PersonalführungLassen sich Ideen managen?

Ideenmanagement fördert kreative Problemlösungen von den eigenen Mitarbeitern. Doch einfach nur Vorschläge einfordern, reicht nicht. Worauf es ankommt, zeigt S. Hockling. von 

Jedes Unternehmen hat kluge Köpfe und ist auf die Ideen der Mitarbeiter angewiesen. Beim Autobauer BMW beispielsweise reichen die deutschen Arbeitnehmer jährlich etwa 25.000 Ideen ein, bei VW sind es gar rund 400.000 Vorschläge pro Jahr, Siemens setzt jährlich an die 100.000 Mitarbeiterideen um. Allen gemein sind Einsparungen: Siemens zum Beispiel führte 1997 ein modernes Ideenmanagement ein und hat seitdem rund 1,5 Millionen Vorschläge umgesetzt – und so an die drei Milliarden Euro eingespart.

Wie aber kommt ein Unternehmen an die Ideen der Mitarbeiter?

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Ein Briefkasten vor der Kantine, in den die Belegschaft ihre Ideen einwerfen kann, reicht nicht aus. Auch die Möglichkeit, im Intranet einen Vorschlag einzutragen, kann sinnvoll sein, schöpft das Potenzial der gesamten Belegschaft aber nicht voll aus.

Ein modernes Ideenmanagement sammelt das Wissen, bietet gleichzeitig aber auch Raum für abgehobene Ideen und Visionen. Der Hamburger Werber Konstantin Jacoby beispielsweise klapperte alle vier Wochen seine Abteilungen ab und gab so jedem Mitarbeiter die Möglichkeit, ihm persönlich Vorschläge zu präsentieren. Der Konzern Disney macht es ähnlich. Um Mitarbeiter zu Ideen zu bewegen und so den Innovationsprozess im Unternehmen voranzutreiben, können sie dem CEO Robert Iger oder einem anderen Vorgesetzten ihren Vorschlag persönlich präsentieren.

Eigene Ideen umsetzen motiviert

Dieses Vorgehen motiviert viele Mitarbeiter. Problematisch dabei ist allerdings, dass zum einen nicht jeder Angestellte den Mut hat, vor dem Big Boss zu sprechen. Auch ist nicht jede Idee gleich präsentationsreif.

Sabine Hockling
Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Mit Ulf Weigelt schrieb sie den Ratgeber Arbeitsrecht. Führungskräften gibt sie in der Serie Chefsache Tipps zur Mitarbeiterführung. Sie bloggt mit Tina Groll unter diechefin.net, der Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

Wichtig ist, die Zugangshürden zu senken. Führungskräfte sollten ihre Mitarbeiter immer mal wieder dazu aufrufen, sich entweder alleine oder im Team mit einem aktuellen Problem und dessen Lösung auseinanderzusetzen. So werden auch Mitarbeiter ins Boot geholt, die sonst nicht selbst aktiv würden. Die Methode ist auch ein Signal an das Team, dass Lösungsvorschläge von allen willkommen sind – und eben nicht nur reine Chefsache.

Einen anderen Weg hat ein großes Telekommunikationsunternehmen gewählt: Die Führungskräfte lobten bei der Problemlösung weder eine Prämie aus, noch senkten sie die Zugangsbarrieren. Ganz im Gegenteil, jeder Mitarbeiter, der sich mit dem Problem auseinandersetzen wollte, musste zunächst einen kurzen Bericht über seine Motivation verfassen und diesen mit ersten Vorschlägen einreichen. Das klingt nach vielen Hürden und als würden die Mitarbeiter abgeschreckt. Doch das Gegenteil war der Fall: Es fanden sich nicht nur Mitarbeiter, die diesen Bewerbungsweg gingen, es fand sich am Ende auch eine Gruppe, die sich des Problems annahm.

Welcher Weg sich für welche Firma eignet, kann das Management ausprobieren. Doch wie geht ein Unternehmen vor, wenn die guten Ideen unterbreitet wurden?

Nun beginnt die eigentliche Arbeit erst, denn aus Einzelkämpfern muss ein Team geformt werden, das gut zusammenarbeiten kann. Denn wie schon Bertolt Brecht feststellte: "Alle großen Ideen scheitern an den Leuten."

Kreative Teams bestehen in der Regel aus verschiedenen Typen (dem Kreativen, dem Analysten, dem Peniblen und so weiter) und Temperamenten (da ist der Kommunikative, der Dominate, der Sensible, der Chaot und so weiter), die unter einen Hut zu bringen sind. Notwendig sind daher klare Strukturen, umsetzbare Ziele, ein abgesteckter Zeitrahmen sowie genaue Kompetenzverteilungen.

Die Geschäftsführung muss es ernsthaft umsetzen

Eine wichtige Aufgabe im Umsetzungsprozess ist die Kommunikation, die Raum für Meinungen, Auseinandersetzungen, Visionen und vor allem auch Spinnereien bietet – um eingefahrene Denkmuster zu vermeiden und die Fantasie anzuregen.

Selbstverständlich braucht es auch das nötige Fachwissen, einfache Bewertungsregeln für Ideen sowie eine Geschäftsführung, die ein modernes Ideenmanagement ernsthaft umsetzen und die Kreativität im Unternehmen wirklich fördern möchte. Doch die Beispiele zeigen: Ideenmanagement kann sich lohnen.

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Leserkommentare
    • Lyaran
    • 07. Dezember 2012 11:47 Uhr

    ... mit einer Beförderung? Auf den Posten von dem "Top-Manager" der eigentlich eine hohes Gehalt dafür bekommt mit neuen Ideen das Unternehmen zu führen.

  1. 2. [...]

    Entfernt, da Werbung. Die Redaktion/mak

  2. 3. Ideen

    entstehen bei starker Verliebtheit, unter Drogen, im Sommer am See, bei manchen im Suff oder zusammen mit Kindern. Am Arbeitsplatz würde ich sowas systemkonformes Ergebnisdenken nennen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Noch nie eine Idee bei der Arbeit gehabt? Wie schade - 8 (oder mehr?) verlorene Stunden pro Arbeitstag. Sie tun mir leid.

  3. Noch nie eine Idee bei der Arbeit gehabt? Wie schade - 8 (oder mehr?) verlorene Stunden pro Arbeitstag. Sie tun mir leid.

    Antwort auf "Ideen"
  4. Ich arbeite auch in einem attraktiven Großunternehmen, daß Verbesserungsvorschläge, Ideen und technische Innovationen der Mitarbeiter umsetzen will.
    Grundsätzlich habe ich in meiner Position als Angestellte keinen Entscheidungsfreiraum oder permissions und muß alles über die Teamleiterin abwickeln, was über meinen normalen Aufgabenbereich hinausgeht.
    Sollte ich mich doch einmal im Rahmen meiner Möglichkeiten 'darüber hinwegsetzen' (ohne anzuecken und dem TL das Gefühl des übergangen worden sein zu geben) lobt die Firma Preise für Empowerment aus.
    Kuriose amerikanische Arbeitswelt...

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  • Schlagworte BMW | Siemens AG | Bertolt Brecht | Boss | Disney | Führungskraft
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