GründerWer scheitert, gewinnt
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Lektionen verinnerlichen

Lars Hinrichs hat vor einigen Jahren 100 solcher Lektionen aufgeschrieben. Mit einem Partner hat er zur Jahrtausendwende im Dotcom-Boom ein Unternehmen gegründet und damit in kürzester Zeit etwa 1,5 Millionen Euro Risikokapital verbrannt – dann ging es pleite.

Heute bezeichnet Hinrichs den Fehlschlag gerne als "teuersten MBA-Kurs der Welt" und zitiert den Erfinder und Unternehmer Thomas Edison: "Fail your way to success" – "Scheitere dich zum Erfolg." Denn als er nach der Pleite das Business-Netzwerk Xing aufbaute, vermied er die meisten Irrtümer. Zum Beispiel legte er Wert darauf, dass es nicht zwei gleichberechtigte Chefs im selben Unternehmen geben dürfe. Mit Klaus Hommels fand Hinrichs sogar einen potenten Geldgeber, der den Wert des Fehlschlags hoch schätzte: Jetzt würde Hinrichs sehr viel vorsichtiger mit dem Geld umgehen, war Hommels überzeugt – und behielt recht. Im Jahr 2006, also gerade mal drei Jahre nach der Gründung, zählte Xing bereits 1,7 Millionen Nutzer und strebte als weltweit erstes Web-2.0-Unternehmen an die Börse.

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Zwei Jahre danach verließ Hinrichs den Vorstand des Unternehmens und versilberte seine Anteile. Wieder schrieb er 128 Punkte auf – jetzt war schon die Hälfte davon positiv. Seitdem baut er neue Start-ups auf und gibt sein Wissen weiter. Zu seinen Investments zählt auch das Bonner Start-up Doo , das eine Dokumentenplattform im Netz entwickelt und dafür mehrere Millionen Euro Risikokapital eingesammelt hat. Doo-Gründer Frank Thelen gründet Unternehmen, seit er die Schule verlassen hat, darunter etwa den Fotosoftware-Dienst Iplabs , den er 2008 an Fujifilm verkauft hat – Presseberichten zufolge für 20 bis 30 Millionen Euro.

Auch diesem Erfolg ging jedoch eine Pleite voraus: Mit 18 Jahren hatte Thelen sein erstes Unternehmen aufgebaut und sich dabei so sehr verschuldet, dass er fast Privatinsolvenz anmelden musste. "Wenn man eine Million Miese hat, bringen die Zinsen einen fast um", erinnert sich Thelen. "Ich hatte immer wieder Nasenbluten, mein Körper rebellierte, ich fuhr meinen BMW zu Schrott." Sein wichtigster Ratschlag an Gründer lautet daher: "Geh niemals unter null."

Diesen Satz würde auch Daniel Hasagic unterschreiben. Es war der 14. Januar 2011, als er erkannte, dass sich sein Unternehmen mit großen Schritten der Zahlungsunfähigkeit näherte – und er vorläufige Insolvenz anmeldete. Ein grausamer Tag sei das gewesen, erzählt der 38-Jährige. Provivan , ein Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln mit 17 Mitarbeitern, war nach vier Jahren am Ende.

Profitabel nach drei Monaten

In den Jahren zuvor war das Unternehmen so sehr gewachsen, dass Hasagic die Kontrolle über Ausgaben und Einnahmen mehr und mehr verloren hatte. Er hatte ins Ausland expandiert und nicht damit gerechnet, dass dort mehr Kunden ihre Bestellungen nicht bezahlen als hierzulande. Und er hatte in einem Rechtsstreit um den Namen des Unternehmens den Kürzeren gezogen. "Wenn du weißt, dass du deine Mitarbeiter, Versicherungen und Kampagnen nicht mehr bezahlen kannst und deinen Namen aufgeben musst, dann bleibt dir nur ein Weg", sagt Hasagic, "und zwar zum Amtsgericht."

Doch der 38-Jährige steckte den Kopf nicht in den Sand, sondern dachte über seine Fehler nach. Dann nahm er noch einmal Anlauf. "Ich wusste ja jetzt genau, was ich tun muss und was nicht." Hasagic sammelte seine Ersparnisse ein und gründete in München das Unternehmen SanaExpert , das wie Provivan Nahrungsergänzungsmittel und diätetische Lebensmittel entwickelt und vertreibt – zum Beispiel Antiaging-Produkte und Diät-Drinks. Der Gründer prüfte den Namen genauer als bei Provivan und behielt die Zahlen akribisch im Blick – mit Erfolg: Das Start-up wuchs kontrollierter und konstanter.

Nach drei Monaten war SanaExpert profitabel, inzwischen erwirtschaftet das Start-up einen Millionenumsatz, zählt Tausende Kunden und beschäftigt 15 Mitarbeiter. "Ich habe meine vier größten Fehler im zweiten Anlauf vermieden", sagt Hasagic, "aus dem Scheitern habe ich nur das Beste gezogen."

Erschienen auf wirtschaftswoche.de

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Leserkommentare
  1. wieviel Unternehmen hat er schon gegründet? Wahrscheinlich keine und nein, eine Ich-AG ala freier Jorunalist ist imltho kein Unternehmen.

    Das ist nun schon der zweite Artikel (erste vom Wehrle), der Leute die Unternehmensgründung schmackhaft machen soll.
    Alle die in D Leben und nicht das notwendige Kleingeld und Vitamin B haben, sollten davon soweit wie möglich Abstand nehmen, denn dass Scheitern ist der Weg in lebenslanges HartzIV. Was wenn man eine Familie hat nicht das erstrebenswerte Ziel sein sollte.

    Auch sollten mal andere Branchen ausser Medien gebracht werden, denn dort wird Startup Geld oftmals aus irgendwelchen Steuerzahlertöpfen in Millonen verbrannt. (Stichwort Moomax GmbH)

    3 Leserempfehlungen
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    • Selamat
    • 22. Dezember 2012 11:58 Uhr

    Wenn Gründer politisch gewollt wären, dann hätte die Bundesregierung den Gründungszuschuss nicht so drastisch reduziert. Die Intention von Frau von der Leyen ist es erklärtermaßen, die Menschen in abhängiger Beschäftigung zu halten und mäßig erfolgreiche Selbständige wieder in die Unternehmen zurück zu drängen. Das ist die eine Seite der deutschen Gründerfeindlichkeit.

    Die Zweite: Aus Ihren Kommentar spricht die typisch deutsche Angst vor dem sozialen Absturz. Zu finden ist diese meist bei Menschen, die nie gegründet haben und nie gründen werden. Wer die Kraft zum Gründen hat, der wird auch nach einem Absturz selten in Hartz IV verbleiben, sondern die Initiative ergreifen, da wieder heraus zu kommen. Erfolgreich.

    • Selamat
    • 22. Dezember 2012 11:58 Uhr

    Wenn Gründer politisch gewollt wären, dann hätte die Bundesregierung den Gründungszuschuss nicht so drastisch reduziert. Die Intention von Frau von der Leyen ist es erklärtermaßen, die Menschen in abhängiger Beschäftigung zu halten und mäßig erfolgreiche Selbständige wieder in die Unternehmen zurück zu drängen. Das ist die eine Seite der deutschen Gründerfeindlichkeit.

    Die Zweite: Aus Ihren Kommentar spricht die typisch deutsche Angst vor dem sozialen Absturz. Zu finden ist diese meist bei Menschen, die nie gegründet haben und nie gründen werden. Wer die Kraft zum Gründen hat, der wird auch nach einem Absturz selten in Hartz IV verbleiben, sondern die Initiative ergreifen, da wieder heraus zu kommen. Erfolgreich.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Frage an den Autor"
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    lebe und arbeite seit 15 Jahren in Canada und hatte auch in D 10 Jahre lang eine Firma, sondern Realist, was die Möglichkeiten von und die Voreingenommenheiten gegenüber beruflichen Versagern in D angeht. Unterhalten sie sich mal mit den vielen Ich-AG Gründern die von den ARGEN in die Selbstsändigkeit genötigt wurden, wobei es dann als Zubrot für den Staat noch den Austritt aus der AV und GKV gab.
    Die meisten nagen jetzt am Hungertuch oder sind im Niedriglohsektor tätig, da dt. Firmen solche Versager nicht einstellen und da sind nicht wenige Akademiker drunter.

    Spannend ist jedoch ihre Argu zur Gründerfeindlichkeit, als Selbständiger wollen sie Geld vom Staat haben, dass widerspricht ihren Aussagen in zwei, das man es auch so schafft.

    Das Hauptproblem in D sind zumindestens in meinem Bereich als Ing. (Bau+Umweltschutz) bei der Selbstständigkeit die Korruption und Intransparenz bei der Auftragsvergabe, dort kann man nur mithalten, wenn man schon ausreichend Spielgeld mitbringt, um sich einzukaufen.

    Oder ein anderes Beispiel die EE, alle F+E Projekte die in die Richtung laufen , müssen wenn man staatliche/europ. Förderung (also wenn man kein Spielgeld hat und die Banken geben dafür in D nichts) haben will über das DBMFZ als Partner laufen, die die Ideengeber dann aus dem Projekt drängen und sich so die Früchte staatlich geschützt abgreifen.

    Und wie shcon gesagt, wenn man Familie hat sollte man sich solche Experimente gut überlegen.

  2. lebe und arbeite seit 15 Jahren in Canada und hatte auch in D 10 Jahre lang eine Firma, sondern Realist, was die Möglichkeiten von und die Voreingenommenheiten gegenüber beruflichen Versagern in D angeht. Unterhalten sie sich mal mit den vielen Ich-AG Gründern die von den ARGEN in die Selbstsändigkeit genötigt wurden, wobei es dann als Zubrot für den Staat noch den Austritt aus der AV und GKV gab.
    Die meisten nagen jetzt am Hungertuch oder sind im Niedriglohsektor tätig, da dt. Firmen solche Versager nicht einstellen und da sind nicht wenige Akademiker drunter.

    Spannend ist jedoch ihre Argu zur Gründerfeindlichkeit, als Selbständiger wollen sie Geld vom Staat haben, dass widerspricht ihren Aussagen in zwei, das man es auch so schafft.

    Das Hauptproblem in D sind zumindestens in meinem Bereich als Ing. (Bau+Umweltschutz) bei der Selbstständigkeit die Korruption und Intransparenz bei der Auftragsvergabe, dort kann man nur mithalten, wenn man schon ausreichend Spielgeld mitbringt, um sich einzukaufen.

    Oder ein anderes Beispiel die EE, alle F+E Projekte die in die Richtung laufen , müssen wenn man staatliche/europ. Förderung (also wenn man kein Spielgeld hat und die Banken geben dafür in D nichts) haben will über das DBMFZ als Partner laufen, die die Ideengeber dann aus dem Projekt drängen und sich so die Früchte staatlich geschützt abgreifen.

    Und wie shcon gesagt, wenn man Familie hat sollte man sich solche Experimente gut überlegen.

    2 Leserempfehlungen
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    Versager ist im Kommentar nicht abwertend gemeint und sollte in Anführungsstrichen stehen.

    • Legatus
    • 22. Dezember 2012 17:30 Uhr

    Erstmal einen großen Betrag in den Sand setzen, um daraus zu lernen?
    Das kann man machen, wenn man wirklich was auf der hohen Kante hat und sich sagt "In Ordnung, ich probiere es mal".
    Wenn man aber die Bank im Nacken hat, na dann gute Nacht.
    Außerdem muss man auch erstmal bestehen auf diesem Markt, der von Konzernen und Großanbietern kontrolliert wird.
    Und dann noch der Unterschied zwischen den Branchen, zum Beispiel ist es sicher leichter sich als Handwerker selbstständig zu machen, da gibt es praktisch immer einen Markt und viele Kleinanbieter.
    Sich aber im Netz gegen die ganz Großen durchzusetzen ist eine ganz andere Geschichte.

    2 Leserempfehlungen
  3. bin aus der Arbeitslosigkeit ins Baugewerbe gesprungen.
    Hatte "lediglich" den Willen, Fachkentnisse, ein entsprechends KFZ und einige Werkzeuge.
    Bin herum gefahren und habe Eigentümer, Bauherren, Bauträger etc. direkt kontaktet; in kurzen Gesprächen Hinweise, Ratschläge, Angebote hinterlassen.
    Man kann es als Klinkenputzen, von mir aus auch als Bettelei bezeichnen.
    Doch der Fleiß, eine verlässlich gute Qualität und das Wohlwollen der Auftraggeber zu investieren und zu erhalten waren und sind Garanten für Erfolg. Trotz schwieriger Anlaufphase konnten im 2.ten Jahr zwei Gesellen Beschäftigung finden.
    Dann ließ ein Bauträger mit 12 Objekten "die Frucht" vergammeln.
    Er zahlte (vorsätzlich) nicht. Drei Firmen gingen pleite.
    Hat man einmal gesehen, wie pervide Gesetzgebungen (aus)genutzt werden können, verschlägt es einem die Sprache und, wenn man nicht aufpasst, auch den "Glauben".
    Wie die Geschichte ausging, lesen Sie im Kommentar 1, Abs2.

    Eine Wiederholung so einer Atkion, scheitert im Vorwege an jenen Erfolgsgaranten, die investieren und erhalten wollen, da eine desolate Finanzsituation zum Gesellschatfsproblem wurde.
    Wer seinen (arbeitslosen) Mitbürgern pauschal fehlendes Selbstverantwortungsbewußtsein andichtet, ignoriert Arrogant real existierende Verhältnisse. Damit tut er genau dass, was er anderen vorwirft:
    Er macht es sich sehr einfach.

    Das Artikel-Beispiel ist zwar Erfolgreich (sei gegönnt), eher Fragwürdig, denn ein Maßstab.

  4. Versager ist im Kommentar nicht abwertend gemeint und sollte in Anführungsstrichen stehen.

    Eine Leserempfehlung
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    Danke, dass Sie den Anstand haben es nochmal klar herauszustellen.

    Aber Ihr Kommentar spricht eine klare Sprache in dessen Kontext der Begriff Versager eindeutig zu verstehen ist.

    Schöne Festtage!

  5. Danke, dass Sie den Anstand haben es nochmal klar herauszustellen.

    Aber Ihr Kommentar spricht eine klare Sprache in dessen Kontext der Begriff Versager eindeutig zu verstehen ist.

    Schöne Festtage!

    Antwort auf "Nachtrag"
  6. wie hoch ist der Anteil der "Unternehmensberater", die vor ihrer Beraterkarriere schon mal ein Unternehmen an die Wand fuhren?

    Eine Leserempfehlung

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  • Schlagworte BMW | Philipp Rösler | Privatinsolvenz | USA | Unternehmen | Spanien
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