StellenbesetzungOhne fiese Absagen interne Bewerber finden

Mit E-Assessments können Unternehmen unter den eigenen Mitarbeitern rekrutieren. Die Methode macht eine Bewerbung ohne Gesichtsverlust und Absagen möglich. von 

Ist eine Position zu besetzen oder soll ein Bereich neu aufgestellt werden, kann es sinnvoll sein, in den eigenen Reihen nach geeigneten Kandidaten zu suchen . Dieser Weg birgt für Unternehmen bisweilen Risiken. Denn oft bringen sich Mitarbeiter ins Spiel, die sich zwar für geeignet halten, allerdings nicht über das nötige Potenzial verfügen. Was also tun, damit die Absage die Mitarbeiter nicht demotiviert und ihnen das Gefühl gibt, das Gesicht zu verlieren? Und wie findet man überhaupt die richtigen Kandidaten innerhalb der Firma?

Eine Lösung können anonymisierte E-Assessments sein. Ganz am Anfang dieser Methode steht das Anforderungsprofil, das der Arbeitgeber für die zu besetzende Stelle erstellen muss. Das Profil gibt Auskunft über die erwünschten Fähigkeiten, Eigenschaften und Merkmale des Bewerbers. Es unterscheidet außerdem zwischen Muss- und Kann-Anforderungen sowie zwischen heute erforderlichen und zukünftig notwendigen Fähigkeiten, um so die Fach-, Methoden-, Sozial- und Persönlichkeitskompetenzen zu erfassen.

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Das Profil ist die Basis für einen anonymisierten Potenzialanalyse-Test, der sozusagen das Herzstück der internen Personalauswahl ist. Mit einem solchen Test kann anonym ermittelt werden, ob Mitarbeiter überhaupt die definierten Anforderungen erfüllen. Die Mitarbeiter können an dem Test teilnehmen, müssen aber auch nicht. Die Identität offenzulegen, ist ebenfalls freiwillig. Wer das tut und besteht, wird am Ende zu einem Gespräch eingeladen. Wer nicht besteht, erhält aber seine Ergebnisse und auch Kenntnis darüber, wo die eigenen Kompetenzen nicht zum Anforderungsprofil passen.

Schutz vor Gesichtsverlust

Um die Anonymität zu wahren und so einem eventuellen Gesichtsverlust vorzubeugen, erfahren Unternehmen weder, wer sich zum Test angemeldet hat, noch wie die jeweiligen Teilnehmer abgeschnitten haben. Die Ergebnisse werden ausschließlich den Kandidaten mitgeteilt. Erst wenn ein Teilnehmer sich mit seinem Testergebnis an seinen Vorgesetzten wendet, erfährt das Unternehmen von seiner Teilnahme. Wer das E-Assessment nicht erfolgreich abgeschlossen hat, sieht durch sein Testergebnis, wo konkret Handlungsbedarf besteht. Auch erhält er alternative Vorschläge für seine Karriereplanung.

Sabine Hockling
Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Mit Ulf Weigelt schrieb sie den Ratgeber Arbeitsrecht. Führungskräften gibt sie in der Serie Chefsache Tipps zur Mitarbeiterführung. Sie bloggt mit Tina Groll unter diechefin.net, der Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

Meist haben solche Tools hohe Akzeptanz bei Mitarbeitern. Auch steigert diese Methode sowohl ihre Weiterbildungsbereitschaft als auch ihre Motivation. Unternehmen profitieren von der Treffsicherheit, denn ihre Personalbeschaffungskosten sowie das Risiko einer Fehlbesetzung sind relativ gering.

Wie erfolgreich so ein Verfahren sein kann, zeigt das Beispiel der Deutschen Bank. Das Finanzunternehmen setzte auf diese Methode, als es intern Mitarbeiter suchte, die zukünftig einen besonderen Kundenkreis erschließen sollten und für das Aufbaustudium Qualified Financial Consultant an der Ruhr-Universität Bochum infrage kommen könnten. Die Treffsicherheit bei der Mitarbeiterauswahl war dem Unternehmen sehr wichtig, denn das Aufbaustudium erfolgt berufsbegleitend und das verlangt ein hohes Maß an Disziplin und Engagement. 97 Prozent der mit dem E-Assessment rekrutierten Mitarbeiter haben die Weiterbildung mittlerweile erfolgreich abgeschlossen – ein Erfolg für das Unternehmen, hatte die Abbruchquote vorher höher gelegen. 

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Leserkommentare
  1. Der Chef kennt den Kandidaten nicht und wenn ein Personalwechsel vollzogen wurde, hat womoeglich auch noch die falsche Person, die Telefonnummer der Faehigen!
    Und dann ist da noch die Frage, ob eine Kombination vom Wesen zum Wissen passt!
    Die Reduktion auf lediglich Fachwissen ist falsch und vergiftet das Arbeitsklima! Zudem wird selbst eine faehige Mitarbeiterin nichts gegen eine unfaehige Chefin ausrichten koennen!
    Sorry, das war wohl ein Ansatz aber nur im Bereich Wissen und nicht wie man/frau ein Team zusammenstellt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ihr kann Ihrem Text, folgen, nicht, Komma sitzt, merkwürdig, oder so.

    Falls ich Sie verstanden habe, dann gehen Sie pauschal davon aus, dass das Arbeitsklima vergiftet wird, sobald eine widerspenstige Person im Kollektiv auftaucht, und dies unbedingt zu vermeiden gilt, koste es was es wolle (im Zweifelsfall die Gesamtkompetenz des Teams).

    Aber genau genommen sagt dies mehr über Ihren Horizont bzw. Ihre eigene Firma aus. Wenn ein(e) Mitarbeiter(in) das Team derart durcheinander bringen kann, dann ist der Kollegenzusammenhalt bzw. das gegenseitige Vertrauen bereits grundsätzlich beschädigt.

    Aber lassen sich mich raten... Sie sind in einem reinen Frauen-Büro und andauernd werden die Krallen rausgefahren?

  2. Warum ist eine vom Chef von zu Mensch kommunizierte Absage eine "fiese" Absage?

    Bei einem menschlich fähigem Chef mit Zivilcourage würde ich die Absage eher als Chance sehen, konstruktives Feedback zu geben: Da sehen wir Ihre Stärken und Schwächen; aus dem Grund meinen wir, dass es für diese Stelle nicht passt; das können Sie entwickeln, damit es das nächste mal klappt…

    Und was passiert, wenn man den Kandidaten, der im e-Assessement gut abschneidet, nicht will z.B. weil die menschlichen Fähigkeiten nicht passen? Das wird dann doch erst recht, und verständlicherweise als „fies“ empfunden.

  3. Ihr kann Ihrem Text, folgen, nicht, Komma sitzt, merkwürdig, oder so.

    Falls ich Sie verstanden habe, dann gehen Sie pauschal davon aus, dass das Arbeitsklima vergiftet wird, sobald eine widerspenstige Person im Kollektiv auftaucht, und dies unbedingt zu vermeiden gilt, koste es was es wolle (im Zweifelsfall die Gesamtkompetenz des Teams).

    Aber genau genommen sagt dies mehr über Ihren Horizont bzw. Ihre eigene Firma aus. Wenn ein(e) Mitarbeiter(in) das Team derart durcheinander bringen kann, dann ist der Kollegenzusammenhalt bzw. das gegenseitige Vertrauen bereits grundsätzlich beschädigt.

    Aber lassen sich mich raten... Sie sind in einem reinen Frauen-Büro und andauernd werden die Krallen rausgefahren?

    Antwort auf "Was bringt das?"

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  • Serie Chefsache
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Arbeitgeber | Test | Unternehmen | Weiterbildung
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