KreativitätIm Dunkeln ist gut denken

Erstaunlich, aber wahr: Menschen sind im Dunkeln kreativer, nicht im Licht. Das haben Dortmunder Forscher in einer Studie herausgefunden. von Kristin Schmidt

Sie sehen einfach nichts, alles ist schwarz, an die sprichwörtliche Hand vor Augen ist überhaupt nicht zu denken. Die Teilnehmer des Experiments mussten ihre Uhren ablegen. Die Ziffernblätter könnten leicht leuchten. Selbst der blinkende Punkt am Handy, der eine angekommene SMS vermeldet, strahlt förmlich durch den dicken Jeansstoff der Hosentasche hindurch. Die Studienteilnehmer befinden sich in einem Raum absoluter Dunkelheit, wie es sie in der Natur nicht gibt. Ein dichter Nadelwald bei Nacht wirkt dagegen wie ein lichtdurchfluteter Wintergarten.

Diese totale Finsternis fasziniert Strategieberater Michael Lück schon seit 2005. Er hat begonnen Messestände zu verdunkeln, um den Kunden alleine durch fühlen oder schmecken die Produkte seiner Auftraggeber näher zu bringen. Er veranstaltet für Unternehmen Seminare zur Team- oder Strategieentwicklung und Personalauswahl in absoluter Dunkelheit.

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Dabei ist ihm aufgefallen, dass seine unsichtbaren Gesprächspartner in der Dunkelkammer wesentlich kreativer sind als außerhalb. Prinzipiell hielt Lück seine Beobachtung für plausibel. Keine Ablenkung von außen, weniger Hemmungen und eine größere Offenheit machen die kreativen Ausbrüche seiner Meinung nach möglich.

Mehr Konzentration bei weniger Ablenkung

Dass Lücks Einschätzung nicht bloß Auswuchs einer geistigen Umnachtung ist, haben BWL-Professor Hartmut Holzmüller und seine Kollegin Vanessa Hasselhoff nun für den Strategieberater herausgefunden.

Doch das Ergebnis überraschte selbst die Experten. "Mit einer fast 30 Prozent höheren Kreativität haben wir nicht gerechnet", sagt der Forscher der TU Dortmund.

In einer Versuchsreihe mussten 74 Teilnehmer jeweils acht Aufgaben lösen. Die einen in Kleingruppen in normal beleuchteten Räumen, die anderen in totaler Dunkelheit.

Leserkommentare
    • Nest
    • 02. Januar 2013 9:13 Uhr

    weiß schon Prof. Dr. Abdul Nachtigaller

    14 Leserempfehlungen
  1. vielleicht lesen Sie den Artikel noch mal im im Dunkeln... ;-)

    (an die Zeit: es wäre an dieser Stelle konsequent den Artikel als "Hörartikel" verfügbar zu machen, sonst wäre das ja Käse was ich MsMarple da vorgeschlagen habe)

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Originelle Forschung!"
  2. Ach geh...

    Im letzten Gottesdienst an Weihnachten, hat der Pfarrer so oft von Licht und Gottes Licht gesprochen. Will die Kirche etwa (un)-bewusst Kreaitivät verhindern, um die Normen wie die 10 Gebote stringent verfolgt werden? :-D

    4 Leserempfehlungen
  3. im dunkeln ist gut munkeln. das war schon immer so. die absolute schwärze hüllt dich ein, du hörst und fühlst auf 100 % und das triviale sehen ist mal aus. der mensch ist eben mehr als ein augentier und die dunkelheit bringt es hervor.

    nur schade, dass die heutige lichtverschmutzung die dunkelheit vertrieben hat.

    so, und jetzt muss ich wieder heulen und kettenrasseln gehen ...

    4 Leserempfehlungen
  4. Dass Reizentzug die Phantasie anregt ist also eine neue wissenschaftliche Erkenntnis ?
    Diese aussergewöhnliche Idee muss den Forschern wohl beim Schlemmen in einem Dunkel-Restaurant gekommen sein.
    Ein Tipp für die eifrigen Entdecker: Seit einigen Jahrzehnten gibt es sogenannte Iso-Tanks, in denen man sich vollkommenem Reizentzug aussetzen kann. Man kann darin kreative Erfahrungen machen, die weit über das Verstopfen von Abflüssen mit Zeitungspapier hinausgehen. Und dann im Hellen vielleicht mal was von den Pionieren aus den 60ern dazu lesen, wie z. B. John C. Lilly.

    3 Leserempfehlungen
  5. 8. Nunja.

    Kreativität in der pschologischen Forschung ist ein extrem problematisches, zumindest äußerst umstrittenes Konstrukt. Wer Kerativität mit "ungewöhnlich" gleich setzt wird der Sache jedenfalls nicht gerecht.

    2 Leserempfehlungen
    • TimmyS
    • 02. Januar 2013 12:16 Uhr

    Irgendwie kann die Auswertung der Forscher schon ein Grund sein, aber ich finde, dass sie zu kurzsichtig sind, wenn sie die Auswertung nur in einen sozialen Kontext setzen. Denn laut der Einschätzung der Forscher, würde das bedeuten, dass Menschen kreativer sind oder erscheinen, wenn sie kaum sichtbaren Kontakt zu anderen Menschen haben. Praktisch formuliert, man ist nur kreativ, wenn man allein ist.
    Ich befasse mich selber intensiv mit Raum, Kreativität und dem Kontexten dazu und ich denke, dass der Raum, die Umgebung eine entscheidende Komponente ist. In der Dunkelheit fällt die dauerhafte unbewusste Wahrnehmung des Raums und wie er gestaltet ist, dazu können natürlich auch die Menschen wirken weg, so dass unser Gehirn vom inneren Auge, eine Art Fantasie, abhängig ist.
    Nehmen wir das Beispiel dunkle Höhle. Man steht vor einer dunklen Höhle. Ich bin der Meinung, dass hier das Phänomen auch gut funktioniert. Nur steht man nicht in völliger Dunkelheit sondern blicken in sie hinein, wir wissen nicht was darin befindet und lassen uns Erklärungen einfallen.
    Ich denke eher, dass in der Dunkelheit, dass Gehirn allgemein weniger Reizen ausgesetzt ist, so kann die Farbe des Raums keinen Einfluss auf unsere Entscheidung nehmen oder wenn im Raum nur kantige Möbel stehen. Das soziale mag auch Einfluss nehmen, doch herrscht trotz allem ein Bewusstsein über die Anwesenheit anderer, auch wenn ich sie nicht sehen kann.

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  6. Zum spriessen und gedeien braucht die Kreativität Licht, um diese danach in einer Bahn zu lenken und zu begrenzen kann sicherlich die Dunkelheit eine wichtige Rolle spielen.
    Deshalb bin ich der Meinung dass die Überschrift "Menschen sind im Dunkeln kreativer, nicht im Licht" eine absolute Oberflächliche These ist und wahrscheilich aufgestellt von Menschen die selten bei Licht leben , sondern mehr in geschlossene Räumen oder in Länder wo das LIcht mangelware ist .

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  • Schlagworte Konzentration | Offenheit | SMS
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