FührungskräfteAlphatier auf Jobsuche

Führungskräfte, die einen neuen Job suchen, sollten sich nicht zu laut anpreisen. Welche Bewerbungsstrategie sinnvoll ist, erklärt Sabine Hockling. von 

Steht eine Führungskraft vor einem Jobwechsel , hat sie in der Regel nicht viele Möglichkeiten. Denn je weiter es auf der Karriereleiter nach oben geht, desto begrenzter sind die Führungspositionen. Auch bewirbt man sich in der Regel nicht einfach auf einen solchen Posten. Ferner reicht es meist nicht aus, nur gut zu sein, man muss es auch vermitteln können. Wie aber stellt eine Führungskraft ihre Karriere-Weichen richtig?

Entscheidend ist, nicht zu plump aufzutreten, sondern die Entscheidungsprozesse aktiv zu steuern. Jürgen Hesse, Diplom-Psychologe und Bewerbungs- und Karrierecoach, warnt davor, Headhunter direkt zu kontaktieren. Besser ist, sich als Experte zu positionieren, sich regelmäßig auf entsprechenden Veranstaltungen zu zeigen und mit Entscheidungsträgern zu kommunizieren. Eine Führungskraft bewirbt sich stets und ständig – aber eben nicht, indem sie aktiv nach einem neuen Job sucht. Hesse spricht hier vom Networking als "Holprozess".

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Was auch für alle anderen gilt, ist für Menschen in Top-Positionen noch wichtiger – Vitamin B, ein dicht verzweigtes berufliches Netzwerk an Personen, die einem positiv zugetan sind und einen unterstützen. Eine wichtige Aufgabe ist daher, bisherige Kontakte zu pflegen und neue zu gewinnen. Das geht nur mit sehr viel Eigeninitiative. Sie ist nach Hesse der größte Erfolgsfaktor.

Bewerbungsunterlagen auf Englisch anfertigen

Selbstverständlich sind Führungskräfte immer auf dem Laufenden und passen sich den Entwicklungen in ihrer Branche an. Sie handeln und planen vorausschauender als andere. Und wie macht man das? Hesse empfiehlt drei wichtige Punkte: Immer über die Trends der Branche informiert sein, regelmäßig Fortbildungen und Fachseminare besuchen, um auf dem neuesten Stand der Entwicklung zu sein und nicht den Fehler zu begehen und absolute Sicherheit und Kontinuität von seinem Job erwarten. Die besten Voraussetzungen, um auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen, sind die geistige Beweglichkeit und die Bereitschaft, mit Neuerungen und Veränderungen positiv umzugehen.

Sabine Hockling
Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Mit Ulf Weigelt schrieb sie den Ratgeber Arbeitsrecht. Seit 2011 ist sie Autorin der Serie Chefsache. Immer freitags spricht sie mit Managementexperten über Führungsfragen. Hockling bloggt mit Tina Groll unter diechefin.net, das Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

Immer wieder hat Jürgen Hesse Führungskräfte vor sich, die zwar ihren Job beherrschen, aber völlig planlos sind, wenn sie sich plötzlich bewerben müssen. Da fehlen die Bewerbungsunterlagen auf Englisch (was mittlerweile für Führungskräfte Standard ist); oft mangelt es auch an einer realistischen Einschätzung des Marktwerts auf dem Arbeitsmarkt. Die einen sind zu schüchtern (interessiert sich überhaupt jemand für mich?), andere waren jahrelang Alphatier und müssen erst einmal geerdet werden. Wer sich als Star fühlt (und es vielleicht auch mal war), eckt mit einem solchen Verhalten im Recruiting eher an. Das steigert nicht die Jobchancen.

Vielen Führungskräften fällt es auch schwer, ihr Leistungsprofil auf den Punkt zu bringen. "Nur etwa 20 Prozent aller Kandidaten auf Jobsuche bereiten sich umfassend und gründlich vor, 80 Prozent tun das nicht", sagt der Karriereberater.

Am Ende zählt natürlich auch das, was für alle auf dem Jobmarkt wichtig ist: sich fundiert vorzubereiten. Denn Unternehmen möchten ihre Bewerber als ganze Person kennenlernen. Führungskräfte, die aus dem Bewerbungsprozess lange raus sind, wissen aber häufig nicht mehr, was zu einer fundierten Vorbereitung gehört.

Hesses Rat: sich intensiv mit der eigenen Persönlichkeit, den Leistungsressourcen, dem Know-how, den Stärken sowie Schwächen auseinandersetzen. Denn nicht nur in der schriftlichen Bewerbung, sondern auch in der späteren persönlichen Begegnung müssen Entscheider über sich Auskunft geben sowie Wesensmerkmale, Fähig- und Fertigkeiten, Interessen und Neigungen sowie ihre beruflichen und privaten Situationen benennen können.

Konkret geht es um drei Fragen: Was für ein Mensch bin ich? Was kann ich und was will ich? Diese müssen mit der Realität (was ist möglich?) in Einklang gebracht werden. Dabei können ein Coach, der Ehe- oder Lebenspartner, Freunde und Kollegen behilflich sein. Zusätzlich bringt eine persönliche Standortbestimmung Klarheit. Hier geht es folgende vier Punkte:

  • Welche Ausbildungs- und Berufserfahrungen liegen vor?
  • Wie schätzt man sich und seine Fähigkeiten ein?
  • Wie sieht die aktuelle Situation aus? Womit muss man sich vor allem gegenwärtig auseinandersetzen?
  • Wie sind die Erwartungen an die berufliche und private Zukunft?

Wer seine Karriere strategisch plant, wird den nächsten Jobwechsel meistern können.

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Leserkommentare
  1. aber mit dem Umsetzen ist das schon schwieriger.

    Ich habe nicht so sehr Probleme mit der Bewerbung für eine Führungsposition, sondern überhaupt mit Stellenausschreibungen. Erst kürzlich las ich wieder einmal eine Anzeige, die den Eindruck vermittelte, es werde mindestens ein Ersatz für Obama gesucht. Erst zum Schluss kam ich dann darauf, dass es sich einfach um eine Stelle für eine Hilfsperson an einem Informationspunkt einer Firma handelt. Die Frage, wie stellt man sich richtig dar, müssen m.E. nicht nur die Arbeitssuchenden sondern vor allem auch die Arbeitgeber überlegen. Muss wirklich jede kleine Stelle in Deutschland englische Begriffe benutzen (gesehen bei der Suche eines Feuerwehrmannes, vielleicht spricht das Feuer ja nur Englisch). Alles ist großartig, hochtrabend. Was mich am meisten ärgert! Stelle für einen Berufsanfänger, entsprechendes Gehalt, aber in den Anforderungen plötzlich mindestens 3 Jahre Berufserfahrungen. Entweder sie suchen Anfänger oder nicht. Mit 3 Jahren im Beruf kann man wohl nicht mehr vom Anfänger ausgehen. Abschließend, mir wird immer stärker der Eindruck vermittelt, dass viele Stellenangebote zuerst einmal Schaumschlägerei sind. Übertrieben hohe Anforderungen und wenig Leistung dafür. Fast bin ich froh, dass ich nicht mehr in diesem Kreislauf bin. Aber ich bedauere die jungen Leute, die mit diesen Angeboten wenige reelle Chancen haben.

  2. deutschen Führungskräften, sich nur noch in Englisch, Arabisch, Chinesisch und Hindi zu bewerben; den deutschen Bewerbungsquark samt Arbeitsmarkt im Inland zu vergessen.

    Wenn die Bewerbung für eine Stelle in Deutschland in englischer Sprache erwünscht ist; darf Führungskraft erwarten, dass ihr das bekannt gemacht wird. (oder implizierend über Stellenanzeigen in Englisch)

    Für Führungspositionen werden entsprechende Englischkenntnisse meist vorausgesetzt; eine zusätzliche Bewerbung und Bewerbungsunterlagen in Englisch sind dann überflüssig. imho

    • oh.stv
    • 17. November 2012 1:14 Uhr

    "Führungskraft" kein Ausbildungsberuf ist .... man stelle sich vor man müsste 5 Jahre lang buckeln um das zu werden ..

  3. nett, daß auch Führungskräfte sich bewerben müssen, wundere mich aber nicht darüber; bekanntlich muß das jeder normale Mensch tun, der einen neuen Job sucht - warum sollte das bei Führungskräften anders sein???
    Es wäre die Frage zu stellen, warum sich Führungskräfte einen neuen Job suchen - haben sie vielleicht im alten Job soviele Angestellte und Arbeiter wegrationalisiert (und womöglich noch mit viel Eigenlob, daß sie ja 'sparen'), daß sie jetzt nichts mehr zu verwalten und zu dirigieren haben?

    Als Inhaber einer Firma käme mir ein solcher Mann jedenfalls nicht zur Tür herein.
    Die Devise sollte Aufbau und nicht Abbau sein.

    Es ist aber ganz nett, wenn sich auch 'Führungskräfte' den Fragen und Beurteilungen anderer stellen müssen - da kommen sie mal in Kontakt mit dem realen Leben.

    • Trypsin
    • 17. November 2012 11:05 Uhr

    ...keine Alphatiere sondern Gammatiere, die sich wie ein Alphatierchen gebärden, aber nicht die Autorität und den Charakter haben. Und Gammatierchen haben extreme Angst vor Betatierchen und Alphatierchen, die angestellt sind.

    Richtige Führungspersönlichkeiten gibt es sehr selten. Ich habe in meinem Leben zwei Männer kennengelernt, die mich wirklich mit Ihrem Charakter, Souveränität und Autorität beeindruckt hatten.

  4. meine Erwartungen an die Zukunft sind regelmäßig der Grund warum ich micht nicht bewerbe.
    In den Stellenanzeigen wird hochtrabend formuliert, welche Fähigkeiten der Bewerber haben müsste, nicht aber warum er sich bewerben sollte, wenn er sie denn hat. Nur ein "angemessenes" Gehalt ist kein Grund zu wechseln, wenn man sich weiter entwickeln will.

  5. sie bieten sich an, sie vermarkten sich.

    Meine letzten 3 jobwechsel haben ganz ohne Bewerbung im klassischen Sinne stattgefunden. Die wurden über Monate entwickelt und in etlichen Gesprächen angebahnt.

  6. Wenn man mal verstanden hat, dass Anarchie nichts mit "Chaos" zu tun hat, dann kann man sich über die Affen in der Führungsetage köstlich amüsieren.

    Es ist übrigends erwiesen, dass Testosteron in überdosen Dumm macht. Ein Alphatier muss auch nicht clever sein. Seine einzigste Aufgabe ist es, an der Macht zu bleiben.

    Es wurde auch erwiesen, dass der Testosteronspiegel bei einem Chimpansen, der ein Alphatier geworden ist, um das 10 fache ansteigt. Das lässt sich auch auf den Menschen übertragen.

    Was folgern wir daraus!? Hirarchien sind für den Arsch.

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