JahresrückblickQuoten-Gezänk, Chinesisch-Kenntnisse und jede Menge Urteile

2012 wurde über die Frauenquote gestritten, am Ende gab es einen Kompromiss. Die Arbeitsgerichte verhandelten über befristete Verträge und Attestpflicht. von 

Januar: Mit dem neuen Jahr kommen einige Änderungen im Steuerrecht . 2012 haben Arbeitnehmer bis zu 160 Euro mehr Gehalt pro Jahr, haben Ökonomen errechnet. Grund sind Steuersenkungen, ein geringerer Beitrag zur Rentenversicherung und eine Anhebung des Arbeitnehmerpauschalbetrags. Im gleichen Monat erlauben EU-Richter sogenannte Kettenbefristungen – also die regelmäßige Abfolge von einem befristeten Arbeitsvertrag auf den nächsten. Das Urteil wird dazu beitragen, dass prekäre Arbeitsverhältnisse zunehmen. Im Januar bestätigt der Europäische Gerichtshof , dass Dauerkranke trotzdem vier Wochen Jahresurlaub haben müssen , auch wenn sie das ganze Jahr über krank geschrieben sind. Eine Studie stellt fest: Viele Überstunden machen depressiv .

Februar: " Bring your own device " heißt es, wenn Arbeitnehmer ihre privaten Computer und Geräte beruflich nutzen. Eine Studie stellt im Februar fest , dass immer mehr Arbeitnehmer im Job ihre Privatgeräte benutzen. Das erfreut die Arbeitgeber, denn sie sparen dadurch ordentlich Geld.

Anzeige

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen kündigt im Interview mit ZEIT ONLINE weitere Schritte für eine gesetzliche Frauenquote für Aufsichtsräte an.

Nur wenige Tage später unterzeichnet EU-Justizkommissarin Viviane Reding die Berliner Erklärung für eine Frauenquote hierzulande, und Journalistinnen fordern eine Quote für Führungspositionen in den Medien . Nur wenig später gründen die Medienschaffenden den Verein Pro Quote .

Eine Studie stellt außerdem fest, dass viele Manager ihre eigenen Unternehmensziele nicht kennen . Eine weitere Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die Anzahl der befristeten Arbeitsverträge in Deutschland massiv zugenommen hat.

März: Während die EU die Bürger zur Frauenquote befragt , stellt die OECD in ihrer neuen Untersuchung zum (unbereinigten) Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern fest, dass die Frauen hierzulande den Lohnabstand leicht verringert haben: Statt bislang 23 Prozent bekommen sie 2012 durchschnittlich 21,6 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Am Equal-Pay-Day demonstrieren weltweit Frauen für eine gerechtere Bezahlung. In Deutschland finden mehr als 500 Veranstaltungen und Aktionen statt.

Unterdessen streiten sich das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Verband Deutscher Ingenieure über die Frage, ob in Deutschland Ingenieure fehlen. Während der Verband von 105.700 offenen Ingenieursstellen spricht, haben Wissenschaftler am DIW errechnet, dass der Bedarf mit den Uniabsolventen gedeckt werden kann, der Mangel also gar nicht existiert . Das Gallup-Institut stellt im März außerdem fest, dass Mitarbeiter Lob vom Chef vermissen und die Unzufriedenheit am Arbeitsplatz zunimmt . Und Hautkrebs wird als offizielle Berufskrankheit bei Dachdeckern anerkannt.

April:Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt den Zusammenhang zwischen Bildung und Einkommen auf. Demnach erhöht jedes zusätzliche Jahr in Schule, Ausbildung oder Studium das spätere Einkommen um rund fünf Prozent. Familienministerin Kristina Schröder schreibt ihre eigene Bankrotterklärung : Das Buch, in dem sie mit dem Feminismus abrechnet, sorgt bundesweit nicht nur bei Frauenrechtlerinnen für Empörung. Außerdem wird das Pilotprojekt Anonymisierte Bewerbungen ausgewertet, dass die Antidiskriminierungsstelle des Bundes in Kooperation mit mehreren Unternehmen, der Stadt Celle und dem Bundesfamilienministerium durchgeführt hatte. Die Ergebnisse sind eindeutig: Bei den Bewerbungen ohne Foto, Alter und Namen haben Migranten und Frauen bessere Chancen. Mehrere Arbeitgeber führen das anonyme Bewerbungssystem daraufhin ein. Nach einem EuGH-Urteil müssen Firmen abgelehnten Bewerbern keine Auskünfte über eingestellte Mitbewerber geben. Auch die Ablehnungsgründe müssen nicht offengelegt werden.

Tina Groll
Tina Groll

Tina Groll ist Redakteurin im Ressort Karriere bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Mai: Mitarbeiter glauben, dass Videokonferenzen ortsunabhängiges Arbeiten erleichtern. Bislang nutzt nur ein Drittel der Unternehmen diese Werkzeuge, stellt eine Studie fest . Die Deutschen sind unzufriedener mit ihrer Work-Life-Balance als Berufstätige in anderen Ländern, stellt eine internationale Studie fest. Oft fehlt Zeit für die Familie. Im Mai sorgt auch der Enthüllungsjournalist Günther Wallraff mal wieder für Schlagzeilen. Undercover ist er als Paketzusteller unterwegs – und berichtet über Ausbeuterbedingungen unter den Fahrern, die oft weniger als fünf Euro in der Stunde bekommen. Nicht gut geht es auch vielen jungen Beschäftigten unter 35 Jahren, wie eine Studie zeigt . Sie leiden unter prekären Arbeitsverhältnissen, vielen Überstunden und schlechter Bezahlung. 

Juni: Kurz vor der Urlaubszeit kritisiert Arbeitsministerin Ursula von der Leyen die ständige Erreichbarkeit von Arbeitnehmern durch Handys . Das führe zu einer erheblichen Belastung und Stress. Die Ministerin fordert klare Regeln, die den Handygebrauch im Feierabend begrenzen. Das Bundesarbeitsgericht fällt in diesem Monat ein entscheidendes Urteil zu einem wichtigen Detail nach einer Kündigung: Für noch offene Urlaubsansprüche können Arbeitnehmer künftig oft länger Geld verlangen. Der Anspruch auf finanzielle Abgeltung verfällt nun nicht mehr automatisch zum Jahresende, urteilen die Richter und änderten damit die bisherige Rechtsprechung .

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service