SystemaufstellungWenn der Chef seine dunklen Seiten kennenlernt

Führungskräfte können Probleme mit Mitarbeitern mit Systemaufstellung lösen. Bei der Methode sind die Arbeitnehmer meist nicht real eingebunden. Und genau das hat Tücken. von 

Wenn es zwischen Chef und Mitarbeitern immer wieder kracht , müssen Führungskräfte handeln. Tiefe Konflikte mit Mitarbeitern lassen sich mit einer systemischen Teamaufstellung klären, die von einem externen Coach durchgeführt wird. Wer bereits einmal mit einer systemischen Aufstellung seine Arbeitsprobleme lösen konnte, ist meist davon fasziniert. Denn die Methode bringt schnelle Lösungen und es nicht einmal nötig, dass die betreffenden Personen real anwesend sind.

Systemische Aufstellung ist nämlich ein Verfahren, in dem Personen stellvertretend für Mitglieder eines Systems auftreten. Die Personen werden dabei als Repräsentanten zueinander in Beziehung gestellt. Das macht versteckte Wahrnehmungen sichtbar. Die Befürworter systemischer Aufstellungen sind von dem Blick hinter diese Kulissen überzeugt. Sie meinen, dass die Methode Informationen an den Tag fördert, die so im Arbeitsalltag nicht aufgedeckt worden wären. Und sie sind begeistert davon, dass das Verfahren ohne die echten Personen durchgeführt wird.

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Der Klient stellt seine Situation beziehungsweise sein Problem in der Regel mit ihm fremden Personen nach. Dabei versucht der Coach mit gezielten Fragen Emotionen, Gedanken, Haltungen und Störungen der realen Personen (für die die Stellvertreter stehen) aufzudecken. Durch das Umstellen und Herausnehmen der Stellvertreter aus der Situation testet er unterschiedliche Lösungswege.

Gerade hier lauern aber Gefahren, denn Führungskräfte, die immer wieder zu diesem Verfahren greifen, glauben, auf diese Weise ihre Mitarbeiter und Kollegen durchschauen zu können. Dass Betroffene hier entsetzt sein können, verwundert nicht.

Die Methode hat Grenzen

Ein qualifizierter Aufsteller steuert hier bewusst gegen und informiert seine Klienten vor der Aufstellung, dass die Methode ihre Grenzen hat. Vor allem klärt und prüft er das Aufstellungsziel. Denn diese Methode ist kein Allheilmittel und daher nicht immer die beste Lösung. Der Coach sollte auch darauf hinweisen, dass die Methode nicht zwangsläufig ein deutliches Lösungsbild liefert. Die Aufstellung kann auch nur aufdecken, was nicht umsetzbar ist.

Sabine Hockling
Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Mit Ulf Weigelt schrieb sie den Ratgeber Arbeitsrecht. Seit 2011 ist sie Autorin der Serie Chefsache. Seit 2014 im neuen Format: Immer freitags spricht sie mit der Managerin Linda Becker über Führungsfragen. Hockling bloggt mit Tina Groll unter diechefin.net, der Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

Außerdem können Aufstellungen Informationen zutage fördern, mit denen der Klient nicht viel anfangen kann. Deshalb ist es wichtig, einen erfahrenen und gut ausgebildeten Coach mit der Systemaufstellung zu beauftragen, der mit einer solchen Situation umgehen kann. Nachteilig kann auch sein, dass der Problemlösungsprozess mit der Aufstellung nicht abgeschlossen ist. Die eigentliche Arbeit für den Klienten fängt erst hinterher an. Daher sollte auch immer eine Nachbetreuung erfolgen. Die Methode zeigt, welche Lösungswege es gibt. Umsetzen und gehen muss der Klient den Weg in seinem Arbeitsumfeld allein.

Generell kann eine Systemaufstellung eine Möglichkeit sein, sich als Führungskraft seinen Problemen zu nähern . Wer dazu neigt, nicht hinschauen zu wollen, kann von diesem Vorgehen profitieren und seine Führungskompetenz stärken. Hier besteht aber auch gleichzeitig die Gefahr, dass sich der Klient mit dieser Methode aus der Realität stiehlt und die Verantwortung abgibt. Daher muss Führungskräften, die diesen Weg wählen, klar sein, dass sie nicht um die Auseinandersetzung mit ihren Mitarbeitern und Kollegen herum kommen. Auch werden Aufstellungen oft als schnell, kostengünstig und effektiv angepriesen. Allerdings eignet sich die Methode eher als Ergänzung zu klassischen Analyse- und Diagnosemethoden im Coaching.

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Leserkommentare
    • 2b
    • 23. November 2012 16:31 Uhr

    Paragraph §$1 gültig?,
    der "Chef" hat immer Recht ;)

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    ich verstehe Ihr Posting nicht (im Sinne von kapieren)

  1. ich verstehe Ihr Posting nicht (im Sinne von kapieren)

    • bukoca
    • 23. November 2012 17:10 Uhr

    Ich bin aus dem Artikel nicht wirklich schlau geworden, wie so etwas ablaufen soll. Allein die Tatsache, dass die Protagonisten selbst nicht anwesend sein müssen, klingt allerdings mehr als befremdlich. Viele Konflikte im heutigen Arbeitsleben, ergeben sich ganz sicher aus ökonomischen Zwängen der Beschäftigten. meine Nachbarin arbeitet zum Beispiel als Altenpflegerin. Sie hatte im Läufe des Jahres viele UEberstunden angesammelt, da diese einerseits vom Arbeitgeber gefordert waren und sie hat auch immer gern Nacht - und Wochenenddienste zusätzlich gemacht um durch die Zuschläge auf 1.200,- Netto ungefähr zu kommen. Jetzt hat der AG einen Controller eingesetzt, alle müssen Überstunden abfeiern, so dass sie im Nov. Nur auf 11 Arbeitstage kommt. Die Folge: Es gibt Streit im Team um den Einsatz zu den Feiertagen. Selbst Kolleginnen mit 3-jährigen Kindern "wollen "unbedingt Weihnachten arbeiten um die Einkommensverluste der Ueberstundenabbummelei wieder zu kompensieren. Also für mich zeigt dieses Beispiel jedenfalls, wie hier Lösungen gefunden werden könnten. Menschenwuerdige Bezahlung und angemessene Arbeitsbedingungen.

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    • 2b
    • 23. November 2012 18:22 Uhr

    Würde ich den Menschen in der Altenpflege einen Personalschlüssel (nicht eins zu eins, sondern gefühlt aus der Summe der Eindrücke, welche mir aus Alltagen und Medien zukommen) wie bei den "Controllern" gönnen wollen (und nicht die Abrechnung der Pflegeleistungen im Minutentakt(los) ...

    ... aber das zeigt nur die Prioritäten einer "deutschen" Leistungsgesellschaft mit (systemimmanenten?) Empathiverlust im einkommensschwachen Milieu???

    ... daraus entstehen "sauber und satt" Ideen für die Eliten _ das muß genügen?

    • 2b
    • 23. November 2012 18:28 Uhr

    eines Denunziantentuns???

  2. 20. Chapeau

    auf den Punkt; leider etwas zu kurzer Artikel zu einem interesasanten Unterthema der systemorientierten Führungsansätze.

    • 2b
    • 23. November 2012 18:22 Uhr

    Würde ich den Menschen in der Altenpflege einen Personalschlüssel (nicht eins zu eins, sondern gefühlt aus der Summe der Eindrücke, welche mir aus Alltagen und Medien zukommen) wie bei den "Controllern" gönnen wollen (und nicht die Abrechnung der Pflegeleistungen im Minutentakt(los) ...

    ... aber das zeigt nur die Prioritäten einer "deutschen" Leistungsgesellschaft mit (systemimmanenten?) Empathiverlust im einkommensschwachen Milieu???

    ... daraus entstehen "sauber und satt" Ideen für die Eliten _ das muß genügen?

    Antwort auf "merkwürdige Stil"
    • 2b
    • 23. November 2012 18:28 Uhr

    eines Denunziantentuns???

    Antwort auf "merkwürdige Stil"
  3. Vielen Dank für einen ausgewogenen und sachlichen Artikel. Sie bringen es auf dem Punkt. Aufstellungsarbeit ist ein starkes Werkzeug, aber eben nicht für alle Themen. Der Zugang zu unseren un(ter)bewussten Motivationen und Zielen ist uns eben - im Wortsinne - oft nicht bewusst. Und hierbei kann Aufstellung nach meiner nun 10-jährigen Erfahrung als Klient (als Geschäftsführer mit Organisationsthemen) wie auch als ausgebildeter Aufstellungsleiter wirklich und sehr effizient helfen.

    Dass wir (noch) nicht wirklich erklären können, warum Aufstellung funktioniert mindert in keinster Weise die Ergebnisse. Leider gibt es aber auch hier, wie in so vielen ungeschützten Berufen, viel Schindluderei. Dem Hinweis, dass eine gute Ausbildung und ausreichend Erfahrung erforderlich ist, kann ich nur zustimmen.

    Die eigentliche Schwierigkeit ist allerdings, dass Aufstellungsarbeit voraussetzt, dass der Klient wirklich an seinen Themen arbeiten möchte (und die Lösung nicht bei anderen sucht). Und dazu sind in letzter Konsequenz nur wenige bereit. Denn das kann schmerzhaft sein und deutlich machen, wo Veränderung nur beginnen kann: immer bei mir selbst und niemals bei anderen. Das wird auch jeder Chef merken, der selbst aufstellen lässt.

    Alles im Leben hat seine zwei Seiten. Und natürlich gibt es auch bei Aufstellungsarbeit ein Missbrauchspotential. Seriöse und gute Aufsteller sind sich dessen aber bewusst und werden sich hierauf nicht einlassen.

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    Nein, gibt es nicht. Parawissenschaft ist nie seriös, Esoterik nicht ernsthaft.

  4. Aufstellungen sind ein weites Feld mit unterschiedlichen Schulen. Systemaufstellungen sind eine davon, Strukturaufstellungen eine andere. Strukturaufstellungen sind eine Sprache mit einer erlernbaren Grammatik und mit denen man besonders gut im Business-Kontext arbeiten kann. So können Teams mal anders über ihre Themen sprechen - ohne das ein Coach ihnen etwas aufdecken muss oder ihnen die Verantwortung abnimmt. Und auch sie nutzen die repräsentative Wahrnehmung.

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  • Serie Chefsache
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Beziehung | Emotion | Führungskraft | Information | Konflikt | Arbeit
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