Am 28. Januar 1986, 73 Sekunden nach dem Start, zerbricht die Raumfähre Challenger am texanischen Himmel. Alle sieben Astronauten sterben, weil Dichtungsringe in den Feststoffraketen ihren Dienst versagt haben. Das Management des Herstellers kannte die Sicherheitsbedenken. Ein Ingenieur hatte 24 Stunden zuvor eindringlich auf Mängel aufmerksam gemacht. Trotzdem empfiehlt der Hersteller der Nasa den Start der Raumfähre.

Der tragische Unfall zeigt, was im schlimmsten Fall passieren kann, wenn Führungskräfte die Kritik ihrer Mitarbeiter nicht ernst nehmen. Umsatz machen, Kunden halten, Geld verdienen ist oft wichtiger als deutliches und ehrliches Feedback . Viele Chefs fassen Kritik an einer falschen Entscheidung gerne mal als Majestätsbeleidigung auf.

Erst Recht, wenn es ans persönlich Eingemachte geht. Wenn der Chef Mitarbeitern nicht zuhört, sich nicht an getroffene Verabredungen hält, kritische Sachverhalte ignoriert, Entscheidungen aussitzt, Mitarbeiter ungerecht behandelt, nur auf seine eigene Karriere aus ist oder seine Mitarbeiter bei jeder passenden Gelegenheit hängen lässt.

Gleichzeitig wünschen sich viele Entscheider mehr Rückmeldung von ihren Mitarbeitern. Aber wie bringt man als Chef seine Mitarbeiter dazu – und wie geht man dann mit dem Feedback um?

Fakt ist, Feedback nützt erst dann etwas, wenn es auch ernsthaft gewünscht ist. Wer als Chef nur an Bestätigung interessiert ist, sollte seine Mitarbeiter gar nicht erst um Feedback bitten.

Ohne Kritikfähigkeit wird es nichts

Grundvoraussetzung ist Kritikfähigkeit. Und diese muss man den Mitarbeitern auch offen zeigen. Dazu gehört, sich bewusst zu machen, dass man nicht frei ist von Fehlern. Führungskräfte führen ihren Aufstieg meist darauf zurück, dass sie vieles richtig machen. Umso mehr unterliegen sie der Gefahr, sich für unfehlbar zu halten oder zumindest so zu handeln, als wären sie es. Auch wenn man Entscheidungen meistens zurücknehmen oder nachträglich optimieren kann; manche sind aber auch final und haben mitunter katastrophale Folgen.

Kritik erträgt, wer in sich gefestigt ist und die Rückmeldung nicht als persönlichen Angriff versteht, sondern differenzieren kann. Nur wer sich – obwohl er der Chef ist – Kritik offen und unvorbelastet anhört und dahinter nicht sofort einen Hochverrat vermutet, kann daraus auch einen Nutzen ziehen.

Das bedeutet auch, sich ändern zu wollen. Unsichere oder narzisstische Chefs verfügen über diese Eigenschaft nicht. Sie werden alles versuchen, um sich des Feedbacks zu entziehen. Frei nach dem Motto: Es darf nicht sein, was nicht sein soll. Wer hingegen bereit ist, an sich zu arbeiten, sich zu verbessern in dem Bewusstsein, niemals perfekt zu sein, ist in der Lage, das Feedback tatsächlich an sich heran zu lassen und die erwünschten Veränderungen für sich zu bewerten. Reflexionsfähigkeit ist darum eine weitere persönliche Voraussetzung, die ein guter Chef benötigt. Denn natürlich muss sich ein guter Chef wiederholt selbst hinterfragen. Dabei dient ihm das Feedback seiner Mitarbeiter als wesentliche externe Informationsquelle.

Aktiv zuhören, Vertrauen aufbauen

Aber wie fordert man seine Mitarbeiter auf, ehrliches Feedback zu geben? Immer wieder und aktiv! Fragen Sie nach der ungeschminkten Meinung zu bestimmten Sachverhalten. Anfangs wird dies nur sehr zögerlich und zurückhaltend erfolgen. Damit Offenheit und Ehrlichkeit zunehmen, müssen die Mitarbeiter dem Chef vertrauen können. Solches Vertrauen entsteht nur, in dem der Chef gegenüber dem Mitarbeiter berechenbar, also verbindlich und zuverlässig ist. Integrität ist das Schlüsselwort dazu. Das betrifft sachliche Absprachen, aber auch den Umgang mit der Rückmeldung. Wer den Mut der Mitarbeiter abstraft, verspielt Vertrauen. Bis zum ehrlichen Feedback ist es ein langer Weg.

Denn Rückmeldung durch Untergebene erfordert  Raum und Zeit. Zwischen Tür und Angel entsteht keine Atmosphäre, die angetan ist, dem Chef offen und ehrlich seine Meinung zu seinen Verhaltensweisen zu sagen. Feedback sollte zudem immer in ein Gespräch eingebettet werden. Das kostet natürlich Zeit. Abfragen in Verhörmanier schreckt willige Mitarbeiter ab. In ruhigem, freundlichem Plauderton sind Mitarbeiter eher bereit, offen zu kommunizieren. Weil Führungskräfte es gewohnt sind, häufig und viel zu reden, müssen sie lernen, ihren Mitarbeitern zuzuhören und sich auch mal in Schweigen zu üben.

Und natürlich sollten auch Mitarbeiter die grundlegenden Feedback-Regeln beherzigen. Diese sind:

  • Der Empfänger sollte bereit und interessiert sein.
  • Das Feedback sollte unmittelbar gegeben werden.
  • Beschrieben wird ausschließlich sichtbares, beobachtbares Verhalten, keine Interpretationen.

Hat der Mitarbeiter sich getraut und ehrlich Rückmeldung gegeben, besteht der letzte Schritt darin zu erleben, dass keine negativen Sanktionen folgen. Dieser letzte Schritt ist vertrauensbildend und deshalb unumgänglich.

Ehrliches Feedback vom Mitarbeiter zu erhalten, erfordert also viel Selbstdisziplin und Konsequenz. Aber es lohnt sich.