Kranke Mitarbeiter : Wann entfällt die Lohnfortzahlung?

Erst hatte der Mitarbeiter Grippe, jetzt ist er mit einem neuen Infekt dauerkrank. Wie lange muss der Chef den Lohn zahlen? Antwort gibt der Jurist Ulf Weigelt.

Einer unserer Angestellten ist sechs Wochen krankgeschrieben. Nun hat er eine weitere Krankheit. Verlängert sich jetzt meine Pflicht, für maximal sechs Wochen das Gehalt zu zahlen um weitere sechs Wochen (weil es eine weitere, neue Krankheit ist)?, fragt Gerlinde Winter.

Sehr geehrte Frau Winter,

erkrankt einer Ihrer Mitarbeiter, sind Sie verpflichtet, ihm für die Zeit der Arbeitsunfähigkeit das Gehalt weiterzuzahlen, allerdings für maximal sechs Wochen, was sich aus dem Entgeltfortzahlungsgesetz ergibt.

Kommt während seiner Arbeitsunfähigkeit allerdings eine weitere Krankheit hinzu, die auch allein Ursache der bereits andauernden Arbeitsunfähigkeit sein kann, wird diese neue Krankheit auf die Sechs-Wochen-Frist angerechnet.

Das heißt, Sie als Arbeitgeber sind in jedem Fall verpflichtet, zunächst nur für sechs Wochen das Gehalt zu zahlen. Anschließend tritt die Krankenversicherung in Kraft und zahlt das (reduzierte) Krankengeld – egal, ob die weitere Krankheit die ursprüngliche Krankenzeit von sechs Wochen verlängert.

Ulf Weigelt

Ulf Weigelt ist Anwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Auf ZEIT ONLINE beantwortet er jeden Mittwoch in der Serie "Da staunt der Chef" Leserfragen zum Arbeitsrecht. Die Serie ist auch als E-Book erschienen. Weigelt hat mit Sabine Hockling auch den Ratgeber Arbeitsrecht geschrieben.

Eine neue Anspruchsdauer im Rahmen einer neuen Sechs-Wochen-Frist beginnt nur, wenn Ihr Mitarbeiter zwischen den Krankheiten arbeitsfähig ist. Das bedeutet allerdings nicht, dass er auch tatsächlich zur Arbeit erschienen sein muss. Wenn er beispielsweise an einem Mittwoch wieder gesund ist, sein Dienst jedoch erst am Freitag nach dem Dienstplan beginnt, ihm aber am Donnerstag etwas zustößt, ist er zwischen den Krankheiten arbeitsfähig gewesen. Das Arbeitsrecht geht in solchen Fällen von zwei selbstständigen Krankheiten aus.

Die Folge: Die Sechs-Wochen-Frist beginnt erneut zu laufen.

Ihr Ulf Weigelt

Verlagsangebot

Der ZEIT Stellenmarkt

Jetzt Jobsuche starten und Stellenangebote mit Perspektive entdecken.

Job finden

Kommentare

12 Kommentare Kommentieren

ohne Einschränkung?

"denn das EntgFG gilt für jegliches Arbeitsverhältnis, also auch bei Minijobs und zwar ohne Einschränkung, bloß wissen leider die wenigsten ArbN von dieser Tatsache."

Auch, wenn ich eine Adhoc-Arbeit verrichte, bei der ich immer erst einen Tag im Voraus von meinem Einsatz erfahre und nach dem dann die geleistete Arbeitszeit als Grundlage für die Bezahlung herangezogen wird? Das kann doch nicht sein. Wer soll überprüfen, ob ich eingesetzt würde sofern ich gesund wäre? Sofern das dann mehr oder weniger willkürlich vom Gericht entschieden werden darf, verdiene ich unter Umständen ja im Krankenbett mehr als wenn ich gearbeitet hätte. Gibt's das?

oblatendünnes Halbwissen

Genießen Sie meine Antwort mit der gebotenen Vorsicht (keine Rechtsberatung ;-)), da ich mich nicht wirklich auskenne. Aber ich meine, bei adhoc-Arbeiten ebenso wie bei sehr unregelmäßigen Einsätzen wird nach den durchschnittlichen Arbeitszeiten in der Vergangenheit gegangen. Das wird dann per Dreisatz auf den einzelnen Tag umgebrochen. Also wenn eine Aushilfe in einem großen schwedischen Bekleidungsgeschäft normalerweise auf 15 Std. in der Woche kommt (natürlich mit Schwankungen), dann wird sie im Krankheitsfall auch 15 Std./Woche Lohnfortzahlung erhalten. Wenn sie ausgerechnet in einer Woche vor Weihnachten krank wird, wo sie in den letzten fünf Jahren IMMER 30 Std. gearbeitet hat, wird der AG wohl nicht um die 30 Std. herumkommen. Auch aus diesem Grunde ist eine Dokumentation der eigenen Einsatzzeiten sinnvoll.

Versicherung

Ich habe da auch widersprüchliche Ansichten erlebt. In einem (großen) Unternehmen teilte man mir mit, wenn man sich selbst schon vor Ablauf der Krankschreibung gesund fühle, dürfe man arbeiten kommen. Bei meinem jetzigen AG (ÖD) hingegen wurde ich direkt nach Hause gescheucht (wollte bei Abgabe der AU noch schnell was fertigmachen), weil ich krankgeschrieben nicht versichert sei, wenn mir was zustöße.

Was ist richtig?