Bei uns arbeiten einige alleinerziehende Mütter, die im Falle ihrer erkrankten Kinder zu Hause bleiben müssen. Wie viele Tage stehen ihnen jährlich dafür gesetzlich zu?, fragt Christina Puhlmann.

Sehr geehrte Frau Puhlmann,

der Gesetzgeber hat keine gesonderte Regelungen bezüglich dieser Fehlzeiten festgelegt. Mütter oder Väter können sich allerdings auf den § 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) berufen, der besagt, dass Mitarbeiter in bestimmten Notfällen bis zu fünf Tage lang bei vollem Lohnausgleich fehlen können. Als Notfälle gelten zum Beispiel die eigene Hochzeit, ein Todesfall im engsten Familienkreis, Gerichtstermine und eben auch die Erkrankung ihres Kindes.

Das heißt, haben Sie Arbeitnehmer, die Vater oder Mutter eines kranken Kindes unter acht Jahren sind, müssen Sie sie für die Betreuung ihrer kranken Kinder jährlich bis zu fünf Tage lang freistellen – bei vollem Lohnausgleich. Eine Gegenleistung wie beispielsweise eine nachträgliche Mehrarbeit dürfen Sie in diesem Fall nicht von Ihren Mitarbeitern verlangen.

Sie können diese Vorschrift jedoch in Ihren Arbeitsverträgen ausschließen. Es sei denn, Ihr Betrieb unterliegt einem Tarifvertrag, in dem die Lohnfortzahlung bei Krankheit eines Kindes geregelt ist.

Können Sie den BGB-Paragrafen in Ihren Arbeitsverträgen ausschließen, brauchen Sie Ihren Mitarbeitern für diese Fehlzeiten keinen Lohn zahlen. In diesen Fällen können sich Ihre betroffenen Mitarbeiter an ihre gesetzliche Krankenversicherung wenden, sofern das kranke Kind in dieser mitversichert ist. Grundlage dafür ist der § 45 des Sozialgesetzbuches V .

Dazu müssen jedoch folgende Voraussetzungen erfüllt sein: Die Betreuung des erkrankten Kindes (das noch keine 12 Jahre alt ist) ist notwendig; es verfügt über ein ärztliches Attest und im Haushalt lebt sonst niemand (z.B. Au-pair oder Großeltern), der das Kind versorgen könnte. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, übernehmen gesetzliche Krankenkassen in der Regel den Lohn des Elternteils. Auf einen vollen Lohnausgleich können die Betroffenen jedoch nicht hoffen. In den meisten Fällen übernehmen die Krankenversicherungen 70 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens bzw. maximal 90 Prozent des Nettolohns.

Wie lange Eltern kranke Kinder betreuen dürfen, staffelt sich wie folgt:

  • für das erste kranke Kind stehen Eltern jeweils zehn Tage jährlich zu; bei Alleinerziehenden sind es 20 Tage pro Jahr.
  • bei zwei Kindern dürfen beide Elternteile pro Jahr 20 Tage ausfallen; Alleinerziehende 40 Tage.
  • ab drei Kindern dürfen beide Elternteile pro Jahr 25 Tage fehlen, Alleinerziehende 50 Tage.
  • bei einer lebensbedrohlichen Krankheit eines Kindes existiert sowohl eine unbefristete Freistellung sowie das Anrecht auf Krankengeld von der gesetzlichen Krankenversicherung.

Sind beide Elternteile (und auch das Kind) bei einer privaten Krankenversicherung versichert, erhalten sie natürlich keine Unterstützung von einer gesetzlichen Krankenkasse. Aber: Erkranken Kinder während des Urlaubs, erhalten betroffene Eltern keinen Ersatz für diese Tage.

Ihr Ulf Weigelt