibt noch das Wetter – eine Reihe Schattenseiten gibt es bei diesem Job also.

Auf der anderen Seite steht viel Freiheit für die Aufgabenbewältigung. Denn die Bediensteten entscheiden selbst, wie sie das Gebiet überwachen. Und obwohl sich die wenigsten Menschen über ein Knöllchen freuen, berichtet Konzok von vielen freundlichen Begegnungen. "Sehr nette Gespräche mit Passanten und Verkehrssündern kommen sogar täglich vor", sagt die Verkehrsüberwacherin.

  • Gehalt: An den TvöD angelehnt, zwischen A3 und A5, brutto 1.900 und 2.200 Euro;
  • Ausbildung: Interne Weiterbildung, je nach Kommune unterschiedlich;
  • Arbeitszeit: 38,5 Stunden/Woche;
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Kommentare

19 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

eigentlich gibt es

da ja noch mehr Bedarf als eingestellt wird.

Jedoch aus einem Bericht einer guten Bekannten die die Bewerbung in Köln gemacht hatte ging hervor das die Qualifikation inklusive verschiedener Voraussetzungen so hoch gehängt wurde das sie dachte es wird der Ordnungsamtleiter neu gesucht und kein Aussendienst per Pedes.

Bußgeld...

... Die Frage ist nur, ob dann diese Bußgelder auch gerecht geahndet werden. Wenn ich z.B. diverse TV-Dokumentationen sehe, wo übelste Unterschicht meist in Gruppen Polizisten bepöbelt und beleidigt, so sehe ich kaum Ahndungen dagegen, sondern es heißt, die Polizei muss hier "de-eskalierend" wirken. Auf der anderen Seite wird der dumme Otto-Normalbürger für jedes Schimpfwort sofort behelligt, denn er ist offensichtlich nicht so unbequem, wie die aufdringliche Pöbel-Gruppe.
Hier herrscht wieder einmal fehlende Verhältnismäßigkeit, die die Wut in einem hoch steigen lässt. Aber bisher habe ich ja noch niemanden beleidigt...

Rita auf dem Bordcomputer

Braucht man Politessen heute noch? Ich plädiere für den Einbau eines Fahrtenschreibers in jedes Fahrzeug, so dass eine permanente, satellitengestützte Überwachung möglich ist. Vor Fahrtantritt muss sich jeder Fahrer dort legitimeren. Bei jeder Regelübertretung wird das Bußgeld unmittelbar vom Konto des Fahrzeugführers abgebucht. Sobald sein Girokonto bei einem Einzug keine Deckung mehr hat, wird die Motorelektronik unverzüglich unterbrochen, das Fahrzeug fahruntüchtig gemacht.

Auf dem Bildschirm des Bordcomputers erscheint die Politesse Rita (eine Animation) und erklärt mit säuselnder Stimme, dass die Fahrt nun leider beendet ist. Dann heißt es Smartphone gezückt und Guthaben vom Tagesgeld- auf das Girokonto umgebucht. Und weiter geht die Fahrt.

Ironie oder ernst gemeint? Wer weiß das heute schon noch?

Es fällt auf, daß in Diskussionen bezüglich des Straßenverkehrs sich niemand zu genieren scheint, die totale Überwachung und härtere Strafen auf alles zu fordern. Offenbar gilt rechtsextremes Gedankengut in der Verkehrspolitik nicht als anstößig.

In diesem Lichte wundern mich auch die Beobachtungen aus dem derzeitigen Hauptartikel nicht mehr:
http://blog.zeit.de/stoer...

Extreme

Die Idee der totalen Kontrolle ist einfach nur totalitär -- da geben sich Links- und Rechtsextreme nicht viel.

Die Idee jedoch, daß durch schwere Strafen gute und durch schwerere Strafen bessere Ergebnisse zu erzielen sind, scheint mir eher dem Faschismus zugehörig. Die Linksextremen hängen nach meiner Einschätzung eher der Idee an, Einsicht bewirken zu können. Auf Dressur sind die nicht so aus.

Das liegt im Menschenbild begründet: Die Linke hält Menschen für im Prinzip gut, so daß auch Fehlbare gebessert werden können, die Rechte für angeboren gut oder böse. Und gegen letztere hilft in diesem Weltbild ausschließlich Gewalt.

(off topic)

"Die Linke hält Menschen für im Prinzip gut, so daß auch Fehlbare gebessert werden können, die Rechte für angeboren gut oder böse."

Jein...
Das gilt sicher in der Theorie. In der Praxis tat sich die Linke, wenn sie denn an der Macht war, eigentlich auch nie schwer damit, ganze Bevölkerungsgruppen als Klassenfeinde zu betrachten und zu vernichten. Man denke nur an die Kulaken in den zwanziger Jahren.

Ihren Traum in allen Ehren

"Ich plädiere für den Einbau eines Fahrtenschreibers in jedes Fahrzeug, so dass eine permanente, satellitengestützte Überwachung möglich ist."
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Ein Rückenmarknah gesetztes Implantat könnte den Menschen bei der Überwachung sogar unabhängig vom Auto machen. Überwachung ginge sogar besser als mit dem Auto. Wenn man per RFID die Personalien auslesen könnte bräuchte die Politesse sogar nicht mehr nach dem Ausweis zu fragen.