Skilehrer : Saisonarbeiter auf der Piste

Sie bringen anderen Wintersport bei, achten auf Sicherheit und werden schlecht bezahlt: Trotzdem ist Skilehrer für viele ein Traumjob, zeigt der Beruf der Woche.

Ob nun in Oberhof , Oberwiesenthal oder Winterberg: Skilehrer arbeiten dort, wo andere ihren Urlaub verbringen. Spaß haben, ein bisschen Ski Alpin, Nordic oder Snowboard lehren und abends dann Après-Ski mit den Gästen – soweit das gängige Bild vom vermeintlichen Traumjob Skilehrer. "Das sind alles Klischees", sagt Peter Hennekes. Er ist Hauptgeschäftsführer vom Deutschen Skilehrerverband e.V. und arbeitet selbst als Skilehrer.

"Unsere Arbeit ist durchaus anstrengend. Wir bringen den Leuten ja nicht nur Skifahren und Snowboarden bei, sondern sorgen auch für Sicherheit und Erlebnisse verkaufen", sagt Hennekes. "Wir sind Lehrer, Entertainer und Betreuer in einer Person." Der Spagat sei nicht immer einfach. Man müsse erklären, vorführen und auch Rücksicht nehmen. Da der Unterricht oft in Kleingruppen stattfindet, muss auf Wünsche und Ziele der Kunden Rücksicht genommen werden. "Mit einer Gruppe Jugendlicher muss der Skilehrer anders umgehen als mit einer Gruppe älterer Damen", sagt Hennekes.

Der Arbeitstag beginnt morgens mit der Kursabstimmung. Welche Kurse stehen den Tag über an? Welche Kunden sind in der Gruppe? Handelt es sich um Anfänger oder bereits fortgeschrittene Teilnehmer? Entsprechend passt der Lehrer den Unterricht an. In der Regel haben die Skilehrer drei bis vier Kurse am Tag.

Einfühlungsvermögen und Fitness sind wichtig

An dem Umgang mit anderen Menschen sollte man Spaß haben. Gute Menschenkenntnis, Einfühlungsvermögen und eine Menge Wintersporterfahrung sind wichtig. Skilehrer müssen ebenso gut mit Kindern wie Senioren oder besonders unsicheren angehenden Wintersportlern umgehen und eigenverantwortlich arbeiten können. "Außerdem sollte man selbst im Gleichgewicht sein und seine Laune unter Kontrolle haben. Denn auch wenn man selbst keinen so guten Tag hat, muss man seinen Kunden Spaß und Freude am Sport vermitteln können", sagt Hennekes. Geduld und Fitness runden das Profil für angehende Skilehrer ab.

Wer in dem Job arbeiten möchte, muss eine entsprechende Ausbildung absolvieren. Solche werden von professionellen Skischulen angeboten. Dort werden die Fähigkeiten von einem erfahrenen Skilehrer eingestuft. Ist der Anwärter grundsätzlich für die Arbeit als Skilehrer geeignet, kann er als Hospitant oder Praktikant bei der Schule erste Erfahrungen sammeln. Im Laufe einer Saison wird er so an den Job herangeführt. Um als Skilehrer ohne Aufsicht eines anderen erfahrenen Kollegens unterrichten zu dürfen, benötigt der Azubi mindestens die niedrigste Skilehrerlizenz.

Die Lizenzen reichen von der Basis-Skilehrer-Qualifikation bis hin zur höchsten Lizenz zum staatlich geprüften Skilehrer, die dazu berechtigt, selbst eine Skischule führen zu dürfen. Für die jeweiligen Lizenzen sind Prüfungen beim Deutschen Skilehrerverband e.V. abzulegen. In der Ausbildung werden Praxis, Theorie sowie Lehreignung unterrichtet.

Geht es im Praxisunterricht vornehmlich um das Verfeinern des Fahrkönnens, so hat es die Theorie durchaus in sich: Methodik, Didaktik, sportmedizinische Kenntnisse, Risikomanagement, Erste Hilfe und alle sicherheitsrelevanten Aspekte müssen die künftigen Skilehrer aus dem Effeff kennen. In puncto Lehreignung werden die Azubis mit brenzligen Situationen konfrontiert, die während eines Kurses auf sie zukommen können. Hier kommt es darauf an, hektische Situationen souverän zu meistern und alle Gefahrensituationen zu erkennen und zu vermeiden.

Verlagsangebot

Der ZEIT Stellenmarkt

Jetzt Jobsuche starten und Stellenangebote mit Perspektive entdecken.

Job finden

Kommentare

5 Kommentare Kommentieren

Ergänzung 1

Ich bin selbst Skilehrer (DSV-Instructor) und arbeite in meiner Freizeit, d.h. an Wochenenden und teilweise in den Ferien in örtlichen Skischulen oder für Reiseveranstalter. So geht es den meisten - hauptberufliche Skilehrer gibt es kaum. In der Schweiz und in Österreich mag das noch etwas anders aussehen - dort sind viele im Winter tagtäglich Skilehrer, während sie im Sommer auf dem Bau arbeiten.

Die Angst vor der teuren und schwierigen Ausbildung ist übrigens m.E. insofern unbegründet, als viele Skischulen jedes Jahr panisch nach Aushilfskräften suchen und mit Kusshand auch schlichtweg "gute Skifahrer" ohne Lizenz einstellen bzw. solche, die einen skischulinternen Wochenend-Crashkurs besucht haben. Gerade in den deutschen Mittelgebirgen herrscht jedes Jahr eklatanter Skilehrer-Mangel. Interessierten sei deshalb wärmstens empfohlen, einfach mal anzufragen. Man muss allerdings damit rechnen, dass man ohne Lizenz in erster Linie für den Skikindergarten oder die ganz kleinen Bambinis eingesetzt wird. D.h. man "fährt" nicht wirklich.

Der Stundenlohn ist in der Tat eher gering. Selbst mit einer Oberstufenlizenz (DSV Instructor ; DSLV Regional- bzw. Verbandsskilehrer) sind es häufig nicht mehr als 15€ pro Stunde. Solche ohne Lizenz bekommen oft rd. 10€. Rechnet man ggf. Anfahrtskosten, die ggf. nichtbezahlte Mittagspause und Materialkosten dazu, lohnt es sich in erster Linie für junge Menschen, die als Schüler, Azubis oder Studenten ein bisschen nebenher verdienen möchten.

Ergänzung 2

Allerdings ist der Job definitiv einer der schöneren. Man ist in der Natur, hat mit Menschen zu tun, die Erholung suchen und kann nebenbei auch selbst ein bisschen Skifahren. Auch die Stimmung im Team ist oft sehr freundschaftlich und "Betriebsausflüge" am Saisonende führen häufig - na klar - in die Alpen.

Es gibt, neben der Arbeit bei einer örtlichen Skischule, ja auch noch die Möglichkeit, für Reiseveranstalter zu arbeiten. Entweder für Sportvereine (das ist dann natürlich gemeinnützig und man bekommt kein Gehalt, sondern lediglich alle Kosten übernommen), für halbkommerzielle Verbände (zum Beispiel für Reisen der Landesverbände) oder für Reiseanbieter. Die Fahrten führen dann in die Alpen, meist jedoch in anfängerfreundliche bzw. sehr überlaufene Gebiete (z.B. das Zillertal).

Auch diese Variante ist sehr interessant, wobei man natürlich neben der Tätigkeit als Skilehrer auch noch die des Reisebegleiters hat, was dann gerade im Zusammenhang mit Jugendreisen pädagogische Eignung voraussetzt. Feierabend ist also nicht nach 5 Stunden Unterricht, sondern nachdem das letzte Kind im Bett ist...und teilweise noch nicht einmal dann. Vorteil hingegen ist, dass solche Reisen oft von Fortgeschrittenen gebucht werden und man eher die Funktion des Ski-Guides als die des Lehrers hat. Man kommt also auch selbst auf seine Kosten.

Ergänzung 3

Alles in allem kann ich den Job sehr empfehlen. Der Bedarf ist riesig, d.h. man kann problemlos Arbeitszeiten bzw. Tage selbst bestimmen. Als Reiseleiter ist es zudem eine tolle Möglichkeit, umsonst oder sogar für Geld in die Berge zu kommen und selbst etwas Urlaubsluft zu schnuppern. Gerade im Kinderskiunterricht (der wohl mit Abstand den Großteil der angebotenen Kurse ausmacht) ist der Job außerdem sehr respektiert und belohnend - sowohl von Kinder- als auch von Elternseite. Man bekommt andauernd Komplimente, hat fröhliche Gesichter um sich herum und lernt gerade im Bereich Pädagogik selbst sehr schnell hinzu - ein Top Job für angehende Lehramtsstudenten.

Und das Klischee mit dem Skilehrer als Aufreißer mag zwar etwas überholt sein, aber nach wie vor beeindruckt kaum etwas Frauen so sehr wie Männer, die sich um Kinder kümmern. ;)