MotivationChefs setzen auf Überstunden

Jeder dritte Finanzchef glaubt, dass seine Mitarbeiter durch Überstunden zu besseren Leistungen motiviert werden. Doch das wirkt nur bei Karrierewilligen.

Überstunden sind in Finanzabteilungen an der Tagesordnung. Doch wirkt sich Mehrarbeit positiv auf die Arbeitsmoral der Mitarbeiter aus? Ein Drittel der CFOs ist dieser Meinung, wie eine Umfrage der Personalberatung Robert Half unter 2100 Finanzchefs in 13 Ländern zeigt.

40 Prozent der Mitarbeiter im Finanz- und Rechnungswesen arbeiten zwei bis dreimal in der Woche länger, jeder Zehnte verlässt sogar nie pünktlich das Büro. Doch nur 27 Prozent der Chefs befürchten dadurch negative Auswirkungen auf die Arbeitsmoral ihrer Mitarbeiter. 30 Prozent der befragten Finanzmanager sind vom Gegenteil überzeugt.

Studienautor Sladjan Petkovic von Robert Half gibt dafür eine einfache Erklärung: "Viele Chefs im Finanz- und Rechnungswesen interpretieren Überstunden als Zeichen freiwilliger Leistungsbereitschaft ehrgeiziger Mitarbeiter, die Karriere machen wollen". In der Praxis erlebe Petkovic zudem, dass Menschen, denen die Arbeit Spaß macht, sich in der Regel stärker am Ergebnis orientierten als an der benötigten Zeit. Entsprechend empfänden sie Überstunden meist nicht als Belastung. Petkovic rät Chefs eher dazu, neue Mitarbeiter einzustellen, als den vorhandenen dauerhafte Mehrarbeit abzuverlangen.

Zeichen freiwilliger Leistungsbereitschaft?

Nur sieben Prozent der befragten CFOs glauben allerdings, dass bezahlte Überstunden oder Zusatzleistungen die Produktivität des Unternehmens im vergangenen Jahr erhöht haben. Offenbar glauben also auch viele Freunde der Überstunden selbst nicht an den Erfolg.

Die meisten Chefs (49 Prozent) glauben, dass die Einstellung von zusätzlichem Personal – in Festanstellung oder auf Zeit – die beste Maßnahme für eine Produktivitätssteigerung ist. Als weitere Gründe für höhere Effizienz geben 39 Prozent der Befragten Investitionen in eine bessere technische Ausstattung und 33 Prozent eine Verbesserung der Arbeitsprozesse an.

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Erschienen in der Wirtschaftswoche

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Leserkommentare
  1. .... wen Chefs mal über einen klaren Plan für Ausführung und Entwicklung des Geschäfts nachdenken. Dann gibt es keine Überstunden und extrem motivierte Mitarbeiter.

    5 Leserempfehlungen
  2. "Nur sieben Prozent der befragten CFOs glauben allerdings, dass bezahlte Überstunden oder Zusatzleistungen die Produktivität des Unternehmens im vergangenen Jahr erhöht haben."

    Jeder Arbeitsplstz lässt sich heute auf seinen Mehrwert bestimmen, schade das immer noch Glauben die Wirtschaft Regiert. Nicht Analyse.

    Eine Leserempfehlung
  3. <em>Jeder dritte Finanzchef glaubt, dass seine Mitarbeiter durch Überstunden zu besseren Leistungen motiviert werden. Doch das wirkt nur bei Karrierewilligen.</em>

    Ich glaube, wenn ich länger Schnee schippe, bekomme ich mehr Gehwege frei. Allerdings nur dann, wenn auch Schnee liegt.

    Finanzmanager sollten Finanzen managen, anstatt Mitarbeiter. :)

    8 Leserempfehlungen
    • Yuminae
    • 14. Januar 2013 12:46 Uhr

    Die Chefs müssen sich irgendwann umgucken. Die Ressource: Mitarbeiter wird früher oder später so ungeheuerlich wertvoll sein in manchen Bereichen, dass eine Verschwendung mit dieser kaum nachvollziehbar ist.

    Mittlerweile gibt es immer mehr Manager, denen auffällt, dass die heutige Generation keine Lust mehr hat Karriere unter solchen Bedingungen zu machen, welche teilweise gefordert werden.

    Ein ehemaliger Schulkollege kam auch mit gutem Ergebnis aus dem BWL Studium, fing an als Projektmanager bei einem großen Unternehmen: 10 Stunden? Wohl eher 12 Stunden Arbeit. Vor seinem 30. Lebensjahr war er bereits über ein halbes Jahr krank wegen Burn-out. Mittlerweile arbeitet er nie mehr als 10 Stunden und braucht trotzdem immer wieder eine Krankschreibung.

    Effektiv scheinen Überstunden nicht zu sein. Ganz zu schweigen, dass das Privatleben absolut auf der Strecke bleibt und sich niemand dann bitte aus der Wirtschaft fragen sollte warum denn keiner Kinder mehr bekommt. Die Zukunft liegt in dem Begriff (den ich zwar nicht mag, aber es sonst keinen treffenderen gibt):Work-Life-Balance.

    Privatleben und Berufsleben muss ausgeglichen sein. Ob nun durch Technologisierung oder gute Arbeitszeitorganisation oder andere Ideen zur Erholung der menschlichen Psyche - es wird Zeit das Thema ernsthaft Chefs mal näherzubringen. Niemand kann sich Krankheiten durch psychische Belastungen leisten - und sie steigen enorm an!

    Zum Schluss noch: Ich arbeite um zu leben, und lebe nicht um zu arbeiten.

    8 Leserempfehlungen
  4. Welcher Mensch wird denn dadurch zu besserer und/oder höherer Leistung motiviert ? Von welchem Planeten muss man kommen, um eine solche Denke zu entwickeln ?
    Wer meint meine Arbeit nicht wertschätzen (in Form von Geld)zu müssen, der muss damit rechnen, daß ich das Arbeitsverhältnis nicht mehr wertschätze (drücken, wo es nur geht)!
    Vale Corporate Identity !

    2 Leserempfehlungen
  5. "Wenn der Arbeitnehmer ein paar Überstunden macht, dann glaubt er, er sei wichtig und unersetzbar, da er ja freiwillig mehr arbeitet. Damit wir ihn nicht ersetzen, arbeitet er seine Überstunden und glaubt, er sei wichtig...."

    Das Gefühl wichtig zu sein bzw. Wichtigkeit zu erlangen, ist groß. Bei allen Menschen. Die Chefs haben sich das zunutze gemacht.

    Widerlich ist es trotzdem und einen Job ohne bezahlte Mehrarbeit schieße ich in den Wind.

  6. Hohe Motivation und Identifikation mit der Arbeit führen zu Überstundenbereitschaft.

    Das muß nicht nur nachteilig sein, Spaß an der Arbeit ist ja durchaus ein Wert an sich. (Dudes haben da möglicherweise eine andere Sichtweise)

    Dass Vorgesetzte hier eine eigene Brille aufhaben, ist aber auch ganz klar:
    Besonders willkommen ist die intrinsische Motivation, die ohne Bezahlung auskommt. Prämien und Gehaltserhöhung verpuffen ganz schnell, intrinsische Motivation hält an und an und an und an...

    Antwort auf "Uiuiuiuiuiui"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    intrinsische Motivation, die meist aus egoistischen Motiven geschöpft wird (ich bin wichtig, ich werde gelobt und das gibt mir ein gutes Gefühl...) und ja ich weiß dass der Mensch ein Ego-Wesen ist ;)

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  • Schlagworte Chef | Einstellung | Karriere | Personal | Personalberatung | Produktivität
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