Steht eine Führungskraft vor einem Jobwechsel , hat sie in der Regel nicht viele Möglichkeiten. Denn je weiter es auf der Karriereleiter nach oben geht, desto begrenzter sind die Führungspositionen. Auch bewirbt man sich in der Regel nicht einfach auf einen solchen Posten. Ferner reicht es meist nicht aus, nur gut zu sein, man muss es auch vermitteln können. Wie aber stellt eine Führungskraft ihre Karriere-Weichen richtig?

Entscheidend ist, nicht zu plump aufzutreten, sondern die Entscheidungsprozesse aktiv zu steuern. Jürgen Hesse, Diplom-Psychologe und Bewerbungs- und Karrierecoach, warnt davor, Headhunter direkt zu kontaktieren. Besser ist, sich als Experte zu positionieren, sich regelmäßig auf entsprechenden Veranstaltungen zu zeigen und mit Entscheidungsträgern zu kommunizieren. Eine Führungskraft bewirbt sich stets und ständig – aber eben nicht, indem sie aktiv nach einem neuen Job sucht. Hesse spricht hier vom Networking als "Holprozess".

Was auch für alle anderen gilt, ist für Menschen in Top-Positionen noch wichtiger – Vitamin B, ein dicht verzweigtes berufliches Netzwerk an Personen, die einem positiv zugetan sind und einen unterstützen. Eine wichtige Aufgabe ist daher, bisherige Kontakte zu pflegen und neue zu gewinnen. Das geht nur mit sehr viel Eigeninitiative. Sie ist nach Hesse der größte Erfolgsfaktor.

Bewerbungsunterlagen auf Englisch anfertigen

Selbstverständlich sind Führungskräfte immer auf dem Laufenden und passen sich den Entwicklungen in ihrer Branche an. Sie handeln und planen vorausschauender als andere. Und wie macht man das? Hesse empfiehlt drei wichtige Punkte: Immer über die Trends der Branche informiert sein, regelmäßig Fortbildungen und Fachseminare besuchen, um auf dem neuesten Stand der Entwicklung zu sein und nicht den Fehler zu begehen und absolute Sicherheit und Kontinuität von seinem Job erwarten. Die besten Voraussetzungen, um auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen, sind die geistige Beweglichkeit und die Bereitschaft, mit Neuerungen und Veränderungen positiv umzugehen.

Immer wieder hat Jürgen Hesse Führungskräfte vor sich, die zwar ihren Job beherrschen, aber völlig planlos sind, wenn sie sich plötzlich bewerben müssen. Da fehlen die Bewerbungsunterlagen auf Englisch (was mittlerweile für Führungskräfte Standard ist); oft mangelt es auch an einer realistischen Einschätzung des Marktwerts auf dem Arbeitsmarkt. Die einen sind zu schüchtern (interessiert sich überhaupt jemand für mich?), andere waren jahrelang Alphatier und müssen erst einmal geerdet werden. Wer sich als Star fühlt (und es vielleicht auch mal war), eckt mit einem solchen Verhalten im Recruiting eher an. Das steigert nicht die Jobchancen.

Vielen Führungskräften fällt es auch schwer, ihr Leistungsprofil auf den Punkt zu bringen. "Nur etwa 20 Prozent aller Kandidaten auf Jobsuche bereiten sich umfassend und gründlich vor, 80 Prozent tun das nicht", sagt der Karriereberater.

Am Ende zählt natürlich auch das, was für alle auf dem Jobmarkt wichtig ist: sich fundiert vorzubereiten. Denn Unternehmen möchten ihre Bewerber als ganze Person kennenlernen. Führungskräfte, die aus dem Bewerbungsprozess lange raus sind, wissen aber häufig nicht mehr, was zu einer fundierten Vorbereitung gehört.

Mit sich selbst beschäftigen

Hesses Rat: sich intensiv mit der eigenen Persönlichkeit, den Leistungsressourcen, dem Know-how, den Stärken sowie Schwächen auseinandersetzen. Denn nicht nur in der schriftlichen Bewerbung, sondern auch in der späteren persönlichen Begegnung müssen Entscheider über sich Auskunft geben sowie Wesensmerkmale, Fähig- und Fertigkeiten, Interessen und Neigungen sowie ihre beruflichen und privaten Situationen benennen können.

Konkret geht es um drei Fragen: Was für ein Mensch bin ich? Was kann ich und was will ich? Diese müssen mit der Realität (was ist möglich?) in Einklang gebracht werden. Dabei können ein Coach, der Ehe- oder Lebenspartner, Freunde und Kollegen behilflich sein. Zusätzlich bringt eine persönliche Standortbestimmung Klarheit. Hier geht es folgende vier Punkte:

  • Welche Ausbildungs- und Berufserfahrungen liegen vor?
  • Wie schätzt man sich und seine Fähigkeiten ein?
  • Wie sieht die aktuelle Situation aus? Womit muss man sich vor allem gegenwärtig auseinandersetzen?
  • Wie sind die Erwartungen an die berufliche und private Zukunft?

Wer seine Karriere strategisch plant, wird den nächsten Jobwechsel meistern können.