BrunnenbauerBohren, rechnen, bohren

Brunnenbauer bauen Brunnen – so war es früher. Heute ist der Job vielfältiger geworden. Körperlich anstrengend ist er aber immer noch, zeigt unser Beruf der Woche. von 

Mit großem Getöse wühlt sich der stählerne Bohrmeißel langsam in die Erde. Der Boden erzittert. Ein Brauchwasserbrunnen für einen Kunden soll erschlossen werden. Etwa 30 Meter tief muss dafür gebohrt werden. Eigentlich eine Routinebohrung. Berechnungen vorab haben aber gezeigt, dass sich in etwa 20 Metern Tiefe eine harte Gesteinsschicht befindet. Nicht ganz einfach für das Bohrgerät.

"Trotz aller Berechnungen birgt das Bohren immer wieder Überraschungen. Wir wissen nicht genau, was uns beim Bohren erwartet", sagt Elke Fluhme, Brunnenbauermeisterin und Vorsitzende der Bundesfachgruppe Brunnenbau, Spezialtiefbau und Geotechnik im Zentralverband des Deutschen Baugewerbes. Und das trotz innovativer Technik. Denn was früher mit Spitzhacke und Schaufel geschah, wird heute mittels hochmoderner Bohrgeräte erledigt.

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Den Beruf des Brunnenbauers gibt es schon seit Jahrhunderten. Ging es früher ausschließlich darum, neue Frischwasserquellen zugänglich zu machen, ist das Aufgabenfeld heute vielfältig. Außer Trinkwasser-, Garten- und Brauchwasserbrunnen zu erschließen, zählen auch Baugrunderkundung, geologische Probenentnahme, Wasserqualitätsprüfungen, Grundwasserabsenkung – etwa zur statischen Sicherung eines Gebäudes – sowie die Rohstofflagerstättenerkundung zum Aufgabengebiet. Auch werden Pumpen und Förderungsanlangen von Brunnenbauern installiert.

Beruf der Woche

© Tim Boyle/Getty Images

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Die Experten nutzen dazu verschiedene Bohrverfahren und Geräte unterschiedlichster Größen. Ein Beispiel ist das Spülbohrverfahren, bei dem mithilfe von Wasser durch das Bohren gelöste Erde und Gestein an die Oberfläche getrieben wird. Zum Bohren wird oft ein Rollenmeißel verwendet. Er ist an der Spitze mit drei drehbaren Kegelrollen versehen, auf denen wiederum mehrere Hartmetallzähne angebracht sind. Der Rollenmeißel wird meist für harte Gesteinsschichten verwendet.

Trotz Technik bleibt es Handwerk

"Die Technik ist sehr vielfältig, deshalb spezialisieren sich Unternehmen oft auf bestimmte Bohrtechniken", sagt Fluhme. Egal, worum es geht, Vorsicht ist immer geboten. Es gebe verschiedene Grundwasserschichten, die nicht miteinander verbunden werden sollten. Zusätzlich sollten Brunnenbauer fit in Mathematik und Physik sein. Denn vor jeder Bohrung stehen umfangreiche Berechnungen auf dem Programm. Wie stark ist der Auftrieb? Wie groß muss der Durchmesser der Rohre sein? Welche Filter sollten verwendet werden?

Auch Zeichnen gehört zum Beruf, heute allerdings weniger mit der Hand, sondern mittels spezieller Computerprogramme, anhand derer die Bodenverhältnisse und Bohrungen dargestellt werden. Zudem sollte ein gewisses Maß an technischem Verständnis, handwerklichem Geschick und körperliche Robustheit vorhanden sein. "Trotz aller Technik ist dieser Job immer noch ein Handwerksberuf und mit körperlicher Arbeit verbunden."

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