PersonalführungWas Mitarbeiter wirklich motiviert

Geld ist eine Methode, seine Mitarbeiter zu motivieren. Doch am wichtigsten ist die generelle Leistungsbereitschaft der Arbeitnehmer. von Ferdinand Knauß

Für Ökonomen ist es eine Selbstverständlichkeit: Geld motiviert. Die üblichen ökonomischen Modelle gehen davon aus, dass nur derjenige engagiert und mit vollem Einsatz arbeitet, der sich davon eine optimale Vergütung verspricht. In der Sprache der politischen Propaganda heißt das dann: Leistung muss sich lohnen. Das ist nicht radikal falsch, aber es ist eine Verengung der vielen Quellen der Motivation von arbeitenden Menschen.

Wenn man die Menschen fragt, was sie antreibt, dann kommt heraus, dass nicht Geld die wichtigste Rolle spielt, sondern Faktoren, die man nicht in Euro und nicht in anderen Größen bemessen kann. Das Gehalt findet sich erst auf dem dritten Platz der Motivatoren, wie eine repräsentative Studie der Beratungsgesellschaft Hay Group feststellt. 18.000 Menschen haben sich daran in Deutschland beteiligt.

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Ein "kollegiales Umfeld" und ein "erfüllender Job" motiviert die meisten Menschen mehr als ein "angemessenes Gehalt". An vierter und fünfter Stelle folgen eine "gute Führungskraft" und "genügend Entscheidungsfreiräume". Ein "schlechtes Arbeitsklima" , eine "Aufgabe, die keinen Spaß macht", und eine "schlechte Führungskraft, die mich nicht fördert und mich nicht fair behandelt", sind dementsprechend die wichtigsten Kündigungsgründe. Erst an vierter Stelle kommt ein "zu niedriges Gehalt". Managementberater und Buchautor Reinhard Sprenger ("Mythos Motivation") dürfte sich bestätigt fühlen. Er rät Arbeitgebern von Geld als Lockstoff ab: "Wer für Geld kommt, geht auch für Geld."

"Wer für Geld kommt, geht auch für Geld"

Aus Sicht der Controler und Finanzvorstände ist das eine gute Nachricht. Unternehmen müssen also nicht zwingend mehr Geld bieten, um ihre Mitarbeiter zu mehr Leistung zu motivieren. Zufriedenheit ist ihnen lieber. Aber was können Arbeitgeber tun, um die herzustellen?

Eine altbewährte und zudem besonders preiswerte Art seine Mitarbeiter zu motivieren, ist Lob: Ein gut formuliertes, persönliches Kompliment, ein handgeschriebener Zettel, ein kurzer Anruf, vielleicht in der richtigen Situation sogar ein Schulterklopfen.

Norihiro Sadato vom National Institute for Physiological Sciences glaubt, dass Komplimente mindestens ebenso anspornen wie Geld. In seinem Experiment sollten 48 Probanden ihre Fingerfertigkeiten auf einer Tastatur perfektionieren und dazu neue Techniken üben. Anschließend wurden sie in drei Gruppen unterteilt: In der ersten wurde jeder Teilnehmer für seine jeweiligen Lernerfolge individuell mit einem Kompliment bedacht. In der zweiten Gruppe sahen die Probanden zu, wie einem anderen Teilnehmer ein Kompliment gemacht wurde. Die dritte Gruppe wiederum sah sich die Gruppen-Lernerfolge nur als Grafik an.

Als die Probanden das Gelernte zeigen sollten, schnitt die erste Gruppe der individuell Gelobten mit Abstand am besten ab. Sadato erkennt darin eine stimulierende Wirkung von Lob auf spätere Leistung. Er ist nicht der erste Psychologe, der solche Beobachtungen machte. Albert Bandura, einer der berühmtesten Vertreter seiner Zunft, hat beobachtet, dass gelobte Menschen sich höhere Ziele stecken und sich diesen stärker verpflichtet fühlen, als ungelobte.

Leserkommentare
  1. Erinnert mich an einen Ex-Chef, der mal zu mir sagte "Sie müssen sich erst mal verdienen, was Sie hier verdienen."

    Ich war so schockiert, dass ich wochenlang nur noch tatenlos auf meinen Monitor starren konnte... dann wußte ich, ich muss weg aus dieser Firma.

    9 Leserempfehlungen
    • ibsche
    • 11. Januar 2013 11:47 Uhr

    Arbeit muss für den Arbeitenden einen Sinn ergeben und Lob sollte es wir für alle Mitarbeiter in Form eines anständigen Gehaltes geben. Das ganze natürlich in einer lebensfreundlichen Umgebung, nur dann kann
    Arbeiten auch Spaß machen.
    Wer Lob in Form von Worten benötigt ( und ich meine hier nicht Selbstverständlichkeiten im Umgang wie z.B. „Danke“ und “ Bitte“),bei dem liegt meines Erachtens ein Defizit des Selbstwertgefühles vor.
    Außerdem erhöht es den Lobenden zu einer höherrangigen Person, die es de facto nicht gibt, auch wenn sie eine höhere Gehaltsstufe besitzt.
    Denn Lob wirkt ja seltsamerweise nicht, wenn es von einer im Betrieb niedrig gestellten Person ausgeteilt wird. Wir folgen hier häufig Verhaltens-
    Mustern aus der Kindheit, weil man als Kind auf die Zuwendung der Eltern angewiesen war und daher immer angestrengt versuchte ein Lob der Eltern einzuheimsen.
    Es wäre natürlich zu schön für die AG, wenn sie endlich AN finden würden die sich für ein paar warme Worte abrackern. Der Artikel sollte nicht dazu führen, AG wieder zu neuen Möglichkeiten des Lohndumpings zu verführen.

  2. Sieht so aus als hätte jemand Daniel Pinks "Drive" oberflächlich gelesen und sich aber nicht getraut, weiter über die Folgen der Erkenntnisse nachzudenken bzw. darüber zu schreiben.

    • Infamia
    • 11. Januar 2013 13:19 Uhr

    Geld allein ist in der Tat kein Motivator. Ich könnte mehr verdienen, würde ich den Arbeitgeber wechseln. Aber das alleine ist es in der Tat nicht. Ich hatte schon Gehaltserhöhungen bekommen, deren Motivation schon nach wenigen Wochen verpuffte, weil das Umfeld einfach nicht stimmte.

    Wichtig sind eben auch ein respektvoller Umgang, echtes Interesse am Mitarbeiter, dessen Ideen, Vorstellungen ect. Auch sollte es möglich sein, Kritik zu üben, ohne dass dies gleich als Meckern/Jammern verstanden wird, sondern als Chance, dass der Mitarbeiter das Unternehmen nach vorne bringen will.

    Leider in unserer Zeit, wo Manager von irgendwelchen Inhabern oder Vorständen berufen werden, immer seltener. Meist hat man es doch mit überbezahlten Erfüllungsgehilfen zu tun, die gewisse Vorgaben umsetzen sollen, auch wenn diese nicht zum gewünschten Ergebnis führen, weil die Menschen an der Basis (man nennt sie auch Mitarbeiter) nicht gefragt werden, was der Markt wirklich braucht.

    Execute or be executed heißt da eher die Devise.

    5 Leserempfehlungen
    • Rudi01
    • 11. Januar 2013 14:15 Uhr

    ... (wie dieser Artikel zu vermitteln versucht), dann ist für mich nicht erklärlich, warum die Gehälter gerade in den obersten Etagen der Unternehmen weiter steigen, während unten "sparen" angesagt ist.

    Ich halte diesen und ähnliche Artikel für ziemlich plumpe Versuche, die Gehälter auf den unteren und mittleren Ebenen der Unternehmen einzufrieren.

    Ich möchte es mal so sagen: bei anständiger Leistung nicht anständig bezahlt zu werden, und mit billigen Floskeln abgespeist zu werden, ist so ziemlich der beste Demotivator, den man sich vorstellen kann.

    4 Leserempfehlungen
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    ...Geld ist in der Tat bestimmt nicht der einzige Motivator um Leistungsbereitschaft bzgl. einer Tätigkeit zu fördern.

    ...aber es ist ganz bestimmt auch nicht der unwichtigste...und wenn ich mir diesen speziellen ZEIT-Artikel mal wieder so zu Gemüte führe und ein wenig zwischen den Zeilen lese, dann sollte man als Fazit doch bitte festhalten:

    Geld ist nicht alleine der wichtigste Motivator für individuelle Leistungsbereitschaft, es zählen auch Spass an der Aufgabe und individuelles Lob. Das Vorhandensein dieser weiteren Faktoren ist aber nicht im Entferntesten ein Grund beim Faktor Geld noch weitere Selbstkasteiung zu fordern, eher das Gegenteil.

    If you pay peanuts, you get monkeys.

    Ich habe vor einiger Zeit mal gelesen, dass ab einem Einkommen von ca. 6000,-/ Monat Geld eine untergeordnete Rolle in der Mitarbeitermotivation spielt.

    Ich glaube solche psychologischen Pseudotheorien im Form von "Einkommen ist Nebensache" fahren einfach nur auf der Welle, da sich der durchschnittliche deutsche Angestellte bislang meist bedeckt hielt über sein Einkommen. Ich meine aber erkennen zu können, dass sich dieser Trend umkehrt.

    Vielleicht liegt das aber auch daran, dass Leute die derartige Theorien aufstellen selbst von der freien Wirtschaft so meilenweit entfernt sind, wie die Politikerkaste, die den Durchlauferhitzer des Bitkom-Fachkräftemangel-Mythos spielen. Oder für sie spielt einkommensbedingt Geld die eher zweite Geige.

    Jedenfalls nervt es immerzu von Dritten hören zu müssen, wie ich wohl ticke. Da scheint ja in fast allen Lebenslagen einige besser bescheid zu wissen als ich selbst. Arbeitsmentalität, Umweltbewusstsein, politische Gesinnung, ... Danke für die allumfassende tägliche Aufklärung.

    • me135
    • 11. Januar 2013 14:43 Uhr

    …ist laut einer relativ aktuellen Meta-Analyse nur marginal (1). Das ist ja gerade der Gag: man denkt, ein hohes Gehalt macht zufrieden, das tut es aber faktisch nicht. Das hat m.E. zwei Ursachen:

    - Stellen mit hohen Gehältern sind oft mit mehr Verantwortung, Stress, Machtkämpfen etc. verbunden.
    - Man neigt allgemein dazu, sich mit dem zu begnügen, was man hat. Bei geringem Gehalt und wenig Aufstiegschancen, wird man irgendwann seine Ansprüche zurückfahren (sog. resignative Zufriedenheit).

    Bei Freelancern / freien Mitarbeitern ist das interessanterweise nicht so (2). Wenn diese wenig verdienen ist das unmittelbar existenzgefährdend und wirkt sich demnach stark auf die Zufriedenheit aus.

    (1) http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0001879110000722
    (2) http://www.iab.de/764/section.aspx/Publikation/k120329t03

    • TimmyS
    • 11. Januar 2013 14:55 Uhr

    Ich denke Respekt ein wichtiges Medien. Dabei muss der Respekt vertikal und horizontal in alle Richtungen gehen. Die Mitarbeiter müssen dem Führenden Respekt gegenüber bringen und andersherum auch. Aber auch zwischen den Mitarbeiter sollte das Team sich Respekt zollen. Dazu gehört, dass man sich eine ehrliche, mit konstruktiver Kritik besetzte Kommunikationskultur schafft.
    Denn im Endeffekt, so denke ich, will jeder in seinem Leben weiterkommen, dazu gehört oft, dass man lernt, dies gilt sowohl für den Chef als auch für die Mitarbeiter mit einer mit konstruktiver Kritik besetzter Kommunikationskultur können alle Seiten einander unterschiedliche Denkweisen lernen und ihre eigen Arbeit verbessern. So wird nicht nur der Chef zum lobenden für die Mitarbeiter sondern auch der Mitarbeiter zum lobenden für den Chef. Ich glaube daran, dass in der Beschäftigungswelt Teambildung und Teamdynamik wichtige Erfolgsfaktoren sind, und damit meine ich den Erfolg, dass alle hinter dem stehen was Unternehmen macht und damit eine Leidenschaft für die Projekte, die umgesetzt werden.

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  3. ...Geld ist in der Tat bestimmt nicht der einzige Motivator um Leistungsbereitschaft bzgl. einer Tätigkeit zu fördern.

    ...aber es ist ganz bestimmt auch nicht der unwichtigste...und wenn ich mir diesen speziellen ZEIT-Artikel mal wieder so zu Gemüte führe und ein wenig zwischen den Zeilen lese, dann sollte man als Fazit doch bitte festhalten:

    Geld ist nicht alleine der wichtigste Motivator für individuelle Leistungsbereitschaft, es zählen auch Spass an der Aufgabe und individuelles Lob. Das Vorhandensein dieser weiteren Faktoren ist aber nicht im Entferntesten ein Grund beim Faktor Geld noch weitere Selbstkasteiung zu fordern, eher das Gegenteil.

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