ArbeitsrechtAusgleich für Wochenendarbeit auf Geschäftsreisen?

Der Mitarbeiter ist oft auch übers Wochenende auf Dienstreise. Kann er diese Zeit als Überstunden ausgleichen? Antwort gibt der Arbeitsrechtler Ulf Weigelt. von 

In meiner Position bin ich viel auf Geschäftsreise (vorwiegend im Ausland). Einige Reisen dauern gar bis zu drei Wochen. Stehen mir für die auf Geschäftsreise verbrachten Wochenenden eigentlich Urlaub zu?, fragt Nils Christiansen.

Sehr geehrter Herr Christiansen,

für solche Fälle gibt es nach dem Bundesurlaubsgesetz keinen sogenannten Zusatzurlaub. Allerdings kommt hier das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) zum Tragen. Wenn Sie nämlich bis zu drei Wochen am Stück unterwegs sind, müssen Sie die Ruhezeiten einhalten.

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"Da staunt der Chef"

Was ist erlaubt, was nicht? Der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt gibt Antworten auf Nutzerfragen. Jede Woche, immer mittwochs in der Arbeitsrechtskolumne "Da staunt der Chef".

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Das heißt, Ihre werktägliche Arbeitszeit sollte maximal acht Stunden betragen.

Ulf Weigelt
Ulf Weigelt

Ulf Weigelt ist Anwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Auf ZEIT ONLINE beantwortet er jeden Mittwoch in der Serie "Da staunt der Chef" Leserfragen zum Arbeitsrecht. Die Serie ist auch als E-Book erschienen. Weigelt hat mit Sabine Hockling auch den Ratgeber Arbeitsrecht geschrieben.

In Ausnahmefällen kann sie sich auch auf bis zu zehn Stunden verlängern. Dann allerdings darf sie innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschreiten. Nach Beendigung der Arbeitszeit muss sich eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden anschließen.

Für Tätigkeiten an Wochenenden gilt zum einen, dass Mitarbeiter mindestens 15 Sonntage im Jahr frei haben müssen . Zum anderen erhalten sie für jeden Sonntag, der gearbeitet wird, einen Ersatzruhetag, den Sie an einem Werktag abbummeln müssen.

Und laut § 11 ArbZG steht Ihnen pro gearbeitetem Wochenende ein Ersatzruhetag zu. Ich weiß, die Praxis sieht allerdings oftmals anders aus.

Ihr Ulf Weigelt

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Leserkommentare
  1. Interessanter ist doch die Frage, warum Reisezeit nicht als Arbeitszeit gilt. Deshalb "darf" man ja immer schön am Wochenende anreisen.

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    Wenn man sich einen Job aussucht, der viel Reisetätigkeit beinhaltet, dann ist man selbst schuld, wenn im Vertrag steht, daß Reisezeit = Privatvergnügen darstellt.

    • dp80
    • 06. Dezember 2012 0:40 Uhr

    Der letzte Satz macht den ganzen Artikel kaputt. Was bringt bitte ein Artikel, der mir meine Rechte erklärt und im letzten Satz sagt "aber faktisch kannst du diese Rechte vergessen"?

    Wenn das in der Praxis anders ist, dann erklären Sie uns bitte doch, was wir tun sollen, um unsere Rechte einzufordern. Einen Anwalt nehmen? Falls Sie davon abraten, handelt es sich hier wohl um eine rein rechtstheoretische Abhandlung ohne praktische Relevanz. Da hätten Sie auch über römisches Standesrecht schreiben können.

    Der Wert des Artikels liegt dann nur darin, dass sich Workaholics in der Kantine (und sicher auch gleich hier im Kommentarbereich) darüber lustig machen, wie altmodisch und "20. Jahrhundert" doch das deutsche Arbeitsrecht sei. Man kann sich dann wunderschön über Gutmenschen und Sozialträumer auslassen und sich gegenseitig bestätigen, dass man doch angeblich 100 Stunden pro Woche arbeite, und das ganz normal sei und man sicher super dabei fühle. Eben die übliche neoliberale Propaganda, die man in Betrieben von sich geben muss, um nicht als Looser dazustehen.

    Ist das der einzige Zweck des Artikels, dass man sich davon abgrenzen kann? Oder welche praktische Relevanz hat er?

    Eine Leserempfehlung
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    • Arimus
    • 06. Dezember 2012 7:57 Uhr

    "...die Praxis sieht allerdings oftmals anders aus."
    Der letzte Satz macht den Beitrag schon deshalb nicht kaputt, weil die Rechte dargestellt werden. Was letztendlich jeder Mitarbeiter/in daraus macht, ist seine/ihre Angelegenheit. Die Ausgangsbedingungen sehen oftmals verschieden aus, die Persönlichkeiten der Chefs sind unterschiedlich, wie auch die der Kommentatoren. Und sicher, gut beraten ist derjenige, der seine Rechte verfolgt.

    >> Der letzte Satz macht den ganzen Artikel kaputt. Was bringt bitte ein Artikel, der mir meine Rechte erklärt und im letzten Satz sagt "aber faktisch kannst du diese Rechte vergessen"? <<

    ... gelten quasi nur noch in der Nachwirkung.

    Wer seinen Job verloren hat oder bereit ist, dieses Risiko zu tragen, kann versuchen, seine Rechte nachträglich gerichtlich durchzusetzen.
    Wer seinen Job behalten möchte, hat keine Chance.

    In dem Bereich gilt, wie in vielen: Wer am längeren Hebel sitzt, hat Recht.

    • Arimus
    • 06. Dezember 2012 7:57 Uhr

    "...die Praxis sieht allerdings oftmals anders aus."
    Der letzte Satz macht den Beitrag schon deshalb nicht kaputt, weil die Rechte dargestellt werden. Was letztendlich jeder Mitarbeiter/in daraus macht, ist seine/ihre Angelegenheit. Die Ausgangsbedingungen sehen oftmals verschieden aus, die Persönlichkeiten der Chefs sind unterschiedlich, wie auch die der Kommentatoren. Und sicher, gut beraten ist derjenige, der seine Rechte verfolgt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • dp80
    • 06. Dezember 2012 13:52 Uhr

    "Der letzte Satz macht den Beitrag schon deshalb nicht kaputt, weil die Rechte dargestellt werden. Was letztendlich jeder Mitarbeiter/in daraus macht, ist seine/ihre Angelegenheit."

    Der Punkt ist: Wenn Sie versuchen, Ihre Rechte durchzusetzen, wird man Ihnen zunächst deutlich zu verstehen geben, dass Sie hier nicht als Beamter angestellt sind. Verfolgen sie weiterhin Ihre Rechte, wird man Sie zur nächsten Gelegenheit wegrationalisieren.

    Das Recht wird durch die faktischen Machtverhältnisse außer Kraft gesetzt. In anderen Bereichen würden wir das nicht hinnehmen. Gesetze sind gerade dazu dazu, den Schwächeren vor dem Stärkeren zu schützen. Der Staat müsste schlichtweg sicherstellen, dass Gesetze durchgesetzt werden.

    Ein gesetzestreues Unternehmen müsste dann eben mehr Mitarbeiter einstellen oder die Arbeit anders organisieren. Wenn wir als Gesellschaft zu dem Schluss kommen, dass wir dann nicht wettbewerbsfähig sind, sollten wir die Gesetze ändern. Aber Gesetze zu haben, von denen eh jeder weiß, dass sie nicht gelten, ist absurd und führt zu extremen Überschreitungen.

    Ich beispielsweise finde die o.g. Regelungen in manchen Teilen zu restriktiv. Es sollte möglich sein, dass zu Stoßzeiten mehr Überstunden geleistet werden, also mehr als 10 Stunden pro Tag. Andererseits finde ich, dass nicht 365 Tage im Jahr Stoßzeit sein kann, sonst läuft was falsch.

  2. >> Der letzte Satz macht den ganzen Artikel kaputt. Was bringt bitte ein Artikel, der mir meine Rechte erklärt und im letzten Satz sagt "aber faktisch kannst du diese Rechte vergessen"? <<

    ... gelten quasi nur noch in der Nachwirkung.

    Wer seinen Job verloren hat oder bereit ist, dieses Risiko zu tragen, kann versuchen, seine Rechte nachträglich gerichtlich durchzusetzen.
    Wer seinen Job behalten möchte, hat keine Chance.

    In dem Bereich gilt, wie in vielen: Wer am längeren Hebel sitzt, hat Recht.

  3. Wenn man sich einen Job aussucht, der viel Reisetätigkeit beinhaltet, dann ist man selbst schuld, wenn im Vertrag steht, daß Reisezeit = Privatvergnügen darstellt.

    Antwort auf "Reisezeit"
    • dp80
    • 06. Dezember 2012 13:52 Uhr

    "Der letzte Satz macht den Beitrag schon deshalb nicht kaputt, weil die Rechte dargestellt werden. Was letztendlich jeder Mitarbeiter/in daraus macht, ist seine/ihre Angelegenheit."

    Der Punkt ist: Wenn Sie versuchen, Ihre Rechte durchzusetzen, wird man Ihnen zunächst deutlich zu verstehen geben, dass Sie hier nicht als Beamter angestellt sind. Verfolgen sie weiterhin Ihre Rechte, wird man Sie zur nächsten Gelegenheit wegrationalisieren.

    Das Recht wird durch die faktischen Machtverhältnisse außer Kraft gesetzt. In anderen Bereichen würden wir das nicht hinnehmen. Gesetze sind gerade dazu dazu, den Schwächeren vor dem Stärkeren zu schützen. Der Staat müsste schlichtweg sicherstellen, dass Gesetze durchgesetzt werden.

    Ein gesetzestreues Unternehmen müsste dann eben mehr Mitarbeiter einstellen oder die Arbeit anders organisieren. Wenn wir als Gesellschaft zu dem Schluss kommen, dass wir dann nicht wettbewerbsfähig sind, sollten wir die Gesetze ändern. Aber Gesetze zu haben, von denen eh jeder weiß, dass sie nicht gelten, ist absurd und führt zu extremen Überschreitungen.

    Ich beispielsweise finde die o.g. Regelungen in manchen Teilen zu restriktiv. Es sollte möglich sein, dass zu Stoßzeiten mehr Überstunden geleistet werden, also mehr als 10 Stunden pro Tag. Andererseits finde ich, dass nicht 365 Tage im Jahr Stoßzeit sein kann, sonst läuft was falsch.

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  • Serie Fragen zum Arbeitsrecht
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Ulf Weigelt | Arbeitsrecht | Reise | Geschäftsreise | Urlaub
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