Kritik : So bekommen Chefs ehrliches Feedback
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Aktiv zuhören, Vertrauen aufbauen

Aber wie fordert man seine Mitarbeiter auf, ehrliches Feedback zu geben? Immer wieder und aktiv! Fragen Sie nach der ungeschminkten Meinung zu bestimmten Sachverhalten. Anfangs wird dies nur sehr zögerlich und zurückhaltend erfolgen. Damit Offenheit und Ehrlichkeit zunehmen, müssen die Mitarbeiter dem Chef vertrauen können. Solches Vertrauen entsteht nur, in dem der Chef gegenüber dem Mitarbeiter berechenbar, also verbindlich und zuverlässig ist. Integrität ist das Schlüsselwort dazu. Das betrifft sachliche Absprachen, aber auch den Umgang mit der Rückmeldung. Wer den Mut der Mitarbeiter abstraft, verspielt Vertrauen. Bis zum ehrlichen Feedback ist es ein langer Weg.

Denn Rückmeldung durch Untergebene erfordert  Raum und Zeit. Zwischen Tür und Angel entsteht keine Atmosphäre, die angetan ist, dem Chef offen und ehrlich seine Meinung zu seinen Verhaltensweisen zu sagen. Feedback sollte zudem immer in ein Gespräch eingebettet werden. Das kostet natürlich Zeit. Abfragen in Verhörmanier schreckt willige Mitarbeiter ab. In ruhigem, freundlichem Plauderton sind Mitarbeiter eher bereit, offen zu kommunizieren. Weil Führungskräfte es gewohnt sind, häufig und viel zu reden, müssen sie lernen, ihren Mitarbeitern zuzuhören und sich auch mal in Schweigen zu üben.

Und natürlich sollten auch Mitarbeiter die grundlegenden Feedback-Regeln beherzigen. Diese sind:

  • Der Empfänger sollte bereit und interessiert sein.
  • Das Feedback sollte unmittelbar gegeben werden.
  • Beschrieben wird ausschließlich sichtbares, beobachtbares Verhalten, keine Interpretationen.

Hat der Mitarbeiter sich getraut und ehrlich Rückmeldung gegeben, besteht der letzte Schritt darin zu erleben, dass keine negativen Sanktionen folgen. Dieser letzte Schritt ist vertrauensbildend und deshalb unumgänglich.

Ehrliches Feedback vom Mitarbeiter zu erhalten, erfordert also viel Selbstdisziplin und Konsequenz. Aber es lohnt sich.

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Kommentare

15 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Kritik will nicht nur angenommen werden

"Hat der Mitarbeiter sich getraut und ehrlich Rückmeldung gegeben, besteht der letzte Schritt darin zu erleben, dass keine negativen Sanktionen folgen."

Dass auf (berechtigte) Kritik keine negativen Sanktionen folgen sollte eigentlich selbstverständlich sein.

Meiner Meinung nach ist das Annehmen der Kritik keineswegs der letzte Schritt, sondern der erste! Entscheidend ist, was danach passiert. Wird Kritik zwar verständnisvoll und bestätigend entgegen genommen, danach aber weiter gemacht wie bisher, braucht sich nicht wundern wenn Kritik in der Folge ausbleibt.

Kritik und Emotionen

Da Emotionen auf beiden Seiten herrscht braucht es beim Chef auch das vertrauen das er von oben oder unten nicht angesetzt oder ausgetauscht wird. Die letzten Kritiken die ich erleben durfte waren berechtigt nur im Ton leider nicht. Zusätzlich wurde der gereichte Finger dazu benutzt sich der Hand z bemächtigen.

Das Dilemma ab solcher Kritik ist da sich die Spirale dann andersherum dreht. Wobei hier dann wirklich auch Einbußen im monetärem entstehen. Ab einem bestimmten Punkt braucht es dann den Vernunft begabten Händler Unternehmer

Kritik für Führungskräfte in der Sandwichposition

Hallo ZeitErfassung,

Sie haben Recht: Besonders Führungskräfte im mittleren Management (Sandwichposition) sind da zwischen den Stühlen. Die Kritik von unten kann für sie zu negativen Folgen von oben führen. Allerdings vor allem in Unternehmen, in denen es keine konstruktiv gelebte Fehlerkultur gibt. Wenn Fehler nicht erlaubt sind, arbeiten Mitarbeiter (egal ob oben oder unten) mit Angst. Dann werden Fehler vertuscht und die Chance, daraus zu lernen, verstreicht ungenutzt. Am Ende führt der Mangel einer Fehler- und Kritikkultur zu Stagnation und Fluktuation. Wer will schon in so einem Unternehmen arbeiten?

beste Grüße
von Tina Groll

Regeln für Jedermann

Ich wünschte, diese Regeln zum sachlichen, fairen Umgang mit Fehlern und miteinander wären nicht nur Chefs klar.

Ich erlebe es tagtäglich, auch in den Medien, dass auf Fehler (und häufig nur einer Interpretation davon) mit Empörung und maximaler Emotionalität reagiert wird. Diese Empörungskeule führt eher zu Vertuschung, nicht Aufklärung, und ist somit wenig förderlich.

Seien es Dioxin-"Skandale" oder andere Funde durch Aufsichtsbehörden (dazu sind Kontrollen da, dass sie auch mal etwas finden und der Ursache geeignet entgegengewirkt wird). Oder auch, wenn es um vermeintliche oder tatsächliche ärztliche Fehler geht. Wo leider immer noch zu häufig auch Angst (mindestens wegen Imageschaden) das Verhalten bestimmt. Noch schlimmer, wenn es kein Skandal ist wie in der Neonatologie der Charité. Solche Art Skandale wird es immer geben, da die zugrundeliegenden Risiken nunmal bleiben und man diese nur tagtäglich minimieren kann.

Mittels Empörung zu suggerieren, dass es eine Welt ohne Fehler, ohne Fehlverhalten (Kriminalität o.ä.), keimfrei, geben könne, ist kontraproduktiv.

Moralisieren legt hier dem Einzelnen ein Verhalten nahe, das ich nicht als richtig bezeichnen würde, auch wenn es rational durchaus nachvollziehbar ist.

Der Kritisierte ist dann gerne beleidigt.

Ich habe letztens jemanden, dessen Imagefilm für seine Firma schwere Fehler enthielt, eine schon vorsichtshalber mit tausend Entschuldigungen garnierte Kritik an der fachlichen Ausführung zukommen lassen. Alles nur nett gemeinte Optimierungsvorschläge. Zurück bekam ich eine ausschliesslich aus Beleidigungen bestehende Antwort.