Diversity : Deutsche Unternehmen werden internationaler
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Gegen die traditionelle Dominanz deutscher Manager

Michal Dvorak erfüllt diese Anforderungen: Der Tscheche will nicht managen oder verwalten, sondern forschen. Der 26-Jährige studierte Informatik an der Technischen Universität Brno, zwei Semester verbrachte er als Erasmus-Student an der Hochschule Rhein-Main in Wiesbaden. "Weil es nicht viele von uns gab", erinnert sich Dvorak, "habe ich in kleinen Gruppen mit deutschen Kommilitonen studiert." Noch vor seiner Masterarbeit führte ihn ein achtmonatiges Praktikum zu CAS Software. Nachdem er alle Uni-Prüfungen mit Auszeichnung bestanden hatte, hat er nun vier Kollegen in Karlsruhe und im ungarischen Szeged im Team, gemeinsam forschen sie an einem Datenspeicherprojekt. "Mit seinen Fähigkeiten", sagt Hubschneider, "passt er bestens zu uns."

Die Allianz steuert auf allen Ebenen des internationalen Versicherungsgeschäfts gegen die traditionelle Dominanz deutscher Manager an. Vier von elf Vorstandsmitgliedern sind jenseits der hiesigen Grenzen geboren: Gary Bhojwani in Indien, Clement Booth in Südafrika, Jay Ralph in den USA und Christof Mascher in Österreich. In der Hauptverwaltung in München haben 45 Prozent der Führungskräfte ausländische Wurzeln. Auch die Frau, die für Global Diversity verantwortlich ist, bringt Auslandserfahrung mit: Veronica Schilling kommt aus Malaysia. Den urdeutschen Nachnamen hat sie von ihrem Ehemann übernommen.

Das Rezept der Allianz ruht in einem internationalen Datenpool. Die weltweit 151 000 Mitarbeiter werden in ihren Organisationseinheiten erfasst: Mobilität, Sprachkenntnisse, Lerntempo, Auffassungsgabe, Ergebnisorientierung, Orientierungsfähigkeit in einer unbekannten Umgebung werden in Entwicklungskonferenzen diskutiert. Wer dort durchkommt, kann sich auf den Karriereweg machen. "Heute muss eine Führungskraft ein Team führen können, in dem vielfältige Nationen und Charaktere vertreten sind", sagt Schilling.

Ein Team aus 22 Nationen

Für Thomas Wilson heißt das, Mitarbeiter aus 22 Nationen zu lenken. "Ich allein wäre niemals in der Lage, unsere lokalen Ansprechpartner und ihre Bedürfnisse zu 100 Prozent zu verstehen", sagt der globale Risikochef der Allianz. "Vor allem für die unausgesprochenen Dinge brauche ich die Mitarbeiter aus unterschiedlichen Kulturen." Dabei blickt der Auslandsschweizer und Amerikaner auf reichlich internationale Erfahrung zurück: In den USA geboren, führte ihn sein beruflicher Weg von San Francisco über Stanford, Zürich und London nach Amsterdam und München. Er will auch seine Mitarbeiter in Amerika und Asien mindestens alle zwei Jahre aufsuchen. Denn "Vertrauen entsteht durch Beziehungen".

Wilson spricht regelmäßig mit anderen Managern über Kandidaten, die sich international orientieren und neben dem nötigen Fachwissen die richtigen Soft Skills mitbringen. "Ich suche vielseitige Jungmanager", sagt Wilson, "hungrig auf Internationalität, hungrig auf Aufstieg." Also eigentlich genau solche jungen Menschen, wie sie Conti in seinem internationalen Traineeprogrammen ausbildet. Emad Shahid jedenfalls weiß schon nach zwei Monaten, dass er bei dem Technikkonzern richtig ist. Die Produktentwicklung soll sein Schwerpunkt bleiben. Auf einen Routinejob, wie er ihn zwischen Bachelor-Abschluss und Start ins Masterstudium in Pakistan bei einem deutschen Großkonzern ausprobierte, hat er keine Lust.

Auf Hannover aber will sich der 23-Jährige ebenso wenig festnageln lassen: "Von hier aus habe ich es zwar nur halb so weit zu meinen Eltern wie während des Studiums in den USA, aber auch andere Firmenstandorte interessieren mich", sagt er. "In diesem internationalen Umfeld fühle ich mich als hoch geachtete Person."

Erschienen auf wirtschaftswoche.de

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Kommentare

8 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Alles braucht seine Zeit...

Die im Artikel aufgezählten Beispiele finden sie heute doch überall. Die Entwicklungsgeschwindigkeit ist unterschiedlich, jedoch für junge Menschen, die heute in Projektteams in den Unternehmen anfangen, ist eine Zusammenarbeit mit Menschen aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt normal.

Eigentlich wurde das uns schon für die 90er Jahre vorhergesagt, es hat aber noch einmal fast 20 Jahre gedauert. Auch hier spielt wohl das Internet und soziale Netzwerke ein Rolle.

Die bösen Ausländer

"Diese Internationalisierung der Chefetagen schafft keineswegs einfach nur Produktivität, sondern es erzeugt eine Elite vagabundierender Manager, ohne Heimat, ohne Kultur, ohne jedes Empfinden für ihre Angestellten, für soziale Verpflichtungen und für die Einbindung des Unternehmens in die Region."

Sie halten nicht viel von Ausländern, oder?

Wie gut, dass deutsche "Manager" sozial extrem verantwortlich sind und sogar, was Sie Ausländern ja absprechen, "Kultur" haben. Die sind so sozial wie z.B. der deutsche "Vorzeigemanager" Klaus Esser. Das sind die wunderbaren deutschen "Manager", die den ganzen Tag in ihrem Büro sitzen und sich den Kopf zerbrechen, was sie den Angestellten noch Gutes tun können, was sie tun können, damit die Umweltschutzgesetze strenger werden und wie sie überhaupt diese Welt zu einem besseren Planeten machen können.