JahresrückblickQuoten-Gezänk, Chinesisch-Kenntnisse und jede Menge Urteile
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Die zweite Jahreshälfte

Juli:Chinesisch-Kenntnisse werden auf dem Arbeitsmarkt immer wichtiger . Vor allem Führungskräfte mit entsprechenden Sprachkenntnissen werden gesucht, stellt eine Untersuchung fest. Aber auch perfektes Englisch bleibt wichtig. Allein durch fehlende Sprachkompetenz kommt es immer wieder zu Missverständnissen, die zu Umsatzeinbußen führen, beklagen international tätige Unternehmen demnach.

Als erstes Bundesland führt Bremen im Juli einen Landes-Mindestlohn ein. Dieser gilt für Arbeitnehmer des Landes Bremen, aber auch für die städtischen Bediensteten in Bremen und Bremerhaven sowie Unternehmen, die für die Kommune tätig sind. Künftig erhalten alle Beschäftigten mindestens 8,50 Euro pro Stunde. Und das Bundesarbeitsgericht beschäftigt sich in diesem Monat erneut mit dem Thema Kettenbefristungen . Die höchsten Arbeitsrichter nehmen in ihrem Urteil Bezug auf die Rechtsprechung ihrer europäischen Kollegen. Demnach kann die fortdauernde Befristung von Beschäftigungsverhältnissen trotz eines triftigen Grundes im Einzelfall unwirksam sein, entschieden die obersten Arbeitsrichter in Erfurt (7 AZR 443/09).

August: Der Krankenstand verzeichnet im ersten Halbjahr einen rapiden Anstieg bei den Fehltagen wegen psychischer Erkrankungen. Das zeigt eine Studie der Betriebskrankenkassen. Die Hamburger Justizsenatorin Jana Schiedek will ein Gesetz auf den Weg bringen, das eine Quote für die Aufsichtsräte aller städtischen Unternehmen vorsieht. Hamburg könnte damit bundesweites Vorbild werden. Außerdem macht sich die Senatorin im Bundesrat für eine Quoten-Initiative stark. Unterdessen wirbt Familienministerin Kristina Schröder weiter für ihre Flexiquote. Um das Projekt zu retten, startet sie eine Website und will einen Index einführen, der Auskunft über die Karrierechancen von Frauen gibt. Seither können sich Bürger auf www.flexi-quote.de über die individuellen Quoten von Unternehmen informieren, die hier ihren Frauenanteil offenlegen.

September: Anfang September legt EU-Kommissarin Reding ihren lang angekündigten Vorschlag zur gesetzlichen Frauenquote vor. Der Entwurf sieht eine 40-Prozent-Quote ab 2020 vor. Sie gilt nur für die Aufsichtsräte. Die EU-Staaten sollen aber selbst über Sanktionen entscheiden. Der Vorschlag stößt auf viel Kritik und Widerstand. Das Arbeitsgericht Düsseldorf fällt ein interessantes Urteil zur Reisekostenerstattung von Bewerbern. Demnach muss der Arbeitgeber unangemessen hohe Kosten nicht erstatten. Konkret ging es um einen IT-Leiter, der auf Erstattung seiner Reisekosten für einen Flug von Hamburg nach Düsseldorf in Höhe von fast 500 Euro geklagt hatte. Der Arbeitgeber erstattete aber nur einen Teilbetrag – zulässig, urteilten die Richter .

Oktober: Wer seinen Chef auf Facebook beleidigt, darf fristlos gekündigt werden. Zu dieser Entscheidung kommt das Landesarbeitsgericht Hamm im Oktober. Konkret ging es um einen Mann, der seinen Arbeitgeber auf Facebook als Menschenschinder und Ausbeuter bezeichnete. In der ersten Instanz hatte das Arbeitsgericht Bochum die fristlose Kündigung noch aufgehoben. Das sahen die Richter in Hamm anders, sie sahen das Posting als Beleidigung an und gaben der Kündigung statt . Das Weltwirtschaftsforum veröffentlicht in diesem Monat seinen Global Gender Gap , der die Geschlechtergerechtigkeit auf der Welt misst und in dem Deutschland auf Platz 13 landet. Im Vorjahr war die Bundesrepublik noch auf Platz 11 gekommen. Die hintersten Plätze belegen Syrien , der Tschad , Pakistan und Jemen .

November: In diesem Monat kommt die Frauenquote aus Brüssel – zumindest der erste Gesetzesvorschlag der Kommission . Dieser ist eine sehr weiche Variante der ursprünglichen Forderung von EU-Kommissarin Reding. Die Quote soll nur für die Aufsichtsräte gelten und auch nur für Länder, die noch keine Regelung haben. Über die Sanktionen sollen die EU-Staaten selbst abstimmen dürfen. Insgesamt musste die Kommissarin viele Zugeständnisse an die Quotengegner machen. Außerdem entscheidet das Bundesarbeitsgericht, dass Arbeitgeber schon am ersten Krankheitstag ein Attest verlangen dürfen – ohne Angabe von Gründen. Das Urteil sorgt für Aufsehen, dabei bestätigt es die bisherige Rechtsprechung. Denn möglich war dies schon immer. Nur wenige Tage später fällt das höchste deutsche Arbeitsgericht ein weiteres wichtiges Urteil : Unter bestimmten Umständen sollen die 1,3 Millionen Beschäftigten bei kirchlichen Arbeitgebern streiken dürfen. Das war ihnen bislang verboten. Geklagt hatten die Gewerkschaften ver.di und Marburger Bund, die in dem Verbot einen Verstoß gegen die Koalitionsfreiheit sahen.

Dezember: Zum Jahresende stellt eine Studie fest , dass die Mehrheit der Beschäftigten hierzulande den Jahresendgesprächen nicht viel abgewinnen kann. 55 Prozent der Befragten fühlen sich im Jahresgespräch vom Chef willkürlich bewertet. Mehr als zwei Drittel wünscht sich Feedback auch für den Vorgesetzten. Das könnte doch ein guter Vorsatz für 2013 sein.

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