ArbeitsrechtDarf ein Mitarbeiter ständig zu spät kommen?

Es ist kalt, nass oder verschneit und ein Mitarbeiter kommt ständig zu spät – angeblich wegen des Wetters. Ulf Weigelt rät, wie Arbeitergeber reagieren sollen. von 

Jedes Jahr kommt ein Mitarbeiter im Winter regelmäßig zu spät zur Arbeit. Seine Ausrede: Der Wintereinbruch. Muss ich mir das bieten lassen?, fragt Gerald Sander.

Sehr geehrter Herr Sander,

nein, dieses Verhalten müssen Sie sich als Arbeitgeber nicht bieten lassen, zumal diese Unpünktlichkeit keine Ausnahmeerscheinung ist. Mitarbeiter müssen im Winter damit rechnen, dass sie ihr Fahrzeug freischaufeln müssen, aufgrund von Schnee und Glätte länger zur Arbeit brauchen, oder dass sie nicht auf die Pünktlichkeit öffentlicher Verkehrsmittel bauen können. Das Arbeitsrecht sieht hier ein Mitverschulden der Mitarbeiter: Sie müssen gerade im Winter ihre Fahrzeit richtig kalkulieren und entsprechend früh starten.

Ulf Weigelt
Ulf Weigelt

Ulf Weigelt ist Anwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Auf ZEIT ONLINE beantwortet er jeden Mittwoch in der Serie "Da staunt der Chef" Leserfragen zum Arbeitsrecht. Die Serie ist auch als E-Book erschienen. Weigelt hat mit Sabine Hockling auch den Ratgeber Arbeitsrecht geschrieben.

Ignorieren Ihre Mitarbeiter das regelmäßig, können Sie als Arbeitgeber für die fehlende Arbeitszeit die Bezahlung aussetzen. Sie können eine solche Pflichtverletzung im Wiederholungsfall auch abmahnen.

Heißt: Kommt Ihr Mitarbeiter eine Woche lang täglich 30 Minuten zu spät zur Arbeit, können Sie ihm die 2,5 Arbeitsstunden vom Lohn abziehen.

Es gibt jedoch Ausnahmen. Unvorhergesehene Ereignissen wie zum Beispiel gesperrte Straßen kann niemand einkalkulieren, auch Ihre Mitarbeiter nicht. In diesen Fällen sollten Sie nicht zu streng vorgehen.

"Da staunt der Chef"

Was ist erlaubt, was nicht? Der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt gibt Antworten auf Nutzerfragen. Jede Woche, immer mittwochs in der Arbeitsrechtskolumne "Da staunt der Chef".

Schreiben Sie uns (und geben Sie dabei bitte Ihren Namen und Ihren Wohnort an). Wir freuen uns und wählen unter allen Problemen, die uns gestellt werden, jede Woche eine Frage aus und beantworten sie hier.

Haftungsausschluss

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ALS E-BOOK KAUFEN

Die Antworten von Fachanwalt Ulf Weigelt stehen Ihnen auch übersichlich gesammelt als E-Books zur Verfügung. Nach dem Download können Sie jederzeit und überall auf Ihrem elektronischen Lesegerät zu arbeitsrechtlichen Fragen nachschlagen.

Hier finden Sie eine Übersicht unserer E-Books www.zeit.de/ebooks.

Sie können auch per Memo an alle Mitarbeiter oder mit einer Information am Schwarzen Brett darauf hinweisen, dass Sie ausgefallene Arbeitszeiten aufgrund von Schnee und Glätte in Zukunft nicht mehr bezahlen, sondern die Verspätungen vom Lohn abziehen werden.

Ihr Ulf Weigelt

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Leserkommentare
  1. Die ist allerdings vorhanden. Mir fallen spontan 3 gute Freunde ein, die nach Antritt ihrer Arbeitsstelle in eine weiter entfernte Stadt gezogen sind und morgens eine Stunde Fahrt in Kauf nehmen.

    Wann wird endlich diese Pendlerpauschale abgeschafft?

    Antwort auf "Wer soll das bezahlen?"
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    • tronco
    • 20. Dezember 2012 19:11 Uhr

    Die wird abgeschafft, wenn die Preise der DB ihrer Leistung angepasst sind! Die Leistung ist für einen Dienstleister, der Mitbewerber und direkte Konkurrenten hätte, katastrophal, vernichtend und dafür horrend überteuert! Solange das wirklich so bleibt, muss es eine Pendlerpauschale geben!

    Übrigens, warum hat noch keiner daran gedacht, dass manche Leute vielleicht gar nicht in der "großen Stadt" und in der "Nachbarschaft" der Arbeit leben möchten?

    • tronco
    • 20. Dezember 2012 19:11 Uhr

    Die wird abgeschafft, wenn die Preise der DB ihrer Leistung angepasst sind! Die Leistung ist für einen Dienstleister, der Mitbewerber und direkte Konkurrenten hätte, katastrophal, vernichtend und dafür horrend überteuert! Solange das wirklich so bleibt, muss es eine Pendlerpauschale geben!

    Übrigens, warum hat noch keiner daran gedacht, dass manche Leute vielleicht gar nicht in der "großen Stadt" und in der "Nachbarschaft" der Arbeit leben möchten?

    Antwort auf "Lust auf Pendeln"
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    Es steht ja jedem zu, dass er dort leben kann wo er will. Mein Leben ist mir zu schade um 2 oder mehr Stunden am Tag im Auto/Bus/Bahn zu sitzen. Daher bin ich in die Stadt gezogen.

    Wem das egal ist, der kann aufs Land ziehen. Der unfaire Unterschied ist eben nur, dass ich meine "Mietmehrkosten" nicht von der Steuer absetzen kann, aber der Pendler schon und das ist nicht nur klimatisch und verkehrstechnisch völliger Blödsinn, sondern auch zutiefst ungerecht!

    Bei der Bahn haben Sie völlig Recht!

  2. Der Berufsverkehr führt halt zu Verspätungen. Und wenn nicht im Arbeitsvertrag Gleitzeit vereinbart ist, dann muss man sich halt früher auf den Weg machen. Natürlich wäre es schöner, wenn die Bahn immer leer, die Straße immer frei, die Sonne immer scheinend, die Luft immer frisch wäre. Ist aber nicht, also nicht beim Chef beschweren, der ist für keinen dieser Umstände zu Verantworten (abgesehen von Bahnmitarbeitern, Angestellten der Verkehrsbetriebe und Pfarrern).
    Da wendet man sich doch besser an die Politiker (und es gibt viele Möglichkeiten dies zu tun und Druck zu erzeugen).
    Der Chef zahlt wenn ich da bin und arbeite. Der "Rest" ist Privatvergnügen.

    MfG,
    ein Arbeitnehmer, der mindestens im Winter, auch länger braucht um zum vertraglich vereinbarten Zeitpunkt anzukommen ;)

  3. aber keinen Einlass bekommt ? Es gibt durchaus Verkehrverbindungen, die nur im Stundenrhythmus erfolgen, was im Einzelfall bedeuten kann, dass ein Mitarbeiter nur die Wahl hat, 10 Min. zu spät, aber immer noch rechtzeitig vor Kundeneinlass, vor Ort zu sein oder 50 Min. vor der Tür zu stehen, was im Winter bei der Kälte zu Krankheit führen kann, bis der Chef kommt.
    Ist man nicht als Arbeitnehmer u.a. verpflichtet, seine Gesundheit und damit seine Arbeitkraft zu erhalten ?
    Dieses Beispiel aus der Praxis beinhaltet übrigens Überstunden, die zwar geleistet werden, aber Ende des Monats, mangels Chance, diese in irgendeiner Form auszugleichen, verfallen.

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    unterschreiben Sie, dass Sie zu den entsprechenden Arbeitszeiten erscheinen. Sie müssen wissen, ob Sie die Vertragsbedingungen erfüllen können, und dann unterschreiben. Ändert sich der Fahrplan, würde ich das zeitnah der Personalabteilung und dem Chef mitteilen. Dann kann sicher eine interne Lösung gefunden werden.
    Grundsätzlich macht das keinen guten Eindruck, einen Vertrag zu unterschreiben, den man nicht erfüllen kann. Das ist nicht förderlich für eine Vertragsverlängerung.

  4. Unter Umständen kann regelmäßiges zu spät kommen ein Kündigungsgrund sein. Das sollte man als Arbeitnehmer nicht unterschätzen. Es kann im Arbeitsvertrag klar festgelegt sein, das die nicht-Anwesenheit zur festgelegten Arbeitszeit, die Produktion oder Sicherheit maßgeblich gefährden können. Ist man zB als Ersthelfer im Betrieb eingetragen, sollte man unbedingt anrufen und, wenn es auch nur für wenige Minuten ist, einen Ersatzmann finden.

  5. unterschreiben Sie, dass Sie zu den entsprechenden Arbeitszeiten erscheinen. Sie müssen wissen, ob Sie die Vertragsbedingungen erfüllen können, und dann unterschreiben. Ändert sich der Fahrplan, würde ich das zeitnah der Personalabteilung und dem Chef mitteilen. Dann kann sicher eine interne Lösung gefunden werden.
    Grundsätzlich macht das keinen guten Eindruck, einen Vertrag zu unterschreiben, den man nicht erfüllen kann. Das ist nicht förderlich für eine Vertragsverlängerung.

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    sondern nur die Anzahl der monatlich zu leistenden Arbeitsstunden ? Und diese, aufgrund der Arbeitserfordernis in der Praxis, regelmäßig überschritten wurden, obwohl dies weder vorab besprochen worden war, noch in den Vertragsbedingungen vermerkt ist ?

  6. sondern nur die Anzahl der monatlich zu leistenden Arbeitsstunden ? Und diese, aufgrund der Arbeitserfordernis in der Praxis, regelmäßig überschritten wurden, obwohl dies weder vorab besprochen worden war, noch in den Vertragsbedingungen vermerkt ist ?

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    Woher wissen Sie denn dann, wann Sie da sein müssen? Wird das vom Chef täglich herausgegeben? Unbezahlte Überstunden sollten Sie genau dokumentieren. Das könnte, nach interner Absprache, auch in einen Urlaubstag umgewandelt werden. Dauerhaft unbezahlte Überstunden, vom Arbeitgeber gefordert, sind auf dauer rechtswidrig.

    @gute Frage:
    dann nennt man das in Deutschland Chance zur Selbstverwirklichung am Arbeitsplatz...

    @"was ist mit der deutschen Pünktlichkeit passiert?"
    Die war Frucht einer fairen Bezahlung sowie von guten Arbeitsbedinungen und ist verschwunden, als jene flöten gingen. Quid pro quo nennt man das.

    Hat heute den lateinischen
    Lastenträger

  7. Wer Gleitzeit hat, kommt doch aber zu spät, wenn er nicht zur Kernzeit da ist. Und wir haben eine Rahmenarbeitszeit von 8:00 - 18:00 Uhr, in der jeder MA mindestens 4 Stunden (bei 40 Stunden Vollzeitjob) zu arbeiten hat, ohen dass seine Führungskraft das genehmigen müsste (solange das Arbeitszeitkonst nicht allzu arg im Minus ist) - also eine moderne Regelung zur Arbeitszeit, denke ich, die in den Fällen eines "Zuspätkommens" keinerlei Konsequenzen nach sich zieht..

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    Schwierig wird es, wenn Theorie und Praxis nicht kompatibel sind, weil Verkehrsverbindungen, kalte Jahreszeit und spezielle Arbeitszeitmodelle nicht zusammenpassen.
    Bei Öffnungszeiten von 8:30-16:30 Uhr, Chefanwesenheit von 8:00-20:00 Uhr, die exakt die gleiche Anwesenheit des Mitarbeiters erwartet, Verkehrsverbindungen, die entweder eine Anwesenheit ab 7:10 Uhr oder 8:10 Uhr zulassen und einer vertraglich festgelegten 40 h Woche, sollte man annehmen, dass, bei einer tatsächlich geleisteten 55 h Woche, von der alles über 40 h am Ende des Monats verfällt, Verständnis besteht, dass der Mitarbeiter im Winter besser 10 Min. "zu spät" kommt, statt 50 Min. wartend in der Kälte vor der Tür zu stehen und womöglich krank zu werden und auszufallen.
    Entgegen dieser Annahme, kann die Praxis anders aussehen und Konsequenzen nach sich ziehen.

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