Gesundheitscheck bei Ferrari im italienischen Maranello © Gabriel Bouys/AFP/Getty Images

Jedes Unternehmen sollte seinen Beschäftigten Möglichkeiten zur Gesundheitsvorsorge bieten. Wie nötig das ist, liegt auf der Hand; schließlich werden die Arbeitnehmer im Durchschnitt durch den demografischen Wandel immer älter . Gute Gesundheitsprogramme bringen darüber hinaus weitere Vorteile für den Betrieb. Durch sie können die Anzahl der Fehltage reduziert und so Kosten gesenkt werden. Zudem bleiben gesunde Mitarbeiter , denen ihr Arbeitgeber Möglichkeiten zur Vorsorge bietet, diesem eher treu.

Eine Führungskraft, die Gesundheitsprogrammen keine Bedeutung beimisst, setzt die Ressourcen ihres Unternehmens deshalb nicht sinnvoll ein. Die Schwierigkeit besteht darin, ein gutes und zum Unternehmen passendes Programm zu entwickeln. Modernes Gesundheitsmanagement ist mehr als die kostenlose oder subventionierte Mitgliedschaft in einem Fitnessclub.

Leonard L. Berry, Marketingprofessor an der Mays Business School der Texas A&M University, hat betriebliche Gesundheitsprogramme verglichen. Er analysierte, was zehn Unternehmen aus verschiedenen Branchen für die Gesundheit ihrer Beschäftigten taten.  

In allen Firmen sanken durch die Gesundheitsprogramme die krankheitsbedingten Kosten. Die Produktivität der Mitarbeiter und ihre Arbeitsmoral verbesserten sich.

Berry beschreibt, dass das Gesundheitsmanagement in allen untersuchten Unternehmen auf den gleichen Dingen basierte, die unabhängig von der Betriebsgröße umsetzbar sind. Er identifizierte sechs für den Erfolg entscheidende Faktoren:

  • In allen Firmen gab es engagierte Führungskräfte, die sich nicht nur beharrlich für die Gesundheitsprogramme einsetzten, sondern auch aktiv mitmachten . Nur so, sagt Berry, lassen sich die Mitarbeiter ebenfalls zur Teilnahme motivieren. Die Führungskräfte aller Ebenen sollten sich verantwortlich fühlen, also die Führungsetage ebenso wie das mittlere Management oder die Gesundheitsbeauftragten eines Unternehmens.
  • Das Gesundheitsprogramm muss zum Unternehmen passen, also sich an seiner Identität und seinen Zielen orientieren. Wichtig ist, genügend Zeit für die Umsetzung einzuplanen. Die Firma Healthwise zum Beispiel informiert regelmäßig über die aktuellen Angebote, initiiert jährlich einen Gesundheitstag für alle Mitarbeiter, sponsert die gesunde Ernährung im Unternehmen.
  • Um von den Mitarbeitern akzeptiert zu werden, sollten die Gesundheitsprogramme einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen, möglichst individuell auszurichten sein und motivieren. Eine Firma aus Berrys Studie bietet ihren Mitarbeitern und deren Angehörigen zu diesem Zweck eine kostenlose Rund-um-die-Uhr-Seelsorge an.
  • Nutzerfreundlichkeit ist ebenso wichtig. Das Gesundheitsprogramm sollte einfach und kostengünstig zu nutzen sein. Fitnesscenter sollten zum Beispiels über attraktive Öffnungszeiten – auch am Wochenende – und wechselnde Angebote verfügen.
  • Für ein effektives Gesundheitsprogramm müssen zudem nicht nur interne Experten verantwortlich zeichnen. Externe Dienstleister können neue Anregungen einbringen. Ein Einzelhandelsunternehmen aus Berrys Untersuchung beschäftigt beispielsweise einen externen Dienstleister, der mit Laborbussen durchs Land fährt, damit die Mitarbeiter an den verschiedenen Standorten an Gesundheitsuntersuchungen teilnehmen können.
  • Schließlich ist eine effektive Kommunikation wichtig. Die Führungskräfte müssen auf die Mitarbeiter eingehen. Welche Form sich dazu am besten eignet, ob Intranet, Videos, Rundmails oder andere, ergibt sich oft aus den geografischen oder kulturellen Besonderheiten des Unternehmens.

Das Unternehmen Johnson&Johnson, Teilnehmer der Untersuchung, sieht die Gesundheitsprogramme mittlerweile als strategische Notwendigkeit. Durch sie sparte es innerhalb von zehn Jahren rund 250 Millionen Dollar an Gesundheitsausgaben ein.

Weitere Studien bestätigen die positiven Effekte der betrieblichen Gesundheitsvorsorge. So stellte eine Untersuchung der Unternehmensberatung Towers Watson fest, dass die Kündigungsrate in Betrieben mit effektiven Gesundheitsprogrammen nur neun Prozent betrug und damit deutlich niedriger lag als in anderen Unternehmen. Das Softwareunternehmen SAS senkte die Quote sogar auf nur vier Prozent.