BeförderungReinwachsen in die neue Chef-Rolle

Wenn Mitarbeiter zu Vorgesetzten werden, sind Konflikte vorprogrammiert. Neid der Kollegen, Zweifel aus der Führungsebene – Sabine Hockling erklärt, was zu beachten ist. von 

Wird aus einem Kollegen ein Vorgesetzter , beobachten ihn höhere Chefs und ehemalige Kollegen in der Anfangsphase oft argwöhnisch. Auch befindet sich der Aufgestiegene meist zwischen den Stühlen: Die ehemaligen Kollegen wünschen sich, dass alles beim Alten bleibt. Seine höheren Vorgesetzten erwarten, dass er die Unternehmensinteressen umsetzt.

Theoretisch kein schwerer Job, weiß er doch, welche Verbesserungen und Änderungen sich die Belegschaft wünscht. In der Praxis allerdings eine schwere Aufgabe. Da sind die Enttäuschung und die Missgunst der Kollegen, die ebenfalls aufsteigen wollten. Sie verweigern dem neuen Chef oft zunächst die Loyalität. Und dann können in der Geschäftsleitung Bedenken bestehen, dass eine Person von außen sich besser durchsetzen könnte.

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Der Aufsteiger steht also unter einem enormen Erwartungsdruck: Er möchte eventuelle Zweifel der Geschäftsleitung aus dem Weg räumen, dabei aber die Beziehung zu den ehemaligen Kollegen nicht verschlechtern. Aber die verändert sich ohnehin. Aus der ehemaligen Verbundenheit kann Distanz werden, begleitet von Zweifel und Argwohn.

Neid, Argwohn, Zweifel

"Solche Gefühle verändern unmerklich das Betriebsklima, rufen 'Opfer', 'Retter' und 'Verfolger' auf den Plan. Der ehemalige Kollege, der um die enge Beziehung zum neuen Chef bangt, wird immer eine Warnung auf den Lippen haben – ganz in der Rolle des Retters aufgehen. Der Verfolger hingegen wird keine Gelegenheit auslassen, dem Neuen zu beweisen, dass er ständig Fehler macht. Bleibt noch der Opfertyp: Immer wieder wird jemand in Not geraten und um Hilfe bitten", schreibt Dagmar Kohlmann-Scheerer, Trainerin und Autorin des Ratgebers Gestern Kollege – heute Vorgesetzter .

Sabine Hockling
Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Mit Ulf Weigelt schrieb sie den Ratgeber Arbeitsrecht. Seit 2011 ist sie Autorin der Serie Chefsache. Immer freitags spricht sie mit Managementexperten über Führungsfragen. Hockling bloggt mit Tina Groll unter diechefin.net, das Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

Aber auch die nächsthöheren Vorgesetzten können dem Aufsteiger das Leben schwer machen, denn mit ihm kommt eine neue Konkurrenz in den Führungszirkel . Die Folge: Sie greifen in die Trickkiste, um ihr "Revier" zu schützen. Wichtige Informationen werden häufig nicht weitergegeben, Termine nicht kommuniziert, der "Neue" isoliert.

In dieser Situation sollten Aufgestiegene die Ruhe bewahren, blinder Aktionismus schadet hier nur. Jetzt ist es sinnvoll, sich die Hintergründe des Widerstands anzuschauen. Ablehnung der Ideen und Ziele haben nichts mit der eigenen Person zu tun, sondern mit der Angst vor Veränderungen. Wer transparent agiert und sein Team von Anfang an in Prozesse einbezieht , baut Unruhe und Unsicherheiten ab.

Kohlmann-Scheerer hat beim Rollenwechsel sieben Fallstricke ausgemacht und beschreibt, wie sich Aufsteiger hier verhalten können.

Leserkommentare
  1. Ich frage mich immer, woher irgendwelche Schriftstellerinnen oder Redakteure so genau wissen, was bei solchen Beförderungen in solchen Gruppen vor sich geht. Alles selber schonmal erlebt? Oder gab es gar ein tiefgründiges Psychologiestudium? Hut ab...

    Bleibt sich der beförderte ehemalige Kollege selber treu, merken dass auch so so neidischen Kollegen oder nun Mitarbeiter. Leider ist in unserem System der irren riesigen Einmalzahlungen und zielvereinbarungen genau das nahezu unmöglich. Einmal an den Trögen der Tantieme angekommen, will man genau dort bleiben. Man tut also wirklich alles, was an zielvereinbarungen mit dem Chef zu erfüllen ist. Widerworte? Wohl verrückt. Stell dir vor, der Chef ist wegen irgendwelcher Widerworte nachtragend. So entfernt sich der ehemalige Kollege von seinen Kollegen und nicht weil der Neid die ehemaligen Kollegen auffrisst.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Danke dafür. Wie das Thema so wirkt auch die Herangehensweise komisch.

  2. Ich bin einen Monat durch "mein" neues Team getingelt und habe mich für mindestens eine Stunde zu jeden einzelnen gesetzt und mit ihm zusammen gearbeitet. Meine Arbeitsweise zu kritisieren war von mir ausdrücklich erwünscht. Im Gegenzug wurde mir zugehört, wenn ich "Verbesserungsvorschläge" hatte.

    So fanden wir von Anfang an zu einer sachlichen Ebene der Zusammenarbeit. Vor allem bei den älteren Kollegen, die sich für denselben Posten beworben hatten und eigentlich mehr Erfahrung hatten als ich, hat diese Vorgehensweise großen Eindruck hinterlassen. In dem Moment wußten sie, weshalb ich den Vorzug bekam und es war nie wieder ein Thema.

    Vorteil: Mein Team wußte, wie ich arbeite, worauf ich Wert lege. Und ich muß sagen: Ich war bis zu meinem Ausscheiden aus dem Unternehmen sehr stolz auf mein Team, das sich mir zuliebe immer mächtig ins Zeug gelegt hat, die Arbeit gut zu machen. Das ist das größte Kompliment für den Chef/die Chefin.

  3. Danke dafür. Wie das Thema so wirkt auch die Herangehensweise komisch.

    Antwort auf "Alles Top!!!"
  4. ändert sich mit der neuen Rolle des Kollegen bzw. der damit verbundenen neuen Richtung und Ausprägung der Beziehungen.

    Diese Rolle sollte vom neuen Vorgesetzten entsprechend ihren/seinen und den Vorstellungen der Organisation frühestmöglich kommuniziert werden; um mögliche Unzulänglichkeiten, Störfsktoren und Unklarheiten bereits im Vorfeld zu identifizieren und wenn nötig zu eliminieren. (Fallstrick 2)

    Es kann und wird in vielen Fällen so sein, dass er/sie sich in der neuen Rolle eben nicht mehr wie vom Team gewohnt "treu bleiben" kann. Nicht weil sie/er mit dem neuen Posten zum A...ch geworden ist, sondern weil die Anforderungen und Erwartungen seitens der Organisation an sie/ihn nun ganz andere sind.

    • S.Kunze
    • 02. November 2012 21:02 Uhr

    Wenn Jemand gute Arbeit leistet - sagen wir verdammt gut - hat es doch aus Sicht des Chefs wenig Sinn ihn/sie zu befördern? (Denn dann hätte der Chef ein Riesenproblem?).

    Könnte das Jemand mit genügend praktischer Erfahrung mal beantworten?

    Danke

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