CrowdinvestmentStartkapital vom Schwarm

Für Unternehmensgründer ist Crowdfunding eine Alternative zur Finanzierung ihrer Geschäftsidee. Immer mehr Plattformen werden gegründet. Wie langfristig ist das Modell? von 

Die Geschäftsidee ist durchdacht, erste Schritte zur eigenen Firma getan, aber das Kapital fehlt noch. Auf Crowdinvesting-Plattformen wie Seedmatch können junge Unternehmen Mikroinvestoren finden. Die Düsseldorfer Firma Cosmopol Shop hat es ausprobiert und bezeichnet sich als eines der ersten crowdfinanzierten Unternehmen hierzulande.

Das Unternehmen ist ein digitaler Eine-Welt-Laden, der über das Netz Produkte aus aller Welt verkauft. Die Gründer Gilbert Souvignier (37) und Michael Kraus (35) starteten schon 2009. Doch es fehlte Geld, den Shop auszubauen. 2011 versuchten sie es über Seedmatch. Innerhalb von drei Monaten bekamen die Unternehmer 93.250 Euro von 155 Mikroinvestoren. Seither haben sie etwa 1.000 Produkte aus aller Welt – handgefertigte Taschen aus Südafrika , Wodka aus der Ukraine oder Kiwi-Spiele aus Neuseeland . Ihre Spezialität sind Geschenkeboxen mit über 70 Länderthemen.

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Das Ziel, ein eigenes Unternehmen zu gründen, hatten Souvignier und Kraus schon während des gemeinsamen BWL-Studiums in Mannheim . Nach einigen Jahren als leitende Angestellte wagten sie den Weg in die Selbstständigkeit. Ursprünglich hatten sie einen echten Laden geplant, in dem die Kunden gewissermaßen auf Weltreise gehen können. Das Geld reichte aber lediglich für einen Onlineshop. Nach zwei Jahren auf kleinem Level brauchte das Unternehmen Kapital, um zu wachsen. Die Crowdinvest-Plattform wählten die Unternehmer, weil ihnen die Idee gefiel, Geld von vielen Investoren zu bekommen. Sie legten einen Businessplan vor, stellten ihre Pläne in einem Film dar und bestimmten die Investitionssumme von 80.000 Euro. Damit blieben sie unter der Maximalsumme von 100.000 Euro.

Plattformen finanzieren sich über erfolgreiche Investments

Bei der Dresdner Firma Seedmatch gilt das Alles-oder-Nichts-Prinzip: Entweder findet das Startup Geldgeber für die gesamte Summe oder es geht leer aus. Dann bekommen die Investoren ihr Geld zurück. Die Plattform finanziert sich nur über erfolgreiche Investments. Dann bekommt Seedmatch vom jeweiligen Startup  ein Erfolgshonorar in Höhe von 5 bis 10 Prozent der gefundeten Summe. Die Mindestsumme ist übrigens 50.000 Euro.

Die 155 Mikroinvestoren des Cosmopol Shop kommen fast alle aus Deutschland, arbeiten in unterschiedlichen Branchen und sind überwiegend männlich. Sie rechnen damit, Rendite aus ihren Cosmopol-Shop-Anteilen zu erzielen. Diese steigt mit dem Unternehmenswert.

Noch macht das Start-up keinen Gewinn, die Investoren profitieren aber von speziellen Rabatten bei Einkauf. "Einige unserer Investoren setzen sich zudem mit Ideen und Kontakten für uns ein", erklärt Kraus. Darin sieht er einen besonderen Reiz beim Crowdinvesting. Zwar haben die Anteilseigner keinen Einfluss auf den täglichen Betrieb bei Cosmopol, ohne ihre Zustimmung kann die Firma aber nicht verkauft werden.

Leserkommentare
  1. Ich habe mir die beiden Genannten mal angesehen und mein Eindruck ist, dass es da keinen wesentlichen Unterschied zum traditionellen Modell gibt. Vielleicht steht der frischgebackene Unternehmer nicht ganz so unter der Knute weil die einzelnen Investments so klein sind, doch das Prinzip ist das Gleiche.

    Für vielversprechender halte ich da direktere Formen des Investments wie bei Kickstarter: da werden nicht Unternehmensanteile vorab verkauft, sondern gleich das bzw. die Produkte. So ist ein Investment nicht von irgendwelchen mehr oder weniger obskuren Bewertungs-Juries abhängig, sondern von dem, worauf es letztlich ankommt: vom Markt selbst.

    2 Leserempfehlungen
  2. In Berlin hat sich eine Gruppe Humoristen aufgerappelt um das gemeinschaftliche Geldausgeben zu parodieren.
    (http://www.kickstarter.co...).
    Neben dem Quäntchen Unterhaltung ist es für diesen Artikel wohl interessant, dass sie das deutsche Publikum für ein solches Projekt nie in betracht gezogen haben (Mich hat mal ein Ligh Warrior angeleuchtet). Crowdfunding zaubert den meisten meiner deutschen Bekannten eine fragende Runzel auf die Stirn und so braucht es wohl noch eine Weile bis sich so eine Form des Investments hier etabliert.

    • Dakra
    • 17. Dezember 2012 20:23 Uhr

    Gerade bei einer Eigenkapitalfinanzierung ist für den Investor erforderlich sich gut über das Investment zu informieren. Dies fängt bei der Auswahl der Projekte an und hört bei der Auszahlung der Gewinne auf.

    Für einen kleinen Investor, der nur eine geringe Summe investiert, sind die Kosten schlichtweg viel zu hoch, sich zu informieren. Es kommen also nur größere Investoren in Frage. Diese würde aber gerne mehr erfahren, nicht nur ein Geschäftsmodell über eine anonyme Plattform.

    Die Eigenkapitalfinanzierung über diese Plattformen unterscheidet sich stark von der Eigenkapitalfinanzierung über den Aktienmarkt. Die dortigen Unternehmen unterliegen strengen Informationspflichten und werden fortlaufend bewertet, so dass sich ein sogenannter "fairer" Aktienwert einstellt. Die Bilanz wird mehrfach kontrolliert, die Ausweisung des Gewinns und seine Ausschüttung an die Aktionäre recht gut beobachtet.

    Vergegenwärtigt man sich, dass selbst dort immer wieder Informationsprobleme auftreten, dann versteht man, warum die Eigenkapitalfinanzierung über diese Crowdinvesting-Plattform problematisch ist.

  3. ist "Crowfunding" auch nicht das Allheilmittel. Klar, man kommt (vielleicht) schneller an das Geld aber die klassischen Probleme einer Existenzgründung (vor allem die juristischen) lassen sich nicht an die Crowd delegieren.

    • lib-dem
    • 18. Dezember 2012 1:39 Uhr

    "Da der Gesetzgeber es aber verbietet, mehr als 100.000 Euro im ersten Jahr per Crowdinvesting einzusammeln ..."

    Wer bitte reguliert hier was?

    Habe ich ehrlich noch nie von gehört. Welches Gesetz ist das? Seit wann besteht diese Regelung? Wie spezifisch ist sie für Geschäftsform (GmbH) oder Finanzierung?

    Ich wäre wirklich dankbar für Aufklärung!

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    §8f I VerkProspG schreibt für Unternehmensbeteiligungen die Ausgabe eines Verkaufsprospekts vor. Der Aufwand der Erstellung eines solchen lässt sich nicht pauschal beziffern, macht aber jedenfalls Investitionssummen im unteren 6-stelligen Bereich unattraktiv. Daher hat der Gesetzgeber im §8f II Nr.3 VerkProspG eine Ausnahme für Beträge unter 100.000€ binnen 12 Monaten vorgesehen. Gut aufgestellte FAQ zum Thema bei der Plattform United Equity. https://www.united-equity...

    • lib-dem
    • 27. Dezember 2012 23:31 Uhr

    Das war die Information nach der ich gesucht hatte!

    Eventuell sollte man die Ausnahme weiter fassen, für den Fall, dass die Summen, die einzelne Investoren auf den Tisch legen, gering sind ...

  4. §8f I VerkProspG schreibt für Unternehmensbeteiligungen die Ausgabe eines Verkaufsprospekts vor. Der Aufwand der Erstellung eines solchen lässt sich nicht pauschal beziffern, macht aber jedenfalls Investitionssummen im unteren 6-stelligen Bereich unattraktiv. Daher hat der Gesetzgeber im §8f II Nr.3 VerkProspG eine Ausnahme für Beträge unter 100.000€ binnen 12 Monaten vorgesehen. Gut aufgestellte FAQ zum Thema bei der Plattform United Equity. https://www.united-equity...

  5. ...bei den Berichten über Crowdfunding, nämlich dass auf einigen Plattformen viele Projekte sind die einfach nur Vorbestellungen sammeln.

    Letzten habe ich z.b. sog. "Crowdfunding" für eine Fahrradbeleuchtung gesehen. Je mehr man "gefundet" hat, desto toller war die avisierte Belohnung. Wenn man z.b. 40 € gibt, bekommt man als "Dank" die Rückleuchte, bei 80 € beide Leuchten...

    Joa, das ist tolles Crowdfunding: Ich frage bei einer chinesichen Firma an ab wieviel 1000 Stück sie mir Produkt X herstellen und mache dann dafür ein Crowdfunding zum doppelten Preis auf. Sobald ich meine 1000 Crowdfunder (aka Vorbesteller) zusammen habe, beauftrage ich die Chinesen und verschicke den Krempel an die Funder - und der Rest ist mein Gewinn. Risikoloser gehts nicht mehr.

    Es ist nicht alles Gold was glänzt.

    • lib-dem
    • 27. Dezember 2012 23:31 Uhr
    8. Danke!

    Das war die Information nach der ich gesucht hatte!

    Eventuell sollte man die Ausnahme weiter fassen, für den Fall, dass die Summen, die einzelne Investoren auf den Tisch legen, gering sind ...

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