PrivatlebenMuss ich das Autoleasen dem Arbeitgeber melden?

Der Bankangestellte will privat ein Auto leasen. Sein Chef will, dass ihm der Leasingvertrag gemeldet wird. Ob er das verlangen darf, klärt Arbeitsjurist Ulf Weigelt. von 

Ich bin Bankmitarbeiter und möchte mir ein Auto leasen. Mein Arbeitgeber verlangt von mir, ihm das Leasing zu melden. Seine Begründung für die Kontrolle: Ich soll unseren Kunden ein Vorbild sein und mich nicht verschulden. Ist das rechtens?, fragt Jens Pfandmeier.

Sehr geehrter Herr Pfandmeier,

die Erklärung Ihres Arbeitgebers ist für mich nicht wirklich nachvollziehbar. Es geht ihn zunächst einmal grundsätzlich nichts an, welche Finanzierungsmöglichkeiten Sie als Privatperson in Anspruch nehmen. Ihr Arbeitgeber kann Ihnen keine außerdienstlichen Verhaltenspflichten vorschreiben.

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Ulf Weigelt
Ulf Weigelt

Ulf Weigelt ist Anwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Auf ZEIT ONLINE beantwortet er jeden Mittwoch in der Serie "Da staunt der Chef" Leserfragen zum Arbeitsrecht. Die Serie ist auch als E-Book erschienen. Weigelt hat mit Sabine Hockling auch den Ratgeber Arbeitsrecht geschrieben.

Ist in Ihrem Arbeits-, Tarifvertrag oder einer Betriebsvereinbarung keine Klausel hierzu ausdrücklich und unmissverständlich festgeschrieben, die Sie verpflichtet, Ihre finanzielle Lage offenzulegen, müssen Sie den Arbeitgeber nicht über den Leasingvertrag informieren.

Ich kann außerdem seine Begründung nicht nachvollziehen, sie scheint mir widersprüchlich zu sein. Sie werden ja sicherlich nicht Kunden von Ihren Verbindlichkeiten berichten.

Im Übrigen hat die Bank ja auch ein Interesse daran, Finanzierungsgeschäfte abzuwickeln.

Ihre Frage berührt allerdings ein wichtiges Thema: Welche Folgen hat das außerdienstliche Verhalten?

Vorsichtig sollten Arbeitnehmer immer sein, wenn sie in ihrer Freizeit öffentlich stark alkoholisiert auftreten oder durch einen unsittlichen Lebensstil auffallen. Hier kann das außerdienstliche Verhalten tatsächlich dem Ruf eines Unternehmens schaden – erst recht, wenn der Mitarbeiter in einer gehobenen Position tätig ist. Ähnliches gilt für die Verschwiegenheitspflicht.

"Da staunt der Chef"

Was ist erlaubt, was nicht? Der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt gibt Antworten auf Nutzerfragen. Jede Woche, immer mittwochs in der Arbeitsrechtskolumne "Da staunt der Chef".

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Im schlimmsten Fall droht eine ordentliche oder gar außerordentliche Kündigung.

Ihr Ulf Weigelt

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Leserkommentare
    • Flip129
    • 23. Januar 2013 17:51 Uhr

    Ohne irgendwelche Ahnung vom Arbeitsrecht:

    Die Begründung der Bank passt doch vorne und hinten nicht. Das Leasinggeschäft ist im Vergleich zu einem Direktkauf doch gerade deshalb so attraktiv, weil der Kaufpreis eben nicht auf einmal gezahlt werden muss und man so eine Verschuldung umgehen kann. Hinzu kommt, dass man den überproportionalen Werteverlust eines Neuwagens nicht tragen muss!

    Wenn mir die Bank als mein Arbeitgeber also schon das Leasing verbieten würde, und ein Autokauf für mich noch teurer käme, dann bliebe mir eigentlich nur Bahnfahren.

    Und das ist ja auch nicht wirklich billig...

    • Boono
    • 23. Januar 2013 18:33 Uhr

    mit solchen Mätzchen kommen würde, hätte er wenig später die Kündigung auf dem Tisch.
    Wo bleibt da eine vertrauensvolle Zusammenarbeit?

    2 Leserempfehlungen
    • dp80
    • 23. Januar 2013 18:34 Uhr

    "Vorsichtig sollten Arbeitnehmer immer sein, wenn sie in ihrer Freizeit öffentlich stark alkoholisiert auftreten oder durch einen unsittlichen Lebensstil auffallen."

    Bitte? Manchmal ist die Juristerei schon sonderbar. Wer definiert nun den unsittlichen Lebensstil? Reicht schon eine Geliebte neben der Ehe? Oder muss es gleich ein Bordellbesuch sein? Oder eher Sado Maso und Darkroom? Darf ich dann nicht mehr mein Recht auf freie Meinungsäußerung ausüben und z.B. an einer Nacktdemo mitmachen? Darf ich als Mitarbeiter eines Stromunternehmens nicht an einer Anti-Kernkraft-Demo teilnehmen?

    Es mag ja sein, dass das alles rufschädigend ist, wenn ich dabei offensichtlich das Firmenlogo trage oder meine Business-Visitenkarte verteile. Aber wenn ich das privat mache, sollte das meiner Ansicht nach meinen Arbeitgeber nichts angehen.

    5 Leserempfehlungen
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    Unsittliches Verhalten ist ansich völlig unschädlich, es dreht sich nur um die Frage, ob in der Folge davon dem Unternehmer Rufschaden ensteht.

    Wer also ins Bordell geht, schadet wohl kaum dem Unternehmer, sofern es nicht gerade ein bekanntes Aufsichtsratmitglied ist. Aber abgesehen davon wird das in der heutigen Zeit kaum noch unter "unsittlich" fallen.

  1. "Wer definiert nun den unsittlichen Lebensstil?"

    Nun ich denke das sich soetwas einfach Deffinieren lässt. Jemand gegen selbigen wegen Kinderpornografie ermittelt wird zum Beispiel wird sofort von mir Freigestellt. Punkt ende aus.

    Auch, ich Arbeite im PR Berreich ein Mitarbeiter der mit einem Kunden betraut ist der zum Beispiel AKW´s Baut und auf Anti AKW Demos sich Herrvortuen möchte ist für mich in der Position nicht haltbar.

    Zum Thema Leasing ist zu sagen, das wir als Unternehmen Verträge mit Leasingfirmen haben wie Banken auch. Siehe Zeitung FLF (Finanzierung Leasing Factoring) diese Rabatte die wir erhalten geben wir an Mitarbeiter weiter. Das hier die Bank äusserst ungeschickt agiert hat, würde ich bejahen bei uns gibt es einen Hausprospekt der Regelmässig Aktuallisiert wird in dem Solche Angebote stehen.

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    Sauer aufgestoßen ist mir das: "gegen den ermittelt wird". Die Unschuldsvermutung - ein zentrales Element des Rechtsstaats - wiegt also geringer als die ökonomische Erwägung. Nicht jeder, der einmal im Verdacht stand, ist auch schuldig.
    Und zur Anti-AKW-Sache: Es ist völlig verständlich, dass AKW-PR-Aufgaben sich mit einer Anti-AKW-Demo nicht vereinbareb lassen. Nur: Der Mitarbeiter ist ja weisungsabhängig. In wie weit wird von Ihnen aktzeptiert, wenn ein Mitarbeiter einen Klienten nicht vertreten möchte, der seinen eigenen Überzeugungen diametral entegensteht? Mit welchen Konsequenzen müsste er rechnen?

    Kinderpornographie ist nicht unsittlich, sondern illegal, deshalb kann man das nicht vergleichen.
    Trotzdem darf man denjenigen sicher nicht rausschmeißen, wenn gegen ihn ermittelt wird, denn noch könnte er ja unschuldig sein.

    Unsittlicher Lebensstil als Kündigungsgrund wäre vermutlich öffentliches Auftreten in Begleitung einer leichtbekleideten Prostituierten seitens eines verheirateten Verwaltungsangestellten eines kirchlichen Krankenhauses.

  2. Unsittliches Verhalten ist ansich völlig unschädlich, es dreht sich nur um die Frage, ob in der Folge davon dem Unternehmer Rufschaden ensteht.

    Wer also ins Bordell geht, schadet wohl kaum dem Unternehmer, sofern es nicht gerade ein bekanntes Aufsichtsratmitglied ist. Aber abgesehen davon wird das in der heutigen Zeit kaum noch unter "unsittlich" fallen.

    • ztlos
    • 24. Januar 2013 21:07 Uhr

    Hab ich etwas übersehen? Wie soll man denn beim Auto-Leasing den überproportionalen Werteverlust eines Neuwagens umgehen können? Wer trägt denn den Wertverlust?

    • klunjes
    • 24. Januar 2013 23:56 Uhr

    Das ist doch mal ein gelungenes Beispiel dafür, mit welcher Fürsorge sich so mancher Arbeitgeber sogar um die privaten Belange der Mitarbeiter kümmert. Bald dürfen wir auch unsere Stuhfarbe mitteilen. Ich finde es gut, wenn AG-Wolf völlig selbstlos seinen AN-Schäfchen eine betriebsdienende private Lebensführung vorschreibt. Schon vergessen? So macht es doch auch jeder Bauer mit seinem Vieh im Massenstall, bis es schlachtreif ist. Und Sklaven wurden sogar verprügelt, wenn sie sich ein Auto ohne die Zustimmung des Massers leasten. Aber zum Glück ist diese präkapitalistische Epoche vorbei und wir dürfen mit den aus der Zeit gewonnenen zielstrebigen Erkenntnissen heute unsere Arbeit wenigstens mit einem Mindestlohn verrichten. Na, wenn das kein Fortschritt im Sinne von Humanität ist..?

    3 Leserempfehlungen
  3. Sauer aufgestoßen ist mir das: "gegen den ermittelt wird". Die Unschuldsvermutung - ein zentrales Element des Rechtsstaats - wiegt also geringer als die ökonomische Erwägung. Nicht jeder, der einmal im Verdacht stand, ist auch schuldig.
    Und zur Anti-AKW-Sache: Es ist völlig verständlich, dass AKW-PR-Aufgaben sich mit einer Anti-AKW-Demo nicht vereinbareb lassen. Nur: Der Mitarbeiter ist ja weisungsabhängig. In wie weit wird von Ihnen aktzeptiert, wenn ein Mitarbeiter einen Klienten nicht vertreten möchte, der seinen eigenen Überzeugungen diametral entegensteht? Mit welchen Konsequenzen müsste er rechnen?

    Antwort auf "Gedanken,"

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  • Serie Fragen zum Arbeitsrecht
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  • Schlagworte Ulf Weigelt | Arbeitgeber | Arbeitnehmer | Auto | Freizeit | Leasing
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