Familie und BerufWie viele freie Tage haben Alleinerziehende?

Die Firma beschäftigt viele Alleinerziehende. Stehen diesen Mitarbeiterinnen mehr freie Tage zu, wenn die Kinder krank sind? Antwort gibt der Arbeitsjurist Ulf Weigelt. von 

Bei uns arbeiten einige alleinerziehende Mütter, die im Falle ihrer erkrankten Kinder zu Hause bleiben müssen. Wie viele Tage stehen ihnen jährlich dafür gesetzlich zu?, fragt Christina Puhlmann.

Sehr geehrte Frau Puhlmann,

der Gesetzgeber hat keine gesonderte Regelungen bezüglich dieser Fehlzeiten festgelegt. Mütter oder Väter können sich allerdings auf den § 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) berufen, der besagt, dass Mitarbeiter in bestimmten Notfällen bis zu fünf Tage lang bei vollem Lohnausgleich fehlen können. Als Notfälle gelten zum Beispiel die eigene Hochzeit, ein Todesfall im engsten Familienkreis, Gerichtstermine und eben auch die Erkrankung ihres Kindes.

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Das heißt, haben Sie Arbeitnehmer, die Vater oder Mutter eines kranken Kindes unter acht Jahren sind, müssen Sie sie für die Betreuung ihrer kranken Kinder jährlich bis zu fünf Tage lang freistellen – bei vollem Lohnausgleich. Eine Gegenleistung wie beispielsweise eine nachträgliche Mehrarbeit dürfen Sie in diesem Fall nicht von Ihren Mitarbeitern verlangen.

"Da staunt der Chef"

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Sie können diese Vorschrift jedoch in Ihren Arbeitsverträgen ausschließen. Es sei denn, Ihr Betrieb unterliegt einem Tarifvertrag, in dem die Lohnfortzahlung bei Krankheit eines Kindes geregelt ist.

Ulf Weigelt
Ulf Weigelt

Ulf Weigelt ist Anwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Auf ZEIT ONLINE beantwortet er jeden Mittwoch in der Serie "Da staunt der Chef" Leserfragen zum Arbeitsrecht. Die Serie ist auch als E-Book erschienen. Weigelt hat mit Sabine Hockling auch den Ratgeber Arbeitsrecht geschrieben.

Können Sie den BGB-Paragrafen in Ihren Arbeitsverträgen ausschließen, brauchen Sie Ihren Mitarbeitern für diese Fehlzeiten keinen Lohn zahlen. In diesen Fällen können sich Ihre betroffenen Mitarbeiter an ihre gesetzliche Krankenversicherung wenden, sofern das kranke Kind in dieser mitversichert ist. Grundlage dafür ist der § 45 des Sozialgesetzbuches V .

Dazu müssen jedoch folgende Voraussetzungen erfüllt sein: Die Betreuung des erkrankten Kindes (das noch keine 12 Jahre alt ist) ist notwendig; es verfügt über ein ärztliches Attest und im Haushalt lebt sonst niemand (z.B. Au-pair oder Großeltern), der das Kind versorgen könnte. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, übernehmen gesetzliche Krankenkassen in der Regel den Lohn des Elternteils. Auf einen vollen Lohnausgleich können die Betroffenen jedoch nicht hoffen. In den meisten Fällen übernehmen die Krankenversicherungen 70 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens bzw. maximal 90 Prozent des Nettolohns.

Wie lange Eltern kranke Kinder betreuen dürfen, staffelt sich wie folgt:

  • für das erste kranke Kind stehen Eltern jeweils zehn Tage jährlich zu; bei Alleinerziehenden sind es 20 Tage pro Jahr.
  • bei zwei Kindern dürfen beide Elternteile pro Jahr 20 Tage ausfallen; Alleinerziehende 40 Tage.
  • ab drei Kindern dürfen beide Elternteile pro Jahr 25 Tage fehlen, Alleinerziehende 50 Tage.
  • bei einer lebensbedrohlichen Krankheit eines Kindes existiert sowohl eine unbefristete Freistellung sowie das Anrecht auf Krankengeld von der gesetzlichen Krankenversicherung.

Sind beide Elternteile (und auch das Kind) bei einer privaten Krankenversicherung versichert, erhalten sie natürlich keine Unterstützung von einer gesetzlichen Krankenkasse. Aber: Erkranken Kinder während des Urlaubs, erhalten betroffene Eltern keinen Ersatz für diese Tage.

Ihr Ulf Weigelt

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Leserkommentare
    • wd
    • 13. Dezember 2012 15:36 Uhr

    Darum liebe Leute, versichert euch nicht privat. Dort gibt es bei vielen existentiellen Notfällen keine Hilfe.

    • Arimus
    • 13. Dezember 2012 17:18 Uhr

    Ich finde der Artikel macht wieder einmal deutlich, wie sehr Familien mit Kindern oder auch Alleinerziehende benachteiligt werden. Es wird schlichtweg nicht honoriert in Deutschland, dass Mütter und Väter viel leisten. Danke Frau Schröder.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Was haben Sie denn für einen Artikel gelesen?!? Ich kann in dem obigen Text keine Benachteiligung von Eltern gegenüber Nicht-Eltern lesen. Nicht-Eltern betreuen ja keine Kinder und können entsprechend die Tage nicht beanspruchen...

    Man liest lediglich eine Aufstellung der möglichen bezahlten Freistellungstage bei Betreuung eines kranken Kindes. Und das kann sich meiner Meinung nach schon sehen lassen.

    Wenn man nun bedenkt, dass hierbei kein Unterschied gemacht wird, ob es sich um einen kleinen Familienbetrieb, eine kleine Abteilung oder einen personell besser aufgestellten Großbetrieb handelt. Bei kleinen Betrieben hat das durchaus Konsequenzen, wenn ein Mitarbeiter mal über ein paar Tage ausfällt.

    Die Freistellungstage sind ein recht gut ausbalancierter Kompromiss zwischen dem, was man dem Arbeitgeber (als schwächstes Glied: Kleinbetriebe) abverlangen und Eltern zugestehen kann.

    Klar, mehr zu verlangen, geht immer. Aber irgendwann geht wohl das richtige Maß verloren...

    Könnten Sie das bitte erläutern? Auf den ersten Blick ist mir die Benachteiligung (außer dass der Anspruch auf zusätzliche Freistellung als Einstellungshinderniss gewertet werden könmnte) nicht ersichtlich.

    ... der Gesetzgeber und die Krankenkassen (und viele Arbeitgeber) das sehr grosszügig geregelt haben. Was haben Sie denn für ein Problem?

  1. Könnten Sie das bitte erläutern? Auf den ersten Blick ist mir die Benachteiligung (außer dass der Anspruch auf zusätzliche Freistellung als Einstellungshinderniss gewertet werden könmnte) nicht ersichtlich.

  2. "(..)Als Notfälle gelten zum Beispiel die eigene Hochzeit(..)"

    Herrlich, danke für den kleinen Lacher!

  3. ... der Gesetzgeber und die Krankenkassen (und viele Arbeitgeber) das sehr grosszügig geregelt haben. Was haben Sie denn für ein Problem?

  4. Wie furchtbar! Wenn diese Frauen zuhause bleiben müssen, weil ihre Kinder krank sind, dann verpassen sie doch wichtige Karriereaufbautage. Dafür sind doch Ganztagsbetreuungen von 07.00-20.00 da.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wieso müssen die Frauen zuhause bleiben?
    Mein Mann ist auch gut qualifiziert mal für ein krankes Kind zu sorgen (und macht das auch!)

  5. Wieso müssen die Frauen zuhause bleiben?
    Mein Mann ist auch gut qualifiziert mal für ein krankes Kind zu sorgen (und macht das auch!)

    Antwort auf "Ganz schlimm"

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  • Serie Fragen zum Arbeitsrecht
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Ulf Weigelt | Arbeitnehmer | Arbeitsvertrag | Einkommen | Eltern | Haushalt
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