DiversityDeutsche Unternehmen werden internationaler
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Diversity macht leistungsfähig

Diversität heißt Geschäft und nicht der Aufbau von Unternehmenskulturen, die buntes Menscheln zum Selbstzweck erheben: Um diese Einsicht in der deutschen Wirtschaft voranzutreiben, schreibt die WirtschaftsWoche gemeinsam mit McKinsey zum zweiten Mal den Deutschen Diversity Preis aus. Gesucht werden Unternehmen, soziale und öffentliche Institutionen sowie einzelne Persönlichkeiten, die diese Vielfalt vorbildlich umgesetzt haben. Organisationen und Personen, die starke Unternehmenskulturen geschaffen haben, die die Unterschiede im Denken und Handeln der Mitarbeiter aus- und erhalten, um daraus nachhaltig Wettbewerbsvorteile zu schöpfen – weil sie die Leistungsfähigkeit des Unternehmens im Blick haben.

Bei Bosch sieht man das ähnlich: "Wir wollen unsere Vorstellungen von Vielfalt in der Arbeitskultur, in der Generationen- und der Geschlechterfrage länderübergreifend weiter umsetzen", sagt Bosch-Geschäftsführer und -Arbeitsdirektor Christoph Kübel. Nicht als Selbstzweck, sondern um des Profits willen. "Unsere Unternehmenskultur bleibt unsere Richtschnur", sagt Kübel. "Sie hilft unseren Mitarbeitern, innovative und nutzbringende Produkte zu schaffen und unsere Kunden damit zu begeistern."

Rund 2.800 Mitarbeiter des schwäbischen Automobilzulieferers sind permanent auf Tour. Davon werden etwa 1500 aus Deutschland in die Welt geschickt, davon rund 600 an der Zentrale vorbei, zum Beispiel von Mexiko nach China. Wer später wieder an den alten Standort zurückkehrt, bekommt nach etwa einem Jahr einen Bogen, der vor allem abfragt, ob die Mitarbeiter ihre im Ausland gewonnenen Erkenntnisse für Verbesserungen im Unternehmen nutzen konnten. Das Credo: Immer auf der Suche nach der besten Lösung – wohl wissend, dass nicht alles Gute immer aus Deutschland kommen muss.

"Den Markt erleben, wo es pocht"

Tief verwurzeltes Denken – schließlich eröffnete Bosch bereits 1898 in London die erste ausländische Vertretung. 1906 folgte eine Niederlassung in New York, das China-Geschäft startete 1909. Und schon 1913 holte sich die Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik des Robert Bosch 88 Prozent des Umsatzes im Ausland. 2011 waren es immerhin noch 77 Prozent.

"Wir wollen möglichst viele lokale Führungskräfte mit internationaler Erfahrung entwickeln", beschreibt Karl-Heinz Schrödl, weltweiter Bosch-Personalleiter, den Versuch, diese internationale Tradition in Gegenwart und Zukunft zu übertragen. Schrödl selbst machte Ende der Achtzigerjahre Station bei der damaligen Bosch-Tochter Blaupunkt in Malaysia. "Wenn man den Markt dort erlebt, wo es pocht, kommt man als Unternehmer wieder", sagt Schrödl. "Man führt anders."

Das bestätigt auch Shao Yanjun. Die 33-jährige Produktcontrollerin in der Bosch-Kraftfahrzeugtechnik kam als Gruppenleiterin aus Wuxi nach Homburg – trotz der Zweifel ihrer Eltern, die nun mindestens 17 Reisestunden entfernt leben. Wenn Shao Ende des Jahres nach China zurückkehrt, wird sie im Werk in Nanjing eine Taskforce im Controlling mit aufbauen. "Ich habe gelernt, mit kulturellen Unterschieden umzugehen", sagt Shao. "Das ist auch für meinen Job in China nützlich."

Vor allem die Kommunikation mit der Zentrale wird einfacher, weil sie die Denkweise besser versteht: "Die Deutschen machen alles gründlich Schritt für Schritt, wir Chinesen sind intuitiver, kreativer, aber dadurch auch manchmal zu durcheinander."

Arbeitsmarkt wird enger


Die kulturelle Mischung befördert das innovative Bosch-Gen messbar: Täglich meldet das Unternehmen 16 Patente an, nicht nur in Deutschland.

Auch kleinere Mittelständler spüren schon, dass der Arbeitskräftemarkt in technischen Berufen enger wird, manche machen aus dieser Not eine Tugend: Die CAS Software AG in Karlsruhe etwa beschäftigt unter ihren rund 430 Mitarbeitern etwa sechs Prozent internationale Mitarbeiter. "Gerade gut ausgebildete Programmierer sind bei uns stets willkommen", sagt CAS-Chef Martin Hubschneider, der in der Personalsuche mit internationalen Riesen wie SAP, aber auch mit Autokonzernen wie Audi oder BMW um die raren Informatiker konkurriert. Ob deutsche oder ausländische Mitarbeiter, Hubschneider legt stets die gleichen Kriterien an: "Erstens: Passt der Mitarbeiter in unsere Unternehmenskultur? Zweitens: Wie gut sind seine fachlichen Kompetenzen? Der Mix unterschiedlicher Kulturen bereichert unser Unternehmensklima."

Leserkommentare
  1. Die im Artikel aufgezählten Beispiele finden sie heute doch überall. Die Entwicklungsgeschwindigkeit ist unterschiedlich, jedoch für junge Menschen, die heute in Projektteams in den Unternehmen anfangen, ist eine Zusammenarbeit mit Menschen aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt normal.

    Eigentlich wurde das uns schon für die 90er Jahre vorhergesagt, es hat aber noch einmal fast 20 Jahre gedauert. Auch hier spielt wohl das Internet und soziale Netzwerke ein Rolle.

  2. 2) bleibt zu hoffen, dass diese Unternehmen nicht ihre dienende Funktion in der Heimat außer Acht lassen.

    Würth, wenn auch nicht allerorten beliebt, ist ein gutes Beispiel dafür.

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  3. "Diversität heißt Geschäft und nicht der Aufbau von Unternehmenskulturen..."
    Diese Internationalisierung der Chefetagen schafft keineswegs einfach nur Produktivität, sondern es erzeugt eine Elite vagabundierender Manager, ohne Heimat, ohne Kultur, ohne jedes Empfinden für ihre Angestellten, für soziale Verpflichtungen und für die Einbindung des Unternehmens in die Region.
    Wen wundert es da, wenn auf Umweltschutz keinen Wert gelegt wird. In ein paar Jahren zieht man doch ohnehin weiter. Wen interessieren da die zurückbleibenden Arbeitslosen, wenn im nächsten Land noch billiger Löhne ausreichen. Und Sozialstandards? Kennt man in China und Pakistan ohnehin nicht. Warum sich also darum kümmern?
    Und noch einen Effekt hat diese Internationalisierung - auch das beschreibt Frau Lemmer. Dieser elitäre Zirkel steht nur denen offen, deren Eltern bereits zur Spitze gehören. Diese internationale Ausbildung muss man sich leisten können. Das kann der Durchschnittsstudent in Deutschland eher selten - in Polen, Pakistan, Dubai oder Vietnam kann er es ganz gewiss nicht. Die Abschottung funktioniert als perfekt. Wie viel Kontakt und Verständnis werden diese Leute wohl für ihre Untergebenen haben?
    Als Nächstes drängen diese Eliten dann in die Politik.
    Vielleicht können wir diese Entwicklung nicht verhindern.
    Aber - Frau Lämmer, müssen wir sie deswegen auch nicht bejubeln?

    4 Leserempfehlungen
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    was nicht von der Hand zu weisen ist! Hier ist es nicht anders als im wahren Leben, es gibt immer zwei Seiten, die zu betrachten sind und was man daraus macht. Wo ich Ihnen voll zustimme ist, die Leute die aus den genannten Ländern und Gebieten kommen, sind die Preveligierten, die ein entsprechnede Elternhaus haben, mit den finanziellen Möglichkeiten. Da kann es sogar passieren, daß sie sich noch nicht einmal mit den hiesigen unterhalten, weil sie für nicht preveligiert erachtet werden. Was noch dazukommt ist, viele dieser Leute bringen als Einstand direkt Geld mit ins Unternehmen, um willkommen zu sein. Ein Schelm wer da böses denkt!

    "Diese Internationalisierung der Chefetagen schafft keineswegs einfach nur Produktivität, sondern es erzeugt eine Elite vagabundierender Manager, ohne Heimat, ohne Kultur, ohne jedes Empfinden für ihre Angestellten, für soziale Verpflichtungen und für die Einbindung des Unternehmens in die Region."

    Sie halten nicht viel von Ausländern, oder?

    Wie gut, dass deutsche "Manager" sozial extrem verantwortlich sind und sogar, was Sie Ausländern ja absprechen, "Kultur" haben. Die sind so sozial wie z.B. der deutsche "Vorzeigemanager" Klaus Esser. Das sind die wunderbaren deutschen "Manager", die den ganzen Tag in ihrem Büro sitzen und sich den Kopf zerbrechen, was sie den Angestellten noch Gutes tun können, was sie tun können, damit die Umweltschutzgesetze strenger werden und wie sie überhaupt diese Welt zu einem besseren Planeten machen können.

  4. Was ist den ein Trainee? Ein Praktikant oder was? Werden unsere Unternehmen jetzt etwa so international, dass die eigenen Landsleute nicht mehr verstehen, was eigentlich los ist?
    Wäre es nicht klüger, die Globalisierung weniger forsch voranzutreiben und erstmal stabile Bedingungen schaffen, die eine solche Globalisierung auch aushält, ohne Umwelt zu zerstören und die Firma vor die ständige Gefahr der Insolvenz zu stellen?

    2 Leserempfehlungen
  5. was nicht von der Hand zu weisen ist! Hier ist es nicht anders als im wahren Leben, es gibt immer zwei Seiten, die zu betrachten sind und was man daraus macht. Wo ich Ihnen voll zustimme ist, die Leute die aus den genannten Ländern und Gebieten kommen, sind die Preveligierten, die ein entsprechnede Elternhaus haben, mit den finanziellen Möglichkeiten. Da kann es sogar passieren, daß sie sich noch nicht einmal mit den hiesigen unterhalten, weil sie für nicht preveligiert erachtet werden. Was noch dazukommt ist, viele dieser Leute bringen als Einstand direkt Geld mit ins Unternehmen, um willkommen zu sein. Ein Schelm wer da böses denkt!

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  6. "Diese Internationalisierung der Chefetagen schafft keineswegs einfach nur Produktivität, sondern es erzeugt eine Elite vagabundierender Manager, ohne Heimat, ohne Kultur, ohne jedes Empfinden für ihre Angestellten, für soziale Verpflichtungen und für die Einbindung des Unternehmens in die Region."

    Sie halten nicht viel von Ausländern, oder?

    Wie gut, dass deutsche "Manager" sozial extrem verantwortlich sind und sogar, was Sie Ausländern ja absprechen, "Kultur" haben. Die sind so sozial wie z.B. der deutsche "Vorzeigemanager" Klaus Esser. Das sind die wunderbaren deutschen "Manager", die den ganzen Tag in ihrem Büro sitzen und sich den Kopf zerbrechen, was sie den Angestellten noch Gutes tun können, was sie tun können, damit die Umweltschutzgesetze strenger werden und wie sie überhaupt diese Welt zu einem besseren Planeten machen können.

  7. Wir sollten Globalisierung und Internationalisierung endlich als Chance begreifen. Sie sichert Arbeit in der eigenen Heimat, da man sie sich wegen der fortgeschrittenen Vernetzung von dort aus in aller Welt suchen kann. Gleichzeitig erhöht sie den Kreativitätspool. Und nicht nur Großkonzerne profitieren davon, auch der Kleinunternehmer und Freiberufler sieht sich mit neuen Möglichkeiten ausgestattet.

    Buschkowskysierung erweist sich sowohl nach innen als auch nach außen hingegen als Irrweg. Was Amerika groß gemacht hat, kann hier nicht falsch sein: http://freisinnblog.de/20...

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    Ich erlaube mir, meine Lieblingsstelle zu zitieren:

    "In Westeuropa, das es gerade mal 50 Jahre lang und unter Präsenz US-amerikanischer Truppen geschafft hat, einen einigermaßen stabilen Frieden aufrecht zu erhalten, macht sich längst wieder die Überzeugung breit, man würde als einzige Region der Welt über eine so vollendete und allen anderen überlegene Kultur verfügen, dass man sich nie mehr wieder verändern müsse, sondern darauf zu warten bräuchte – und nötigenfalls durch Zwang beschleunigen müsse -, bis alle anderen das erkennen und diese übernehmen würden. Das Prinzip „Cuius regio, eius religio“, das europäischen Herrschern schon vor Jahrhunderten die Macht gab, zu bestimmen, welche Religion und welche Kultur wo „dazugehört“, ist auch in den Köpfen weiter Teile der Bevölkerung in einem Europa, in dem Atheismus und Hedonismus die Szenerie bestimmen, ungebrochen präsent."

  8. Ich erlaube mir, meine Lieblingsstelle zu zitieren:

    "In Westeuropa, das es gerade mal 50 Jahre lang und unter Präsenz US-amerikanischer Truppen geschafft hat, einen einigermaßen stabilen Frieden aufrecht zu erhalten, macht sich längst wieder die Überzeugung breit, man würde als einzige Region der Welt über eine so vollendete und allen anderen überlegene Kultur verfügen, dass man sich nie mehr wieder verändern müsse, sondern darauf zu warten bräuchte – und nötigenfalls durch Zwang beschleunigen müsse -, bis alle anderen das erkennen und diese übernehmen würden. Das Prinzip „Cuius regio, eius religio“, das europäischen Herrschern schon vor Jahrhunderten die Macht gab, zu bestimmen, welche Religion und welche Kultur wo „dazugehört“, ist auch in den Köpfen weiter Teile der Bevölkerung in einem Europa, in dem Atheismus und Hedonismus die Szenerie bestimmen, ungebrochen präsent."

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