GesundheitsvorsorgeFitte Mitarbeiter machen sich bezahlt

Unternehmen, die in die Gesundheit ihrer Angestellten investieren, können viel gewinnen. Sabine Hockling zeigt, was gute Vorsorgeprogramme kennzeichnet. von 

Gesundheitscheck bei Ferrari im italienischen Maranello

Gesundheitscheck bei Ferrari im italienischen Maranello  |  © Gabriel Bouys/AFP/Getty Images

Jedes Unternehmen sollte seinen Beschäftigten Möglichkeiten zur Gesundheitsvorsorge bieten. Wie nötig das ist, liegt auf der Hand; schließlich werden die Arbeitnehmer im Durchschnitt durch den demografischen Wandel immer älter . Gute Gesundheitsprogramme bringen darüber hinaus weitere Vorteile für den Betrieb. Durch sie können die Anzahl der Fehltage reduziert und so Kosten gesenkt werden. Zudem bleiben gesunde Mitarbeiter , denen ihr Arbeitgeber Möglichkeiten zur Vorsorge bietet, diesem eher treu.

Eine Führungskraft, die Gesundheitsprogrammen keine Bedeutung beimisst, setzt die Ressourcen ihres Unternehmens deshalb nicht sinnvoll ein. Die Schwierigkeit besteht darin, ein gutes und zum Unternehmen passendes Programm zu entwickeln. Modernes Gesundheitsmanagement ist mehr als die kostenlose oder subventionierte Mitgliedschaft in einem Fitnessclub.

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Leonard L. Berry, Marketingprofessor an der Mays Business School der Texas A&M University, hat betriebliche Gesundheitsprogramme verglichen. Er analysierte, was zehn Unternehmen aus verschiedenen Branchen für die Gesundheit ihrer Beschäftigten taten.  

Sabine Hockling
Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Mit Ulf Weigelt schrieb sie den Ratgeber Arbeitsrecht. Seit 2011 ist sie Autorin der Serie Chefsache. Seit 2014 im neuen Format: Immer freitags spricht sie mit der Managerin Linda Becker über Führungsfragen. Hockling bloggt mit Tina Groll unter diechefin.net, der Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

In allen Firmen sanken durch die Gesundheitsprogramme die krankheitsbedingten Kosten. Die Produktivität der Mitarbeiter und ihre Arbeitsmoral verbesserten sich.

Berry beschreibt, dass das Gesundheitsmanagement in allen untersuchten Unternehmen auf den gleichen Dingen basierte, die unabhängig von der Betriebsgröße umsetzbar sind. Er identifizierte sechs für den Erfolg entscheidende Faktoren:

  • In allen Firmen gab es engagierte Führungskräfte, die sich nicht nur beharrlich für die Gesundheitsprogramme einsetzten, sondern auch aktiv mitmachten . Nur so, sagt Berry, lassen sich die Mitarbeiter ebenfalls zur Teilnahme motivieren. Die Führungskräfte aller Ebenen sollten sich verantwortlich fühlen, also die Führungsetage ebenso wie das mittlere Management oder die Gesundheitsbeauftragten eines Unternehmens.
  • Das Gesundheitsprogramm muss zum Unternehmen passen, also sich an seiner Identität und seinen Zielen orientieren. Wichtig ist, genügend Zeit für die Umsetzung einzuplanen. Die Firma Healthwise zum Beispiel informiert regelmäßig über die aktuellen Angebote, initiiert jährlich einen Gesundheitstag für alle Mitarbeiter, sponsert die gesunde Ernährung im Unternehmen.
  • Um von den Mitarbeitern akzeptiert zu werden, sollten die Gesundheitsprogramme einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen, möglichst individuell auszurichten sein und motivieren. Eine Firma aus Berrys Studie bietet ihren Mitarbeitern und deren Angehörigen zu diesem Zweck eine kostenlose Rund-um-die-Uhr-Seelsorge an.
  • Nutzerfreundlichkeit ist ebenso wichtig. Das Gesundheitsprogramm sollte einfach und kostengünstig zu nutzen sein. Fitnesscenter sollten zum Beispiels über attraktive Öffnungszeiten – auch am Wochenende – und wechselnde Angebote verfügen.
  • Für ein effektives Gesundheitsprogramm müssen zudem nicht nur interne Experten verantwortlich zeichnen. Externe Dienstleister können neue Anregungen einbringen. Ein Einzelhandelsunternehmen aus Berrys Untersuchung beschäftigt beispielsweise einen externen Dienstleister, der mit Laborbussen durchs Land fährt, damit die Mitarbeiter an den verschiedenen Standorten an Gesundheitsuntersuchungen teilnehmen können.
  • Schließlich ist eine effektive Kommunikation wichtig. Die Führungskräfte müssen auf die Mitarbeiter eingehen. Welche Form sich dazu am besten eignet, ob Intranet, Videos, Rundmails oder andere, ergibt sich oft aus den geografischen oder kulturellen Besonderheiten des Unternehmens.

Das Unternehmen Johnson&Johnson, Teilnehmer der Untersuchung, sieht die Gesundheitsprogramme mittlerweile als strategische Notwendigkeit. Durch sie sparte es innerhalb von zehn Jahren rund 250 Millionen Dollar an Gesundheitsausgaben ein.

Weitere Studien bestätigen die positiven Effekte der betrieblichen Gesundheitsvorsorge. So stellte eine Untersuchung der Unternehmensberatung Towers Watson fest, dass die Kündigungsrate in Betrieben mit effektiven Gesundheitsprogrammen nur neun Prozent betrug und damit deutlich niedriger lag als in anderen Unternehmen. Das Softwareunternehmen SAS senkte die Quote sogar auf nur vier Prozent.

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Leserkommentare
  1. nichts einzuwenden, mich stört nur die Motivation der Firmen - wie üblich wird mit den Gewinnen argumentiert. Reine Menschenfreundlichkeit und Fürsorge für die Arbeitnehmer (es gibt eine Fürsorgepflicht) steckt also wohl nicht dahinter.
    Zu fragen wäre auch, was mit den Mitarbeitern passiert, bei denen trotz Training etc. die Gesundheit nicht mehr mitspielt; sie können zwar noch arbeiten, werden aber nicht mehr fitter - werden die dann schon mal prophylaktisch 'freigesetzt'?
    Mich stört außerdem der 'Selbstoptimierungswahn', der hier mit hineinspielt - Menschen werden nun einmal älter und oft auch kränker und sind weniger leistungsfähig - und irgendwann ereilt sie der Tod. Man kann sich zwar einbilden, dem zu entgehen, aber das hat noch keiner wirklich geschafft.

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    • NeoZech
    • 29. Dezember 2012 2:37 Uhr

    dass die Beispiele im Artikel aus den USA sind. Euch ist schon klar, dass dort die Gesundheitsversicherung meist über die Unternehmen läuft und diese daher im Krankheitsfall höhere Kosten haben? Anders gesagt: so wichtig das Thema auch ist, die Begründung kann nicht die genannte Studie sein.

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