Ich bin Student in einem dualen Studium mit einer Ausbildungsvergütung (sowohl für die Praxis- als auch Theoriephase). Den Mitarbeitern in unserem Betrieb stehen 30 Tage Urlaub zu. Da ich aber aufgrund meiner Ausbildung nur die halbe Zeit im Unternehmen bin, stehen mir auch nur 15 Tage Urlaub zu, behauptet mein Chef. Muss ich das akzeptieren?, fragt Stefan Schubert aus Rottweil.

Sehr geehrter Herr Schubert,

Auszubildende, die noch nicht das 18. Lebensjahr erreicht haben, fallen unter die Mindesturlaubsregelungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes. Der § 19 des Jugendarbeitsschutzgesetzes schreibt Arbeitgebern vor, Jugendlichen für jedes Kalenderjahr einen bezahlten Erholungsurlaub zu gewähren. Nach Absatz 2 des § 19 müssen Unternehmen Jugendlichen jährlich mindestens 30 Werktage Urlaub gewähren, wenn der Azubi zu Beginn des Kalenderjahrs noch nicht 16 Jahre alt ist. Ist er zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 17 Jahre alt, stehen ihm mindestens 27 Werktage Urlaub jährlich zu.

Hat er noch nicht das 18. Lebensjahr erreicht, stehen ihm mindestens 25 Werktage pro Jahr zu. Auszubildende, die im Bergbau tätig sind, erhalten in jeder Altersgruppe zusätzliche drei Werktage Urlaub jährlich.

Und Auszubildende, die zu Beginn des Kalenderjahres das 18. Lebensjahr bereits vollendet haben, haben einen gesetzlichen Mindesturlaub von 24 Werktagen pro Jahr – es sei denn, ein Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung sehen hier mehr Urlaubstage vor.

Ferner müssen Unternehmen den Urlaub ihrer Auszubildenden in der Zeit der Berufsschulferien gewähren. Findet der Urlaub nicht innerhalb der Ferienzeit statt, muss der Azubi während seines Urlaubs die Berufsschule besuchen. Daher steht ihm für jeden Berufsschultag ein weiterer Tag Urlaub zu.

Zu Ihrem Fall: Auch als Student in einem dualen Studium gelten Sie arbeitsrechtlich als Auszubildender im Unternehmen. Hieraus lässt sich schlussfolgern, dass auch Sie ebenso Anspruch auf den gesetzlichen Mindesturlaub haben. Ihr Chef liegt mit seiner Argumentation also falsch und muss Sie genauso wie andere Auszubildenden im Betrieb behandeln.

Sprechen Sie dieses Problem in einem persönlichen Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten noch einmal an und schildern Sie ihm die Rechtslage. Auch sollten Sie anschließend Ihre Differenzurlaubstage zeitnah schriftlich und nachweislich geltend machen.

Ihr Ulf Weigelt