Personalführung : Was Mitarbeiter wirklich motiviert

Geld ist eine Methode, seine Mitarbeiter zu motivieren. Doch am wichtigsten ist die generelle Leistungsbereitschaft der Arbeitnehmer.

Für Ökonomen ist es eine Selbstverständlichkeit: Geld motiviert. Die üblichen ökonomischen Modelle gehen davon aus, dass nur derjenige engagiert und mit vollem Einsatz arbeitet, der sich davon eine optimale Vergütung verspricht. In der Sprache der politischen Propaganda heißt das dann: Leistung muss sich lohnen. Das ist nicht radikal falsch, aber es ist eine Verengung der vielen Quellen der Motivation von arbeitenden Menschen.

Wenn man die Menschen fragt, was sie antreibt, dann kommt heraus, dass nicht Geld die wichtigste Rolle spielt, sondern Faktoren, die man nicht in Euro und nicht in anderen Größen bemessen kann. Das Gehalt findet sich erst auf dem dritten Platz der Motivatoren, wie eine repräsentative Studie der Beratungsgesellschaft Hay Group feststellt. 18.000 Menschen haben sich daran in Deutschland beteiligt.

Ein "kollegiales Umfeld" und ein "erfüllender Job" motiviert die meisten Menschen mehr als ein "angemessenes Gehalt". An vierter und fünfter Stelle folgen eine "gute Führungskraft" und "genügend Entscheidungsfreiräume". Ein "schlechtes Arbeitsklima" , eine "Aufgabe, die keinen Spaß macht", und eine "schlechte Führungskraft, die mich nicht fördert und mich nicht fair behandelt", sind dementsprechend die wichtigsten Kündigungsgründe. Erst an vierter Stelle kommt ein "zu niedriges Gehalt". Managementberater und Buchautor Reinhard Sprenger ("Mythos Motivation") dürfte sich bestätigt fühlen. Er rät Arbeitgebern von Geld als Lockstoff ab: "Wer für Geld kommt, geht auch für Geld."

"Wer für Geld kommt, geht auch für Geld"

Aus Sicht der Controler und Finanzvorstände ist das eine gute Nachricht. Unternehmen müssen also nicht zwingend mehr Geld bieten, um ihre Mitarbeiter zu mehr Leistung zu motivieren. Zufriedenheit ist ihnen lieber. Aber was können Arbeitgeber tun, um die herzustellen?

Eine altbewährte und zudem besonders preiswerte Art seine Mitarbeiter zu motivieren, ist Lob: Ein gut formuliertes, persönliches Kompliment, ein handgeschriebener Zettel, ein kurzer Anruf, vielleicht in der richtigen Situation sogar ein Schulterklopfen.

Norihiro Sadato vom National Institute for Physiological Sciences glaubt, dass Komplimente mindestens ebenso anspornen wie Geld. In seinem Experiment sollten 48 Probanden ihre Fingerfertigkeiten auf einer Tastatur perfektionieren und dazu neue Techniken üben. Anschließend wurden sie in drei Gruppen unterteilt: In der ersten wurde jeder Teilnehmer für seine jeweiligen Lernerfolge individuell mit einem Kompliment bedacht. In der zweiten Gruppe sahen die Probanden zu, wie einem anderen Teilnehmer ein Kompliment gemacht wurde. Die dritte Gruppe wiederum sah sich die Gruppen-Lernerfolge nur als Grafik an.

Als die Probanden das Gelernte zeigen sollten, schnitt die erste Gruppe der individuell Gelobten mit Abstand am besten ab. Sadato erkennt darin eine stimulierende Wirkung von Lob auf spätere Leistung. Er ist nicht der erste Psychologe, der solche Beobachtungen machte. Albert Bandura, einer der berühmtesten Vertreter seiner Zunft, hat beobachtet, dass gelobte Menschen sich höhere Ziele stecken und sich diesen stärker verpflichtet fühlen, als ungelobte.

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Kommentare

18 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Arbeiten für schöne Worte sollte kein Konzept werden!

Arbeit muss für den Arbeitenden einen Sinn ergeben und Lob sollte es wir für alle Mitarbeiter in Form eines anständigen Gehaltes geben. Das ganze natürlich in einer lebensfreundlichen Umgebung, nur dann kann
Arbeiten auch Spaß machen.
Wer Lob in Form von Worten benötigt ( und ich meine hier nicht Selbstverständlichkeiten im Umgang wie z.B. „Danke“ und “ Bitte“),bei dem liegt meines Erachtens ein Defizit des Selbstwertgefühles vor.
Außerdem erhöht es den Lobenden zu einer höherrangigen Person, die es de facto nicht gibt, auch wenn sie eine höhere Gehaltsstufe besitzt.
Denn Lob wirkt ja seltsamerweise nicht, wenn es von einer im Betrieb niedrig gestellten Person ausgeteilt wird. Wir folgen hier häufig Verhaltens-
Mustern aus der Kindheit, weil man als Kind auf die Zuwendung der Eltern angewiesen war und daher immer angestrengt versuchte ein Lob der Eltern einzuheimsen.
Es wäre natürlich zu schön für die AG, wenn sie endlich AN finden würden die sich für ein paar warme Worte abrackern. Der Artikel sollte nicht dazu führen, AG wieder zu neuen Möglichkeiten des Lohndumpings zu verführen.